Mehrheit aller Übernahmen scheitert

Zentrale Organisationseinheit im Unternehmen verbessert den Erfolg / Externe Berater keine große Hilfe

Veröffentlicht am: Dienstag, 15. Dezember 2015, 12:57 Uhr (336)

FRANKFURT. Die Mehrheit aller Unternehmensübernahmen und -fusionen scheitert. Dies erklärt Prof. Dr. Lars Schweizer in einem Interview im aktuellen Newsletter des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Exakte Zahlen ließen sich zwar schwer ermitteln, es sei jedoch im Durchschnitt davon auszugehen, dass mindestens jede zweite Übernahme scheitere. Je nach Herangehensweise einer Messung zeigten sich sogar Misserfolgsquoten von bis zu 70 Prozent. Etwas besser würden kleinere Unternehmen abschneiden, bei denen die Transaktion in der Regel weniger komplex sei. Grenzüberschreitende Übernahmen seien dagegen grundsätzlich problematisch, was Schweizer auf die größere Distanz und die kulturellen Unterschiede zurückführt.

Schweizer hat in einer aktuellen Publikation untersucht, wie Unternehmen bei M&A-Aktivitäten („Mergers & Acquisitions“) erfolgreicher sein können. Danach zeigt sich, dass Unternehmen, in denen ein zentral aufgehängtes internes Team den Übernahmeprozess von Anfang bis Ende begleitet, erfolgreicher sind als solche, wo sich mehrere Abteilungen die Arbeit teilten. Letzteres sei jedoch noch recht weit verbreitet. „Oft entwickeln die einen die Strategie, die anderen nehmen die Bewertung vor, wieder andere kümmern sich um die Integration. Da gehen viele Informationen an den Schnittstellen verloren und zudem wird der nächste Schritt oft nicht mitgedacht“, so Schweizer.

Keine große Hilfe sind nach seinen Ergebnissen externe M&A-Berater. Diese könnten Übernahmeprozesse zwar durchaus managen, ihnen fehle aber in der Regel das interne Know-How, um die Transaktion langfristig erfolgreich umzusetzen. Meist seien die Berater in der Integrationsphase auch gar nicht mehr beteiligt. „Daher heißt es gerne, dass M&A in der Beratersprache für ‚Machen und Abhauen‘ steht, während es für das Unternehmen heißt: ‚Machen und Ausbaden‘.“

Link zum Interview: http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/de/forschung/forschung-aktuell/details/article/machen-und-ausbaden.html

Informationen: Prof. Dr. Lars Schweizer, E-Mail: l.schweizer@em.uni-frankfurt.de, Tel: 069 798 34832