Goethe-Medienpreis geht an drei überregional tätige Journalisten

Ausgezeichnete Beiträge über Qualitätssicherung in der Wissenschaft, Umgang mit Drittmitteln sowie eine Milieustudie über Abendschule

Veröffentlicht am: Montag, 23. Februar 2015, 12:43 Uhr (059)

Auf dem Foto: Dr. Gerald Wagner (links) von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Bernd Kramer von duz.

FRANKFURT. Die Entscheidung ist gefallen. Die Gewinner des Goethe-Medienpreises für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus von FAZIT-Stiftung und Goethe-Universität stehen fest. Die Jury hat zusammen mit der Präsidentin der Goethe-Universität, Prof. Dr. Birgitta Wolff, am 23. Februar anlässlich einer Festveranstaltung in Frankfurt

  • dem Journalisten Dr. Gerald Wagner von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für seinen Beitrag „An der Abendschule sagt keine Fack Ju Göhte“ – Aufstieg durch Bildung?...“ den mit 4.000 Euro dotierten, 1. Preis zuerkannt.
  • Der mit 1.800 Euro dotierte, 2. Preis geht an Florian Felix Weyh (Deutschlandradio Kultur) für sein Feature „Der eine macht, der andere wacht – Peer Review als Qualitätssicherungsverfahren in der Wissenschaft“.
  • Bernd Kramer erhält für seinen Beitrag: „Wahrheiten wie bestellt“ aus der Deutschen Universitätszeitung den mit 1.200 Euro dotierten 3. Preis.  
  • Der undotierte Anerkennungspreis geht an das studentische Radio Mephisto 97,6 aus Leipzig.

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Prof. Dr. Bernhard Kempen, bezeichnete den Beitrag des 1. Preisträgers Dr. Gerald Wagner als „eine eindringliche  Milieustudie, die zu einem Lehrstück über Bildung wird. (…) Bildung setzt Freiräume zur Persönlichkeitsentwicklung voraus, damit sich Selbständigkeit und Kreativität entfalten können. Bildung nimmt dagegen Schaden, wenn sie unter Verwertungsdruck steht und nur noch nach Nützlichkeitserwägungen beurteilt wird. (…) Das alles kann und wird auch Gültigkeit für die Hochschulen beanspruchen, die in erster Linie der Persönlichkeitsbildung der Lehrenden und Lernenden dienen sollen, in Zeiten der Ökonomisierung jedoch zu Wirtschaftsbetrieben und Ausbildungsfabriken degradiert sind. Insofern ist es durchaus folgerichtig, dass sich die Jury darauf verständigt hat, einen im Kern bildungspolitischen Grundsatzartikel mit weit reichenden hochschul- und wissenschaftspolitischen Implikationen auszuzeichnen.  (…) Indem er anhand eines Berliner Abendgymnasiums das politische Schlagwort vom „Aufstieg durch Bildung“ zum Thema macht, hat der Autor markante Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich von Wissenschafts- und Hochschulpolitik einem breiten Publikum vermittelt.“

„Wer wissenschaftlich forscht, braucht den Segen anderer Forscher des Fachgebiets, um die Ergebnisse publizieren zu können. Peer Review heißt das Verfahren“, heißt es im Radiofeature „Der eine macht, der andere wacht – Peer Review als Qualitätssicherungsverfahren in der Wissenschaft“ von Florian Felix Weyh. Der ehemalige Generalsekretär der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Jury-Mitglied Prof. Dr. Reinhard Grunwald hob in seiner Laudatio hervor:Mit dem Peer Review ist es wohl wie mit der Demokratie: nicht ohne Schwächen, aber das Beste, was derzeit zur Verfügung steht. Die Jury war sich einig:  Nach Form und Inhalt ist diese Arbeit geradezu ein Musterbeispiel für ein Radiofeature: spannend, lehrreich, ebenso faktenreich wie farbig und unterhaltsam, bestens geeignet, die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums für wichtige Themen der Wissenschaft zu gewinnen.“

Die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD, Prof. Dr. Margret Wintermantel erklärte in ihrer Laudatio zu Bernd Kramers Beitrag „Bestellte Wahrheiten“: „Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht der Forschungsstandort Deutschland eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft. Der Beitrag von Bernd Kramer wurde ausgezeichnet, weil er zeigt, wie schwierig die Gratwanderung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist, wenn sie für ihre Forschung Drittmittel aus Unternehmen akquirieren. Er stellt dabei heraus, welche Verantwortung Forscherinnen und Forscher für einen moralisch integeren Umgang mit Drittmitteln übernehmen, denn letztendlich geht nicht nur um die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Forschung. Es geht um die Integrität von Wissenschaft und die internationale Reputation des deutschen Wissenschaftssystem.“

Der Goethe-Medienpreis für Wissenschaft-und politischen Journalismus wird seit 2008 alle zwei Jahre verliehen und ist der einzige Preis seiner Art im deutschsprachigen Raum. Prämiert wird exzellenter Journalismus, der wissenschafts- und hochschulpolitische Entwicklungen und Themen in besonders hintergründiger und anschaulicher Weise aufgreift und damit einem großen Publikum zugänglich macht. Die Bewertung übernimmt eine mit herausragenden Fachleuten besetzte Jury. Bewerben können sich Print-, Online- und Hörfunkjournalisten. Die nächste Ausschreibungsrunde startet im April 2016.

Die Jury besteht aus folgenden Personen:

  • Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes),
  • Prof. Dr. Bernhard Kempen (Präsident des Deutschen Hochschulverbandes),
  • Werner D‘Inka (Mit-Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung),
  • Dr. Martin Doerry (DER SPIEGEL)
  • Dr. Wolfgang Heuser (Herausgeber Deutsche Universitätszeitung)
  • Kate Maleike (Deutschlandradio, Redaktion Campus&Karriere),
  • Prof. Dr. Reinhard Grunwald (Generalsekretär a.D. der Deutschen Forschungsgemeinschaft),