Gravierende Folgen von Missbrauch und Misshandlung lindern

Betroffene Kinder und Jugendliche können an Therapiestudie teilnehmen

Veröffentlicht am: Montag, 08. Juli 2013, 16:01 Uhr (168)

FRANKFURT. Circa zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen erleben körperliche Misshandlungen; jedes vierte Mädchen und jeder elfte Jungen werden sexuell missbraucht. Die Täter sind häufig bekannte Personen wie Verwandte, Freunde der Familie oder andere Jugendliche. Viele der Betroffenen entwickeln eine Posttraumatische Belastungsstörung: Sie leiden unter wiederkehrenden schmerzlichen Erinnerungen an die belastenden Ereignisse oder unter Albträumen, sie fühlen sich gefühlstaub oder sind ständig angespannt. „Bisher gibt es nur sehr wenige Behandlungsstudien bei Jugendlichen mit Posttraumatischer Belastungsstörung und kein wissenschaftlich evaluiertes Therapiekonzept“, sagt Dr. Regina Steil, wissenschaftliche Geschäftsführerin der Verhaltenstherapieambulanz und Studienleiterin in Frankfurt.

Gerade um zu verhindern, dass die Symptome chronisch werden, wurde in den vergangenen Jahren an der Goethe-Universität auf der Basis eines kognitiv-verhaltenstherapeutischen Konzepts ein Behandlungskonzept entwickelt, was speziell auf Jugendliche zugeschnitten ist. Diese Therapieform zeigte in einer ersten Pilotstudie eine hohe Verträglichkeit und sehr gute Erfolge: Sechs Wochen nach Therapieende litten nur noch 25 Prozent der Patienten unter der posttraumatischen Belastungsstörung. Auch depressive Begleitsymptome verbesserten sich deutlich.

Jetzt werden im Rahmen einer großen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie, an der neben der Goethe-Universität auch die Freie Universität Berlin und Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt beteiligt sind, die Wirksamkeit der Therapie näher untersucht. Dabei werden zwei Gruppen miteinander verglichen: Die eine erhält die neue entwicklungsangepasste traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie, die andere Gruppe eine bisher übliche Behandlung. Hierfür sucht das Wissenschaftlerteam in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität jugendliche Studienteilnehmer im Alter zwischen 14 und 21 Jahren, die Opfer sexuellen Missbrauchs und/oder körperlicher Misshandlung wurden und unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Die Behandlung ist als Einzeltherapie angelegt und umfasst nach einer ausführlichen Eingangsdiagnostik zwischen 30 und 36 Therapiesitzungen in einem Zeitraum von vier bis fünf Monaten. Die Therapien können zügig beginnen.

Informationen: Dr. Franziska Schreiber, Dipl.-Psych. Jana Gutermann, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-23973/23989, schreiber@psych.uni-frankfurt.de, gutermann@psych.uni-frankfurt.de