„Ich habe dieses Studium genossen!“

BVB-Meistertrainer und Alumnus Jürgen Klopp gratuliert „seiner“ Goethe-Universität zum bevorstehenden 100. Geburtstag 2014

Veröffentlicht am: Freitag, 06. Dezember 2013, 11:06 Uhr (302)

FRANKFURT. Die Fußballwelt und Millionen Fans kennen ihn als Meistertrainer und Motivationsgenie: BVB-Trainer Jürgen Klopp. Nun wird eine bisher weniger bekannte Seite des berühmten Dortmunder Fußballcoachs enthüllt: Jürgen Klopp erzählt in einem Video und einem daraus abgeleiteten Interview für die Zeitung „Uni-Report“, wie prägend das Studium an der Goethe-Universität Frankfurt für seinen weiteren Berufs- und Lebensweg gewesen ist. Anlass für das Gespräch auf dem Rasen im BVB-Trainingszentrum im Dortmunder Ortsteil Brackel war das bevorstehende Jubiläum der Goethe-Universität.  2014 feiert die Hochschule, die heute mit über 45.000 Studierenden zu den größten und forschungsstärksten in Deutschland zählt, ihren 100. Geburtstag. Jürgen Klopp ist der erste prominente Alumnus, der „seiner“ Goethe-Universität für den 100. Geburtstag Glückwünsche überbringt.

„Mit unglaublich vielen positiven Gefühlen“, denkt Klopp an seine Zeit an der Goethe-Universität zurück, „weil es zum einen eine sehr schöne Zeit war, zum anderen dadurch eine prägende Zeit, weil ich viele meiner besten Freunde rund um dieses Studium kennengelernt habe.“ Klopp bekennt: „Ich habe dieses Studium genossen, wie kaum etwas anderes. Ich wusste zwar damals noch nicht ganz genau, wo es hingehen sollte; aber wenn man sich meinen heutigen Beruf anguckt, dann kann man sagen: ohne Durchblick doch Weitblick bewiesen. Ich konnte später etwas damit anfangen.“

An Möglichkeiten, bereits zu einer sehr frühen Zeit seines Studiums Erfahrungen als Trainer zu sammeln, fehlte es nicht: Der damals junge Familienvater und Fußballprofi war bereits mit 21 Jahren Trainer der D-Jugend bei Eintracht Frankfurt: „Ich wollte das immer machen“, sagt Klopp über die Anfänge seiner Trainer-Laufbahn. „Das war es, was ich aus meiner Sicht auch am besten konnte. Ohne es so tatsächlich zu planen, habe ich schon im Studium darauf hingearbeitet, dass es damit am Ende vielleicht doch etwas werden könnte. Mein Studium ist meine Basis für alles was ich später gemacht habe. Logischerweise ist Berufserfahrung kein Deut weniger wichtig.“

Klopp erinnert sich nicht nur mit sehr positiven Gefühlen an seine Studienzeit, er hebt auch einzelne Professoren hervor, von denen er sich persönlich unterstützt fühlte: „Wir hatten tolle Professoren. Als ich begann, war Professor Kiphard noch da, im Bereich Motopädagogik sicherlich die Koryphäe schlechthin. Das war ein außergewöhnlicher Mensch. Und wir hatten Professor Schmidtbleicher in Trainingslehre, also einfach viele wirklich gute Leute. Und die haben uns auch immer ein bisschen die Stange gehalten und uns Perspektiven aufgezeigt.“ Dennoch verlief sein Studium nicht immer ganz reibungslos: „Ich hatte Riesenprobleme mit dem Schwimmen, habe Geräteturnen direkt weggelassen und musste in die Nachprüfung. Beim Schwimmen bin ich dann durchgerasselt und musste das nochmal machen.“ Auch mit dem Stabhochsprung lief es nicht ganz so gut.

Gespür für eine kommende Trendsportart bewies Klopp 1995 bei der Wahl seines Diplomarbeitsthemas bei seinem Betreuer Professor Klaus Bös: Eigentlich wollte Klopp aus Zeitgründen eine Arbeit über „Rückenschule“ schreiben. Aber Bös wollte davon nichts wissen. Er machte ihn auf eine neue Trendsportart in den USA aufmerksam: Walking. Klopp: „Da habe ich mich gemeinsam mit einer Kommilitonin reingebissen. Wir haben sogar eine richtige Untersuchung durchgeführt, mit Statistiken und all solchen Dingen. Das war cool. Und am Ende war es, so meine ich, die erste Diplomarbeit in Deutschland zum Thema Walking. Und ich hoffe nicht die letzte (lacht).“

Ausdrücklich rät er jungen Leuten zum Studium: „Es gibt kaum einen besseren Weg, selbstständiges Arbeiten zu lernen. Weil, du kommst von der Schule, gehst direkt in die Ausbildung. Da sagt dir wieder jemand genau, was du machen musst. An der Uni ist das völlig anders. Du wirst von heute auf morgen alleine gelassen. Und so kannst du ein selbstständiger Mensch werden. Das ist sehr wichtig. Dein Einsatz, den du bringst, der zahlt sich entweder direkt aus, oder dein nicht erbrachter Einsatz fliegt dir auch sofort um die Ohren. Das sind alles Dinge die du so nicht überall lernen kannst. Und es ist ein großer Sprung. Das war es zumindest für mich!“

Und was wünscht er der Goethe-Universität zu ihrem 100. Geburtstag? „Alles Gute erst mal. Herzlichen Glückwunsch, liebe Goethe-Universität. Ich hatte viel Spaß mit dir. Und ich würde mir wünschen, dass nach mir noch ungefähr Millionen anderer junger Menschen genauso viel Spaß haben, dass sie bei dir viel lernen können, sich bei dir wohl fühlen können und zu besseren Menschen reifen. Oder zumindest den Start erleichtert bekommen in ein Leben, das nicht so schlecht ist, aber manchmal auch ein bisschen schwierig. Also, alles Gute, auf die nächsten Hundert, wir sehen uns. Ciao!“

Das Interview mit Jürgen Klopp führte Dr. Olaf Kaltenborn.

Hier der Link zum Video: http://www2.uni-frankfurt.de/gu100 und zum Interview im Uni-Report: http://www2.uni-frankfurt.de/44485327/home

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