Bleibt die Gerechtigkeit auf der Strecke?

Hauptreihe der Frankfurter „Bürger-Universität“ fokussiert das Thema Bildung/ Programmbroschüre präsentiert breites Veranstaltungsangebot

Veröffentlicht am: Donnerstag, 17. Oktober 2013, 13:50 Uhr (249)

FRANKFURT. Die 10. Frankfurter „Bürger-Universität“ – ein Veranstaltungsprogramm, das sich speziell an Bürgerinnen und Bürger wendet, bietet erneut die Möglichkeit die große Vielfalt der Goethe-Universität kennenzulernen. Von Oktober bis April locken populärwissenschaftliche Vorlesungen, Vorträge mit überraschenden und spannenden wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Forschung und Lehre, Kunst, Konzerte und Wissenschaftsangebote für Kinder. Fast 120 Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, gezielt mit der Universität und ihren Akteuren in Kontakt zu treten.

Zum großen Publikumserfolg entwickelt hat sich dabei die eigens für die Bürger-Universität erdachte Diskussionsreihe, die sich auch in diesem Winter wieder mit einer wichtigen gesellschaftspolitischen Debatte beschäftigt. „Bildung ohne Gerechtigkeit? Perspektiven einer unerschöpflichen Debatte“, so die Überschrift  einer Reihe von insgesamt sechs Veranstaltungen. Ganz im Sinne einer von Frankfurter Bürgern geschaffenen Bildungseinrichtung will die Goethe-Universität damit die Bildungsdebatte weiter vorantreiben. Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Experten und den Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern sollen einzelne Aspekte hervorgehoben und diskutiert werden. Vom Blick auf die sogenannten „Bildungsverlierer“ über Lernen mit Migrationshintergrund bis hin zu verschulten Studiengängen als Folge der Bologna-Reform. Gesellschaftliche Überakademisierung und Bildung aus Sicht von Ökonomen und Großunternehmern sind weitere Aspekte dieser Reihe. Schirmherr der Bürger-Universität ist der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, dessen großes Interesse an der Bildungsdebatte auch in seiner persönlichen Biografie begründet. Bevor er 2012 Oberbürgermeister wurde, war Feldmann u.a. Leiter eines Ausbildungs- und Jugendzentrums: „Seit 2008 sind Bürgerinnen und Bürger der Stadt Frankfurt und des Rhein-Main-Gebiets eingeladen, wichtige gesellschaftliche Themen öffentlich miteinander zu diskutieren. Die Goethe-Universität nimmt ihren Bildungsauftrag ernst und stellt erneut auch ihre eigene bildungspolitische Rolle zur Diskussion“, schreibt der Oberbürgermeister im Vorwort der aktuellen Programm-Broschüre.

Neben der Reihe zur Bildungsdebatte enthält das Programm weitere Highlights, zum Beispiel die Vortragsreihe der Stiftungsgastprofessur Wissenschaft und Gesellschaft, „Vom Urknall ins Labor“. International renommierte Forscher gewähren spannende Einblicke in die realen und virtuellen Laboratorien der Physik. Die traditionsreiche und bundesweit beachtete Poetikgastdozentur gestaltet in diesem Semester Terézia Mora, die gerade erst mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Das Verhältnis Mobilität – Migration – Integration steht im Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe der Frankfurter Geographischen Gesellschaft. Vorträge der Filmwissenschaft, des Fritz Bauer Instituts und eine vom Konfuzius-Institut – mit der vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin Ursula Krechel – gestaltete Lesung und Gesprächsrunde, versprechen weitere interessante Einblicke in Forschungsgebiete der Universität. Musikalisch begleitet wird das Programm durch die Konzerte der Frankfurter Universitätsmusik und dem Kammerorchester „Skyline Symphony“.

Wie üblich sind alle Veranstaltungen in einem Programmheft zusammengefasst, das an 50 verschiedenen Orten Frankfurts kostenlos ausliegt, aber auch direkt über die Universität bezogen werden kann.

Übersicht Einzeltermine Diskussionsreihe im Wintersemester 13/14

Bildung ohne Gerechtigkeit? Perspektiven einer unerschöpflichen Debatte

11. November 2013: Auftaktveranstaltung: Ungelernt und chancenlos? Die Bildungsverlierer

Mit der Direktorin der Sophienschule Frankfurt Katja Cabrini, dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Dr. Roland Kaehlbrandt und Prof. Udo Rauin von der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung . Moderation: Marc Dugge, Hessischer Rundfunk.

25. November 2013: Ausgegrenzt und unterschätzt? Migranten im deutschen Bildungssystem

Mit dem Erziehungswissenschaftler Prof. Frank-Olaf Radtke, den Autoren von „Unerwünscht – Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“ Masoud und Mojtaba Sadinam und Suat Yilmaz, Talentscout der Westfälischen Hochschule. Moderation: Riccardo Mastrocola, Hessischer Rundfunk

9. Dezember 2013: Verschult und überfrachtet? Bildung zwischen Theorie und Praxis

Mit der Politologin und Vize-Präsidentin der Goethe-Universität Prof. Tanja Brühl, der Soziologin und Direktorin am Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur Prof. Birgit Blättel-Mink, dem Frankfurter AStA- Vorsitzenden Georgio Nasseh und dem Wirtschaftswissenschaftler und Präsidenten der Leuphana Universität Lüneburg Prof. Sascha Spoun. Moderation: Petra Boberg, Hessischer Rundfunk.

16. Dezember 2013: Dressiert und angepasst? Wege aus dem einseitigen Lernen

Mit Prof. Gerhard Büttner von der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung, dem Präsidenten des deutschen Lehrerverbandes Prof. Josef Kraus und der Reformpädagogin Enja Riegel. Moderation: Petra Boberg, Hessischer Rundfunk.

13. Januar 2014: Exklusiv und effizient? Bildung als Ware

Mit der Leiterin des Studiumdigitale Claudia Bremer, dem Direktor der Strothoff International School Dreieich Andreas Koini und der Elternsprecherin Eva Segner, dem Soziologen Sighard Neckel und der Bildungsökonomin Prof. Kerstin Schneider von der Bergischen Universität Wuppertal. Moderation: Marc Dugge, Hessischer Rundfunk.

27. Januar 2014: Abgehoben und überakademisiert? Wie viel Bildung verträgt der Mensch?

Mit dem Pisa-Studien Experten Prof. Manfred Prenzel, dem Gründer der Biomarke Alnatura Götz Rehn, dem Gründer der Drogeriekette Rossmann Dirk Roßmann und dem Leiter der Universitätsbibliothek Dr. Heiner Schnelling. Moderation: Petra Boberg, Hessischer Rundfunk

Veranstaltungsort:
Campus Westend, Festsaal im Casino-Gebäude.
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main.

Beginn jeweils 19.30 Uhr, Eintritt frei.

Mehr Informationen: www.buerger.uni-frankfurt.de