Zusammenarbeit mit anderen Universitäten zahlt sich aus

Neuer Sonderforschungsbereich zur Resilienzforschung gemeinsam mit der Universität Mainz – Neues Graduiertenkolleg in den Erziehungswissenschaften in Kooperation mit der Universität Tübingen

Veröffentlicht am: Freitag, 24. Juni 2016, 10:53 Uhr (161)

FRANKFURT. Gute Nachrichten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft aus Bonn: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität werden auch in den nächsten Jahren in zweistelliger Millionenhöhe gefördert werden. Neben einem Sonderforschungsbereich zur Resilienzforschung gemeinsam mit den Mainzer Kollegen wurde auch ein Graduiertenkolleg in den Erziehungswissenschaften in Kooperation mit der Universität Tübingen aus einer Vielzahl von Anträgen ausgewählt. Zudem können ein Graduiertenkolleg in der Theologie und ein Sonderforschungsbereich in der Biochemie ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen. „Das stärkt die wissenschaftliche Kooperation der Rhein-Main-Universitäten insgesamt und vor allem die des Frankfurt-Mainzer Verbunds der Neurowissenschaften“, betonte Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff. „Das Projekt zu Resilienz finde ich besonders interessant, weil es menschliches Wohlergehen nicht aus der Krankheits-Perspektive, sondern der Erhaltung von Gesundheit betrachtet.“                                                                                                         

Sonderforschungsbereich „Neurobiologie der Resilienz gegenüber stressinduzierter psychischer Dysfunktion: Mechanismen verstehen und Prävention fördern“

Am 1. Juli startet der Sonderforschungsbereich (SFB 1193) „Neurobiologie der Resilienz gegenüber stressinduzierter psychischer Dysfunktion: Mechanismen verstehen und Prävention fördern“, für den in den ersten vier Jahren ca. 12,1 Mio Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Der neue Sonderforschungsbereich des Rhein-Main-Neuroscience-Netzwerks erforscht, welche Prozesse für Resilienz – d.h. für die psychische Widerstandsfähigkeit, die vielen Menschen innewohnt – verantwortlich sind und wie diese gefördert werden können.

SFB-Sprecher ist Prof. Beat Lutz vom Institut für Physiologische Chemie der Universitätsmedizin Mainz, der Sonderforschungsbereich umfasst insgesamt 17 wissenschaftliche Teilprojekte. Vier Teilprojekte laufen komplett an der Goethe-Universität bzw. beim Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung, insgesamt sind die Frankfurter Forscher an elf Teilprojekten beteiligt. Zu der Frankfurter Gruppe gehören Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung und der Goethe-Universität, federführend sind: Prof. Dr. Christian Fiebach (Koordinator mit Mainz) und Dr. Ulrike Basten-Wissel, Arbeitsbereich Neurokognitive Psychologie (Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften), Prof. Dr. Amparo Acker-Palmer, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft (Fachbereich Biowissenschaften), Prof. Dr. Jochen Roeper, Dr. Torfi Sigurdsson und Dr. Sevil Duvarci, Institut für Sinnes- und Neurophysiologie (Fachbereich Medizin), Prof. Dr. Andreas Reif, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (Fachbereich Medizin), sowie Prof. Dr. Erin Schuman und Dr. Johannes Letzkus, beide Max-Planck-Institut für Hirnforschung.

