50 mal „Der Recke im Tigerfell“

Georgisches Nationalepos im Lesemarathon: Das Institut für Empirische Sprachwissenschaft macht seine sprachliche Kapazität deutlich

Veröffentlicht am: Montag, 18. Juni 2018, 14:06 Uhr (151)

FRANKFURT. Die Republik Georgien feiert die 100. Wiederkehr ihrer ersten Gründung – und die Universität Tbilissi, Partner-Universität der Goethe-Uni, wird 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass rückt das Institut für Empirische Sprachwissenschaft das Nationalepos Georgiens in den Fokus und veranstaltet eine ungewöhnliche Lesung: In 50 verschiedenen Sprachen wird „Der Recke im Tigerfell“ am

Donnerstag, 21. Juni, um 20 Uhr im PA-Gebäude, Theodor-W.-Adorno-Platz 1 (Campus Westend)

vorgetragen. Da viele der Zuhörer wohl weder des Baskischen und Koreanischen noch des Ossetischen oder Tadschikischen mächtig sind, wird zusätzlich die deutsche Version zusammen mit den farbenfrohen Illustrationen digital präsentiert werden.

Das studentische Projekt, so Prof. Manana Tandaschwili, am Institut für Empirische Sprachwissenschaft für Kaukasische Sprachwissenschaft zuständig, zeige auf beeindruckende Weise die akademische und menschliche Kapazität des Instituts: 43 Studentinnen und Studenten sowie akademische Mitarbeiter lesen das Gedicht in 50 Sprachen. Die Idee basiert auf dem wissenschaftlichen Projekt „Erstellen eines digitalen Parallelkorpus des Poems“, das durch die Bereitstellung von Übersetzungstexten eine Quelle für weitere Forschung bilden soll.

„Der Recke im Tigerfell“, seit 2013 ins UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen, gilt als das Nationalepos Georgiens. Der Dichter Schota Rustaweli verfasste es Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts auf Geheiß der Königin Tamara von Georgien. Überliefert ist die Dichtung jedoch in Handschriften ab dem 17. Jahrhundert. Das Epos schildert in gebundener Sprache Ritterlichkeit und Edelmut, die sich über Religion und Nation erheben. Es handelt von einer Prinzessin im Orient, deren Vater sie aus politischen Absichten mit einem Prinzen – dem Thronfolger eines anderen Landes – verheiraten möchte. Doch sie hat sich bereits in einen Jungen am Hof verliebt, und die Tragik nimmt ihren Lauf: Ihr Geliebter bringt den Prinzen um, die Prinzessin wird von bösen Geistern entführt. Das Werk beeindruckt nicht nur durch die poetische Sprache und die opulente Handlung, sondern auch durch die darin enthaltenen Kenntnisse über verschiedene Bereiche der mittelalterlichen Wissenschaft. „Der Recke im Tigerfell“ sei in Georgien jedem vertraut, viele könnten das Poem zumindest teilweise auswendig, sagt Prof. Tandaschwili.

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Universität Tbilisi, mit der das Institut für Empirische Sprachwissenschaft 14 Projekte gemeinsam betreibt, wird es auch eine Kooperationsvereinbarung der beiden Universitäten geben. Georgen ist in diesem Jahr auch Gastland auf der Frankfurter Buchmesse.

Information: Prof. Dr. Manana Tandaschwili, Institut für Empirische Sprachwissenschaft, Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften, Campus Bockenheim, Juridicum 908, Telefon +49(0)69 798-22688, E-Mail Tandaschwili@em.uni-frankfurt.de