Stille Helden und heimliche Profiteure

Susanna Schrafstetter von der Universität Vermont hält Holocaust-Gedenkvorlesung an der Goethe-Universität – Umfangreiches Begleitprogramm

Veröffentlicht am: Mittwoch, 18. Januar 2017, 16:38 Uhr (015)

FRANKFURT. Die nichtjüdischen Unterstützer, die jüdischen Deutschen auf der Flucht geholfen haben, stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Holocaust-Gedenkvorlesung an der Goethe-Universität, die von Prof. Susanna Schrafstetter gehalten wird. Dieser Vorlesung am 27. Januar geht ein umfangreiches Begleitprogramm voraus.

Seit einigen Jahren bereits findet anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus eine Gedenkvorlesung statt. In diesem Jahr spricht die Historikerin Susanna Schrafstetter über die nichtjüdischen Deutschen, die Juden dabei halfen unterzutauchen. Nicht alle taten dies aus ethischer Verantwortung oder Mitgefühl; zuweilen handelten sie auch aus eigennützigen Motiven. Die Vorlesung mit dem Titel „Stille Helden und heimliche Profiteure – Erfahrungen von untergetauchten Juden mit ihren Helfern 1941-1945“ findet statt

am Freitag, 27. Januar, um 12 Uhr in der Lobby des PA-Gebäudes am Campus Westend Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt.

Zwischen 1941 und 1945 flüchteten etwa 10.000 bis 15.000 Juden in Deutschland vor der Deportation und tauchten unter. Dabei waren sie auf die Unterstützung nichtjüdischer Verwandter, Freunden, Bekannten oder auch fremden Menschen angewiesen. Erst in jüngerer Zeit erfuhren diese Helfer Anerkennung – oft als „stille Helden“. Aber flüchtende Juden wurden oft auch Opfer von Dieben, Schwindlern und Erpressern. Der Vortrag geht auf die gesamte Bandbreite dieser Begegnungen ein, deren Motive von uneigennütziger Hilfe bis zur persönlichen Bereicherung reichten.

Susanna Schrafstetter ist Associate Professor of History und Mitarbeiterin am Center for Holocaust Studies der Universität Vermont (USA). 2017 ist sie als Senior Research Fellow am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz.

Erstmals findet dieses Jahr ein vielfältiges gemeinsames Begleitprogramm von Fritz-Bauer-Institut, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Pädagogischem Zentrum Frankfurt und AStA der Goethe-Universität statt. Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Die Termine:

Nebel im August
Lesung und Gespräch mit Robert Domes
Freitag, 20. Januar, 15-17 Uhr
Campus Westend, IG Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, Raum 311

Führung über das Norbert Wollheim Memorial
Samstag, 21. Januar, 15 Uhr
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Treffpunkt: Wollheim-Pavillon

Möglichkeiten und Grenzen einer Public History of the Holocaust
Werkstattbericht der Studiengruppe Public History
Montag, 23. Januar, 18-20 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 1.414
Norbert-Wollheim-Platz 1

Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933-1945. Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft des Nationalsozilaistischen Lehrerbundes
Vortrag von Prof. Benjamin Ortmeyer
Mittwoch, 25. Januar, 18-20 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum 311
Norbert-Wollheim-Platz 1

Last Folio – Fotografien letzter Zeugnisse jüdischer Kultur in der Slowakei
Ausstellung
Donnerstag, 26. Januar, bis Freitag, 24. Februar
Campus Westend, Lobby des PA-Gebäudes
Theodor-W.-Adorno-Platz 1

Autobiographische Apologien der Täter – Henriette und Baldur von Schirach
Donnerstag, 26. Januar, 19-20 Uhr
Vortrag von Dr. Steffen Bruendel
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG 1.414
Norbert-Wollheim-Platz 1 

Im Gedenken an die Opfer von Auschwitz (Lager Buna/Monowitz)
Namenslesung
Freitag, 27. Januar, 11.30-16.30 Uhr
Campus Westend, IG-Farben-Haus, Foyer
Norbert-Wollheim-Platz 1

Primo Levi: „Ist das ein Mensch?“ und „Das periodische System“
Freitag, 27. Januar, 19 Uhr
Lesung mit Schauspieler Christian Wirmer, Gesprächsleitung: Prof. Harald Schwalbe
Centre for Dialogue,
Zur Kalbacher Höhe 56
60438 Frankfurt (Riedberg)

Erhobenen Hauptes. (Über)Leben im Kibbuz Ma’abarot
Filmvorführung und anschließendes Gespräch mit dem Filmteam
Freitag, 27. Januar, 20 Uhr
Campus Bockenheim, Festsaal im Studierendenhaus
Mertonstraße 26-28 

Informationen unter der Rufnummer 069 798 32344, Mail: fzhg@em.uni-frankfurt.de