​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – April 2017

Forschung

Apr 10 2017
13:11

Goethe-Uni wirbt zwei ERC-Advanced Grants ein / Je 2,5 Millionen Euro für fünf Jahre

EU fördert Forschung zu Biotreibstoffen und Infektionskrankheiten

FRANKFURT. Zwei ERC-Advanced Investigator Grants des Europäischen Forschungsrats mit je 2,5 Mio. Euro gehen an Forscher der Goethe-Universität Frankfurt. Der Biochemiker und Arzt Prof. Ivan Dikic und der Mikrobiologe Prof. Volker Müller können sich über eine kräftige finanzielle Unterstützung ihrer wegweisenden Forschungsvorhaben freuen.

Umweltfreundliche Treibstoffe
Müller gehört zu den weltweit führenden Mikrobiologen, wenn es um mikrobielle Stoffwechselprozesse in Abwesenheit von Sauerstoff geht. In dem Projekt von Volker Müller geht es um die Herstellung von Biotreibstoffen mithilfe von Bakterien, die Kohlendioxid verarbeiten. Solche Treibstoffe hätten den Vorteil, uns von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen und den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Die Arbeitsgruppe von Prof. Müller vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Goethe-Universität erforscht seit vielen Jahren eine bestimmte Gruppe von Bakterien, die Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff (H2) oder Kohlenmonoxid (CO) in einem Fermentationsprozess zu Essigsäure verarbeiten. Dazu benötigen die Bakterien weder Licht noch Sauerstoff.

Zur Gasfermentation von Abgasen werden die sogenannten acetogenen Bakterien bereits im industriellen Maßstab von der amerikanischen Firma LanzaTech eingesetzt. Hier geht es in erster Linie darum, Abgase unschädlich zu machen. Müller koordiniert bereits ein europaweites Konsortium, in dem die Gasfermentation optimiert werden soll. In dem vom ERC geförderten Forschungsprojekt will Müller nun das Potenzial von Acetobacterium woodii weiter ausschöpfen. Das Bakterium verwertet auch Methanol oder Ameisensäure, beides sind kostengünstige Rohstoffe für biotechnologische Anwendungen.  Müller will mit seiner Arbeitsgruppe die Stoffwechselwege aufklären und dann verändern. Ziel ist es, acetogene Bakterien gentechnisch so zu modifizieren, dass sie aus verschiedenen Ausgangsstoffen umweltfreundliche Treibstoffe und Basischemikalien in großem Maßstab herstellen können.

Neue Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten
Der gebürtige Kroate Dikic erhält den ERC Advanced Investigator Grant bereits zum zweiten Mal. Er gehört zu den internationalen Pionieren der Ubiquitin-Forschung. Ubiquitin reguliert viele zelluläre Prozesse; unter anderem steuert es den Abbau überflüssiger oder schädlicher Proteine und die Reparatur fehlerhafter DNA, überträgt Signale innerhalb der Zelle und löst im Notfall den Zelltod aus. Ubiquitin ist deshalb auch ein wichtiges Molekül zur Abwehr bakterieller Infektionen.

In seinem neuen ERC-Projekt erforscht Dikic, wie Bakterien das Ubiquitin-System ihres Wirtsorganismus zu ihrem eigenen Vorteil manipulieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Infektionen mit Salmonellen, Shigellen und Legionellen. Dikics Arbeitsgruppe am Institut für Biochemie II sucht unter anderem nach neuen Signalwegen, die durch bakterielle Enzyme aktiviert werden. Zum Einsatz kommen dabei hochauflösende Mikroskopie-Methoden und modernste massenspektrometrische Technologien, die die quantitative Erfassung aller zellulären Proteine und ihrer Ubiquitin-Markierungen ermöglichen. So wollen die Zellbiologen herausfinden, wie verschiedene bakterielle Enzyme die Schwere und den Verlauf einer Infektion beeinflussen und warum es manchmal trotz erfolgreich verlaufender Antibiotikatherapie zu schweren Folgeschäden im Gewebe kommt. Solche Schäden können nicht nur durch bakterielle Toxine verursacht werden, sondern beispielsweise auch durch Signalstoffe, die infolge einer Infektion durch die wirtseigenen Immunzellen ausgeschüttet werden. Diese sekundären Schäden können lebensbedrohlich werden.

