Wenn rechte Akteure feministische Ideale vereinnahmen

Internationaler Workshop des Cornelia Goethe Centrums beschäftigt sich mit dem Thema, wie verschiedene Strömungen sich Positionen des Feminismus zu eigen machen

Veröffentlicht am: Freitag, 12. Februar 2016, 15:07 Uhr (042)

FRANKFURT. Konservative und rechte Akteure nutzen Forderungen zur Geschlechtergerechtigkeit immer wieder, um rassistische Diffamierungen zu legitimieren. Zudem vereinnahmen auch Neoliberale feministische Ideale und so befürchten Genderforscherinnen, dass die Gesellschaftskritik der aktuellen Frauenbewegung von dieser Strömung genutzt wird, um neue soziale Ungleichheiten zu legitimieren. Bei einem internationalen Workshop beschäftigen sich 40 Wissenschaftlerinnen aus zehn Ländern am 25. und 26. Februar (Donnerstag und Freitag) in Frankfurt mit verschiedenen Strömungen, die sich Positionen des Feminismus zu eigen machen. Konzeptioniert und organisiert wurde diese Tagung von Prof. Dr. Helma Lutz und Kristina Nottbohm vom Cornelia Goethe Centrum (CGC) der Goethe-Universität.

Der Workshop in englischer Sprache trägt den Titel „Appropriating Feminism? – Feminist Entanglements with Neoliberalism, Racism, International Politics and Military Interventions”.Am Donnerstag (25. Februar) um 18 Uhr findet ein öffentlicher Vortrag auf Campus Westend, PEG-Gebäude, R. 1.G191 statt: Prof. Dr. Anna Korteweg (University of Toronto) und Prof. Dr. Gökçe Yurdakul (Humboldt Universität) sprechen über “Appropriating Feminism? The Uses of Gender Equality in Headscarf Debates“

Anknüpfend an aktuelle Aktivitäten des Cornelia Goethe Centrums und des Schwerpunkts Frauen- und Geschlechterforschung in Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität beschäftigt sich der Workshop mit diesem Thema, das gleichermaßen hohe theoretische wie auch gesellschaftspolitische Relevanz besitzt. So rechtfertigen Rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien und Aktionsbündnissen, aber mittlerweile auch Teile der Mehrheitsgesellschaft ihre Forderungen nach einer restriktiveren Einwanderungs- und Abschottungspolitik mit dem vermeintlich notwendigen Schutz von Frauen (Stichwort Köln). Welche Diskursformationen lassen sich hier erkennen und unterscheiden? Wie wird etwa die Forderung nach einem Kopftuchverbot begründet?

Es geht bei dem Workshop auch um die folgenden Fragen: Wie werden feministische Anliegen in neoliberalen Diskursen vereinnahmt? Auch militärische Interventionen und die Sanktionspolitiken internationaler Organisationen werden mit der Durchsetzung von Frauenrechten legitimiert. Um welche Form von Vereinnahmungen geht es hier? Wie können unter diesen Bedingungen neue transnationale Bündnisse und Formen der Solidarität unter Frauen entstehen?

Informationen: Prof. Dr. Helma Lutz und Kristina Nottbohm, Cornelia Goethe Centrum, Tel. (069) 798 36609/36615, E-Mail: lutz@soz.uni-frankfurt.de und kristina.nottbohm@posteo.de

Programm und Abstract des öffentlichen Vortrags unter: www.cgc.uni-frankfurt.de/index.shtml