​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Dezember 2016

Forschung

Dez 6 2016
11:39

Neuartige Peptidklasse aus Bakterien ist ein effektives Insektengift

Wirkstoffe aus der Natur: kleine Mengen mit großer Vielfalt

FRANKFURT. Die Natur produziert oft ein ganzes Arsenal an Wirkstoffen, um für den Ernstfall gut vorbereitet zu sein. Daran nehmen sich Pharmazeuten und Mediziner inzwischen ein Beispiel, denn gegen einzelne Wirkstoffe entwickeln Erreger leichter Resistenzen. Die Arbeitsgruppe von Prof. Helge Bode hat jetzt eine ganze Klasse neuartiger Peptid-Wirkstoffe entdeckt, mit denen Bakterien Insektenlarven töten.

Die als Rhabdopeptid/Xenortid-Peptide (RXP) bezeichneten Peptide werden ausschließlich von Bakterien der Gattungen Photorhabdus und Xenorhabdus produziert. Diese leben in Symbiose mit Fadenwürmern, mit denen sie in Insektenlarven gelangen und diese töten. Da viele RXPs für Zellen höherer Lebewesen (z.B. Insektenzellen oder generell Eukaryonten) giftig sind und von vielen Xenorhabdus- und Photorhabdus-Arten produziert werden, spielen sie vermutlich bei der Infektion eine sehr wichtige Rolle.

Eine einzige Bakterienart kann bis zu 40 RXP-Derivate produzieren. Wie die Gruppe von Prof. Helge B. Bode, Merck-Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie an der Goethe-Universität, in der aktuellen Ausgabe von Nature Chemistry berichtet, ist das Besondere daran, dass dazu nur maximal vier Enzyme notwendig sind. Bode vergleicht sie mit klassischen chemischen Katalysatoren für die Bildung von Polymerketten. Seiner Gruppe gelang es, die Mechanismen für die Erzeugung der ungewöhnlich hohen chemischen RXP-Vielfalt aufzuklären.

Warum die Bakterien gleich eine ganze Bibliothek von RXPs produzieren, erklären die Forscher damit, dass diese nicht kontrollieren können, in welche Insektenlarve sie von ihrem Nematodenwirt gebracht werden. Um überleben zu können, müssen die aber in der Lage sein, dieses Insekt schnell und effektiv zu töten und adressieren dazu mit der Mischung an Substanzen vielleicht ganz unterschiedliche Wirkorte in den Insektenzellen gleichzeitig. „Man kann sich das so vorstellen, wie den Schuss mit einem Schrotgewehr“ erklärt Bode, „auch wenn man kein so guter Schütze ist, hat man durch die Streuung der vielen Kugeln eine große Chance, dass mindestens eine Kugel das Ziel trifft!“.

In Zukunft geht es nun darum, den genauen Wirkort der RXPs zu identifizieren und über Struktur-Wirkungsanalysen besonders potente Derivate zu identifizieren, die dann biotechnologisch oder chemisch erzeugt und möglicherweise als Insektizide eingesetzt werden können.

Publikation: Xiaofeng Cai, Sarah Nowak, Frank Wesche, Iris Bischoff, Marcel Kaiser, Robert Fürst and Helge. B. Bode: Entomopathogenic bacteria use multiple mechanisms for bioactive peptide library design, in: Nature Chemistry, DOI: 10.1038/NCHEM.2671

Ein Bild zum Download finden Sie unter:http://www.uni-frankfurt.de/64290802

Informationen: Prof. Dr. Helge Bode, Merck-Stiftungsprofessur für Molekulare Biotechnologie, Tel.: (069)798-29557, H.Bode@bio.uni-frankfurt.de.