In einem zweiten Schritt wollen die Forscher in Dikics Gruppe nach Wirkstoffen suchen, die in das Geschehen eingreifen und insbesondere die Schädigung des Gewebes limitieren. Hierfür arbeitet Dikic mit Pharmapartnern zusammen. Ultimatives Ziel ist es, die Rolle des Ubiquitin-Systems bei bakteriellen Infektionen grundlegend zu verstehen und darauf aufbauend neue Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten zu entwickeln.

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66113784

Informationen:
Prof. Dr. Volker Müller, Institut für Molekulare Biowissenschaften, Fachbereich 15, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 29507; -29508, VMueller@bio.uni-frankfurt.de.

Prof. Dr. Ivan Dikic, Pressekontakt: Dr. Kerstin Koch, Institut für Biochemie II, Fachbereich 16, Universitätsklinikum Frankfurt, Tel.: (069) 6301 84250 Email k.koch@em.uni-frankfurt.de.

Forschung

Apr 4 2017
15:56

ABCEI setzt nicht nur Schlusspunkt der Protein-Biosynthese, sondern koordiniert auch den nächsten Zyklus

Hammer-Protein bei der Arbeit zugeschaut

FRANKFURT. Eines der wichtigsten Moleküle des Lebens, das Ribosom, übersetzt die genetische Information in Proteine (Translation). Die molekulare Maschine besteht aus zwei Untereinheiten, die gespalten und wiederverwendet werden, um eine neue Runde der Proteinsynthese einzuleiten. Dabei spielt das als „eiserner Hammer“ bekannte Protein ABCE1 eine wichtige Rolle. Forscher der Goethe-Universität haben den Prozess jetzt zusammen mit Kollegen des Genzentrums der LMU München im Detail aufgeklärt. Dabei stellten sie fest, wie ABCE1 die Spaltung des Ribosoms katalysiert und die nächste Translationsrunde einleitet.

Die Gruppen von Prof. Robert Tampé vom Institut für Biochemie der Goethe-Universität und von Prof. Roland Beckmann am Genzentrum in München klärten die Struktur von ABCE1 an der kleinen ribosomalen Untereinheit mithilfe der Kryo-Elektronenmikroskopie auf. Der strukturell hochaufgelöste Komplex ist sozusagen der Punkt am Satzende der Übersetzung und wird als Post-Spaltungskomplex bezeichnet. Zu ihrer Überraschung erkannten die Forscher, dass ein bestimmter Bereich von ABCE1 (die Eisen-Schwefel-Cluster Domäne) wie ein Hammerkopf geformt ist, der sich bei seiner Arbeit um 180-Grad dreht. Hierbei werden die beiden ribosomalen Einheiten auseinandergetrieben und deren Re-Assoziation verhindert. Dieser Prozess wird durch ATP, den Energieträger der Zelle, angetrieben.

Die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Structural and Molecular Biology“ publizierte Struktur zeigt den molekularen Motor ABCE1 in einer asymmetrischen Konformation. Dies erlaubt Rückschlüsse auf den fundamentalen Mechanismus der Protein-Biosynthese. Beim Menschen sind viele medizinisch relevante Prozesse, die Moleküle durch die Zellmembran transportieren, mit diesen asymmetrisch aufgebauten Motoren gekoppelt.

