Neues LOEWE-Zentrum an der GU geht an den Start

Wissenschaftsminister Boris Rhein überreicht Urkunden an geförderte Projekte

Veröffentlicht am: Freitag, 19. Juni 2015, 14:00 Uhr (179)

FRANKFURT. Das hessische Landesförderprogramm LOEWE (Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz) geht in eine weitere Runde – und wieder ist die Goethe-Universität vorne mit dabei. Bei einer feierlichen Matinee am Campus Westend hat Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) heute Vormittag die Urkunden überreicht. Neu als LOEWE-Zentrum ins Programm aufgenommen wurde das Projekt „Translationale Medizin und Pharmakologie TMP“; das LOEWE-Zentrum „HIC for FAIR“ und der LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ können ihr Vorhaben mit Landesmitteln abschließen.

Mit rund 20 Millionen Euro geht die größte Fördersumme an das LOEWE-Zentrum „Translationale Medizin und Pharmakologie TMP“ unter der Leitung von Prof. Gerd Geisslinger, in dem sich die federführende Goethe-Universität, die Fraunhofer-Projektgruppe Translationale Medizin und Pharmakologie TMP des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME und  die Abteilung Pharmakologie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim zusammengeschlossen haben. Hauptziel des LOEWE-Zentrums  ist die zielgerichtete Überführung von innovativen akademischen Forschungsideen in die anwendungsorientierte Arzneimittelforschung und somit der effektive Transfer in die medizinische Praxis. Trotz explodierender Kosten in der Arzneimittelentwicklung scheitern bislang viele neue Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung. Die Wissenschaftler haben sich zum Ziel gesetzt, die Leistung der Arzneimittelforschung zu steigern und so die Entwicklungskosten von Arzneimitteln unter marktwirtschaftlichen Kriterien zu senken. Erreichen wollen sie dies, indem sie u.a. in Kooperation mit der Industrie präklinische und klinische Modelle entwickeln, um so früh wie möglich Aussagen über die Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneistoffen treffen zu können und damit die Erfolgsraten der klinischen Entwicklung deutlich zu steigern. Die Fraunhofer-Projektgruppe Translationale Medizin und Pharmakologie, soll die gemeinsamen Bemühungen von Wirtschaft und Wissenschaft koordinieren. Langfristiges Ziel des LOEWE-Zentrums ist die Etablierung des ersten Fraunhofer-Instituts in Frankfurt. Das Projekt knüpft an den LOEWE-Schwerpunkt „Anwendungsorientierte Arzneimittelforschung“ (2012-2014) an.

Beeindruckende Ergebnisse geliefert hat das LOEWE-Zentrum „HIC for FAIR“ (Helmholtz International Center for Facility for Antiproton and Ion Research): Mit dem LOEWE CSC in Frankfurt Höchst haben die beteiligten Wissenschaftler einen der schnellsten und energieeffizientesten Rechner in Deutschland entwickelt. Wobei dieser Rechner nur eine Art Nebenprodukt der Grundlagenforschung ist, die den Start des Teilchenbeschleunigers FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) vorbereiten soll. Dabei geht es um Fragen wie: Was ist Masse? Woher kommt Materie? Wie sind die Elemente entstanden? HIC for FAIR kann mit den genehmigten Mitteln nun noch bis Dezember 2015
weitermachen. Neben der Goethe-Universität sind die Technische Universität Darmstadt, die Justus-Liebig-Universität Gießen, das Frankfurt Institute for Advanced Studies sowie das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung als Partner beteiligt.

Und auch der LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ kann bis Ende 2015 fortgesetzt werden, dafür stehen weitere 350.000 Euro zur Verfügung. Unter Federführung der Goethe-Universität erforschen Wissenschaftler der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte Frankfurt und unter Beteiligung der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung Formen und Muster im Umgang mit Konflikten. Welche Konflikte trug man zu unterschiedlichen Zeiten vor Gericht aus, wann wurde außergerichtlich nach Lösungen gesucht? Wie stellt sich dies im internationalen Vergleich dar? Ziel ist eine fundierte Theorie der Konfliktlösung. Zugleich soll Frankfurt als Zentrum der Konfliktforschung etabliert werden, indem das Projekt in einen DFG-Sonderforschungsbereich überführt wird.

Die Goethe-Universität hat damit bei sechs LOEWE-Zentren und acht LOEWE-Schwerpunkten die Federführung inne. Professor Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, zieht eine positive Zwischenbilanz: „Die LOEWE-Initiative hat in Hessen viel Gutes bewirkt. Denn sie regt nicht nur zur Kooperation innerhalb der Hochschulen an, sondern wegen ihrer Anwendungsorientierung auch mit Partnern aus der Wirtschaft. Aber auch für die Grundlagenforschung gibt sie wichtige Impulse. So werden nicht wenige frühere LOEWE-Projekte heute zum Beispiel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert – auch das ein Beispiel für gelungenen Transfer!“