​​​​​Pressemitteilungen ​ – August 2017

Veranstaltungen

Aug 30 2017
10:19

Vortrag des Trienter Historikers Gustavo Corni am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

Späte Kolonialmacht: Wie Italien Äthiopien erobert hat

BAD HOMBURG. Unter Benito Mussolini trat Italien als späte Kolonialmacht auf und eroberte Äthiopien, das Land am Horn von Afrika. Wie Diktatur und Kolonialismus miteinander verflochten waren, darüber spricht der Trienter Historiker Prof. Gustavo Corni am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg.

Der pittoreske Palazzo auf der berühmten Piazza Venezia in Rom war zur Zeit des italienischen Faschismus Regierungssitz Benito Mussolinis. Vom Balkon aus sprach er gerne zu den Massen – so auch am 9. Mai des Jahres 1936: Der Diktator proklamierte im Anschluss an die Besetzung der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die Wiedergeburt des altrömischen Kaiserreiches. Diese verspätete kolonialistische Eroberung, getarnt durch die Bezeichnung „Krieg von Äthiopien“, war die Vollendung der imperialistischen Dynamik Italiens im sogenannten „Horn von Afrika“. Italien hinkte dem europäischen Imperialismus, der am Ende des 19. Jahrhunderts bereits seinen Höhepunkt erreicht hatte, zeitlich hinterher. Aber die Eroberung Äthiopiens war anders angelegt: Mussolinis Massendiktatur unterschied sich grundlegend von den Nationalstaaten des vorhergehenden Jahrhunderts. Gustavo Corni, Experte für die Geschichte der Diktaturen im 20. Jahrhundert, wird in seinem Vortrag die problematische Verflechtung von Kolonialismus und Diktatur analysieren.

Zum Vortrag 

„Ein Kolonialreich als late comer: Italien in Äthiopien“ am Dienstag, 5. September, um 19 Uhr, im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, Bad Homburg 

lädt das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften ganz herzlich ein.

Gustavo Corni ist Professor für Zeitgeschichte an der Universität Trient. Er war 2014 am Historischen Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften Gastwissenschaftler des Themenjahres „Die Welt von 1914“. Während seines Aufenthaltes arbeitete er an einer Monographie zur Geschichte des Nazismus, die kurz darauf erschienen ist (Gustavo Corni, Breve storia del nazismo: 1920-1945. Bologna: Il Mulino 2015). Aktuell forscht er zum Thema „Der italienische Faschismus und der Traum von einem neuen Imperium“ und ist im September im Rahmen des Themenjahres „Imperien und ihr Ende“ Fellow des Historischen Kollegs.

Die Programmbeauftragten für das aktuelle Themenjahr „Imperien und ihr Ende“ sind Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Goethe-Universität, und Thomas Duve, Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte und Professor für vergleichende Rechtsgeschichte an der Goethe-Universität. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg 2014 das Historische Kolleg ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte an der Goethe-Universität. Hauptförderin des Historischen Kollegs ist die Dagmar-Westberg-Stiftung.

Bitte melden Sie sich zum Vortrag an unter: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Ellinor Schweighöfer, Tel.: 06172-13977-14 oder -0, schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de.

Veranstaltungen

Aug 24 2017
13:21

„E-Health“ ist Thema der 6. Jahrestagung des House of Pharma & Healthcare

Was bringt die Digitalisierung den Patienten?

FRANKFURT. Die Digitalisierung der Medizin und die Qualität von Ausbildung und Forschung am Pharmastandort Deutschland sind die beiden Schwerpunktthemen der 6. Jahrestagung des House of Pharma. Ihnen sind insgesamt fünf Plenarveranstaltungen gewidmet. Sieben weitere aktuelle Themen werden in zwei parallelen Workshop-Sitzungen diskutiert. Mit mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat sich die Jahrestagung zu einer der führenden Pharmakonferenzen Deutschlands entwickelt. Sie findet statt

am 4. September, 19 Uhr, und 5. September, 9 bis 16 Uhr
im Casino, Campus Westend, Goethe-Universität Frankfurt.

