Flora und Fauna West-Afrikas sinnvoll schützen

Neuer Biodiversitäts-Atlas als Grundlage für Entscheidungsträger vor Ort

Veröffentlicht am: Dienstag, 08. Mai 2012, 14:53 Uhr (104)

FRANKFURT/WÜRZBURG. 10 Jahre lang haben rund 150 deutsche Wissenschaftler zusammen mit afrikanischen Partnern die biologische Vielfalt Westafrikas und deren Wandel untersucht. Die Ergebnisse dieses vom Bundesforschungsministerium geförderten Mammutprojekts „BIOTA (Biodiversity Transect Analysis) West“ liegen nun in drei Atlanten vor. Das umfangreiche Kartenmaterial und detaillierte Analysen zur Vielfalt und zum Zustand der Flora und Fauna von Benin, Burkina Faso und der Côte d’Ivoire sollen Entscheidungsträgern vor Ort helfen, Schutzkonzepte zum besseren Erhalt bestehender oder zur Regeneration bereits verlorener Artenvielfalt umzusetzen.

Ein Beispiel für die Bedrohung der Westafrikanischen Artenvielfalt ist die Fledermaus Megaloglossus woermanni. Sie ist eine von 120 Fledermausarten, die in Westafrika heimisch sind. Das nur 15 Gramm schwere Tier hat im Ökosystem eine wichtige Rolle, beispielsweise als Samenausbreiter oder Insektenräuber. Die Region, aus der sie stammt, insbesondere der Guineische Waldgürtel, ist einer der 34 globalen Biodiversitäts-Hotspots für biologische Vielfalt. Da sie aber zugleich wirtschaftlich eine der ärmsten Regionen der Welt ist, sind dort auch viele anderen Pflanzen- und Tierarten durch den Wandel der Landnutzung bedroht, die ihren Lebensraum immer mehr einengt.

Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2000 das deutsch-afrikanische Großprojekt BIOTA West ins Leben gerufen. Über 150 Botaniker, Zoologen, Meteorologen, Fernerkundler, Geographen, Ökonomen und Ethnologen erhoben vollständige Datensätze zur biologischen Vielfalt und wichtigen Einflussfaktoren in Westafrika. Dazu wurden unter anderem Observatorien entlang eines Klimagradienten vom Rand der Sahara bis zum Regenwald eingerichtet. Die Bestandsaufnahme brachte Überraschungen mit sich: „Beispielsweise ging man davon aus, dass in Burkina Faso nur knapp über 1200 Pflanzenarten vorkommen. Inzwischen wissen wir, dass es fast 2000 verschiedene Arten in dem Land gibt“, so Dr. Karen Hahn, Goethe-Universität Frankfurt und Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F). Außerdem wurde untersucht, wie sich die Artenvielfalt im Lauf der Zeit durch Landnutzung und Klimawandel verändert, um bessere Ansätze für Schutz und nachhaltige Nutzung entwickeln zu können.

Die Ergebnisse dieser umfangreichen Forschungsarbeit liegen nun in drei BIOTA West Atlanten vor, die vor kurzem erschienen sind. Die insgesamt über 2100 Seiten starke dreiteilige Buchreihe bildet damit erstmals den gesammelten Stand des  Wissens zur biologischen Vielfalt und ihrer Bedrohung in Benin, Burkina Faso und der Côte d’Ivoire ab. Die Atlanten beinhalten jeweils einen allgemeinen Teil mit Daten zur westafrikanischen Biodiversität und deren Einflussfaktoren. Darüber geben das Kartenmaterial sowie Angaben zum Vorkommen und zur Verbreitung von Pflanzen- und Tierarten Auskunft. Außerdem werden Schutzkonzepte zum besseren Erhalt bestehender oder Regeneration bereits verlorener Artenvielfalt vorgestellt. In einem regionsspezifischen Teil werden jeweils die für das Land bedeutendsten Herausforderungen, der Status der Biodiversität vor Ort, Schutzgebiete und Naturschutzstrategien in Analysen dargelegt.

Zielgruppe der allgemein verständlich geschriebenen Atlanten sind Biodiversitätsforschende, Entscheidungsträger in Ministerien, Naturschutzbehörden, Nicht-Regierungsorganisatoren sowie Lehrer und die breite Öffentlichkeit. Neben der Bereitstellung von Information sollen die Atlanten vor allem die Grundlage für den nachhaltigen Schutz der biologischen Vielfalt geben. „Wissenstransfer ist ein essentieller Bestandteil des BIOTA West Projektes. Um das zu erleichtern, wurden die Atlanten auf die Bedürfnisse der Praktiker zugeschnitten. Deshalb haben auch unsere Partner vor Ort den Löwenanteil bei der Zusammenstellung des Inhalts geleistet”, erläutert Prof. K. Eduard Linsenmair, Universität Würzburg, der das zugrunde liegende Großforschungsprojekt BIOTA West koordiniert hat. Um größtmögliche Einsetzbarkeit zu gewährleisten, sind die Atlanten bilingual (Englisch und Französisch) ausgelegt und werden in vierstelliger Auflage vor Ort verteilt.

Erstellt wurden die Atlanten von der Goethe-Universität (Prof. Jürgen Runge, Dr. Dorothea Kampmann, Dr. Joachim Eisenberg) in Zusammenarbeit mit allen BIOTA-West Beteiligten. Sie wurden dabei vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) sowie dem IUCN Burkina Faso unterstützt. Herausgeber sind neben der deutschen Seite die jeweiligen Partner in Benin (Prof. Brice Sinsin), Burkina Faso (Prof. Adjima Thiombiano) und der Côte d’Ivoire (Prof. Souleymane Konaté).

Bilder zum Download finden Sie hier.

Informationen: Prof. Jürgen Runge, Institut für Physische Geographie, Campus Riedberg, Tel.:( 069) 798-40160; j.runge@em.uni-frankfurt.de.