Poesie im Ersten Weltkrieg: Zunächst visionär, später euphorisch, dann verzweifelt und resigniert

Zwei Vorträge in der öffentlichen Ringvorlesung „100 Jahre später: 1914-2014. Der Erste Weltkrieg in Flandern“

Veröffentlicht am: Freitag, 13. Juni 2014, 12:29 Uhr (177)

FRANKFURT. Mit zwei Vorträge setzt das Lektorat Niederländisch an der Goethe-Universität seine öffentliche Ringvorlesung „100 Jahre später: 1914-2014. Der Erste Weltkrieg in Flandern“ fort: Am 17. Juni (Dienstag) spricht der Literaturwissenschaftler Prof. Geert Buelens von der Universität Utrecht, am Mittwoch (18. Juni) die Historikerin Prof. Sophie de Schaepdrijver von der Pennsylvania State University. Die Vorträge beginnen um 19 Uhr im Casino (Raum 1.802), Campus Westend.

Geert Buelens ist Autor des im April bei Suhrkamp erschienenen Buches „Europas Dichter und der Erste Weltkrieg“, das sich der Literatur über den Ersten Weltkrieg widmet; über dieses Thema wird er einen Vortrag halten. Sophie de Schaepdrijver, Autorin des 1997 erschienenen Standardwerkes „De Groote Oorlog“, wird über den Fall und das Dilemma einer multinationalen Familie im Brüssel zur Zeit des Ersten Weltkriegs sprechen.

Buelens‘ Buch dokumentiert den Verlauf des Krieges anhand von Poesie aus allen in den Krieg hineingezogenen Ländern: Deutschland, Frankreich, England, Belgien, Russland, Serbien, Österreich, Ungarn, Polen, Baltikum, Rumänien, Italien, und anderen mehr. Es ist erstaunlich, wie parallel sich die Poesie an den verfeindeten Fronten entwickelt: zunächst visionär, später euphorisch, dann verzweifelt bis resigniert, fatalistisch oder revolutionär. Im ersten Kriegsmonat wurden alleine schon in Deutschland 50.000 Gedichte täglich geschrieben. Durch seinen faszinierenden Stil, den chronologischen Aufbau des Buches und die präzise Dokumentation reißt Buelens Leser mit in die Geschichte durch Gedichte von so unterschiedlichen Dichtern wie Pessoa, Stadler, Stramm, Arp, Rilke, Apollinaire, Anna Achmatowa, Majakowski, d’Annunzio, Trakl, Marinetti, Tzara, Toller, Sassoon, Rainis und viele andere, von denen etliche auf dem Schlachtfeld ihr Leben ließen. Sein Vortragsstil, allerdings auf Niederländisch, wird ebenso ansprechend sein. Es werden aber einige Passagen aus der deutschen Übersetzung seines Buches vorgelesen, außerdem gibt es im Anschluss die Möglichkeit zur Diskussion in beiden Sprachen. Ein Büchertisch mit niederländischen und deutschen Büchern ist vorgesehen.

Sophie de Schaepdrijver wird am 18. Juni ihren Vortrag auf Englisch unter dem Titel „A multinational family in a war of nations: A story of Brussels under German occupation in the Great War“ halten. Der Vortrag über das Dilemma einer kosmopolitischen Familie ein, die sich für ihre belgische Nationalität oder ihre deutschen Wurzeln entscheiden musste, basiert auf authentischem Archivmaterial. Auch bei diesem Vortrag wird es Gelegenheit zu Fragen in verschiedenen Sprachen und einen Büchertisch geben.

Informationen: Laurette Artois, Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Lektorat Niederländisch, Campus Westend, Tel.: (069) 798 32851, artois@lingua.uni-frankfurt.de; http://www2.uni-frankfurt.de/42255016/Veranstaltungsreihe