Zootiere im Fokus der Wissenschaft

Neue Stiftungsprofessur „Zootierbiologie/Opel-Zoo-Professur“ erforscht Tierhaltung im Zoologischen Garten

Veröffentlicht am: Dienstag, 16. September 2014, 12:28 Uhr (265)

FRANKFURT. Reagieren oder verhalten sich Elefanten nach besucherstarken Tagen anders als nach besucherarmen? Das ist eine der Fragen, mit denen sich Paul Dierkes künftig als Stiftungsprofessor für „Zootierbiologie/Opel-Zoo-Professur“ beschäftigen wird. Den Biologie-Didaktiker verbindet eine langjährige Kooperation mit dem Kronberger Freigehege, die nun vertieft werden soll. Gegenstand der Forschung sind die Verhaltensbiologie, die Stressphysiologie und die Umsetzung von Arten- und Naturschutzaktivitäten im Zoo. Die anlässlich der 100-Jahr-Feier der Goethe-Universität von der „von Opel Hessischen Zoostiftung“ gestiftete Professur ist auf fünf Jahre angelegt und mit jährlich 100.000 Euro dotiert.

Forschung ist neben der Bildung und Erholung von Besuchern sowie dem Arten- und Naturschutz eine wichtige Aufgabe zoologischer Gärten. So interessieren sich Dierkes und Zoodirektor Dr. Thomas Kauffels für die Bedingungen, unter denen die Pflege von Wildtieren in menschlicher Obhut weiter verbessert werden kann. Unter anderem gehören Untersuchungen von Hormonausschüttungen zu den neueren Ansätzen, Indikatoren für eine tiergrechte Haltung von Wildtieren zu ermitteln. Dabei werden in den Ausscheidungen der Zootiere die Hormone Cortisol und deren Stoffwechselprodukte gemessen. So können die Forscher feststellen, wie beispielsweise die Elefanten auf Veränderungen in ihrem Gehege oder hohe Besucherzahlen reagieren oder wie sich in der afrikanischen Savannenanlage der Zu- oder Abgang von Tieren auf einzelne Herdenmitglieder auswirkt.

Die schon seit langem etablierte Verhaltensbiologie setzt auf die Beobachtung von Tieren. In den Gehegen des Opel-Zoos sollen zukünftig Kameras angebracht werden, die den Forschern aussagekräftige Langzeitstudien ermöglichen. So lässt sich beispielsweise feststellen, ob Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen in menschlicher Obhut beibehalten, wie sich die Vergesellschaftung von Tieren auswirkt und welchen Einfluss der Kontakt mit Zoobesuchern hat. „In der Savannenanlage leben beispielsweise Impalas, Gnus, Zebras und Giraffen zusammen. Wir wollen durch den Vergleich mit der separaten Tierhaltung, die in anderen Zoos praktiziert wird, herausfinden, ob die Vergesellschaftung von Tieren und die damit verbundene Lebensraumbereicherung  arttypische Verhaltensweisen fördert und welche Wechselwirkungen zwischen den Arten auftreten“, erklärt Dierkes.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist dem Didaktiker die Funktion des Zoos als Botschafter für den Artenschutz. „Durch die Erhaltungszucht besonders gefährdeter Arten und deren Wiederansiedlung im natürlichen Lebensraum können diese vor einem möglichen Aussterben bewahrt werden“, erläutert Dierkes. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Frage, wie man Schüler im Biologieunterricht den Arten- und Naturschutz nahe bringen kann. Dazu führt er seit vielen Jahren auch Schulprojekte im Opel-Zoo durch.

In zoologischen Gärten werden Studierende auch auf die Feldforschung vorbereitet. Im Zoo ist der Kontakt zu den Tieren enger, so dass die Studierenden die Grundzüge der Verhaltensweisen bereits erkennen können, bevor sie unter den schwierigeren Bedingungen der freien Wildbahn arbeiten. Dierkes plant außerdem die Integration eines Moduls zur Tiergartenbiologie in Masterstudiengänge des Fachbereichs Biowissenschaften. Das Modul soll den Studierenden praktische neurowissenschaftliche Anwendungsbereiche mit Beispielen aus der Verhaltensbiologie veranschaulichen.

Informationen: Prof. Paul Dierkes, Didaktik der Biowissenschaften, Campus Riedberg, Tel: (069)798-42273; dierkes@bio.uni-frankfurt.de.