Forschung

Dez 5 2016
13:21

Erstes mathematisches Modell simuliert wie die Zelle bakterielle Erreger verdaut

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

FRANKFURT. Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die Eindringlinge verteidigen, indem sie die Bakterien in speziellen Zellorganellen, den Autophagosomen, einschließen und durch die Verschmelzung mit andern Zellorganellen, den Lysosomen, verdauen. Um neue Therapien gegen Salmonellen zu finden, ist es wichtig, diesen als Xenophagie bekannten Prozess besser zu verstehen.

Wie die Bioinformatik-Gruppe von Prof. Ina Koch in der aktuellen Ausgabe von „PLOS Computational Biology“ berichtet, hat sie in Zusammenarbeit mit dem Molekularbiologen Prof. Ivan Dikic vom Institut für Biochemie II ein mathematisches Modell der Xenophagie erstellt. In der Studie kombinieren die Forscherinnen und Forscher bereits bekanntes Wissen über die molekularen Interaktionen mit einer Methode aus der Informatik, den Petri-Netzen. Diese finden in der theoretischen Biologie zunehmend Anwendung.

Um das Modell zu überprüfen, simulierten die Bioinformatiker, was passieren würde, wenn Proteine des Xenophagie-Signalweges ausgeschaltet werden – diese Technik nennt man „in silico-Knockout“. Die in silico-Vorhersagen stimmten mit  den Ergebnissen von Studien überein, in denen Proteine experimentell ausgeschaltet wurden. Diese Übereinstimmung bestätigt, dass das Modell die bekannten Teile des Xenophagie-Prozesses gut reproduziert. 

Zusätzlich schlugen die Bioinformatiker einen neuen Mechanismus für ein Protein vor, das am Xenophagie-Prozess beteiligt ist. Diese und andere durch in silico-Knockout vorgeschlagenen Hypothesen geben den Forschern im Labor wertvolle Hinweise für zukünftige Experimente. 

“Die in silico-Knockout-Experimente stellen Hypothesen für zukünftige experimentelle Studien auf, die zu einem besseren Verständnis der zellulären, antibakteriellen Verteidigung beitragen können”, erläutert Erst-Autorin Jennifer Scheidel.

Publikation: Scheidel J, Amstein L, Ackermann J, Dikic I, Koch I (2016) In Silico Knockout Studies of Xenophagic Capturing of Salmonella. PLoS Comput Biol 12(12): e1005200. doi:10.1371/ journal.pcbi.1005200

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/64275802

Bildtext: Mathematisches Modell des Verteidigungsmechanismus gegen Salmonellen, die Xenophagie

Informationen: Prof. Dr. Ina Koch, Molekulare Bioinformatik, Institut für Informatik, (069) 798 24651, ina.koch@bioinformatik.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Dez 5 2016
12:14

Weihnachtsvorlesung der Pharmazie zu Leben und Leiden der Stars

David Bowie – Opfer der heute heilbaren Hepatitis

FRANKFURT. David Bowie und die Folgeerkrankungen der Hepatitis C sind das Thema der diesjährigen Weihnachtsvorlesung der Pharmazeuten Prof. Theo Dingermann und Prof. Dieter Steinhilber. Der Musiker, Sänger, Produzent und Schauspieler starb im Januar dieses Jahres an Leberkrebs – 18 Monate nach der Diagnose. Zu dem Vortrag sind alle Interessierten eingeladen:

Was?            „Das Problem der frühen Geburt – David Bowie. Opfer der heute heilbaren Hepatitis“
                      Weihnachtsvorlesung der Pharmazie
Wann?          Dienstag, 13. Dezember, 11 Uhr (c.t.)
Wo?              Biozentrum, Hörsaal B1, Campus Riedberg.

