Experte für Klimagerechtigkeit neu an der Goethe-Universität

Darrel Moellendorf übernimmt Professur am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ / Globale Klimapolitik muss sich an den Rechten der Ärmsten orientieren

Veröffentlicht am: Mittwoch, 13. November 2013, 11:16 Uhr (270)

FRANKFURT. Darrel Moellendorf ist neuer Professor für Internationale Politische Theorie am Frankfurter Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Der Philosoph mit dem Schwerpunkt auf Fragen globaler Gerechtigkeit wechselt von der San Diego State University, wo er auch das Institute for Ethics and Public Affairs geleitet hat, an die Goethe-Universität.

„Ich freue mich sehr darüber, dass Darrel Moellendorf den Ruf nach Frankfurt angenommen hat“, sagt Rainer Forst, Co-Sprecher des Clusters und Professor für Politische Theorie und Philosophie. Moellendorf sei ein ausgezeichneter politischer Philosoph, der das Nachdenken über die Herausbildung einer gerechten globalen Ordnung entscheidend befördert habe. „Wie auch sein neues Buch über den Klimawandel zeigt, verbindet er normative Grundlagenforschung mit institutionellen und politischen Fragen, was genau zu unserem interdisziplinären Forschungsprogramm passt“, so Forst weiter.

Zu Darrel Moellendorfs Forschungsgebieten gehören Fragen des gerechten Krieges und die Gerechtigkeit in Transformationssituationen, wenn es beispielsweise darum geht, die Folgen eines gewaltsamen Konflikts oder einer Diktatur aufzuarbeiten. Seit einigen Jahren legt Moellendorf ein besonderes Augenmerk auf die Verbindung von Klimaschutz und globaler Gerechtigkeit. Mittlerweile hat er seine groß angelegte Monographie zum Thema fertiggestellt. „The Moral Challenge of Dangerous Climate Change: Values, Poverty, and Policy“ wird im kommenden Jahr bei Cambridge University Press erscheinen.

„Gegenwärtig ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Menschheit, Antworten darauf zu finden, wie wir adäquat auf den menschengemachten Klimawandel reagieren können. Der Klimawandel wirft eine Reihe von zunehmend wichtigen moralischen Problemen auf, denen politisch begegnet werden muss“, betont Moellendorf. So dürfe sich eine gerechte globale Klimapolitik nicht darauf beschränken, allein den Klimawandel begrenzen zu wollen, sie müsse zugleich die Bekämpfung der weltweiten Armut im Blick behalten.

Dass die Anstrengungen zum Schutz des Klimasystems intensiviert werden müssen, verdeutlicht auch der jüngst erschienene Bericht des Weltklimarates, der zudem darauf hinweist, dass besonders weniger entwickelte Länder des Südens unter einem fortschreitenden Klimawandel zu leiden hätten – von Trinkwasserknappheit über Missernten bis Überschwemmungen. „Eine gerechte globale Klimapolitik muss dafür Sorge tragen, dass die CO2-Emissionen stark eingeschränkt werden und gleichzeitig die ärmeren Länder weiterhin Zugang zu kostengünstiger Energie haben“, so Darrel Moellendorf.

Er plädiert für eine verteilende und ausgleichende Gerechtigkeit, bei der Staaten – deren Wohlstand nicht zuletzt mit einer langen Phase der CO2-Prodution verbunden ist – soziale Verantwortung übernehmen und die Hauptlast des Klimaschutzes tragen. Innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens sollten, so Moellendorf, die ärmeren Länder mehr CO2 ausstoßen dürfen, da sie ohne den Einsatz der billigeren fossilen Brennstoffe kaum Chancen hätten, der Armut zu entkommen. Den Industrieländern weist der Gerechtigkeitsphilosoph die Verantwortung zu, ihre Emissionen stark zu reduzieren, um damit das Gesamtniveau der globalen Emissionen zu reduzieren.

Auch zukünftige Generationen hätten, so Moellendorf, einen Anspruch darauf, dass schon heute der CO2-Austausch drastisch reduziert werde. Moellendorf verweist auf den aktuellen Bericht des Weltklimarates, in dem erstmalig von einem Emissionsgrenzwert die Rede ist, der nicht überschritten werden dürfe. Ansonsten würde sich die Erde um mehr als zwei Grad erwärmen und es drohten kaum mehr beherrschbare Klimakonsequenzen. Die Deadline beträgt eine Billion Tonnen CO2 und wäre bei weiterhin ungebremstem Ausstoß im Jahr 2040 erreicht. Bisher, vom Beginn der Industrialisierung bis heute, ist rund eine halbe Billion Tonnen in die Atmosphäre gelangt. Wenn wir nun, so Moellendorf, das verbleibende Emissions-Budget allein für uns ausschöpften, wäre das mit Blick auf den Gestaltungsspielraum unserer Nachkommen ungerecht und verantwortungslos.

Darrel Moellendorf hat auf der Professur für Internationale Politische Theorie die Nachfolge von Stefan Gosepath angetreten. Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet sind für den US-Philosophen kein Neuland. Bis zum Sommersemester 2013 war er Gastwissenschaftler der Kolleg-Forschergruppe „Justitia Amplificata“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Goethe-Universität gefördert wird. Er lebte und arbeitete in dieser Zeit als Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg, wo er auch Teile seines Buches zu den moralischen Herausforderungen des Klimawandels geschrieben hat. Zu seinen weiteren Werken zählen „Cosmopolitan Justice“ (2002) und „Global Inequality Matters“ (2009). Zudem ist er Mitherausgeber des „Handbook for Global Ethics“ (im Erscheinen).

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, Campus Westend, Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net

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