Es darf spekuliert werden

Medienwissenschaftler beschäftigen sich bei ihrer Jahrestagung mit allen Formen der Spekulation – von der philosophischen Reflexion bis zur Finanzwirtschaft

Veröffentlicht am: Mittwoch, 26. September 2012, 17:24 Uhr (211)

FRANKFURT. In über 220 Vorträgen beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Spekulation in all ihren Formen und gehen ihrem schlechten Ruf ebenso auf den Grund wie ihren Risiken und Potenzialen, wenn sie sich vom 3. bis 6. Oktober zur Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaften an der Goethe-Universität und an der Hochschule für Gestaltung Offenbach treffen. Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Facetten der Spekulation passe bestens zu den Frankfurter Traditionen, betont der Organisator der Tagung, Prof. Dr. Vinzenz Hediger. „Denn so setzen wir die philosophische Reflexion und die Finanzwirtschaft dialektisch zueinander in Beziehung – wie es in Frankfurt seit Jahrzehnten gepflegt wird.“

Bloße Spekulation meint in der Regel, dass einer Aussage die empirische oder rationale Grundlage fehlt. Dem Klatsch und dem Gerücht verwandt, steht sie unter dem Verdacht der Halbwahrheit und der Grenzüberschreitung. „Es ist populär, zu spekulieren, und damit ist die Spekulation ein konstitutives Medium moderner Wissensgesellschaften,“ so Hediger, der seit 2011 eine Professur für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität inne hat.

Wer spekuliert, gilt als jemand, der mit Finanztransaktionen Geld verdient, ohne wirklich zu arbeiten. Im Zeichen der fortschreitenden Integration globaler Märkte ist die Finanzmarktspekulation zum neuen „faszinosum tremendum“ der Kapitalismuskritik geworden – gleichermaßen faszinierend wie abschreckend. „Spekulation als kritische Gesamtschau und als Denken von und in Spiegelungen gehört zu den Grundfiguren der Medien- und Kulturtheorie“, betont der Frankfurter Filmwissenschaftler. Auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaften (GfM) fragen die Teilnehmer nach den Medien der Spekulation, nach der Spekulation der Medien und nach der Spekulation als Verfahren und Versprechen der Medienwissenschaft.

Zum Programm der Tagung gehören auch öffentliche Veranstaltungen. So wird am Eröffnungsabend (3. Oktober um 20.30 Uhr im Studentenhaus, Campus Bockenheim) der selten zu sehende Film „Die Börse“ des deutschen Film-Avantgardisten Hans Richter aus dem Jahr 1939 gezeigt; ein namhaft besetztes Podium zum Thema „Karl Marx und die Kreativen“ findet am 4. Oktober um 20 Uhr in der HFG Offenbach statt.

Mit über 900 Mitgliedern ist die Gesellschaft für Medienwissenschaft die Standesvertretung der Medienwissenschaft an deutschsprachigen Universitäten. Auf der Jahrestagung werden aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt und neue Themen gesetzt. Es nehmen etwa 400 Wissenschaftler teil. Diese bedeutendste Tagung in dem sich rasch entwickelnden Feld der medienwissenschaftlichen Forschung findet erstmals in Frankfurt statt.

Informationen: Prof. Dr. Vinzenz Hediger, Professur für Filmwissenschaft, Campus Westend, Mobil 0177 47 53 714, hediger@tfm.uni-frankfurt.de  

Programm der Tagung gibt es hier (PDF).