Weiterhin fanden die Forscher heraus, wie ABCE1 eine neue Runde der Translation einleitet. Lange war bekannt, dass ABCE1 mit so genannten Initiationsfaktoren wechselwirkt, welche die Protein-Biosynthese in Gang setzen. Jetzt konnten sie erstmals die Co-Assoziation mit spezifischen Komponenten des Initiationskomplexes aufzeigen.

Daraus ergibt sich für die weitere Forschung die Frage, wie ABCE1 mit der Rekrutierung von Initiationsfaktoren gekoppelt ist. Das erscheint durchaus wahrscheinlich, denn die Forscher haben mithilfe genetischer Ansätze herausgefunden: Wenn sie die Wechselwirkung von ABCE1 mit dem Ribosom nur geringfügig verändern, kann dies zu drastischen physiologischen Effekten führen.

„Gemeinsam konnten wir ein fehlendes Bindeglied in der Protein-Biosynthese, von einem Zyklus zum nächsten aufklären. Die Arbeit schließt den essentiellen Kreislauf des Lebens für die Homöostase, Differenzierung und Entwicklung von Zellen und Organismen“, fasst Robert Tampé die Bedeutung der Arbeit zusammen.

Publikation: André Heuer, Milan Gerovac, Christian Schmidt, Simon Trowitzsch, Anne Preis, Peter Kötter, Otto Berninghausen, Thomas Becker, Roland Beckmann & Robert Tampé (2017): Structure of the 40S-ABCE1 post-splitting complex in ribosome recycling and translation initiation. Nature Structure and Molecular Biology, doi:10.1038/nsmb.3396

Information: Prof. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Telefon: (069) 798-29475, tampe@em.uni-frankfurt.de

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/66030838

Bildtext: Struktur des Ribosoms nach der Spaltung mit gebundenem Motorprotein ABCE1 (hellrot). Der rotierende Hammerkopf ist rot gefärbt.

Copyright: Arbeitsgruppe Tampé, Goethe-Universität

Informationen: Prof. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Fachbereich , Goethe Universität Frankfurt, Telefon: (069) 798-29475, tampe@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Apr 3 2017
16:12

Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus wird erstmals bei der Wissenschaftsgala des Deutschen Hochschulverbands in München verliehen

Drei Preisträger – drei wichtige wissenschaftspolitische Themen

FRANKFURT/MÜNCHEN. Sie haben PEGIDA in Dresden nachgespürt, eine journalistische Lanze für das Uni-Fach Volkswirtschaft gebrochen und die Tricks des akademischen Ghostwriter-Gewerbes entlarvt: Anant Agarwala (DIE ZEIT), Christian Schiffer (Bayerischer Rundfunk) und Oskar Piegsa (ZEIT-Campus) sind die drei Träger des Goethe-Medienpreises, der am 3. April bei der Wissenschaftsgala des Deutschen Hochschulverbands in München verliehen wird. Der von der Goethe-Universität Frankfurt und der FAZIT-Stiftung 2016 zum fünften Mal ausgelobte, unabhängige Journalistenpreis wird alle zwei Jahre von einer Jury aus renommierten Fachleuten vergeben. Die drei Preise sind mit Summen von 4.000 (1. Preis), 1.800 (2. Preis) und 1.000 Euro (3. Preis) dotiert. In der aktuellen Ausschreibungsrunde hatten sich über 40 Medienvertreter überwiegend überregionaler Medien um die einzigartige Auszeichnung beworben.

Der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Werner D´Inka, Mitglied der Medienpreis-Jury, hob in seiner Laudatio in der Residenz München die besonders hohe Qualität des Bewerberfeldes hervor: „Die Jury hatte die Qual der Wahl. Es gab eine große Zahl hochrangiger Medienbeiträge, über die wir intensiv diskutiert haben. Am Ende stachen jedoch die drei Preisträger mit ihren Arbeiten hervor. Sie haben in intensiver und zum Teil langwieriger Recherche journalistische Themen von hoher Aktualität und Relevanz identifiziert und diese stilistisch brillant umgesetzt. Mit ihren Arbeiten habe sie den öffentlichen Diskurs über den Tag hinaus bereichert.“

Die Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Birgitta Wolff, sagte: „Über Wissenschaft und Wissenschaftspolitik wirklich sachgerecht zu berichten, ist eine extrem wertvolle Leistung für die Wissenschaft und damit für die Zukunft unseres Landes. Der Goethe-Medienpreis hilft Journalisten, mit ihren wissenschafts- und hochschulpolitischen Themen in ihren Redaktionen besser gehört zu werden. Der Preis ist damit ein starkes Statement, diesen Themen mehr Gewicht in den Medien zu geben und in der Berichterstattung nicht nur auf den vordergründigen Effekt zu setzen.“

Anant Agarwala, Redakteur beim ZEIT-Ressort Campus, und 1. Preisträger, sagte: „Ich freue mich wahnsinnig über die Auszeichnung mit dem Goethe-Medienpreis. In meinem Text „Vor Dresden wird gewarnt“ geht es um die unmittelbaren Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Politik und Wissenschaft, und genau die möchte ich in meiner Arbeit weiter verfolgen. Der Preis ist daher nicht nur eine große Ehre, sondern auch ein echter Ansporn.“

Preisträgerarbeit: „Vor Dresden wird gewarnt“ – Der Beitrag beschreibt die Folgen von Ausländerfeindlichkeit für den wichtigsten Wissenschaftsstandort in Ostdeutschland. http://www.zeit.de/2015/34/rechtsextremismus-dresden-wissenschaft-chancen

Christian Schiffer, Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, Redaktion Zündfunk, und 2. Preisträger, sagte: „Ich bin sehr froh, mit dem Goethe-Medienpreis geehrt zu werden. Der Preis honoriert Arbeiten über Themen, die wichtig sind, aber in der Öffentlichkeit manchmal eine zu geringe Rolle spielen. Damit trägt diese Auszeichnung zu einem lebendigen Diskurs bei, von dem am Ende alle profitieren.“    Preisträgerarbeit: „It´s the economy, stupid! Warum Studierende mehr Vielfalt in der Volkswirtschaft fordern“ – Der Hörfunk-Beitrag beschreibt, warum das Fach Volkswirtschaft sich ändern sollte, um auch künftig für Studierende und die Gesellschaft relevant zu bleiben. http://www.br.de/radio/bayern2/programmkalender/ausstrahlung-497052.html

Oskar Piegsa, kommissarischer Chefredakteur ZEIT-Campus und 3. Preisträger, sagte: „Für den Ghostwriter-Report habe ich ein Jahr lang recherchiert, bin in verschiedene europäische Städte gereist, das war für ZEIT CAMPUS eine ziemlich teure und aufwendige Sache. Ich freue mich, dass unsere Mühe und der lange Atem honoriert werden! Außerdem hoffe ich, dass der Goethe-Medienpreis zusätzliche Aufmerksamkeit auf das Thema des wissenschaftlichen Ghostwritings lenkt. Mein Eindruck ist: viele Leute haben sich über unsere Recherche-Ergebnisse aufgeregt - aber verändert hat sich kaum etwas.“

Preisträgerarbeit: „Der Ghostwriter-Report“ – Der Beitrag entlarvt die Tricks und falschen Versprechungen akademischer Ghostwriter, die gegen Bezahlung fremde Abschlussarbeiten verfassen.

http://www.zeit.de/campus/2015/03/ghostwriter-schattenwirtschaft-autobiographie-dissertation-hausarbeit