Wie in allen Lebensbereichen, wächst auch in der Medizin die Menge digital erhobener und übermittelter Daten exponentiell. Die dazugehörige Hard- und Software wird immer ausgefeilter. Diabetiker können beispielsweise schon heute ihre Blutzuckerwerte mit Apps auf mobilen Geräten messen und dank digitaler Beratung steuern. Schnell werden sich Gesundheits-Apps für Prävention, Diagnostik und Therapie auf viele Indikationsbereiche ausdehnen und die traditionelle Arztrolle in Frage stellen. Elektronische Sprechstunden werden in absehbarer Zeit zum medizinischen Alltag gehören. Gleichzeitig werden Big Data effektivere Therapien ermöglichen. Denn je besser es gelingt, aus der Analyse von Datenströmen sinnvolle Informationen zu filtern, desto individueller werden komplexe Krankheiten wie Krebs behandelt werden können.

Das Programm am 5. September

Zum Auftakt geht es um die Qualität der Ausbildung und Forschung in Deutschland. Genügt sie den Anforderungen, die der globale Wettbewerb um die besten Köpfe und Konzepte für die Medizin von morgen stellt? Nach einem Impulsvortrag des Direktors des Institute for Translational Medicine and Therapeutics der University of Pennsylvania (um 9 Uhr) diskutieren diese Frage Vertreter von Pharmaunternehmen sowie universitärer und außeruniversitärer Forschung in einer Podiumsdiskussion (9.20 Uhr). Ein positives Ausrufezeichen setzen im Anschluss daran fünf Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher: In einem „Science Slam“-Wettbewerb präsentieren sie ihre biomedizinischen Forschungsprojekte in je dreiminütigen „Elevator Pitches“.

Welche Chancen die digitale Revolution eröffnet, wird der Vorstandsvorsitzende der Roche AG, Dr. Christoph Franz, um 10.45 Uhr erläutern.

Die mit „E-Health“ verknüpften juristischen Probleme sind Thema in der Keynote von Dr. Wolfgang Rehmann aus der Kanzlei Taylor Wessing (13.45 Uhr). Im Mittelpunkt einer abschließenden Podiumsdiskussion um 14 Uhr steht die wichtige und gesellschaftlich entscheidende Frage, welchen Nutzen die Digitalisierung für den Patienten hat.

Die Jahrestagung beginnt am 4. September mit einem Vorabendempfang auf Einladung der Hessischen Landesregierung, die durch ihren Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, vertreten sein wird. Nach dessen Grußwort wird Prof. Dr. Dr. Gerd Geißlinger, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie der Goethe-Universität, das Konzept des „Deutschen Patientenpreises“ vorstellen und mit Mitgliedern der Jury diskutieren. Dieser Patientenpreis soll erstmals im Jahr 2018 gemeinsam vom House of Pharma & Healthcare und der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ verliehen werden.

Das detaillierte Programm der Jahrestagung finden Sie unter www.convent.de/pharma.

Information: Joachim Pietzsch, Pressestelle des House of Pharma & Healthcare e.V., Tel.: (069) 36007188, presse@houseofpharma.de

Sonstige

Aug 24 2017
13:19

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff bei GAIN-Tagung in San Francisco

Goethe-Uni auf Internationalisierungskurs

FRANKFURT. Spitzenvertreter der wichtigsten deutschen Wissenschaftsorganisationen (z.B. DAAD, HRK) treffen sich vom 24.-28.8. zur jährlichen GAIN (German Academic International Network)-Jahrestagung in San Francisco. Bei der viertägigen Zusammenkunft geht es insbesondere um das Kennenlernen und ggf. Gewinnen wissenschaftlicher Nachwuchskräfte, aber auch den Austausch mit deutschen und amerikanischen Fachvertretern aus Wissenschaft und Industrie.

Auf dem Programm stehen u.a. Workshops zu Themen wie „Mentoring“ oder „Karrierewege in Forschungsuniversitäten“. Auch ein Workshop der 15 großen deutschen Forschungs-Universitäten (U15) unter Beteiligung der Goethe-Universität ist geplant („Im Gespräch mit den Leitungspitzen der U15“). Besonderer Länderschwerpunkt in diesem Jahr: Das Land Hessen und seine Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen.

Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, die in der hessischen Landesdelegation mit Wissenschaftsminister Boris Rhein nach San Francisco reist, sagte: „Hessens Wissenschaftseinrichtungen und die Goethe-Universität sind für ambitionierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt ein attraktives Ziel. Von der Reise verspreche ich mir, unsere Stärken und die Chancen, die wir bieten, noch besser zu kommunizieren. Auch freue ich mich auf den Dialog mit Vertretern deutscher und amerikanischer Universitäten und Wissenschaftsorganisationen.“

An der Goethe-Universität haben rund 15 % der rund 47.000 Studierenden einen ausländischen Pass. Ein Drittel und mehr aller Berufungen an die Goethe-Universität sind internationale Berufungen (seit 2011). 2013 betrug der Anteil internationaler Forschender an den Neuberufenen 52 Prozent.

Veranstaltungen

Aug 17 2017
10:46

Neue Broschüre „Uni-Events“ listet Angebote für Kinder und Jugendliche auf

Was die Goethe-Uni Schülern zu bieten hat

FRANKFURT. Kinder-Uni, Schülerlabore, Science-Tours – an der Goethe-Universität finden Kinder und Jugendliche viele Möglichkeiten, altersgerecht zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Die unterschiedlichen Angebote sind jetzt wieder in der Broschüre „Uni-Events“ versammelt.

Alle jährlichen Veranstaltungen und Angebote für Schülerinnen und Schüler auf einen Blick, das bietet die neue Broschüre, die sich vor allem an Lehrerinnen und Lehrer wendet, aber auch an Eltern und Familien. Einige neue Programme sind in diesem Jahr hinzugekommen.

Für die Jüngeren bietet die Kinder-Uni vom 12. bis 15. September spannende Vorträge zu verschiedenen Wissensbereichen. In Schülerlaboren und anderen Experimentalveranstaltungen erleben Mädchen und Jungen unterschiedlicher Altersgruppen Wissenschaft hautnah. In Kooperation mit Schulen stellen die Angebote der Goethe-Universität eine Ergänzung zum schulischen Unterricht dar oder bieten Entwicklungsmöglichkeiten für besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Ältere Schülerinnen und Schüler können den Unialltag live erleben bei Veranstaltungen wie Schnuppertagen oder dem Schülerstudium. In der Endphase der Schulzeit beantworten Informations- und Mitmachveranstaltungen Fragen rund um Studien- und Berufswahl.

Für eine bessere Übersicht und Planung des Schuljahres wurden die Angebote im Inhaltsverzeichnis mit Terminen versehen sowie mit Icons, die eine einfache Zuordnung zu Klassenstufen, Aktionskategorien, Themengebieten und Anmeldemodalitäten zulassen. Neu ist auch die Kategorie „Fortbildungen für Lehrkräfte“.

Die Broschüre ist erhältlich bei Susanne Mombers, Studienberaterin/ Projektkoordination Schulpartnerschaften, E-Mail: ssc-schulpartnerschaften@uni-frankfurt.de

Im Internet gibt es die Broschüre zum Download unter www.schule.uni-frankfurt.de (bzw. http://www.uni-frankfurt.de/63757421/uni-events)

Weitere Informationen: Susanne Mombers, Studienberaterin, Zentrale Studienberatung, Bereich Studien-Service-Center, Campus Westend, Telefon: 069-798-17384, eMail: mombers@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Aug 8 2017
12:00

Psychosoziale Beratungsstelle der Goethe-Universität beteiligt sich an bundesweiter Studie

Was geflüchtete Frauen in Frankfurt besonders bedrückt

FRANKFURT. „Bei mir ist alles gut!“, haben die meisten der 106 geflüchteten Frauen zunächst geantwortet, als sie in ihren Unterkünften von Muttersprachlern und Psychologen der Psychosozialen Beratungsstelle für Flüchtlinge der Goethe-Universität befragt wurden. „Doch in längeren Gesprächen begannen viele der Frauen zu weinen, sprachen über Ängste und Traumata – erlebt in Krieg und Flucht, von Situationen, mit denen sie in Deutschland nicht zurechtkommen. Sie waren aber auch gleichzeitig erleichtert, dass sie ohne Sprachbarrieren zwei bis drei Stunden intensiv reden konnten und ihnen zugehört wurde“, berichtet Dr. Jana Gutermann, Leiterin der Frankfurter Studie zur psychosozialen Lage von geflüchteten Frauen.

