Wichtigster Nachwuchspreis für Frankfurter Physiker

Till Jahnke erhält den Gustav-Hertz-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft

Veröffentlicht am: Freitag, 15. November 2013, 10:02 Uhr (273)

FRANKFURT. Der wichtigste deutsche Preis für Nachwuchsforscher in der Physik geht an einen Frankfurter Forscher: Physiker Dr. Till Jahnke erhält den Gustav-Hertz-Preis 2014 für seine bahnbrechenden experimentellen Untersuchungen zur langreichweitigen Wechselwirkung in Molekülen. Verliehen wir der mit 7.500 Euro dotierte Preis jährlich von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

„Till Jahnke ist ein exzellenter Experimentalphysiker mit sehr guten theoretischen Kenntnissen und einem Gespür für die richtigen Querdenker-Fragen und –Experimente“, so sein Doktorvater Prof. Reinhard Dörner vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität. An diesem Institut hat sich Jahnke kürzlich habilitiert.

Seitdem Till Jahnke, 36, vor sieben Jahren in seiner Doktorarbeit einen zuvor theoretisch vorhergesagten Effekt nachweisen konnte, hat er sich zu den weltweit führenden Spitzenforschern auf seinem Gebiet entwickelt. Er untersucht eng benachbarte Atome (Dimere), die mit hochenergetischen Synchrotronstrahlen angeregt werden. Damals konnte er erstmals nachweisen, dass die überschüssige Energie des einen Atoms in einer Art interatomarem Stress-Abbau an das Nachbar-Atom abgeben werden kann.

Diesen extrem schnellen Zerfallsprozess, den „Interatomic Coulombic Decay“ (ICD), hat Jahnke seit 2006 an verschiedenen Synchrotronstrahlungsquellen weltweit in Edelgasen und Wassermolekülen untersucht. „Als Ideengeber und federführender Experimentator hat er Herausragendes geleistet“, so sein Mentor, der inzwischen pensionierte Prof. Horst Schmidt-Böcking.

Praktischen Nutzen versprechen die Untersuchungen an Wassermolekülen für die Strahlentherapie bei Krebs. Die Berücksichtigung der ICD-Prozesse ist nicht nur wichtig für die Einschätzung von Strahlenschäden, sondern auch für die Dosierung der Strahlen bei der Behandlung von Tumoren. Nach eine Idee der Gruppe von Prof. Lorenz Cederbaum der Universität Heidelberg lässt sich einer bestimmte Unterart des ICD-Prozesses nutzen, um einzelne Atome in einem großen direkt zu adressieren. Erzeugt man in der Umgebung dieses einen Atoms ein ICD-Elektron, kann es benachbarte Tumorzellen schädigen.

Möglich wurden Jahnkes Experimente dank der unter Frankfurter Federführung entwickelten spektroskopischen Methode COLTRIMS (Cold Target Recoil Ion Momentum Spectroscopy). Jahnke hat die Imagingverfahren weiter entwickelt, mit denen man die Spuren aller beteiligten Elektronen und Ionen in Zerfallsprozessen wie dem ICD mit hoher zeitlicher Auflösung (wenige Femtosekunden) messen kann.

Ein Bild zum download finden Sie hier.

Bildext: Dr. Till Jahnke erhält den Gustav-Hertz-Preis 2014.

Informationen: Privatdozent Dr. Till Jahnke, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47025, jahnke@atom.uni-frankfurt.de.