Über den Goethe-MedienpreisBildungs- und Hochschulthemen erfahren in der Öffentlichkeit eine immer stärkere Beachtung. Diese Konjunktur steht in einem eigentümlichen Missverhältnis zur mangelnden Beachtung und Würdigung der täglichen Arbeit vieler hochschulpolitischer Journalisten im deutschsprachigen Raum in den Redaktionen. Der „Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus“ prämiert seit 2008 herausragende Beiträge auf dem Gebiet eines hochschul- und wissenschaftspolitischen Journalismus: Fundierte Analyse, Hintergründe, verständliche und stilistisch herausragende Darstellung sind die wichtigsten Kriterien für die Vergabe des Preises. Die Auswahl nimmt eine unabhängige, mit führenden Köpfen aus Journalismus und Wissenschaft besetzte Jury vor. Dieser gehören an: 

  • Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes)
  • Prof. Dr. Bernhard Kempen (Präsident des Deutschen Hochschulverbandes)
  • Werner D‘Inka (Mit-Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung),
  • Dr. Martin Doerry (DER SPIEGEL)
  • Dr. Wolfgang Heuser (Herausgeber Deutsche Universitätszeitung)
  • Kate Maleike (Deutschlandradio, Redaktion Campus&Karriere)
  • Prof. Dr. Reinhard Grunwald (Generalsekretär a.D. der Deutschen Forschungsgemeinschaft).

Informationen: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR & Kommunikation, Campus Westend, 069 / 798 - 13035:, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Forschung

Apr 3 2017
15:56

Vorschlag junger Geowissenschaftler und Physiker kommt in die engere Auswahl

Studentisches Experiment demnächst auf der ISS?

Ein eigenes Experiment auf der Internationalen Raumstation ISS ist der Traum vieler junger Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Für einige Studierende der Geowissenschaften und der Physik der Goethe Universität könnte dies bald faszinierende Realität werden. Sie folgten einem Aufruf des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), sich mit einem eigenen Projekt unter Bedingungen der Schwerelosigkeit zu bewerben.

Aus zahlreichen Einsendungen wurden insgesamt acht Projekte ausgewählt. Je drei Studierende aus jedem Projekt dürfen nun ihre Konzepte auf Einladung des DLR in Bonn persönlich vorstellen, so auch das EXCISS-Projekt der Frankfurter Studierendengruppe. EXCISS steht für Experiment zur Chondrenbildung auf der ISS. Am Ende des Auswahlprozesses wird der deutsche Astronaut Alexander Gerst im nächsten Jahr drei Experimente auf die Internationale Raumstation mitnehmen und dort durchführen.

„Nichts weniger als die Entstehung der häufigsten Festkörper im frühen Sonnensystem wollen wir mit diesem Experiment klären“, berichtet Gruppenleiterin Tamara Koch. In der Geburtsstunde unseres Sonnensystems vor ca. 4,56 Milliarden Jahren bestand der Solare Nebel aus Gas und Staubkörnern. Sie setzten sich entweder aus Kalzium- und Aluminium-reichen Mineralen oder aus Eisen- und Magnesium-reichen Silikaten zusammen. Durch einen bisher noch nicht geklärten Prozess wurden diese in der frühen Phase des Sonnensystems plötzlich bis zu mehrere Tausend Grad aufgeheizt, um dann ebenso plötzlich wieder zu Tröpfchen, sogenannten Chondren, zu erstarren. Dieser Prozess gibt Forschern bis heute Rätsel auf.

Es gibt mehrere Hypothesen. So könnten entweder Schockwellen oder Blitze die Staubteilchen so stark aufgeheizt haben. Eine weitere Möglichkeit wäre die Kollision mit Asteroiden. Keine der drei Hypothesen hat sich bisher durchsetzen können. Im EXCISS-Projekt wollen die Studierenden nun prüfen, ob die Chondren im Staub-Gas-Gemisch des Solaren Nebels durch hoch-energetische Blitze entstanden sein könnten. Dabei stehen die Eisen und Magnesium-reichen Silikate im Fokus.