Untersucht werden Resilienzmechanismen auf unterschiedlichsten Ebenen, von molekularen Forschungsansätzen über die systemische Untersuchung neuronaler Schaltkreise bis hin zur funktionellen Bildgebung beim Menschen. Das reicht von der molekulargenetischen Analyse Stress-induzierter synaptischer Proteine über die elektrophysiologische Untersuchung, wie verteilte Nervenzellverbänden durch Stress beeinflusst werden, bis hin zu den neuronalen Grundlagen komplexer menschlicher Verhaltensweisen wie Optimismus oder kognitiver Flexibilität. „Während die Forschung klassischer Weise bestrebt ist, zu verstehen, wie Stress zu Erkrankungen führt“, so Fiebach, „zielt der neue SFB darauf ab, diejenigen mechanistischen Eigenschaften des Gehirns zu verstehen, die es uns erlauben, im Angesicht von Stress unsere psychische Gesundheit zu erhalten.“ Um diese Zusammenhänge am Menschen untersuchen zu können, sind von dem Psychiater Reif auch langfristige Kohortenerhebungen geplant, die es ermöglichen, den Einfluss von alltäglichen Stressoren und kritischen Lebensereignissenauf die Gesundheit – und die vermittelnde Rolle des Gehirns – zu untersuchen. Längerfristig soll diese Forschungsarbeit in die Etablierung wissenschaftlich fundierter Präventionsmaßnahmen münden.

Graduiertenkolleg „Doing Transitions ‒ Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf“

An der Goethe-Universität und an der Universität Tübingen wird ein neues von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über 4,5 Jahre finanziertes Graduiertenkolleg eingerichtet: Zwölf Promovenden und weitere Nachwuchswissenschaftler werden unter dem Thema „Doing Transitions ‒ Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf“ ihre eigenen Projekte realisieren können und werden dabei von sechs Frankfurter und vier Tübinger Professorinnen und Professoren in dem Kolleg betreut. Die beiden Sprecher des Graduiertenkollegs sind der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Andreas Walther (Goethe-Universität) und seine Tübinger Kollegin Prof. Dr. Barbara Stauber.

Übergänge von der Kita bis zum Pflegeheim, die Menschen im Laufe ihres Lebens durchschreiten, werden im Mittelpunkt des gemeinsamen Forschungsinteresses der Promovenden aus den Erziehungswissenschaften, der Soziologie und Psychologie und ihrer Betreuer stehen. Dabei geht  um seit Langem institutionalisierte Übergänge, wie Übergänge in Bildung, Arbeit oder Elternschaft. Aber es soll auch die Situation der Migranten besonders berücksichtigt werden: wie der Übergang in einen anerkannten Aufenthaltsstatus, ein neues Bildungssystem oder einen geschlossenen Arbeitsmarkt.

Die Initiatoren des Graduiertenkollegs wollen neue Akzente in der Übergangsforschung setzen, dazu ihr Sprecher, Andreas Walther: „Bisher ist diese Forschung sehr stark den institutionalisierten Lebensaltersphasen gefolgt. Diese Studien fragen zumeist nach den Ursachen, wenn ein Lebenslauf von den Normalverläufen abweicht und nach dem Scheitern der institutionellen Vorgaben.“ So lasse sich die Reproduktion der sozialen Ungleichheit nicht ausreichend analysieren, heißt es in dem DFG-Antrag der Frankfurter und Tübinger Wissenschaftler. „Wir wollen das Wie bei der Gestaltung der Übergänge genauer erforschen, das Kreative und Dynamische sichtbar machen und die Normalitätsannahmen hinterfragen“, betont der Frankfurter Erziehungswissenschaftler.

Verlängerung der DFG-Förderung

Von der DFG verlängert wurden das Graduiertenkolleg „Theologie als Wissenschaft“ (Sprecher Prof. Markus Wriedt, Fachbereich Evangelische Theologie) sowie der Sonderforschungsbereich „Transport und Kommunikation durch biologische Membranen“ (Sprecher Prof. Robert Tampé, Fachbereich Biochemie).

Informationen: zum Sonderforschungsbereich: Prof. Dr. Christian Fiebach, Arbeitsbereich Neurokognitive Psychologie, Fachbereich Psychologie und Erziehungswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798- 35334, E-Mail: fiebach@psych.uni-frankfurt.de; zum Graduiertenkolleg: Prof. Dr. Andreas Walther, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Campus Westend, Tel. (069) 798- 36383, E-Mail: a.walther@em.uni-frankfurt.de

Beitrag im Online-Magazin zum Graduiertenkolleg „Doing Transitions ‒ Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf“ unter http://tinygu.de/79zn