Lesung zu „Flucht und Vertreibung im Europa der 30er und 40er Jahre“

Veranstaltung des Lektorats Niederländisch mit den Journalisten Laura Starink und Mark Schaevers

Veröffentlicht am: Donnerstag, 29. Oktober 2015, 14:19 Uhr (286)

FRANKFURT. Dass Flucht und Vertreibung nicht nur ein gegenwärtiges Problem sind, darauf macht das Lektorat Niederländisch an der Goethe-Universität aufmerksam: Am 6. November liest die niederländische Journalistin Laura Starink aus ihrem Roman über die Vertreibung ihrer Familie aus Schlesien und der flämische Journalist Mark Schaevers stellt die Biografie des jüdischen Malers Felix Nussbaum vor. Zu dem Themenabend „Flucht und Vertreibung im Europa der 30er und 40er Jahre“ sind alle interessierten Bürger um 19 Uhr ins Casino (Raum1.811), Campus Westend, eingeladen. Die Lesung ist auf Niederländisch und Deutsch – ergänzt von Bildern.

 Starinks Lebensgeschichte ihrer schlesischen Mutter erschien im September dieses Jahres im Verlag „weissbooks“ unter dem Titel „Meine Mutter aus Mikultschütz“. Das niederländische Original „Duitse wortels“ verkaufte sich in den Niederlanden, wo das Schicksal der Schlesier weitgehend unbekannt war, über 30.000 Mal. Die Slawistin recherchierte die Geschichte ihrer Familie mütterlicherseits in Polen und Deutschland. Es entstand ein faszinierendes Mosaik von Menschen, für die der eigentliche Krieg mit der Flucht vor der Roten Armee und der Vertreibung aus Schlesien erst nach Kriegsende begann.

 „Orgelman“ hat Mark Schaevers Nussbaums Biografie genannt. Seine Faszination für den Osnabrücker Maler entstand während Vorarbeiten für ein Buch, das er über jüdische Intellektuelle plante, die nach Ostende geflüchtet waren. In akribischer Kleinarbeit zeichnet Schaevers in der Biografie nach, wie sehr die Flucht Nussbaums Leben dominierte. Nach einem Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom (1932/33) streunte er elf Jahre durch Italien, Frankreich, die Schweiz und Belgien, in den letzten Kriegstagen in Belgien wurde er noch verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Felix Nussbaum (1904-1944) war nach dem Krieg fast völlig vergessen worden; denn seine Berliner Bilder waren verbrannt und die in Belgien entstandenen schimmelten in feuchten Brüsseler Kellern vor sich hin. Auf faszinierende Art und Weise erweckt Mark Schaevers Vita und Werk von Nussbaum wieder zum Leben. Die reich bebilderte Biografie erscheint 2016 auf Deutsch beim Galiani Verlag.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www.uni-frankfurt.de/41138070/niederlaendisch