Dramaturgien der Überwachung

Symposium: „Edward Snowden, der Sicherheitsstaat und das Theater“. 17./18. Juli, Goethe-Uni/Mousonturm

Veröffentlicht am: Donnerstag, 16. Juli 2015, 12:51 Uhr (205)

FRANKFURT. Die lange Geschichte der sicherheits- und machtpolitisch motivierten Überwachung hat sich stets auch in Theater und Drama niedergeschlagen hat (von Shakespeares „Hamlet“ zu Schillers „Don Karlos“ zu Brechts „Leben des Galileo“). Man könnte umgekehrt allerdings auch formulieren, dass traditionelle Formen der Überwachung insofern selbst als theatral gelten können, als sie Zuschauerschaft implizieren und die überwachten Subjekte, häufig ohne deren Wissen, als Performer behandeln. Das öffentliche Symposium „Dramaturgien der Überwachung – Edward Snowdon, der Sicherheitsstaat und das Theater“ findet am 17. u. 18. Juli an der Goethe-Universität (Campus Westend, Raum 1.411) und im Künstlerhaus Mousonturm statt.

Zu den Referenten der Veranstaltung zählt auch Gerhart Baum, Bundesminister des Innern a. D. Er spricht am Samstag um 13.00 Uhr im Mousonturm über „Weltüberwachungsstaat und Überwachungskapitalismus — Wie bewahren wir die Menschenwürde gegenüber den Gefahren des Internets?“ (Tickets für Veranstaltungen im Mousonturm: 12 Euro, Studierende haben freien Eintritt.)

Zum Programm: www.uni-frankfurt.de/55400748/symposium 

Zum Hintergrund: Was neu ist an den von Edward Snowden aufgedeckten Praktiken der amerikanischen National Security Agency (NSA) ist nicht der zugrundeliegende Impuls zur totalen Überwachung jeglicher Kommunikation, sondern die historisch erstmalige technische Umsetzbarkeit dieses Impulses, zumindest im Hinblick auf globale digitale Kommunikation. Zu fragen wäre nicht nur, welche Folgen das von der NSA repräsentierte gegenwärtige Überwachungsdispositiv langfristig für den öffentlichen Raum, die politische Gewaltenteilung, und internationale Beziehungen einerseits, sowie für die Privatsphäre, die Ausübung freier Meinungsäußerung, und die Verfasstheit des Subjekts selbst andererseits haben wird, sondern auch, wie Theater und Performance diese Entwicklungen nicht nur in den Blick bekommen, sondern sich ihnen gegenüber auch kritisch positionieren können. Dies ist angesichts der Pariser Anschläge vom 7. Januar dieses Jahres noch von zusätzlicher Dringlichkeit.

Das Symposium wird von der Professur für Theaterwissenschaft in Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie, dem Künstlerhaus Mousonturm, und dem Staatstheater Karlsruhe veranstaltet. Gefördert wird die Veranstaltung vom DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie durch das International Office der Goethe-Universität, die Hessische Theaterakademie und das Staatstheater Karlsruhe.

Leitung: Prof. Dr. Markus Wessendorf, Friedrich-Hölderlin-Gastprofessor für Allgemeine und Vergleichende Dramaturgie (Sommersemester 2015), Goethe-Universität. Wessendorf@em.uni-frankfurt.de