Wer bezahlt für den Klimaschutz – und warum?

Vortrag des Philosophen Darrel Moellendorf am 6. Mai 2013 am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität

Veröffentlicht am: Donnerstag, 25. April 2013, 15:42 Uhr (089)

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Der Klimawandel ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Nun gilt es, das Ausmaß strikt zu begrenzen und die Folgen in den Griff zu bekommen. Doch das erfordert Anstrengungen, ist ganz ohne Verzicht nicht zu haben – und kostet Geld. Wer aber soll diese Lasten tragen? Da sind zum einen die Industrienationen, die lange Zeit fast ausschließlich für die Treibhausgase verantwortlich waren. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr aufstrebende Länder, die durch den Einsatz billiger fossiler Energie zum Wohlstand des Westens aufschließen wollen. Wen kann man nun mit welcher Begründung in die Pflicht nehmen? Diese Frage wird insbesondere auch auf den Klimakonferenzen der Vereinten Nationen diskutiert. Was dabei zur Debatte steht, erläutert und bewertet der amerikanische Philosoph Darrel Moellendorf in einem öffentlichen Vortrag zum

Thema: „Uno-Klimakonferenzen – Wer soll die Kosten des Klimawandels tragen?
am: Montag, den 6. Mai 2013, um 19.00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Darrel Moellendorf ist Professor für Philosophie und Direktor des Institute for Ethics and Public Affairs an der San Diego State University in Kalifornien. Aktuell gehört er zu den renommierten Gastwissenschaftlern der Forschergruppe „Justitia Amplificata: Erweiterte Gerechtigkeit“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Goethe-Universität gefördert wird. Moellendorf lebt und arbeitet als Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg. Die Einführung und Moderation seines dortigen Vortrags liegt in den Händen von Rainer Forst, Professor für Politische Theorie, Direktoriumsmitglied des Forschungskollegs, Co-Sprecher des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und stellvertretender Sprecher der „Justitia“-Gruppe.

Darrel Moellendorf hat in Bad Homburg das Manuskript eines Buches fertiggestellt. Es behandelt den „Gefährlichen Klimawandel“, heißt mit vollem Titel „Dangerous Climate Change: Values, Poverty, and Policy“ und wird noch in diesem Jahr im Verlag Cambridge University Press erscheinen. Darin bezieht sich Moellendorf auf die 1992 ins Leben gerufene Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, die „United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC)“. Auch in seinem Vortrag wird er auf das internationale Abkommen verweisen, mit dem ein kontinuierlicher Verhandlungsprozess zum Schutz des Klimas ins Leben gerufen wurde. Die Konvention, der mittlerweile 195 Staaten beigetreten sind, biete, so Moellendorf, die bestmögliche Basis für eine vernünftige Übereinkunft im Umgang mit dem Klimawandel.

In Artikel 3 der Klimakonvention heißt es, „die Vertragsparteien sollen auf der Grundlage der Gerechtigkeit und entsprechend ihren gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortlichkeiten und ihren jeweiligen Fähigkeiten das Klimasystem zum Wohl heutiger und künftiger Generationen schützen“. Konkret kann der Klimaschutz beispielsweise daraus bestehen, mehr für Energie zu bezahlen, weil erneuerbare Energie teurer ist als Kohle, Öl und andere fossile Stoffe. Bei der Frage, wer diese Kosten auf sich nehmen sollte, werden im Kern zwei Prinzipien diskutiert. Nach dem Verursacherprinzip (polluter-pays) sollen die Kosten in ein Verhältnis zu der Schadstoffmenge gesetzt werden, die ein Land emittiert oder in der Vergangenheit emittiert hat. Nach dem Prinzip der Zahlungsfähigkeit (ability-to-pay) sollen die Staaten die Kosten übernehmen, die dazu in der Lage sind.

Das Polluter-pays-Prinzip mag auf den ersten Blick plausibel sein. Es hat aber, so Moellendorf, einige gravierende Schwachstellen. Zum einen können Industriestaaten nicht ohne weiteres für Emissionen verantwortlich gemacht werden, die Jahrzehnte zurückliegen. Denn damals waren die Auswirkungen so noch nicht absehbar. Jetzt, wo der Zusammenhang zwischen CO2-Ausstoß und von Menschen verursachten Klimaveränderungen erwiesen scheint, müssten auch die weniger entwickelten Länder bezahlen, weil sie sich ja der Folgen ihres Handels bewusst sein müssten. Weniger entwickelte Länder sind bei ihrer Energiegewinnung allerdings auf die nach wie vor relativ billigen fossilen Brennstoffe angewiesen. Höhere Kosten könnten ihre weitere Entwicklung nicht nur hemmen, sondern zu noch größerer Armut führen.

Auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die UNFCCC jedem Staat ausdrücklich das Recht auf eine nachhaltige Entwicklung zuspricht, plädiert Darrel Moellendorf für ein Konzept einer verteilenden und ausgleichenden Gerechtigkeit im internationalen Maßstab, bei der manche Staaten - deren anhaltender Wohlstand nicht zuletzt mit einer langen Phase der CO2-Produktion verbunden ist - soziale Verantwortung übernehmen und die Hauptlast des Klimaschutzes tragen.

Die interessierte Öffentlichkeit ist nach vorheriger Anmeldung herzlich willkommen.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs, Tel.: 06172-13977-10, i.rudolph@forschungskolleg-humanwissenschaften.de