Mit ihrem Titel weisen die Pharmazeuten auf den Ursprung der Erkrankung hin, die Hepatitis C. Heute können 95 bis 99 Prozent aller Hepatitis-C-Patienten mit der Wirkstoffkombination aus Sofosbuvir und Velpatasvir geheilt werden, so dass Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs nicht auftreten. Das Universitätsklinikum Frankfurt hat federführend zu einer Studie mit dieser Wirkstoffkombination beigetragen, die vor einem Jahr in New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Dingermann und Steinhilber werden die Ursachen der Hepatitis erklären, die physiologischen Prozesse in der Leber schildern und auf die Folgeerkrankungen eingehen. Die fachliche Information wechselt ab mit der abschnittsweisen Erzählung von David Bowies Biografie und vielen Musikbeispielen, die der Weihnachtsvorlesung ihren besonderen Charakter verleihen.

Informationen: Dr. Ilse Zündorf, Institut für Pharmazeutische Biologie Goethe-Universität Frankfurt a.M., Max-von-Laue-Str. 9, 60438 Frankfurt, Tel. (069) 79829648, zuendorf@em.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Dez 2 2016
11:33

Studiengang Curatorial Studies zeigt „After facts“: Zehn Positionen internationaler Künstler im Frankfurter Westend

Kunstausstellung in ehemaliger Apotheke

FRANKFURT. Studierende der Curatorial Studies der Goethe-Universität und der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule haben gemeinsam die Ausstellung „After facts – Pudding Explosion rearticulated“ kuratiert. Die Gruppenausstellung zeigt zehn Positionen internationaler Künstler in einer ehemaligen Apotheke im Frankfurter Westend. 

Ausgangspunkt des Projektes ist der „Headshop Pudding Explosion“, den der Konzeptkünstler Peter Roehr gemeinsam mit seinem späteren Galeristen Paul Maenz 1968 in der Frankfurter Innenstadt eröffnete. Das Warensortiment reichte von Pop-Devotionalien wie Musik und Buttons bis hin zu internationalen Zeitungen, maoistischen Manifesten oder selbst produziertem Anti-Nazi-Spray. So versorgte der Laden die Jugend- und Gegenkultur mit identitätsstiftenden Objekten, Informationen sowie Überzeugungen. Fast fünf Jahrzehnte später widmet sich die Ausstellung „After facts“ einer Aktualisierung des alternativen Ladenkonzeptes und fragt nach der Relevanz von Meinungen gegenüber Fakten im digitalen Zeitalter. In einer leerstehenden Geschäftsfläche werden ausgewählte künstlerische Positionen ausgestellt. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähern sie sich den heutigen Mechanismen von Informations- und Warenaustausch. Begleitend zur Ausstellung  wurde eine Zeitung entworfen, die von den Besuchern mitgenommen werden kann.

„After facts – Pudding Explosion rearticulated“
Die Ausstellung läuft vom 9. bis zum 18. Dezember 2016, Mendelssohnstr. 56, Frankfurt Westend.
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 14-19.00 Uhr. Eintritt ist frei.
Eröffnung: 8. Dezember, 19 Uhr.
Rahmenprogramm: 8. Dezember, 20.00 Uhr: Performance von Luzie Meyer; 18. Dezember, 14-18 Uhr: Glühwein und Kekse; 15.00 Uhr: Performance von Luzie Meyer.

„After facts – Pudding Explosion rearticulated“ wird ermöglicht durch die Dr. Marschner Stiftung und die Aventis Foundation, mit freundlicher Unterstützung des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

Der Studiengang Curatorial Studien an der Goethe-Universität zeichnet sich durch die international einzigartige Verbindung zwischen Universität, Kunstakademie und Museen aus. Durch innovative Lehrformate können Studierenden akademisches Lernen und wissenschaftliche Forschung mit kuratorischen Fragestellungen und berufsbezogenen Erfahrungen verbinden.Der Studiengang wird unterstützt durch die DZ Bank Stiftung, die Adolf Messer Stiftung und die Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung.

