Wie soll das Theater der Zukunft aussehen?

Ringvorlesung „Dramaturgien der Theaterarchitektur“

Veröffentlicht am: Mittwoch, 06. Juni 2018, 17:04 Uhr (142)

FRANKFURT. Sanierung oder Neubau? Die Debatte um die Zukunft der städtischen Bühnen in Frankfurt hat gerade erst Fahrt aufgenommen. Einen Beitrag dazu wird die Ringvorlesung „Dramaturgien der Theaterarchitektur“ liefern, die der Theaterwissenschaftler Prof. Nikolaus Müller-Schöll von der Goethe-Universität für die Hessische Theaterakademie kuratiert hat. Zur Diskussion eingeladen sind Gäste aus Architektur, Philosophie, Medien- und Theaterwissenschaft.

Die Ringvorlesung, die bereits im April angelaufen ist, wird mit einer Veranstaltung

am Donnerstag, 7. Juni, um 18 Uhr im Künstlerhaus Mousonturm

fortgesetzt. „Für ein Theater, das wir noch nicht kennen“: So lautet das Thema des Abends, bei dem der Musiker, Komponist, Hörspielautor, Regisseur und Professor für Angewandte Theaterwissenschaft Heiner Goebbels (Frankfurt) zu Gast sein wird.

In der Ringvorlesung geht es nicht, wie häufig in der neueren Dramaturgieforschung, um die Dramaturgie als „Architektur der Aufführung“, sondern um Architektur im allgemeinen, vor allem aber um mit Theaterarchitektur verbundene Dramaturgien. Welche Zeitlichkeit, welche Rhythmisierung und welche Erzählung sind mit Architektur verbunden? Welche Widerstände und Möglichkeiten werden ursächlich mit der Architektur verbunden? Dies soll konkret am Beispiel der städtischen Bühnen, aber auch allgemein mit Blick auf neuere und ältere Bühnenformen untersucht und diskutiert werden.

Theaterarchitektur, so lautet dabei die Ausgangshypothese, kann als gebaute Ideologie – das Wort im Sinne des frühen Marx begriffen – verstanden werden: Als unumgängliche Möglichkeitsbedingung des Erscheinens, die das Erscheinende je spezifisch prägt und verändert. Die „Flucht aus den Häusern“ in den 70er-Jahren – in Steinbrüche, Fabrikhallen, Werften oder an öffentliche Orte – hat die Begrenzung und Konditionierung des Theaters in den überkommenen Häusern auf plakative Weise verdeutlicht. Im Hinblick auf neue Theaterbauten und die fortschreitende Untersuchung der Theaterarchitekturgeschichte wird nun eher darüber diskutiert, wie der jeweilige architektonische Rahmen eine je andere Ordnung des Sehens und Gesehenwerdens ins Werk setzt. Die Architektur des Theaters erscheint dabei als Ort, an dem allgemeinere Interessen der Politik, der Ökonomie, der Städteplanung und des gesellschaftlichen Austauschs, praktische Fragen des Theatermachens und ästhetische Fragen zusammenkommen.

Die Ringvorlesung bringt Architekten, Künstler sowie einschlägig ausgewiesene Experten aus Architekturtheorie, Philosophie, Medien- und Theaterwissenschaft zusammen. Die Vorlesungsreihe steht in Verbindung mit einer Veranstaltungsserie der Professur für Theaterwissenschaft unter dem Obertitel „Welches Theater für welche Stadt?“. Im Sommersemester 2018 thematisiert ein Seminar das „Theater als Kunst im Apparat“. Die Serie wird vom 25. bis 27. Oktober mit einer durch öffentliche Vorträge und Gespräche erweiterten Master Class zum Thema „Implosion der Institution Stadttheater? Geschichte, Analyse, Perspektiven“ fortgesetzt.

Weitere Termine und Themen im Überblick:

Die Veranstaltungen finden jeweils donnerstags von 18 bis 20 Uhr statt.

14. Juni, Künstlerhaus Mousonturm
Serge von Arx (Halden/Berlin): „Das Theatrale in der Stadt“ 

21. Juni, Künstlerhaus Mousonturm
Cathy Turner (Exeter): “Colliding logics of architecture and performance”

28. Juni, Frankfurt LAB:
„Stadt. Raum. Theater“: Gespräch mit Philipp Oswalt (Kassel, Berlin).
Anschließend Eröffnung der Ausstellung: Ein Theaterprovisorium für Frankfurt. Entwürfe von Studierenden der Universität Kassel.

5. Juli, Hochschule für Musik und darstellende Kunst
Ulrike Haß (Bochum, Berlin): „Am Ende der Straße. Zum Gefüge des Stadttheaters“

12. Juli, Hochschule für Musik und darstellende Kunst
Juliane Votteler (Stuttgart): „Dann mach nur einen Plan – (k)ein Theater für Augsburg?“ 

Adressen:
Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Eschersheimer Landstraße 29, 60322 Frankfurt/M., Raum A 207
Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, 60316 Frankfurt/M.
Frankfurt LAB: Schmidtstraße 12 

Information: Prof. Dr. Nikolaus Müller-Schöll, Professur für Theaterwissenschaft, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Norbert-Wollheim-Platz 1 (Campus Westend), 60323 Frankfurt /M., Telefon 069/798-32065, E-Mail: mueller-schoell@tfm.uni-frankfurt.de