Ausschließende Einschließung? 100 Jahre Frauen & Wissenschaft an der Goethe-Universität

Konferenz startet mit einem Vortrag von Ute Gerhard, die die erste Professur für Frauenforschung in Frankfurt inne hatte

Veröffentlicht am: Freitag, 16. Mai 2014, 14:01 Uhr (138)

FRANKFURT. „Ausschließende Einschließung? – 100 Jahre Frauen und Wissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main“ ist das Thema einer interdisziplinären Konferenz des Cornelia Goethe Centrums, die am 22. und 23. Mai im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Goethe-Universität stattfindet. Eröffnet wird die Konferenz am Donnerstag (22. Mai) um 19:30 Uhr mit einem öffentlichen Vortrag der ersten Inhaberin des Frankfurter Frauenlehrstuhls, Ute Gerhard, in der Zentralbibliothek Frankfurt. Ihr Thema: „In den Brüchen der Zeit… – 100 Jahre Frauenstudien an der Universität Frankfurt“.

Bei der Tagung stehen u.a. folgende Fragen auf der Agenda: Welche Verbindungen bestanden zwischen der Goethe-Universität und dem ebenfalls 1914 eröffneten Frauenseminar für soziale Berufsarbeit, der heutigen Fachhochschule? Und welche Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Geschlecht werden in der Geschichte der Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung vor 100 Jahren sichtbar? Was haben die Politikwissenschaftlerin Eleonore Sterling und die Kommunikationswissenschaftlerin Herta Herzog gemeinsam, außer dass sie brillante Wissenschaftlerinnen waren und zu Begründerinnen neuer Fachrichtungen wurden? Welche Rolle spielten Stifterinnen und die liberale, überwiegend jüdische Bürgergesellschaft für die Entwicklung des Frauenstudiums und der Karrierechancen von Wissenschaftlerinnen in Frankfurt?

Entlang der Forschungsfrage nach dem Verhältnis von Exklusion und Inklusion befasst sich die Konferenz mit besonderen Weichenstellungen für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen durch die Frankfurter Hochschulgründung, mit „verschütteten“ Pionierleistungen ihrer Wissenschaftlerinnen und mit dem langjährigen und letztlich erfolgreichen Kampf um die erste Professur für Frauenforschung an einer deutschen Universität. Einem Blick zurück auf feministische Wissenschaftskritik und die Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung an deutschen Hochschulen in den 1970/1980er Jahren folgt der Blick nach vorn: Inwieweit sind Frauen und ist feministische Wissenschaftskritik an den Universitäten angekommen? Wie hat sich das Verständnis der Frauen- und Geschlechterforschung als kritische Wissenschaft entwickelt? Welche Anstöße gilt es zu bewahren, welche Neuorientierungen sind nötig?

Am Freitag wechselt der Tagungsort auf den Campus Westend (Casino, R. 1.801), wo weitere international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, u.a. Ursula Apitzsch, Nikita Dhawan, Karin Hausen, Claudia Honegger, Elisabeth Klaus, Helma Lutz, Michael Maaser, Brita Rang, Birgit Seemann, Sophia Thubauville, Christine von Oertzen sowie die Veranstalterinnen der Konferenz Marion Keller, Marianne Schmidbaur und Ulla Wischermann ihre Forschungsergebnisse vorstellen und über die Entwicklung der Frankfurter Universität diskutieren.

Die Veranstaltung am Donnerstagabend steht allen Interessierten offen. Der Eintritt ist frei. Für den zweiten Konferenztag ist eine Anmeldung vor Ort noch möglich. Ein kleiner Tagungsbeitrag wird erhoben.

Informationen: Dr. Marianne Schmidbaur, Stefan Fey, Cornelia Goethe Centrum, CGCentrum@soz.uni-frankfurt.de, Tel. (0171)273 9354; http://www.cgc.uni-frankfurt.de/wissen100