Niederländische Migrantenliteratur: Zwischen zwei Welten

Mano Bouzamour und Rachida Lamrabet lesen aus ihren Werken – Eine Veranstaltung des Lektorats Niederländisch

Veröffentlicht am: Dienstag, 26. Januar 2016, 09:00 Uhr (019)

FRANKFURT. Die Frankfurter Buchmesse steht in diesem Jahr im Zeichen der niederländischen Literatur. Deshalb hat das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität Frankfurt die Reihe „Auf zur Buchmesse 2016“ gestartet, die am 5. Februar (Freitag) um 19 Uhr fortgesetzt wird. Bei diesem literarischen Abend geht es um Migrantenliteratur. Mano Bouzamour und Rachida Lamrabet, beide mit marokkanischen Wurzeln, lesen aus ihren Werken. Dazu sind alle interessierten Bürger um 19 Uhr ins Casino (Raum: 1.811), Campus Westend, eingeladen, der Eintritt ist frei. Die Lesung ist auf Niederländisch mit deutscher Übersetzung.

Direkt aus Amsterdam kommt der junge niederländische Schriftsteller mit marokkanischen Wurzeln Mano Bouzamour (geb. 1991), der 2013 mit seinem hinreißenden „Coming-of-Age“-Roman „De belofte van Pisa“ („Das Versprechen von Pisa“) einen Überraschungserfolg feierte. Obwohl die deutschen Leser erst im Sommer 2016 das Vergnügen haben werden, den erfrischenden Roman zu lesen, widmete die FAZ Bouzamour bereits im Juli 2014 eine halbe Seite.

In einer bildreichen, treffsicheren und lebendigen Sprache erzählt Bouzamour die Geschichte des jungen Protagonisten Sam, der – trotz seiner nicht-integrierten Eltern und seines kriminellen Bruders – als einziger Marokkaner sein Abitur auf einem elitären reformierten Gymnasium schafft. Das hatte er seinem Bruder, bevor dieser für sechs Jahre hinter Gitter wanderte, seinerzeit in der Eisdiele Pisa versprochen. Dieser Ausgangspunkt bietet Bouzamour die Gelegenheit, mit scharfer Feder und auf heiter-ironischer Weise die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten zu beschreiben. Der Autor selber, der zumindest äußerlich überraschende Ähnlichkeiten mit seiner Hauptfigur Sam aufweist, verspricht eine Lesung „wie ein Feuerwerk“.

Leisere, aber dafür nicht weniger im Gedächtnis haftende Töne gibt es von der 1970 in Belgien geborenen Juristin und Schriftstellerin Rachida Lamrabet. In ihren Romanen „Vrouwland“ aus 2007 (2009 auf Deutsch unter dem Titel Frauenland erschienen) und „De man die niet begraven wilde worden“ (2011) („Der Mann der nicht beerdigt werden wollte“) thematisiert Lamrabet, die als Juristin auch für das Zentrum für Chancengleichheit und Rassismusbekämpfung in Brüssel arbeitet, die Zerrissenheit der Belgier mit marokkanischem Migrationshintergrund, die dauernd zwischen zwei Welten hin- und herpendeln. Die innere Gespaltenheit ihrer Roman-figuren spiegelt sich in der nicht-chronologischen Struktur und den wechselnden Perspektiven. Die Thematik ist aktueller denn je. Faszinierend ist jedoch, wie unterschiedlich beide Autoren sie verarbeiten.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; www.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe