„Japan nach 'Fukushima'. Ein System in der Krise"

Neuerscheinung mit fundierten Analysen zur japanischen Dreifachkatastrophe

Veröffentlicht am: Dienstag, 12. Juni 2012, 14:17 Uhr (129)

FRANKFURT. Die gegenwärtige atomare Krise ist auch eine Krise des Systems Japan, dies ist die zentrale These eines soeben erschienenen Buchs zur japanischen Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011. Eine Vielzahl aktueller Meinungen findet Eingang in diesen Band, den die Frankfurter Japanologin Prof. Dr. Lisette Gebhardt und ihre Leipziger Kollegin Prof. Dr. Steffi Richter unter dem Titel „Japan nach 'Fukushima'. Ein System in der Krise" herausgegeben haben; er stellt eine der ersten interdisziplinär angelegten fachwissenschaftlichen Studien dar und führt alle, die sich über die innerjapanische Diskussionslage nach Fukushima informieren wollen, umfassend in die Problematik ein.

Der Band, der im Leipziger Universitätsverlag erschienen ist, liefert eine fundierte Analyse der japanischen Situation nach 3/11: Er legt dar, welche Spuren die Dreifachkatastrophe mit dem schweren Erdbeben, der verheerenden Tsunami-Welle und dem GAU von Fukushima in der japanischen Gesellschaft und im Denken von Wissenschaftlern, Journalisten, Schriftstellern und anderen engagierten Bürgern hinterlassen hat. Die vier Beiträge von Enno Berndt, Steffi Richter, Nicola Liscutin und Lisette Gebhardt befassen sich mit der Rezeption der Kernenergie und ihrer zeitgeschichtlichen politischen und ökonomischen Implementierung in Japan, mit der medialen Verhandlung der Krise, mit einer Interpretation der Ereignisse im Rahmen einer Reflexion der japanischen Moderne, mit wichtigen Akteuren der Atomkritik und ihren Positionen sowie mit der Möglichkeit einer neuen kritischen Öffentlichkeit im Lande.

Lisette Gebhardt stellt in „Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass dieser Tag kommen möge: Positionen japanischer Autoren nach ‚Fukushima“ die Überlegungen japanischer Schriftsteller zur Einschätzung der Dreifachkatastrophe vor. Enno Berndt beschreibt in seinem Aufsatz „Im strahlenden Schatten der Macht – Zur Politischen Ökonomie der nuklearen Katastrophe von Fukushima“ die Strategien der japanischen Stromwirtschaft. Steffi Richter setzt sich in „Das Ende des endlosen Alltags? Post-Fukushima als Japan-Diskurs“ mit dem sogenannten atomaren Dorf und seiner Kritik durch Wissenschaftler und Aktivisten auseinander. Nicola Liscutin analysiert mit „Vernetzt Euch! Fukushima, neue Medien und die Anti-AKW-Bewegung“ die Argumentationen verschiedener Gruppen gegen die Nutzung von Atomkraft.

Publikation: Steffi Richter, Lisette Gebhardt: „Japan nach 'Fukushima'. Ein System in der Krise",  Leipziger Universitätsverlag und AVA - Akademische Verlagsanstalt, 2012, 218 Seiten, Broschur; ISBN 978-3-86583-692-2; 24 Euro; Link zur Seite des Verlags: http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,1311

Informationen: Prof. Dr. Lisette Gebhardt, Japanologie, Interdisziplinäres Zentrum für Ostasienstudien (IZO), Campus Bockenheim, Tel. (069) 798-23287, japanologie@uni-frankfurt.de