Zwei, die was zu sagen haben

Kooperation des Exzellenzclusters „Normative Ordnungen“ beim Luminale-Projekt „Say Say Say“ vom 30. März bis 4. April in Offenbach

Veröffentlicht am: Dienstag, 25. März 2014, 13:23 Uhr (067)

FRANKFURT. Kunst trifft Wissenschaft, und beide Partner ergänzen sich mit ihren jeweils eigenen Ausdrucksmitteln. Die Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk kooperieren mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität bei der diesjährigen Luminale, dem internationalen Festival der Lichtkultur im Rhein-Main-Gebiet. Die Luminale findet alle zwei Jahre im Rahmen der Frankfurter Messe „Light + Building“ statt. Allein 35 Lichtprojekte sind jetzt wieder in Offenbach zu sehen, darunter auch die Lichtinstallation von Anny und Sibel Öztürk mit dem Titel „Say Say Say“ an der Fassade des Rathauses. Sie lädt vom 30. März bis zum 4. April zum Anschauen, Nachdenken und Mitmachen ein und korrespondiert mit einem Vortrag des Philosophen Darrel Moellendorf, in dem es um globale Gerechtigkeit und Klimawandel geht. Prof. Moellendorf ist Mitglied des Clusters und spricht am 4. April um 19.00 Uhr im Foyer des Rathauses über „Energie, Armut und die Zukunft“.

„Mach das Licht aus, wenn Du gehst“ steht in großen schwarzen Lettern auf dem weißen Grund eines Leuchtkastens, der die Form einer Sprechblase hat. Er ist Teil der Installation „Say Say Say“ und einer von insgesamt fünf Leuchtkästen in Sprechblasenform unterschiedlicher Größe, die sich um eine Fensteröffnung an der Fassade des Offenbacher Rathauses gruppieren. Die Aufforderung, das Licht zu löschen, bietet Raum für verschiedene Assoziationen: Wenn beispielsweise „der Letzte“ das Licht ausmacht, ist es meistes schon zu spät. Man kann sich aber auch darauf beschränken, nur dann das Licht einzuschalten, wenn man es wirklich braucht – und damit ganz konkret einen Beitrag zur Schonung der Ressourcen leisten. Ohne diese Achtsamkeit könnte es zu ausweglosen Situationen kommen und damit das passieren, was auf einer anderen Sprechblase steht: „Der Rest ist Schweigen“.

Die Sicht der „Normativen Ordnungen“ erläutert dessen Co-Sprecher Prof. Klaus Günther auf der Vernissage am 30. März um 19.30 Uhr im Rathaus Offenbach. Der Forschungsverbund untersucht die weltweiten gesellschaftlichen Umbrüche unter dem Gesichtspunkt der Herausbildung und Geltung von Ordnungsvorstellungen. Die Frage nach „Gerechtigkeit“ ist dabei zentral. Gegenstand der Analysen sind beispielsweise der Kampf um Menschenrechte und Partizipation in verschiedenen Gesellschaften - und eben auch der Klimawandel. „Gegenwärtig ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Menschheit, Antworten darauf zu finden, wie wir adäquat auf den menschengemachten Klimawandel reagieren können. Der Klimawandel wirft eine Reihe von zunehmend wichtigen moralischen Problemen auf, denen politisch begegnet werden muss“, so Darrel Moellendorf.

In seinem Vortrag am 4. April wird der politische Philosoph dafür plädieren, den Verbrauch fossiler Brennstoffe erheblich zu reduzieren. Die Menschen müssten lernen, ohne fossile Brennstoffe zu leben. Gleichzeitig aber gebe es viele Menschen, die eigentlich mehr Energie benötigten. So hätten weltweit 1,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Strom, was ihre Chancen auf Bildung und Gesundheit erheblich beeinträchtige. Darrel Moellendorf: „Wir müssen daher zwei Ziele verfolgen, die auf den ersten Blick schwer miteinander zu vereinbaren sind: Einerseits müssen wir umgehend unsere CO2-Emissionen drastisch senken, andererseits sollte den Entwicklungsländern ermöglicht werden, mehr Energie zu verbrauchen.“

Informationen: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de, www.normativeorders.net/saysaysay, www.offenbach.de/luminale