Mini-Blitze in der Schwerelosigkeit

„Die Idee hinter dem Projekt ist einfach“, erklärt Tamara Koch. „Wir möchten Staubpartikel in Schwerelosigkeit unter Bedingungen kollidieren lassen wie sie im Solaren Nebel geherrscht haben. Die so gebildeten Staubklümpchen beschießen wir dann wiederholt mit Blitzen, die durch Entladungen von Plattenkondensatoren erzeugt werden. Neu an der Idee ist, dies unter realistischen Bedingungen der Schwerelosigkeit und bei geringem Gasdruck durchzuführen. Solche Experimente sind auf der Erde auch in Falltürmen nicht möglich. Die ISS bietet damit ein einzigartiges Umfeld, die Blitz-Hypothese zu überprüfen.“

„Solch ein Projekt in einer kleinen Kiste von weniger als 15 Zentimeter Kantenlänge und mit zwei Volt Stromversorgung durchzuführen, ist schon eine Herausforderung“ erklärt Yannik Schaper, der sich mit seinem Kommilitonen um die Physik des Projekts kümmert.

„Nur durch die enge Zusammenarbeit von Geowissenschaftlern und Physikern ist die erfolgreiche Umsetzung des Projektes überhaupt möglich“, erläutert Frank Brenker, Professor für Nanogeowissenschaften und Initiator des Studentenprojektes. „Die Studierenden haben hier großartiges geleistet und in sehr kurzer Zeit ein fundiertes Konzept auf die Beine gestellt. Daher hat uns die Auswahl unter die letzten acht nicht wirklich überrascht“, berichtet er.

Nun sind alle gespannt auf das Treffen in Bonn und hoffen, als eines der drei Projekte gefördert zu werden, die letztendlich zur ISS fliegen. Unterstützt wird das Projekt von den AGs Nanogeowissenschaften (Prof. Frank Brenker), Kristallographie (Prof. Björn Winkler) und der Glasbläserei des Fachbereichs Chemie der Goethe-Universität (Michael Röder). Sponsoren für die finanzielle Unterstützung des Projektes werden noch gesucht.

Informationen: Tamara Koch, Frank Brenker, Institut für Geowissenschaften, Mineralogie, Campus Riedberg, Tel.: (069)-798 40134, tamara-koch@stud.uni-frankfurt.de, brenker@em.uni-frankfurt.de

Forschung

Apr 3 2017
15:44

Studierende beschäftigen sich in einem Lehrforschungsprojekt mit Nutzung von Portalen – Kooperation mit Betrieben in Rhein-Main

Handwerksbetriebe rekrutieren Personal zunehmend über Social Media

FRANKFURT. Der Einsatz von XING und Facebook bei der Personal-Rekrutierung bleibt nicht länger den gut ausgestatteten Personalabteilungen von Großunternehmen vorbehalten: Von den Frankfurter Handwerkern greifen 60 Prozent auf Soziale Netzwerkseiten zurück, insbesondere wenn sie junge Mitarbeiter der Generation Y gewinnen wollen. Das belegt eine Untersuchung, die fortgeschrittene Master-Studierende der Soziologie vorlegt haben. Sie ist eine von drei Fallstudien, die in einem einjährigen Lehrforschungsprojekt entstanden sind und von zwei Wissenschaftlerinnen des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität initiiert und begleitet wurden. Ihr Augenmerk richteten die Studierenden besonders darauf, wo und warum es bei der „Partnersuche“ im Netz noch klemmt.

