Saudi-arabischer Supercomputer nach hessischem Vorbild

Nachfolger des Frankfurter Höchstleistungsrechners LOEWE-CSC weltweit zweiter bei Energieeffizienz

Veröffentlicht am: Freitag, 16. November 2012, 12:51 Uhr (268)

FRANKFURT/RIAD. Der saudi-arabische Supercomputer „SANAM“ hat im weltweiten Vergleich der energiesparendsten Supercomputer den zweiten Platz belegt. Auf der am Mittwoch veröffentlichten Rangliste „Green500“, die zwei Mal jährlich die Energieeffizienz der schnellsten Computer weltweit vergleicht, erreichte das deutsch-arabische Gemeinschaftsprojekt diesen Spitzenplatz mit einer Rechenleistung von 2.351 Millionen Rechenoperationen pro Sekunde je Watt. Der Supercomputer entstand in der Zusammenarbeit zwischen dem führenden saudi-arabischen Forschungszentrums „King Abdulaziz City for Science and Technology“ (KACST) in Riad, dem Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS) an der Goethe-Universität und dem Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR). „SANAM“ ist eine Weiterentwicklung des Frankfurter Höchstleistungsrechners LOEWE-CSC, der bei seiner Inbetriebnahme vor zwei Jahren der energiesparendste Großrechner Europas war.

Der arabische Name „SANAM“ bezeichnet in seiner ursprünglichen Bedeutung den Kamelhöcker, in dem Fett gespeichert wird, das für zwei Wochen das Überleben des Kamels sichert. „SANAM“ gehört zu den 500 schnellsten Computern der Welt, auf der weltweiten Rangliste „Top500“ belegt er Platz 52. Im Nahen Osten hält er die Spitzen-Position. „SANAM“ wird am KACST für Anwendungen in Seismik, Luftfahrt, Bioinformatik, Wetterforschung und Simulation eingesetzt. Für die Testläufe wurde der Supercomputer von einem deutsch-saudi-arabischen Team am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt aufgebaut. In den nächsten Monaten wird er in die saudi-arabische Hauptstadt Riad gebracht.

Wie der LOEWE-CSC ist auch „SANAM“ mit einem speziellen Kühlsystem ausgestattet und verwendet handelsübliche Hochleistungs-Grafikkarten, wie sie in Arbeitsplatzcomputern eingesetzt werden. In der Rechengeschwindigkeit ist „SANAM“ etwa 40 Prozent schneller als LOEWE-CSC, aber verbraucht pro Rechenoperation nur ein Drittel der Leistung. Erreicht wurde dies durch die Verwendung von mehr Hochgeschwindigkeits-Grafikchips in Verbindung mit optimierter Systemsoftware.

Der FIAS-Vorstandsvorsitzende und Professor für Architektur von Hochleistungsrechnern an der Goethe-Universität, Professor Volker Lindenstruth, sagte: „Die moderne Forschung ist entscheidend auf immer schnellere Supercomputer angewiesen. Sie können in Zukunft aber nur installiert werden, wenn Energieeffizienz ein entscheidendes Kriterium ist. Wir freuen uns, dass wir in Zusammenarbeit mit einem ambitionierten Forschungsland neue Technologien für eine immer bessere Energieeffizienz entwickeln können und dabei in den „Green500“ neue Maßstäbe setzen.“

Informationen: Prof. Volker Lindenstruth, Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS), Campus Riedberg, Tel: (069) 798-44100; voli@compeng.de. fias.uni-frankfurt.de