Mit Dantes "Göttlicher Komödie" geht 1000. Handschrift online

Universitätsbibliothek der Goethe-Universität digitalisiert wertvolle Handschriftensammlung

Veröffentlicht am: Montag, 17. Juni 2013, 11:48 Uhr (137)

FRANKFURT. Mit der „Göttlichen Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri wurde jetzt die 1000. Handschrift aus dem gut behüteten Schatz der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg digitalisiert und damit öffentlich für jeden zugänglich gemacht. In einem im Februar 2011 begonnenen Projekt scannt und digitalisiert die Bibliothek der Goethe-Universität ihre über 2.800 Handschriften umfassende Sammlung, die weltweit einzigartige Exemplare umfasst.

„Bisher nahmen Wissenschaftler weite Reisen sogar über Kontinente in Kauf, um die Unikate einzusehen. Durch die Digitalisierung wird es nun von jedem Ort der Welt möglich, online in den Handschriften zu blättern – ohne die empfindlichen Originale zu strapazieren“, erläutert Dr. Bernhard Tönnies, Leiter Handschriftenabteilung. Bei den bis zu 1200 Jahre alten Bänden ist ein schonender Umgang beim Scannen extrem wichtig. Deshalb hat die Universitätsbibliothek einen Spezialscanner angeschafft, in dem die Bücher nur bis zu einem Winkel von 110 Grad geöffnet werden müssen und beide Seiten gleichzeitig hochauflösend und farbgetreu bei möglichst geringem Licht aufgenommen werden. Marko Knepper, Leiter der Elektronischen Dienste, weist auf die besondere Schwierigkeit des Projekts hin: „Einerseits hat der schonende Umgang Priorität, das kostet Zeit, und andererseits wollen wir den Bestand innerhalb weniger Jahre online stellen.“ Für die bereits gescannten 350.000 Seiten sind so schon 17 Terabyte Daten zusammen gekommen, die dauerhaft archiviert werden.

Darunter ist die Handschrift zu Dantes „Göttlicher Komödie“, die im 14. Jahrhundert in Oberitalien geschrieben wurde (http://urn-resolver.de/urn:nbn:de:hebis:30:2-46119). Von der „Göttlichen Komödie“ gibt es insgesamt 600 Handschiften. „Das Frankfurter Exemplar wurde 1834 von dem aus Frankfurt stammenden und in Mailand lebenden Handelskaufmann Heinrich Mylius der Stadtbibliothek seiner Heimatstadt geschenkt“, erläutert Tönnies. „Jetzt kann es – wie die anderen bereits gescannten Handschriften – online bewundert und auch wissenschaftlich bearbeitet werden.“ Neben der Dante-Handschrift finden sich viele weitere Schätze unter den alten Handschriften, zwei ganz unterschiedliche Beispiele: eine im 13. Jahrhundert entstandene Pariser Bibel aus dem Zisterzienserkloster Eberbach und das Rüst- und Feuerwerksbuch der Stadt Frankfurt, das um 1500 für die Ratsbibliothek angeschafft wurde.

Ebenfalls gescannt und mit den Objekten verlinkt wurden die ausführlichen Beschreibungen der Handschriften, die bisher nur in Form von gedruckten Katalogen vorlagen. Die komplette digitale Sammlung ist zugänglich unter der URL: http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/msinc

Nach den Handschriften stehen ferner 2.700 Inkunabeln – Druckwerke des 15. Jahrhunderts – in den Tresorräumen bereit, an denen ebenso großes Interesse besteht. Ein besonders gefragtes Objekt, die 42-zeilige Gutenberg-Bibel, wurde schon vorgezogen. Die Bibliothek besitzt seit 1802 ein vollständiges Exemplar der von Johannes Gutenberg gedruckten Bibel, die aus dem Besitz des Frankfurter Leonhardstifts stammt.

Die Frankfurter Handschriftensammlung geht in ihren Ursprüngen bis auf die 1484 gegründete Ratsbibliothek zurück. Durch Schenkungen, Legate und Ankäufe erfolgten immer wieder wertvolle Ergänzungen. Den größten Zuwachs gab es jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Frankfurter Stifts- und Klosterbibliotheken im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurden.

Bilder können herunter geladen werden unter: hier (.zip)

Bildtexte

Abb. 1: Schmuckseite aus der „Göttlichen Komödie“. Sowohl in der Initiale als auch auf der unteren Bordüre ist Dante selbst dargestellt, unten blickt er auf seine Jugendliebe Beatrice.

Abb. 2: Illuminierte Seite aus der Pariser Bibel. Am Beginn des Buches Genesis werden in sieben Einzelszenen die sieben Tage der Schöpfung dargestellt.

Abb. 3: Herstellung von Salpeter, Darstellung aus dem Rüst- und Feuerwerksbuch der Stadt Frankfurt.

Informationen: Dr. Bernhard Tönnies, Leitung Handschriftenabteilung, Email ls-handschriften@ub.uni-frankfurt.de, Tel. 069/798-39236; Marko Knepper, Leitung Abteilung E-Dienste, Email digitalisierung@ub.uni-frankfurt.de, Tel. 069/798-39905;