Sie brachten die Guttenberg-Affäre ins Rollen

SZ-Redakteure Dr. Tanjev Schultz und Roland Preuß erhalten den Goethe-Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus 2012

Veröffentlicht am: Freitag, 25. Januar 2013, 11:04 Uhr (021)

FRANKFURT. Zwei Redakteure der Süddeutschen Zeitung erhalten den mit 5.000 Euro dotierten 1. Preis des Goethe-Medienpreises für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus 2012, der heute an der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen einer Festveranstaltung zusammen mit der FAZIT-Stiftung vergeben wird: Unter dem Titel „Verteidigungsfall“ hatten Dr. Tanjev Schultz und Roland Preuß am 16. Februar 2011 auf Basis umfassender Recherchen erstmals über den Verdacht berichtet, bei der Dissertation des damaligen Bundesverteidigungs-ministers Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg könnte es sich in wesentlichen Teilen um ein Plagiat handeln. Die Berichterstattung löste eine Welle öffentlicher Diskussionen aus, in deren Folge sich Guttenberg genötigt sah, sein Amt aufzugeben. Inzwischen wurde eine große Zahl weiterer prominenter Fälle bekannt. An deutschen Universitäten und Hochschulen wird seitdem intensiv über bessere Qualitätsstandards in Bezug auf die Handhabung von Promotionsverfahren diskutiert. Laudator Prof. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, hob hervor, die beiden SZ-Autoren hätten

„mit dem Artikel ‘Verteidigungsfall‘ ein Stück investigativen Journalismus par excellence abgeliefert, man könnte auch lapidarer formulieren, ‘Enthüllungsjournalismus‘ at ist best. Das hat sowohl Zivilcourage als auch Durchsetzungsvermögen erfordert. Das Risiko der Auseinandersetzung mit dem damaligen Politstar Karl-Theodor zu Guttenberg, der Glamour in die deutsche Politik brachte und als veritabler Meister der politischen Inszenierung galt (…) haben Sie jedenfalls nicht gescheut. Nüchtern dokumentierten Sie beide in Ihrem Artikel ‘Verteidigungsfall‘ die Defizite in zu Guttenbergs Dissertation ‘Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU‘, die 2006 als Dissertation an der Universität Bayreuth eingereicht wurde (…)“.

Weitere Preisträgerinnen des Jahres 2012 sind die FAZ-Redakteurin Dr. Christina Hucklenbroich (2. Preis, 2.500 Euro) sowie Alexa Hennings vom Norddeutschen Rundfunk (3. Preis, 1.250 Euro). Hucklenbroich würdigte die Jury für eine Reportage zur Medizinerausbildung („Der Brotberuf der Begabten“). Darin schreibt die Journalistin, selbst ausgebildete Tierärztin, wie es der großen Zahl von 1,0-Abiturientinnen ergeht, die inzwischen in die Medizinstudiengänge strömen. Dabei beleuchtet sie die starke Zunahme von Bewerbungen um ein Medizinstudium in den letzten Jahren. Was steckt dahinter? Leistungswille? Oder möglicherweise ein verändertes Berufsbild. Hucklenbroich gelingt es in  sprachlich hervorragender und zugleich analytischer Weise, diese neuen Motivationen an markanten Beispielen  herauszuarbeiten. Dabei erweist sich, dass der Arztberuf offenbar immer mehr zu einem „Brotberuf“ geworden ist – ein Beruf, den viele vor allem deshalb wählen, weil sie sich davon langfristige materielle Sicherheit versprechen. Der Beitrag war am 4. Mai 2011 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen.

Die dritte Preisträgerin, Alexa Hennings, erhält den Goethe-Medienpreis für ihr 30-Minuten-Radio-Feature: „Das Forum. Von Güstrow in die Welt – junge ostdeutsche Elite in Oxford und Cambridge“, das am 9. April 2012 im Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Im Kern geht es darum, wie sich Studierende aus den Neuen Bundesländern, die sich an britischen Elite-Universitäten eingeschrieben haben, gegen die Westkonkurrenz behaupten. Das Feature ist schwungvoll komponiert und vermittelt originelle Beobachtungen aus dem aktuellen Ost-West-Verhältnis.

Der Goethe-Medienpreis wurde im Jahr 2008 zum ersten Mal verliehen und ist der erste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Er unterteilt sich in drei Einzelpreise: Der erste ist mit 5.000 Euro dotiert, der zweite mit 2.500 und der dritte mit 1.250. Die Goethe-Universität schreibt diesen unabhängigen Journalistenpreis im Abstand von zwei Jahren zusammen mit der FAZIT-Stiftung aus. Die nächste Ausschreibungsrunde beginnt im April 2014.

Bewertet wurden die Arbeiten von einer hochrangig besetzten Jury aus Medien- und Wissenschaftsvertretern, der angehören:

  • Prof. Dr. Bernhard Kempen (Präsident des Deutschen Hochschulverbandes),
  • Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes),
  • Werner D‘Inka (Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung),
  • Prof. Dr. Christian Floto (Abteilungsleiter Wissenschaft und Bildung, Deutschlandfunk),
  • Prof. Dr. Reinhard Grunwald (Generalsekretär a.D. der Deutschen Forschungsgemeinschaft),
  • Dr. Martin Doerry (Stv. Chefredakteur DER SPIEGEL)
  • Dr. Wolfgang Heuser (Herausgeber Deutsche Universitätszeitung)

Weitere Hintergründe und Informationen zu den Preisträgerinnen und Preisträgern finden Sie unter http://goethe-medienpreis.uni-frankfurt.de/