Keplers Brief an eine anonyme Dame: Innenansicht eines Gelehrtenhaushalts

Nach Vortrag im Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften wird Ausstellung zu Snyders Film „Casio, Seiko, Sheraton, Toyota, Mars“ in der Studiengalerie 1.357 eröffnet

Veröffentlicht am: Dienstag, 24. April 2012, 16:44 Uhr (090)

FRANKFURT. Auf Einladung des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität hält Gadi Algazi, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität von Tel Aviv, einen öffentlichen Vortrag

am: Mittwoch (25. April) um 18 Uhr
Ort: IG-Farben-Haus, Raum 411, Campus Westend, Grüneburgplatz 1
Thema: „Kepler und die Keplerin: Wissenshaushalt und Geschlechterordnung um 1600“.

Keplers Brief an eine anonyme Dame (1612) bietet eine außergewöhnliche Gelegenheit, einen Gelehrtenhaushalt von innen zu betrachten. Dabei wird es nicht um die objektiven Begebenheiten allein gehen, sondern zugleich um Keplers Text, eine einzigartige Mischung aus Apologie und kritischer Selbstbeobachtung. „Keplers Text öffnet den Blick für intime Abhängigkeiten und die konstitutiven Widersprüche einer geschlechtsspezifischen Ehrenökonomie der Wissenschaft“, verspricht der Gast aus Israel.

Im Anschluss an diesen Vortrag wird um 20 Uhr die Ausstellung zu Sean Snyders Film „Casio, Seiko, Sheraton, Toyota, Mars“ in der Studiengalerie 1.357 im ersten Stock des IG-Farben-Hauses (Raum 1.357) eröffnet. Die Studiengruppe „Zeitgenössische Videokunst und die Methoden historischer Forschung“ stellt Inhalte, Absichten und künstlerische Umsetzung des Films von Sean Snyder vor, der dokumentarisches Foto- und Filmmaterial über Afghanistan und den Irak untersucht. Die Details haben Studierenden im vergangenen Semester unterstützt von Lehrenden unterschiedlicher Fachrichtungen erarbeitet. Der 13-minütige Film ist vom 26. April bis zum 7. Juni montags bis donnerstags zwischen 12 und 17 Uhr in der Studiengalerie 1.357 im I.G.-Farben-Haus zu sehen.

Der größte Teil des Films setzt sich aus statischen Bilderreihen zusammen. Vergrößerungen und Detailaufnahmen vorgefundener Reportage-Fotos machen die Omnipräsenz von Markenprodukten deutlich. Am Schluss des Films erscheinen Filmbilder einer Bombardierung Bagdads. Selbst während der Kriege blieben Irak und Afghanistan Teil einer globalen ökonomischen Sphäre. Deren visuelle Codes zeigen sich – so hat die Studiengruppe analysiert – noch in den entferntesten Gebirgsdörfern und an den Handgelenken der radikalsten Bekämpfer des Westens. Der Filmemacher Sean Snyder ist in den USA geboren, lebt und arbeitet in Kiew, Berlin und Tokio.

Die Studiengalerie 1.357 ist Teil einer Kooperation des Historischen Seminars der Goethe-Universität und des Städel Museums Frankfurt. Die Studierenden konzipieren das Programm, verfassen Ausstellungstexte, erstellen Plakate und Pressemeldungen, organisieren die Eröffnungen und halten die Einführungsvorträge. Auf diese Weise können sie sich die Grundlagen kuratorischer Tätigkeit und der Kunstkritik erarbeiten. Initiiert wurde die Gruppe von Prof. Dr. Bernhard Jussen vom Historischen Seminar und Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am StädelMuseum. Sie versammelt Studierende und Lehrende verschiedener Disziplinen zur längerfristigen gemeinsamen Arbeit. Dabei stehen Fragen nach dem bildlichen Umgang mit Geschichte und dem Verhandeln von Geschichte und Erinnerung in der aktuellen Videokunst im Mittelpunkt.

Informationen: Zum Vortrag: Dr. Falk Müller, Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften, Campus Westend, Tel: (069) 798-32411, falk.mueller@em.uni-frankfurt.de, www.fzhg.org

Zur Studiengalerie: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: 069/798-32427, jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum, Tel.: 069/605098210, engler@staedelmuseum.de; Dr. Henning Engelke, Kunsthistorisches Institut, Campus Bockenheim, Tel 069/798-23470, engelke@kunst.uni-frankfurt.de

Bild- und Textmaterial: Studiengruppe „Zeitgenössische Videokunst und die Methoden historischer Forschung“ unter www.geschichte.uni-frankfurt.de/studien/studiengalerie/index.html.