„Die Sozialen Netzwerkseiten bringen vor allem Vorteile für Betriebe kleiner und mittlerer Größe – und hier sind die Potenziale noch längst nicht ausgenutzt“, haben die Studierenden Anna Trost und Jasmin Werle bei ihrer Fallstudie festgestellt. „Die E-Rekrutierung ist kostengünstiger als das Schalten von Anzeigen in Tageszeitungen und kann flexibel eingesetzt werden“, ergänzt Julia Sauer, die auch an den Betriebsbefragungen beteiligt war. Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main sowie dem KFZ-Gewerbe Frankfurt/Main und Main-Taunus halfen den Studierende  mit den Betrieben in Kontakt zu kommen – auch im eigenen Interesse. „Die Ansprache von potenziellen Mitarbeitern und Auszubildenden über Soziale Netzwerkseiten ist eine Möglichkeit, auf die Karriereperspektiven im Handwerk hinzuweisen", so Felix Diemerling, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung. Er und Claus Kapelke, Hauptgeschäftsführer von der Innung des KFZ-Gewerbes wollen – aufbauend auf den Ergebnissen dieser Fallstudie – ihre Betriebe unterstützen, Netzwerke stärker für die Akquise von Personal zu nutzen. „Handwerksbetriebe entdecken Social-Media-Kanäle verstärkt für sich, wenn es darum geht, neue Zielgruppen, insbesondere Jüngere, auf sich aufmerksam zu machen", sagt Armin Bayer, bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main zuständig für den Bereich Wirtschaftspolitik. Die Kooperation mit Praxispartnern bei der Feldforschung war für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation.  „Für die Qualifikation unserer Studierenden sind solche Erfahrungen sehr wichtig“, so Lisa Schäfer, die gemeinsam mit der Geschäftsführerin des IWAK, Dr. Christa Larsen, dieses Lehrforschungsprojekt betreut.

Welche Bedeutung haben die sozialen Netzwerke in der Phase des Berufseinstiegs für Studienabsolventen und für Unternehmen? Mit diesen beiden Seiten der Partnersuche beschäftigte sich die zweite Fallstudie. Olivia Depta hat herausgefunden, dass sich 75 Prozent der befragten Studierenden verschiedener Hochschulen der Region mithilfe solcher Portale über Karrieremöglichkeiten informieren. 50 Prozent interessieren sich besonders für die Unternehmenskultur. Dazu die Co-Autorin Tamara Weddig-Gerbes: „Das ist für viele unserer Generation typisch. Wir wollen wissen, mit wem wir es zu tun haben.“ Bei den Personalverantwortlichen in den Unternehmen scheint noch nicht angekommen zu sein, wie wichtig für die Berufseinsteiger Informationen über Hilfen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind, wie ein Ergebnis der Studie zeigt. Aber offensichtlich kennen die Hochschulabsolventen auch die Erwartungen der Personalrecruiter nicht besonders gut: „Die Studierenden der Generation Y erwarten, dass die Unternehmen sie ansprechen. Doch die Personalverantwortlichen finden, die Jobsuchende sollten stärker in die Offensive gehen und sich auch direkt bei den Unternehmen bewerben“, sagt Katharina Gies, die an dieser Fallstudie beteiligt war. Die Ergebnisse zur Goethe-Universität lassen sich auch in der Studienberatung nutzen, wenn es um die Berufsorientierung geht.

Studienabsolvent/innen sind laut der Studie zu über 90 Prozent über Xing auf dem Bewerbermarkt. Demgegenüber sind die Unternehmen noch deutlich zurückhaltender. „Es ist noch ein weiter Weg bis alle Unternehmen mit Hilfe von XING Personal, dem vorrangig genutzten Portal, rekrutieren werden“, so die Soziologie-Studentin Anna Strohalm, die an dieser Fallstudie mitgearbeitet hat. Es ist allerdings sehr ermutigend, dass nicht nur die jungen, technikaffinen Personalrecruiter auf XING zurückgreifen. „Wir haben herausgefunden, dass gerade die Gruppe der 40- bis 50-jährigen Personaler stark XING nutzt“, konstatiert Julia Rettig, eine der Autorinnen dieser Fallstudie. Jedoch stellt XING fast nie den einzigen Rekrutierungskanal dar. „Unsere Befunde zeigen“, sagt Miriam Geib, „dass die Sozialen Netzwerkseiten immer in Kombination mit anderen Kanälen wie den  klassischen Anzeigen in Tageszeitungen  zum Einsatz kommen.“