Leroy Hood und seine Vision von der „P4“-Medizin: Proaktive Medizin beginnt beim gesunden Menschen

Der renommierte amerikanische Wissenschaftler hält Vortrag in der Reihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“

Veröffentlicht am: Donnerstag, 21. Januar 2016, 11:13 Uhr (014)

FRANKFURT. Der renommierte amerikanische Naturwissenschaftler und Mediziner Prof. Leroy Hood wird am letzten Abend der Vortragsreihe „Du, Deine Gene, Deine Therapie“ seine Vision einer „P4“-Medizin vorstellen: Es werde einen Wechsel von einer reaktiven Medizin zu einer proaktiven Medizin geben, gekennzeichnet durch die vier Adjektive: prädiktiv, personalisiert, präventiv und partizipatorisch. Dabei rücke das Wohlbefinden und nicht die Krankheit in den Mittelpunkt der Betrachtung, so der Wissenschaftler, der in den 1980er Jahren u.a. an der erfolgreichen Entwicklung der automatischen DNA-Sequencer strategisch beteiligt war.

Der Vortrag in englischer Sprache findet statt: am 28. Januar (Donnerstag) um 18 Uhr auf dem Campus Niederrad, Universitätsklinikum, Haus 23, Hörsaal 4, Theodor-Stern-Kai 7. Eingeladen zu dieser Reihe der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Goethe-Universität, die im Rahmen der von der Deutsche Bank AG initiierten und geförderten Stiftungsgastprofessur „Wissenschaft und Gesellschaft“ im Wintersemester veranstaltet wird, sind interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Rhein-Main-Region. Der Titel von Hoods Vortrag lautet “Systems Medicine and ProactiveP4 Medicine (predictive, personalized, preventive and participatory). Transforming Healthcare through Wellness – A Personal View” („Systemische Medizin und die proaktive P4-Medizin (prädiktive, personalisierte, präventive und partizipatorische Medizin). Wie der Faktor Wohlbefinden das Gesundheitswesen verändern wird – eine persönliche Betrachtung“).

Hoods Vorstellung eines systemischen Ansatzes beruht auf Entwicklungen in Gebieten, die zusammenwirken: systemische Medizin, enorme Datenflut und ihre Interpretation sowie die sozialen Patienten-Netzwerke. Mit der prädiktiven Medizin setzt Hood schon beim gesunden Menschen an. Neben der Prognose bestehender Krankheiten sollen die Beurteilung von individuellen Risikofaktoren wie Body Mass Index oder Blutdruck aber auch genetische Merkmalen berücksichtigt werden. Das prädiktive und präventive Potenzial soll sich nicht in einer weiter entwickelten personalisierten Therapie erschöpfen. Die Kenntnis von persönlich, prädiktiv als Risikofaktoren interpretierten Merkmalen soll auch neue Impulse für partizipatorische, proaktive sowie präventive Handlungsoptionen geben.

In seinem Vortrag wird Hood diese P4-Medizin mit der aktuellen evidenzbasierten Medizin, die sich auf empirische Befunde stützt, vergleichen und ihren Einfluss auf die Gesellschaft und ihr Gesundheitswesen diskutieren. P4-Medizin hat zwei zentrale Zielrichtungen: Wohlbefinden (Wellness) zu quantifizieren und Krankheiten zu entmystifizieren. Hood wird auch diskutieren, wie diese P4-Medizin pilotartig in unser derzeitiges Gesundheitswesen einzuführen ist. Zurzeit arbeiten Hood und sein Team an einer mehrdimensionalen »Big-Data«-Längsschnittstudie, an der 100 000 „gesunde Patienten“ teilnehmen und die über 20 Jahre läuft. Über erste vorläufige Ergebnisse der Studie wird Hood ebenfalls berichten.

Der Referent:

Prof. Dr. Drs h.c. Leroy Hood, geb. 1938 in Missoula, Montana (USA), studierte am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Kalifornien, Chemie und Biologie sowie Medizin an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland (USA). Nach dem Abschluss zum Medical Doctor (M.D.) und der Promotion (Ph.D.) wirkte er 22 Jahre als Professor für Biologie am Caltech. Als Immunologe hat er Grundlegendes zur Theorie der Antikörper-Vielfalt beigetragen. In dieser Zeit war er maßgeblich für die Entwicklung des Peptidsynthesizers, des Proteinsequencers, des Oligonukleotidsynthesizers und des DNA-Sequencers beteiligt. Diese Geräte bilden das Rückgrat der Molekularbiologie und Biotechnologie. 1992 wechselte er an die University of Washington, Seattle, und war dort Gründer und Chairman des Department of Molecular Biotechnology. 2000 war er Mitgründer des ersten Instituts, das systemische Ansätze zur Biologie und Medizin bearbeitet. Hood wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Kyoto-Preis 2002, dem Heinz-Preis in Technology 2006, 2013 erhielt er die National Medal of Science von Präsident Obama. 2015 wurde Hood zu den 50 einflussreichsten Wissenschaftlern weltweit gewählt.

Informationen: Prof. Dr. Joachim Engels, Campus Riedberg, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Tel. (069)798-29150, E-Mail: Joachim.Engels@chemie.uni-frankfurt.de;Prof. Dr. Simone Fulda, Campus Niederrad, Fachbereich Medizin, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Tel. (069) 678 66557, E-Mail:Simone.Fulda@kgu.de

Programmbroschüre sowie der Link zu Aufzeichnungen der Vorträge und Diskussionen auf www.buerger.uni-frankfurt.de unter „Weitere Veranstaltungen“

Programm online auch unter: www.wissenschaftliche-gesellschaft.uni-frankfurt.de