In einer Diskussion wies Sozialdezernentin Prof. Dr. Birkenfeld erst kürzlich auf die Bedeutung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen in Frankfurt hin: „Wir haben in den Kommunalen Standards für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen und in der täglichen Praxis die Personengruppen besonders im Blick, für die eine erhöhte Schutzbedürftigkeit besteht. Dazu zählen geflüchtete Frauen, vor allem, wenn sie allein oder nur mit ihren Kindern in Deutschland angekommen sind“. Dies wird durch das Ergebnis der Studie unterstützt, nach der 60 Prozent der Befragten, die alle noch in Aufnahmeeinrichtungen leben, unter körperlichen und/oder psychischen Problemen leiden, wobei 70 Prozent hiervon angeben, seelische Beschwerden zu erleben. 35 Prozent der Frauen geben an, aktuell keine medizinische und/oder psychologische Unterstützung zu erhalten.

Die von der Arbeitsgruppe der Goethe-Universität Frankfurt durchgeführte Befragung ist Teil einer bundesweiten repräsentativen Studie, die von August bis Dezember 2016 in fünf Städten Deutschlands lief und deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Finanziert wurde sie von der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

In Frankfurt berichten die Frauen über vielfältige traumatische Erfahrungen im Heimatland, darunter nennen 39 Prozent der Frauen, dem Tod nahe gewesen zu sein. Weiterhin geben 63 Prozent der Frauen an, durch ihre Fluchterfahrungen belastet zu sein, wobei sie auch über aktuelle Belastungen berichten. 80 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung, dabei rangiert die Wohnungssuche (45 Prozent) mit Abstand vorne, aber Hilfe suchen die Frauen auch beim Erlernen der Sprache (inklusive Kinderbetreuung) (16 Prozent), bei der Verbesserung ihrer Bildung (15 Prozent) und bei der Familienzusammenführung (13 Prozent). Die Mehrzahl macht sich akut Sorgen um ihren Asylstatus, ihre Familienmitglieder und um ihre Unterkunft.

Befragt wurden Frauen zwischen 18 und 61 Jahren aus sechs Ländern: Afghanistan (36 Prozent), Syrien (26 Prozent), Eritrea (15 Prozent), Iran (10 Prozent), Irak (9 Prozent), Somalia (2 Prozent). Mehr als die Hälfte kam gemeinsam mit ihren Ehemännern und Kindern nach Deutschland. Die Frankfurter Psychologinnen und Psychologen haben sich auch damit beschäftigt, wie die Frauen aus den verschiedenen Herkunftsländern mit ihren Emotionen umgehen. „In der Tendenz akzeptieren die Frauen aus dem Iran und Afghanistan ihre negativen Gefühle weniger und unterdrücken diese eher. Arabischsprachige Frauen versuchen eher ihre Emotionen so zu beeinflussen oder auch eine Situation im Voraus so neu zu bewerten, dass unangenehme Emotionen abgeschwächt werden“, erläutert Annabelle Starck, wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Projekt.

Zusätzlich wurden Erhebungen zur Akkulturation durchgeführt. Dabei zeigten sich kulturelle Unterschiede, die jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Lebenssituation und der kurzen Aufenthaltsdauer in Deutschland noch mit Vorsicht zu interpretieren sind. So tendierten Frauen aus Afghanistan und dem Iran eher dazu, die Strategie der Assimilation im Sinne einer hohen Orientierung an der Aufnahmekultur (Deutschland) bei einer niedrigen Orientierung an der Herkunftskultur zu wählen. Syrische Frauen hingegen wählten häufiger die Strategie der Separation.

Zunächst bekundete etwa ein Drittel der Frauen, den Kontakt mit dem Team wieder aufnehmen zu wollen, wobei es letzten Endes nicht bei allen zu einem Termin in der Beratungsstelle kam. Dafür sieht Gutermann verschiedene Gründe: Traumatisierte Menschen suchen oft Rückzug oder Ablenkung, um das Erfahrene auszublenden. Leider können auch kulturelle Besonderheiten wie die Sorge um Stigmatisierung psychischer Erkrankungen oder eine Skepsis gegenüber Psychotherapie ein Hindernisgrund sein, sich professionelle Hilfe zu suchen. „Viele Frauen trauen sich aufgrund ihrer Frauenrolle nicht, aktiv für sich selbst Hilfe zu suchen, weil sie ihre Bedürfnisse denen anderer Familienmitglieder unterordnen müssen, oder weil sie befürchten, dass ihre Ehemänner dies nicht akzeptieren“, so eine der studentischen Mitarbeiterinnen im Projekt, Hourvash Nadimi.

Nicht zu unterschätzen sind die bürokratischen Hemmnisse, denn für jede psychologische und ärztliche Behandlung müssen sich die Geflüchteten einen Krankenschein im zuständigen Amt besorgen; eine Gesundheitskarte gibt es erst nach der Anerkennung oder nach einer Aufenthaltsdauer von 15 Monaten in Deutschland. „Der Zugang zu einer traumafokussierten Psychotherapie muss sich unbedingt verbessern. Auch für das Wohlergehen der Kinder ist die besondere Unterstützung der geflüchteten Frauen eine wesentliche Voraussetzung“, so Prof. Ulrich Stangier, Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität.

Die vorgestellte Studie wirft somit viele Fragen zur besonderen Situation von geflüchteten Frauen auf. Weitere Forschung ist notwendig, um deren Probleme besser angehen zu können. An Kompetenz und Expertise bei der Behandlung von Traumata mangelt es an der Goethe-Universität nicht.

Informationen: Dr. Jana Gutermann, Psychosoziale Beratungsstelle für Flüchtlinge der Goethe-Universität, Tel: (069) 798-23844, E-Mail: gutermann@psych.uni-frankfurt.de, und MSc. Psych. Annabelle Starck, E-Mail: starck@psych.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Aug 2 2017
11:57

Frobenius-Institut eröffnet Ausstellung im Museo Nacional de Antropología

Felsbilder in Mexiko-Stadt

FRANKFURT. Das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität hat seine jüngste Ausstellung „Frobenius, el mundo del arte rupestre“ (Frobenius, die Welt der Felsbild-Kunst) in Mexiko-Stadt eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 26. November 2017 im Museo Nacional de Antropología, dem „schönsten Museum der Welt“ (André Malraux 1964), zu sehen. Sie findet in Kooperation mit dem Instituto Nacional de Antropología e Historia (Mexiko-Stadt) im Rahmen des Deutsch-Mexikanischen Jahres 2016/17 statt.

In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte der deutsche Ethnologe Leo Frobenius (1873-1938) das Konzept der Kulturkreise und der Kulturmorphologie und unternahm ein Dutzend Forschungsreisen, um nach den frühesten bildlichen Ausdrücken des Menschen zu suchen. Ergebnis seiner unermüdlichen Tätigkeit waren unter anderem rund fünftausend Kopien prähistorischer Felskunst, die er und sein Team von Forscherinnen, Forschern und Malerinnen und Malern in Höhlen und von Felswänden in Afrika, Europa, Australien und Ozeanien abmalten.

Neben ihrer künstlerischen Qualität sind die Bilder der Frobenius-Sammlung von unschätzbarem Wert: Sie dokumentieren nicht nur früheste Kunst des Menschen, die sonst kaum zugänglich ist, vielmehr sind viele der Originale mittlerweile zerstört. Mit dieser Ausstellung, die bereits 2016 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen war, werden die Kunstwerke erstmals in Mexiko und zum zweiten Mal auf dem amerikanischen Kontinent präsentiert: 1937 wurden Exemplare der Frobenius-Sammlung im Museum of Modern Art in New York und anderen Städten der USA ausgestellt. Es sind Bilder, die eine Brücke zur Vorgeschichte der Menschheit schlagen und zum einzigartigen ästhetischen und historischen Erbe der Völker der Welt gehören.

Kontakt: Yanti Hölzchen, Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Tel.: (069) 798-33058; hoelzchen@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Aug 1 2017
12:25

DFG fördert innovative Krebsforschung mit 1,25 Millionen Euro

RNA: Ein teuflischer Pfad zum Krebs?

