„Mittwochskonferenzen“ im Sommersemester

Öffentliche Vortragsreihe des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften startet im April

Veröffentlicht am: Mittwoch, 12. April 2017, 16:57 Uhr (071)

FRANKFURT. Das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften (FZHG) der Goethe-Universität setzt im Sommersemester seine öffentliche Vortragsreihe „Mittwochskonferenzen“ fort, die jeweils um 18 Uhr im IG-Farben-Haus, Raum 411 stattfinden. Zum Auftakt spricht am Mittwoch (19. April) Derek Attridge, emeritierter Professor für englische Literatur an der Universität von York, zum Thema „Close Reading, Modernism, and the Fiction of Tim McCarthy”. Am 3. Mai wird die Reihe fortgesetzt mit einem Vortrag von Prof. Helmuth Trischler, Bereichsleiter Forschung des Deutschen Museums und Direktor des Rachel Carson Center for Environment and Society, er spricht über „Das Anthropozän: Eine Herausforderung für die Wissenschafts-, Technik- und Umweltgeschichte“.

Derek Attridge setzt sich in seinem englischsprachigen Vortrag mit der Tiefenanalyse, dem „close reading“, literarischer Texte auseinander, das in den 1950er Jahre von unterschiedlichen Kritikern gepflegt wurde – nicht zuletzt, um Kultur moralisch zu fundieren. Der New Yorker Literaturwissenschaftler analysiert, ob „close reading“ der zeitgenössischen Literatur überhaupt noch gerecht wird; als Beispiel dienen ihm Tom McCarthys Romane Remainder, Men in Space, C, sowie Satin Island. Dem angloamerikanischen Modernismus folgend, brechen diese Werke mit den Normen des konventionellen Romans, indem sie Charaktere ohne Tiefe und Handlungsverläufe ohne narrative Spannung oder zwischenmenschliche Weiterentwicklung präsentieren und sich stattdessen auf eine Oberfläche verlassen, die von zusammenhängenden und wechselwirkenden Motiven und Anspielungen wimmelt. Attridge stellt die Frage, ob es eine Version des „close reading“ gibt, die der Singularität dieser Werke gerecht werden kann.

Helmuth Trischler wird sich in seinem Vortrag mit den miteinander verschränkten Debatten um das Anthropozän als geologisches Konzept und als kulturelles Konzept nach. Er versteht die Diskussion um das „Zeitalter des Menschen“ als Chance und Herausforderung zugleich, sowohl die überkommene Dualität von Natur und Gesellschaft zu überdenken als auch die Narrative der Wissenschafts-, Technik- und Umweltgeschichte auf den Prüfstand zu stellen und das analytische und heuristische Potenzial des Anthropozän-Konzepts auszuleuchten. Der Wissenschaftler knüpft an die seit der Jahrtausendwende geführte Anthropozän-Debatte an, die von Paul Crutzen und Eugene Stoermer initiiert wurde. Die Anthropozän-These ist zunächst eine naturwissenschaftliche Hypothese, die besagt, dass die vom Menschen ausgelösten Veränderungen sich bereits in geologisch sichtbarer Form niederschlagen und von ausreichend langfristiger Natur sind, um sie auf der Zeitskala der Erdgeschichte zu verorten. In der Debatte wird zugleich ein historischer Gegenstand verhandelt, geht es doch um Fragen der allgemeinen Periodisierung der Geschichte der Menschheit.

Informationen: Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel.(069) 798 32113, E-Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de