Harald Schwalbe zum Wissenschaftler des Jahres gewählt

Preis der Kassel-Stiftung ist mit 25.000 Euro dotiert

Veröffentlicht am: Freitag, 18. Juli 2014, 11:15 Uhr (223)

FRANKFURT.  Der Chemiker Prof. Harald Schwalbe erhält für seine besonderen Forschungsleistungen die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung des „Scientist of the Year“. Der im vergangenen Jahr zum ersten Mal verliehene Preis der Kassel-Stiftung wird heute im Rahmen einer akademischen Feier überreicht. In ihrem Votum lobten die Gutachter Schwalbe als engagierten Hochschullehrer mit einem außerordentlich hohen Maß an strategischem Denken und politischem Gespür für erfolgreiche Drittmitteleinwerbung. Prof. Schwalbe sei an der Einwerbung von 27 Prozent der EU-Mittel seines Fachbereichs beteiligt gewesen.

„Ich bin sehr dankbar, dass durch diesen Preis die langjährige Arbeit meiner Gruppe anerkannt wird“, freut sich Schwalbe. Sein Forschungsinteresse gilt der Struktur komplexer biologischer Moleküle, der Proteine und Ribonukleinsäuren, die er mit der Magnetischen Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) erforscht. Insbesondere mithilfe der zeitauflösenden NMR-Spektroskopie ist es ihm gelungen, extrem schnelle Vorgänge wie die Faltung von Proteinen auf der molekularen Ebene zu beobachten. Seine Forschung hat praktische Bezüge zum Wirkstoffdesign oder bei der Aufklärung der Tricks, mit denen Tuberkulose-Bakterien, Salmonellen oder Prionen unser Immunsystem überlisten.

Schwalbe, der bereits zwei Mal für gute Lehre ausgezeichnet worden ist, wird das Preisgeld den jährlich stattfindenden Winterschulen des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie zur Verfügung stellen. „Lehre und Forschung sind ineinander verzahnt. Nur mit hervorragenden Studenten, Doktoranden und Postdoktoranden war meine Gruppe in der Lage, gerade auch in letzter Zeit schöne neue Ergebnisse zu bekommen, die jetzt zur Verleihung dieses Preises geführt haben“, begründet Schwalbe seine Entscheidung.

„Harald Schwalbe hat sich seit Jahren mit großem Engagement dafür eingesetzt, dass in Frankfurt ein europaweit führendes Zentrum der Kernresonanz-Spektroskopie entstehen konnte, wo er und seine Kollegen auf höchstem wissenschaftlichen Niveau und mit den modernsten Geräten grundlegende Aspekte der Struktur und Wirkweise biologischer Moleküle mit größter Präzision aufklären“, würdigt Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl das Engagement Schwalbes. Erst im April wurden 24 Millionen Euro für ein hoch auflösendes 1,2 Gigahertz-Spektroskop der neuesten Generation eingeworben; dazu gehört auch ein Erweiterungsanbau für das Biomolekulare Magnetische Resonanz-Zentrum (BMRZ).

Harald Schwalbe, geboren 1966, studierte Chemie an der Goethe-Universität. Nach seiner Promotion war er von 1993 bis 1995 Postdoktorand an der Universität Oxford. Er kehrte für seine Habilitation nach Frankfurt zurück. 1999 ging er als Assistant Professor an das Massachussetts Institute of Technology in den Vereinigten Staaten. Nachdem er 2001 zum Associate Professor ernannt worden war, nahm er 2002 einen Ruf auf die Professur für Organische Chemie und Chemische Biologie an der Goethe-Universität an.

Schwalbe hat sich in vielfacher Weise in der universitären Selbstverwaltung und im Forschungsmanagement engagiert: als Mitglied des Senats und Dekan des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie, als Gründer und geschäftsführender Direktor des BMRZ, als Sprecher des Exzellenzclusters Makromolukulare Komplexe sowie mehrerer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderter Sonderforschungsbereiche sowie als Koordinator von fünf von der Europäischen Union geförderten Forschungsprojekten.

Eingerichtet wurde der Preis „Scientist of the Year“ anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Alfons und Gertrud Kassel-Stiftung im Jahr 2012. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung die Goethe-Universität in besonderer Weise unterstützt. Der in diesem Jahr zum zweiten Mal vergebene Kassel-Preis besteht aus zwei Teilen: 5.000 € stehen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und 20.000 € stehen dem Preisträger zur persönlichen Verfügung.

Informationen: Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29737; schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de