Schülerlabore der Goethe-Uni gründen das GoetheLab-Zentrum

Zentrale Räume am Campus Riedberg – Übernahme des GSI-Schülerlabors

Veröffentlicht am: Montag, 21. November 2016, 12:41 Uhr (296)

FRANKFURT.Schülerlabore gibt es an der Goethe-Universität seit vielen Jahren – vor allem im Bereich der Naturwissenschaften. In verschiedenen Instituten und Abteilungen sind sie gut etabliert und als außerschulische Lernorte sehr nachgefragt. Nun gibt es außerdem noch ein zentrales Schülerlabor, in dem vor allem interdisziplinäre Projekte angeboten werden. Dass dieses GoetheLab-Zentrum durch Umbau einiger Laborräume im Werkstattgebäude am Campus Riedberg eingerichtet werden konnte, ist der großzügigen Spende eines ehemaligen Studenten der Goethe-Universität aus China zu verdanken. Der junge Unternehmer Yi Shi, Gründer und Unternehmer einer Holding, deren Kerngeschäft im Digitalen Marketing liegt, gründete eigens für diesen Zweck die Yi-Shi-Innovationsstiftung. Mittelfristig wird auch das von der Adolf Messer Stiftung geförderte bestehende Physiklabor ganz in die Werkstattzentrale umziehen.

Zwischen den Gebäuden der Physik und denen der Geowissenschaften liegt die Werkstattzentrale. Hier waren bis vor kurzem noch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung untergebracht – provisorisch, bis sie in die eigenen Räume umziehen konnten. Die inzwischen frei gewordenen Räumlichkeiten sollen künftig die Anlaufstelle für Schulklassen werden. Doch bevor es soweit ist, sind einige Umbauten erforderlich. „Für die Nutzung durch Schulklassen gelten andere Sicherheitsvorschriften und Notwendigkeiten als für die rein wissenschaftliche- Nutzung der Räume“, erklärt Prof. Arnim Lühken, der das zentrale Schülerlabor derzeit kommissarisch leitet.

Ziel ist es, dass das neue zentrale Schülerlabor von unterschiedlichen Fachbereichen gemeinsam bespielt wird. Interdisziplinäre Angebote gab es bisher auch schon, aber immer wieder musste man nach geeigneten Räumlichkeiten Ausschau halten. Die Fachlabore sind meist versteckt und schwierig zu finden, zudem bringen die jungen Besucher oft Unruhe ins Haus, die den Forschungsbetrieb stören kann. Aus interdisziplinärer Perspektive soll den Schülern vermittelt werden, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dasselbe Problem gibt. Derzeit gibt es zum Beispiel ein Modul zum Thema „Biomechanik – Wie bewegt sich der Mensch?“, bei dem Sportwissenschaftler, Biologen und Physiker kooperieren. Beim Thema „E-Mobilität – Autos an die Steckdose?“ nähern sich die Teilnehmer aus der Perspektive der Soziologie, der Chemie und der Physik. Weitere Module tragen den Titel „Wege ins Stadtgrün – Wohin geht’s?“ (Kunst, Geographie, Biologie), „Biotreibstoffe – Vom Feld in den Tank?“ (Geographie, Chemie, Biologie) oder „Datenmobilität und Crowdsourcing - (Geo)Informatik und Gesellschaft in fachübergreifender Perspektive“ (Geographie, Geoinformatik, Politik). Die Module können als Paket gebucht werden oder auch als einzelnes Angebot.

Die erste Disziplin, die in die Werkstattzentrale einzieht, ist die Strahlenphysik. Ein Glücksfall für die Schülerangebote der Goethe-Universität: Das GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt führt sein eigenes Schülerlabor nicht fort und hat das Laborinventar der Goethe-Universität überlassen. Dr. Axel Gruppe, der das Schülerlabor in Darmstadt seit 2003 mit aufgebaut und betrieben hat, setzte sich sehr für den Umzug nach Frankfurt ein. Gruppe, der am Riedberg-Gymnasium den Fachbereich Naturwissenschaften leitet, kommt ins Schwärmen, wenn er über die Möglichkeiten spricht, die das Labor für die Vermittlung atom- und kernphysikalischer Inhalte bereithält. Rund 20.000 Schüler hätten das Labor in den zehn Jahren seines Bestehens besucht – quer durch sämtliche Schularten. „Das ist ein wichtiges Angebot in einem Bereich, in dem die Schulen üblicherweise nicht gut ausgestattet sind“, so Gruppe. So gebe es z.B. kaum eine Schule, die ein Gerät zur hochauflösenden Gammaspektroskopie verfüge. Je nach Wissensstand können die Klassen zwischen einem „Experten-“ oder einem „Basic Labor“ wählen. Gruppe hat selbst an der Goethe-Universität studiert und wurde am hiesigen Institut für Kernphysik promoviert, die Doktorarbeit hatte er bei GSI erstellt. Gruppe freut sich, künftig wieder mehr an seiner Alma Mater sein zu können. Als die Schließung des Schülerlabors hätten viele Schulen bestürzt reagiert: „Bei vielen gehört das zum jährlichen Programm.“ Für sie gibt es gute Nachrichten. Sie müssen nur nach Frankfurt fahren statt nach Darmstadt.

Das großzügige Geschenk von 300.000 Euro, das Yi Shi seiner Alma Mater machte, kam genau zum richtigen Zeitpunkt: Damit konnte nicht nur der Umbau in Angriff genommen werden; das Geld soll auch dafür verwendet werden, eine halbe Stelle für die fachliche Betreuung des GoetheLab-Zentrums finanzieren zu können. Bislang liefen die Schülerlabore, die ohnehin auf Drittmittel angewiesen sind, vor allem durch viel Eigeninitiative der Institute und Abteilungen und durch den Einsatz studentischer Hilfskräfte.

Das Physiklabor, das später ebenfalls in die Werkstattzentrale umziehen soll, bietet etwa ein Dutzend verschiedene Themen für ganze Klassen an, bisher kommen jährlich etwa 1.500 Schüler. Und auch das Goethe-Schülerlabor Chemie und das BioLab bekommen hier künftig zusätzlichen Raum für Experimentierangebote. Denn die Nachfrage ist groß: Laut Armin Lühken, Prof. für Chemie-Didaktik, haben allein im ersten Halbjahr 2016 schon mehr als 1500 Schüler am Goethe-Schülerlabor Chemie teilgenommen.

Kontakt und Informationen: Prof. Dr. Arnim Lühken, Institut für Didaktik der Chemie, Telefon +49 (0)69 798 29446; E-Mail: luehken@chemie.uni-frankfurt.de