Rechtshistoriker Wim Decock bekommt Heinz-Maier-Leibnitz-Preis für Nachwuchswissenschaftler

Der Belgier forscht im Spannungsverhältnis von Moral, Recht und Wirtschaft der Frühen Neuzeit

Veröffentlicht am: Montag, 17. Februar 2014, 17:39 Uhr (045)

Der 30-jährige Wim Decock, Nachwuchsgruppenleiter im Frankfurter LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“ und am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, erhält den mit 20.000 Euro dotierten Heinz-Maier-Leibnitz-Preis. Der gebürtige Belgier, der neben seiner flämischen Muttersprach Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Altgriechisch und Latein beherrscht, forscht im Spannungsverhältnis von Moral, Recht und Wirtschaft der Frühen Neuzeit. In diesem Jahr wurden insgesamt zehn hervorragende junge Forscherinnen und Forscher mit diesem seit 1977 jährlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergebenen Preis ausgezeichnet.

Die Nachricht kam für Wim Decock heute völlig überraschend. „Ich hatte das nicht erwartet, denn wenn man sich die Liste der Preisträger aus den vorigen Jahren anschaut, sind das oft Naturwissenschaftler, etwa aus der Medizin oder Physik.“ Umso mehr freut sich der promovierte Rechtshistoriker, dass seine Forschungsarbeiten zur Rolle von kirchlicher Gerichtsbarkeit und den Zusammenhängen zwischen Theologie, Finanzen und Handel im 16. und 17. Jahrhundert Beachtung und Anerkennung finden.

Für die etablierten Wissenschaftler aus der Rechtsgeschichte war Decock ein heißer Kandidat für diesen hoch angesehenen Preis: Denn der Belgier gehört im europäischen, wenn nicht im weltweiten Vergleich zur absoluten Spitze der rechtshistorischen Nachwuchswissenschaftler. Decock ist sehr vielseitig ausgerichtet: Nach dem Abitur studierte er die seltene Kombination von Klassischer Philologie und Wirtschaftswissenschaften an der traditionsreichen Universität Löwen. Nachdem er sich mit seinen ersten wissenschaftlichen Schriften in die Grenzzone zwischen Philosophie, Theologie, Geschichte und Recht begeben hatte, entschloss er sich noch das Jurastudium anzuschließen. Seine exzellenten Studienabschlüsse ebneten ihm den Weg für eine international ausgerichtete Forscherkarriere. Mit dem sehr renommierten Marie-Curie-Programm „Early stage training“ kam Decock bereits 2006/2007 für ein Studienjahr nach Frankfurt.

Seit August 2012 leitet Wim Decock die Nachwuchsgruppe „Kanonistik, Moraltheologie und Konfliktlösung in der Frühen Neuzeit”, sie gehört zu dem vom Land Hessen finanzierten LOEWE-Verbundprojekts “Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung”, in dem die Rechtshistoriker der Goethe-Universität und des Frankfurter Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte gemeinsam mit anderen Partnern der Region zusammenarbeiten.

Gefragt nach der Relevanz seiner Forschung zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen antwortet Wim Decock: „Ich versuche die Grundprinzipien unserer heutigen Verständnisses von Schulden, Märkten und Finanzen besser zu verstehen, indem ich die historische Wurzeln untersuche.”

Am 12. Mai 2014 findet die Preisverleihung der Heinz-Maier-Leibnitz Preise in Berlin statt. Wim Decock und seine Frau, die vor Jahren als Erasmus-Studentin in Berlin lebte, freuen sich schon auf die Wiederbegegnung mit der Hauptstadt und ihren Freunden dort.

Die Rechtsgeschichte in Frankfurt ist international führend: Neben dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, eine der weltweit führenden außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur Rechtsgeschichte und inzwischen auch auf dem Campus Westend etabliert, existiert an der Goethe-Universität das größte rechtshistorische Institut aller deutschen Universitäten.

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