Frankfurter Reader macht internationale Forschung zu Schreibprozessen erstmals zugänglich

Leiterinnen der Schreibzentrums an der Goethe-Universität veröffentlichen Sammelband

Veröffentlicht am: Montag, 08. Dezember 2014, 14:31 Uhr (363)

FRANKFURT. Die beiden Leiterinnen des Schreibzentrums an der Frankfurter Goethe-Universität, Dr. Stephanie Dreyfürst und Dr. Nadja Sennewald, haben jetzt im UTB-Verlag einen Band mit dem Titel „Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung“ herausgegeben. Das Spektrum des Readers mit insgesamt 24 Texten reicht von den bedeutendsten nordamerikanischen Modellen zum Schreiben aus den 1980er Jahren bis hin zu den wichtigsten aktuellen Ansätzen in der Schreibberatung.

„In Deutschland gibt es noch immer ein Wissensdefizit über die Forschung zu Schreibprozessen oder Unkenntnis über bewährte Ansätze der Schreibberatung. Mit unserem Band möchten wir das bereits vorhandene Wissen allgemein zugänglich machen“, erklärt Sennewald. Dass zentrale Beiträge zur Theorie und Didaktik rund um das Thema Schreiben nur in schwer zugänglichen Originalversionen vorhanden waren, motivierte die beiden Expertinnen, diesen Band zusammenzustellen. „Viele der Texte liegen hier zum ersten Mal auf Deutsch vor“, so Dreyfürst. Zu einigen Themen – wie zum Beispiel zu verschiedenen Ansätzen der Schreibberatung – gab es noch gar keine Literatur; diese Texte wurden für den vorliegenden Band von Spezialisten neu verfasst.

Der Band richtet sich an alle, die sich theoretisch wie praktisch mit der Vermittlung von Schreibkompetenzen beschäftigen. Die beiden Frankfurter Wissenschaftlerinnen haben in den vergangenen Jahren weitreichende Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt: So ist es ihre Aufgabe an der Goethe-Universität, studentische Schreibberater auszubilden und Schreibworkshops zu halten. Gemeinsam mit Lehrenden aus den jeweiligen Fächern entwickeln sie aber auch Konzepte, wie wissenschaftliches Schreiben in ganz unterschiedlichen Fächern vermittelt werden kann – beispielsweise in der Ethnologie oder den Wirtschaftswissenschaften. Dies geschieht im Rahmen des Programms „Starker Start ins Studium“, in dem sich mehr als 50 Lehrende gezielt mit der Verbesserung der Studieneingangsphase befassen.

Im Zuge des Bologna-Prozesses erkannten viele Hochschulen, dass nicht nur Fachinhalte, sondern auch Schlüsselkompetenzen wie fachliches Schreiben vermittelt werden müssen. Darauf geht auch die Gründung zahlreicher Schreibzentren an deutschen Universitäten in den vergangenen Jahren zurück – eine Entwicklung, die in den USA bereits in den 1980er Jahren stattgefunden hat.

Ein zentrales Thema in den Schreibzentren sind immer wieder die Schreibblockaden: Wie entstehen diese und wie kommt man aus ihnen wieder heraus? Auch dazu bieten die Autoren des neuen Bands Antworten. Typische Ursachen für Schreibblockaden sind zum Beispiel falsche Vorannahmen über das Schreiben. „So nehmen viele Studierende an, sie müssten beim wissenschaftlichen Schreiben erst eine detaillierte Gliederung fertig erstellt haben, bevor sie mit dem Schreiben beginnen“, erläutert Dreyfürst. Für Schreibtypen, die ihre besten Ideen erst während des Schreibens entwickeln, sei diese Herangehensweise kontraproduktiv und könne zu Schreibblockaden führen. „Die Ideen im Schreibfluss zu entwickeln und erst im Nachhinein zu strukturieren, kann ein möglicher Weg aus der Blockade sein“, ergänzt Sennewald.

Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald (Hrsg.): Schreiben. Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung, UTB-L 2014. 455 Seiten. 29,99 Euro

Informationen: Dr. Stephanie Dreyfürst und Dr. Nadja Sennewald, Schreibzentrum, Campus Westend, Tel: (069)-798-32845, dreyfuerst@lingua.uni-frankfurt.de,  Sennewald@em.uni-frankfurt.de