Das Altern durch Forschung mitgestalten

BHF-BANK-Stiftung und Goethe-Universität schließen Fördervereinbarung zum neuen „Frankfurter Forum für interdisziplinäre Alternsforschung“.

Veröffentlicht am: Montag, 26. Mai 2014, 14:34 Uhr (149)

FRANKFURT. Die Gesellschaft wird immer älter, aber wie kann der Erhalt von Lebensqualität gewährleistet bleiben? Die Erforschung von Bedingungen guten Alterns, von Alternsprozessen und von Alternsfolgen ist das Ziel des neuen „Forums für interdisziplinäre Alternsforschung“ (FFA), das anlässlich der Unterzeichnung der Fördervereinbarung der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Kooperationspartner sind die BHF-BANK-Stiftung und die Goethe-Universität.

Dietmar Schmid, Vorsitzender der BHF-BANK-Stiftung, erläuterte in seiner Begrüßung  das Engagement der Stiftung auf dem Feld der Alternsforschung: „Unser wichtigstes Ziel bei dem Schwerpunkt Leben im Alter war von Anfang an, dauerhaft gesellschaftlich zu wirken. Allein die Kooperation mit der Goethe Universität besteht jetzt schon mehr als zehn Jahre. Wir engagieren uns konstant für ein überaus bedeutendes Thema: den demografischen Wandel, die alternde Gesellschaft. Unsere Förderung ist dabei einer Entwicklungslinie gefolgt: Ging es ursprünglich vor allem um kranke, ältere Menschen, stehen heute vor allem die älteren Menschen zu Hause und ihr Umgang mit dem Älterwerden im Mittelpunkt. Es geht um das ‚normale‘, würdevolle Altern, das in dem neuen Forum aus vielen Perspektiven erforscht wird.“

Prof. Tanja Brühl, Vizepräsidentin der Goethe-Universität, hob die gesellschaftliche Bedeutung von Alternsforschung hervor: „Die Lebensqualität von älteren Menschen zu verbessern, ist ein wichtiges gesellschaftspolitisches Ziel. Dafür bedarf es neuer Erkenntnisse aus lebens-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Mit der BHF-BANK haben wir einen starken Partner, um eine breit aufgestellte Forschung am Wissenschaftsstandort Frankfurt zu verankern.“    

Bereits seit 2004 haben Frankfurter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen des Vorgänger-Forums „Alterswissenschaft und Alterspolitik“ geforscht, die Befunde gebündelt vorgestellt und öffentlich diskutiert. Die Ergebnisse sind nun in das Konzept eines neuen, an der Universität verankerten und mit größeren Ressourcen ausgestatteten Forums eingeflossen, das auch für die Einwerbung von Drittmitteln bessere Strukturen bereitstellt.  Die BHF-BANK-Stiftung fördert das Forum mit 100.000 Euro p. a. für drei Jahre, verlängerbar auf fünf Jahre.

Prof. Frank Oswald, Alternsforscher an der Goethe-Universität und Sprecher der Initiative, betonte in seinem Statement die gesellschaftlichen Herausforderungen  einer alternden Gesellschaft: Immer mehr Menschen erreichten ein immer höheres Alter, gleichzeitig sinke die Geburtenzahl. Der damit einhergehende demografische Wandel lasse tiefgreifende Veränderungen erwarten.

Eine fächerübergreifend angelegte Alternsforschung müsse diesen Wandel verstärkt untersuchen. „Das neue Forum für interdisziplinäre Alternsforschung ist ausgerichtet auf die Frage, wie sich das Leben im Alternsverlauf gestalten und meistern lässt, was also Individuen und Gesellschaft lernen und leisten müssen, um ein erfolgreiches, zufriedenes und würdevolles Altern zu ermöglichen“, erklärte Oswald. Beteiligt seien zunächst die Fachbereiche Rechtswissenschaften, Erziehungswissenschaften, Psychologie und Sportwissenschaften, Geowissenschaften/Geographie sowie Medizin der Goethe-Universität. „Damit wird eine Profilbildung gerontologischer Forschung in Frankfurt gegenüber anderen Standorten in Deutschland erreicht.“    

Da der Bedarf an qualifizierten Alternsforscher steige, werde ein Graduiertenkolleg mit zunächst vier Promotionsstipendien aufgelegt. Wichtig sei ebenfalls der Austausch mit außeruniversitären Forschungsinstituten, Einrichtungen der Praxis sowie mit Politik und Stadtgesellschaft.

Vorgestellt wurden bei der Präsentation des Forums auch drei ausgewählte Projekte, die das fruchtbare Zusammenspiel der beteiligten wissenschaftlicher Disziplinen aufzeigen. Beim Projekt „Emotionale und soziale Robotik im Alter“ geht es um die Frage, wie so genannte soziale und emotionale Roboter eine technische Unterstützung im Alter bieten können, ohne die damit verbundenen Ängste und Risiken auszublenden.

Beim Projekt „Mobilität im Alter“ sollen unter Einbeziehung von Beteiligten verschiedener Hochschulen der Region - aus der Humangeographie, der Altersmedizin, der Gesundheitsforschung, der Soziologie sowie der Versorgungsforschung - Mobilitätsanwendungen im höheren Erwachsenenalter untersucht werden.

Im dritten Projekt „Menschenwürde und Persönlichkeitsschutz“ schließlich werden Wissenschaftler aus der Rechtswissenschaft und Erziehungswissenschaft gemeinsam untersuchen, wie eine rechtliche Absicherung familialer Versorgung im hohen Alter mit dem Ziel der von vielen Menschen erwünschten Beibehaltung der eigenen Häuslichkeit auch bei notwendiger Pflege erreicht werden kann.

Weitere Informationen: www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/we5/alternswissenschaft/