Neue Perspektiven auf Zionismus-Geschichte

Internationale Konferenz „Unacknowledged Kinships: Postcolonial Studies and the Historiography of Zionism“

Veröffentlicht am: Mittwoch, 06. Juni 2018, 11:49 Uhr (140)

FRANKFURT. Lässt sich die Herangehensweise der Postcolonial Studies mit der Forschung zur Geschichte des Zionismus verbinden? Welche Potenziale birgt eine solcherart neue Perspektive? Mit dieser Thematik befasst sich eine internationale Konferenz unter dem Titel „Unacknowledged Kinships: Postcolonial Studies and the Historiography of Zionism“, die von 17. bis 19. Juni im Seminarhaus (SH 3.105 und SH 5.101) und im Casino (Cas 1.801 und Cas 823) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität stattfindet.

Auf Einladung der Martin-Buber-Professur in Zusammenarbeit mit dem Samuel J. Zacks Chair of Jewish History an der University of Toronto und dem LOEWE Forschungsschwerpunkt „Religiöse Positionierung“ an der Goethe-Universität treffen sich renommierte Forscherinnen und Forscher aus Deutschland, Israel, den Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien, um ihre eigenen Arbeiten zu präsentieren und die Potenziale einer solchen Verbindung zu diskutieren. Keynote Speaker sind Professor Derek Penslar (University of Toronto/Harvard University) und Professor Ato Quayson (University of Toronto).

Konzepte aus dem Bereich der „Postcolonial Studies“ wurden in der Vergangenheit wiederholt für die Analyse der jüdischen Geschichte verwendet. Sie haben dazu beigetragen, den Einfluss kolonialer Ideen und Politiken auf die Situation der Juden in der Diaspora besser zu verstehen. Und sie trugen zur Sichtweise bei, dass die Juden selbst in vielerlei Hinsicht eine kolonisierte Minderheit innerhalb Europas waren. Für die Geschichte des Zionismus fanden diese Konzepte bislang jedoch wenig Beachtung. Insbesondere der europäische Zionismus wurde nur selten aus einer solchen Perspektive analysiert. Dabei lässt sich der Zionismus durchaus als ein Versuch verstehen, die Marginalisierung der Juden in Europa zu überwinden, ähnlich wie dies antikoloniale und antirassistische Bewegungen getan haben.

Zugleich gibt es viele komplexe und widersprüchliche Verbindungen zwischen dem Zionismus und dem europäischen Kolonialismus. Vieles spräche also dafür, postkoloniale Ansätze in der Forschung zur Geschichte des Zionismus zu verwenden und die Geschichte des Zionismus als einen Gegenstand der Postcolonial Studies zu begreifen. Dass dies bislang nur selten geschieht, hat eher politische und historische denn wissenschaftliche Gründe. Die Konferenz will ausloten, in welcher Weise postkoloniale Ansätze in der Forschung zur Geschichte des Zionismus angewendet werden können und welche Forschungsperspektiven sich daraus ergeben. Vertreterinnen und Vertretern der Zionismusgeschichte und der Postcolonial Studies haben Gelegenheit, sich direkt auszutauschen.

Information: Dr. Stefan Vogt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Martin Buber-Professur, Norbert-Wollheim-Platz 1 (Campus Westend) Telefon 0179 5281106, E-Mail s.vogt@em.uni-frankfurt.de;  http://www.uni-frankfurt.de/42839537/aktuell_conf