Weitere Informationen: Katrina Weissenborn, PR & Öffentlichkeitsarbeit. After facts — Pudding Explosion rearticulated. Tel. 0176- 31450787; Mail: afterfacts.presse@gmail.com

Personalia/Preise

Dez 1 2016
14:52

Konzept für UBAUT-Netzwerke gewinnt beim Ideenwettbewerb „Internationales Forschungsmarketing“ Preisgeld von 100.000 Euro

Goethe-Universität im DFG-Ideenwettbewerb erfolgreich

FRANKFURT.Die Goethe-Universität ist eine der Preisträgerinnen im diesjährigen Ideenwettbewerb „Internationales Forschungsmarketing“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Das erfolgreiche Konzept „Let’s talk about UBAUT/Hingeschaut mit UBAUT“, das vom Institut für Biochemie II unter der Leitung von Prof. Ivan Dikic in Zusammenarbeit mit den zentralen Abteilungen der Goethe-Universität für Internationalisierung, Presse und Kommunikation und weiteren Forschungsinstitutionen aus der Region initiiert wurde, erhält ein Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro. UBAUT steht für Ubiquitin- und Autophagieforschung: Dieser noch junge Schwerpunkt soll mit gezielten internationalen Marketing-Maßnahmen den Forschungsstandort Rhein-Main international noch sichtbarer machen. Die DFG fördert mit dem Ideenwettbewerb die Umsetzung besonders erfolgversprechender Konzepte für internationales Forschungsmarketing, die Auswahl erfolgt jeweils durch eine Jury.

Zum Hintergrund: In den vergangenen Jahren ist in der Rhein-Main-Region ein stark positioniertes Netzwerk in der Ubiquitin- und Autophagieforschung (UBAUT) entstanden. Im Zentrum dieser Entwicklung stehen der LOEWE-Schwerpunkt „Ubiquitin-Netzwerke“ und der Sonderforschungsbereich (SFB) 1177 zur selektiven Autophagie (beide unter Sprecherschaft von Ivan Dikic). Strategische Berufungen von Wissenschaftlern und erhebliche Investitionen in neue Forschungsgebäude und technologische Plattformen durch die Goethe-Universität Frankfurt haben maßgeblich zu dieser Schwerpunktbildung beigetragen.

Im Gegensatz zu konventionellen Marketingstrategien sieht das Konzept für „Let’s talk about UBAUT/Hingeschaut mit UBAUT“ eine Sichtbarmachung von Forschung vor, die von der Wissenschaft und den Wissenschaftlern ausgeht, also „bottom up“ erfolgt. Künftige Maßnahmen des UBAUT-Netzwerks sind beispielsweise ein „Ambassador Program“: So sollen Wissenschaftler der beteiligten Institutionen als Botschafter das Netzwerk an Spitzenuniversitäten der San Francisco Bay Area und der Region Boston vorstellen. Umgekehrt soll über ein Stipendien-Programm jungen Wissenschaftlern aus den USA die Möglichkeit geboten werden, im Rahmen eines Besuchsprogramms den Forschungsstandort Rhein-Main kennenzulernen. Ebenfalls geplant ist eine Klausurtagung der deutschen UBAUT-Projektleiter an der US-Westküste, um mit dortigen Meinungsbildnern über den wissenschaftlichen Ertrag des UBAUT-Netzwerks und die künftige Strategie zu diskutieren.

„Wir freuen uns außerordentlich über diesen Erfolg. Das Marketingkonzept von UBAUT leistet einen hervorragenden Beitrag zum Internationalisierungs-Mainstreaming der Goethe-Universität, da es die Akzeptanz internationaler Denkweisen und die Offenheit und Gleichbehandlung der beteiligten internationalen Gruppen als integralen Bestandteil in seinem Konzept beinhaltet,“ unterstreicht die Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Internationalisierung, Prof. Brigitte Haar.

Weitere Informationen: Dr. Kerstin Koch, Scientific Manager, Institut für Biochemie 2, Fachbereich Medizin, Universitätsklinikum Frankfurt. Tel. (069) 6301 84250,  k.koch@em.uni-frankfurt.de