FRANKFURT. Krebs entsteht durch fehlerhafte DNA – so die aktuelle Lehrmeinung. Aber können auch fehlerhafte Abschriften der DNA in Form des Botenmoleküls RNA die Ursache sein? Für diese überraschende These gibt es inzwischen einige Anhaltspunkte. Um sie zu überprüfen, erhält Prof. Rolf Marschalek vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Goethe-Universität ein mit 1,25 Millionen ausgestattetes Reinhart Koselleck-Projekt. Damit fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft besonders innovative und im positiven Sinne risikobehaftete Forschung.

Marschalek erforscht seit vielen Jahren Gen-Mutationen, die verschiedene Formen der Leukämie verursachen. Besonders häufig kommt eine als Gentranslokation bezeichnete Mutation vor. Sie entsteht, wenn gleichzeitig an zwei verschiedenen Chromosomen Teile abbrechen und vom zelleigenen Reparaturprogramm vertauscht wieder angesetzt werden. Dadurch gelangen Gene nebeneinander, die normalerweise auf verschiedenen Chromosomen sitzen. Beim Abschreiben in die RNA werden sie irrtümlich so behandelt, als kodierten sie für ein einziges Protein. Diese sogenannten Fusionsproteine sind dann auch die kausale Krebsursache.

Auffällig ist aber, dass bestimmte Translokationen gehäuft vorkommen, obwohl rein statistisch eine viel größere Vielfalt an Doppelstrangbrüchen möglich wäre. Beispielsweise ist das Philadelphia-Chromosom, ein verkürztes Chromosom 22, und das dazu gehörige Protein BRC-ABL die häufigste Ursache der chronischen myeloischen Leukämie. Verwirrend ist zudem, dass BRC-ABL Transkripte auch bei völlig gesunden Menschen nachweisbar ist, die das Philadelphia-Chromosom gar nicht haben.

Eine mögliche Erklärung ist, dass die RNA nicht nur von der DNA abgeschrieben wird, sondern auch umgekehrt auf die DNA zurückwirken kann. Die meiste Zeit ist die DNA sicher und platzsparend in Chromatin verpackt und kann nicht abgeschrieben werden. Da könnte es für die Zelle ökonomischer sein, zur Reparatur von Doppelstrangbrüchen auf RNA Kopien zurückzugreifen, die sie vorsorglich in größerer Anzahl während der kurzen Phasen macht, in denen das Gen für die Abschrift zugänglich ist.

Tatsächlich kommen nicht für Proteine kodierende RNAs in der Zelle zuhauf vor. Und möglicherweise entstehen durch Fehler beim Abschreiben der DNA auch falsch zusammengestückelte RNAs, die dann in Fusionsproteine übersetzt werden. Marschalek hat auch eine Vermutung, wie die fehlerhaften RNAs entstehen: „In der Regel liegen Chromatinschlaufen mit aktiv transkribierbaren Genen auf der Außenseite der Chromosomenstrukturen. Dabei werden Chromatinschlaufen von verschiedenen Chromosomen gemeinsam in Transkriptionsfabriken transkribiert. Interessanterweise werden dort Gene miteinander transkribiert, die man in Krebszellen als Partnergene in chromosomalen Translokationen identifiziert hat.“ Warum das so ist, weiß man bisher nicht.

Seine Hypothese, dass RNA in der Zelle auch die Funktion hat, als Blaupause für die Reparatur von DNA-Fehlern zu dienen und dass dies manchmal ein teuflischer Pfad zum Krebs ist, kann Marschalek nun in den kommenden fünf Jahren dank der Förderung seines Koselleck-Projekts prüfen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die CRISPR/Cas Technologie, mit der es viel einfacher geworden ist, Gene experimentell zu verändern.

Bilder von Prof. Rolf Marschalek finden Sie zum Download unter www.uni-frankfurt.de/67654909

Fotos: Uwe Dettmar

Information: Prof. Dr. Rolf Marschalek, Institut für Pharmazeutische Biologie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29647, rolf.marschalek@em.uni-frankfurt.de.