Der japanische Weg der Robotik

Wissenschaftlerin der Goethe-Universität beleuchtet in ihrer neuen kulturwissenschaftlichen Studie die Akzeptanz von Robotern in Japan.

Veröffentlicht am: Montag, 24. Juni 2013, 12:19 Uhr (150)

FRANKFURT. Japan ist seit den 1980ern als Land bekannt, das eine bemerkenswerte Roboterkultur hervorgebracht hat. Während jedoch die Diskussion um den Einsatz sogenannter „sozialer“ Roboter in der Pflege noch vor kurzem im Westen den Mythos vom „Roboterland Japan“ bestärkt hat, brachte die Dreifach-Katastrophe von Fukushima im März 2011 allgemeine Ernüchterung: japanische Roboter konnten hier kaum helfen.

Cosima Wagner unternimmt auf der Basis originalsprachlichen Quellenmaterials nun erstmalig eine umfassende Erörterung der Robotopia Nipponica und bietet Erklärungsmodelle für den „Japanese Way of Robotics“. Eine dichte Beschreibung der Wechselwirkung von Kultur und Technik macht deutlich, dass Roboter auch in Japan nicht nur rationale High-Tech-Produkte sind, sondern als technische Artefakte ihre Existenz und ihre spezifische Erscheinungsform dem Zusammenspiel verschiedener sozialer, politischer und kultureller Faktoren verdanken.

Als Beitrag einer kulturwissenschaftlichen Technikforschung regt die Autorin anstelle exotisierender Interpretationen zum Nachdenken über die Relation von Kultur und Technik an und bereichert anhand des Fallbeispiels Japan die Debatte um eine Technisierung der Zukunftsgesellschaft.  

Wagner, Cosima (2013): Robotopia Nipponica - Recherchen zur Akzeptanz von Robotern in Japan. Marburg: Tectum Verlag.

Themen des Bandes: Zeitgeschichte der Roboter-Adaption in Japan; Roboter-Leitbilder aus der Populärkultur; Interviews mit japanischen Robotikforschern und –experten; Strategiepläne der japanischen Regierung; Methodische Fragen der japanbezogenen kulturwissenschaftlichen Technikforschung.

Zur Verfasserin: Cosima Wagner studierte Japanologie und Geschichte in Marburg und Berlin. Seit 2003 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Japanologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main; sie befasst sich mit den Themen Technik in Japan, Alltags- und Konsumgeschichte Japans nach 1945, mit japanischen „Objektgeschichten“ seit dem frühen 20. Jahrhundert und mit dem Diskurs um den weltweiten Boom der japanischen Populärkultur.  

Weitere Informationen: Volker Paulat, Sekretariat Japanologie, Fachbereich 9: Sprach- und Kulturwissenschaften, Goethe-Universität, Tel. (069) 798-23287; paulat@em.uni-frankfurt.de