„Wie wir wurden, was wir sind“

Frankfurter Bürger-Universität bietet im Sommersemester über 100 Veranstaltungen

Veröffentlicht am: Donnerstag, 05. April 2012, 13:20 Uhr (078)


FRANKFURT. Im Sommersemester 2012 lädt die Frankfurter Bürger-Universität zum siebten Mal dazu ein, bei mehr als 100 Veranstaltungen Themen und wichtige Akteure der Hochschule genauer kennen zu lernen. Vom 11. April bis zum 15. September 2012 locken populärwissenschaftliche Vorlesungen, Führungen, Ausstellungen und Konzerte. Im Mittelpunkt steht dabei wieder eine eigens konzipierte Vortragsreihe außerhalb der universitären Mauern; ihr Gastgeber ist zum zweiten Mal seit dem Beginn der Bürgeruniversität 2008 die Stadtbücherei Frankfurt. Mit der Reihe Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien, die vom Soziologen Prof. Tilman Allert konzipiert wurde, geht zum ersten Mal eine Hauptreihe der Bürgeruniversität aufgrund der großen Nachfrage in die zweite Runde.

„Biografien als verdichteter Ausdruck des privaten Lebens erzählen davon, wie Zeitgeist, überindividuelle Schicksalslagen und Weltbild ineinander greifen, sie repräsentieren insofern exemplarische Verläufe einer Mentalitätsgeschichte des Landes“, so Prof. Tilman Allert über seine Vortragsreihe, die am Beispiel prominenter Lebensgeschichten Stationen der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte entwerfe. So widmen sich die von unterschiedlichen Referenten gestalteten Abende, Persönlichkeiten wie der Tänzerin und Choreographin Pina Bausch, dem Sänger Herbert Grönemeyer und dem Dirigenten und Operndirektor Michael Gielen. Dank einer Kooperation mit der renommierten Frankfurter Poetikvorlesung kann das Publikum den Autor und Filmemacher Alexander Kluge gleich zwei Mal erleben: Im Rahmen der Allert´schen Biografienreihe sowie live als Inhaber der Inhaber der Stiftungsgastdozentur Poetik 2012

Die zweite große Vorlesungsreihe im Programm der Frankfurter Bürgeruniversität, widmet sich dem 200. Jubiläum der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Märchen – (k) ein romantischer Mythos?  Die vom Institut für Jugendbuchforschung ausgerichtete Bürgervorlesung zum Brüder-Grimm-Jubiläumsjahr 2012 will einen Beitrag leisten zur „Entzauberung“ der immer noch weit verbreiteten Märchenklischees, aber die Grimmschen Märchen auch als „eines der großen literarischen Kunstwerke deutscher Sprache würdigen“, erklärt Prof. Hans-Heino Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung. Er verantwortet die Reihe zusammen mit Dr. Claudia Pecher. So seien die meisten Märchen erst durch die Bearbeitung der Brüder Grimm kindertauglich geworden, so Ewers.

Die Schirmherrschaft der Bürger-Universität übernimmt in diesem Semester erneut Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Ihr hat es besonders die Grimm-Reihe angetan: „Märchen berichten von verzauberten Welten. Zumindest stellen wir uns das als erfahrene Leser der Brüder Grimm so vor. Aber ist das wirklich so?“ Im Rahmen der Frankfurter Bürgeruniversität ließen sich, so Roth, wieder interessante Einsichten erwarten, „so wie die Bürgeruniversität ihre zahlreichen Anhänger auch in der Vergangenheit sicherlich nicht enttäuscht hat“.

Wie üblich werden alle Veranstaltungen in einem Programmheft zusammengefasst, das an zahlreichen Stellen Frankfurts kostenlos ausliegt, aber auch direkt über die Universität bezogen werden kann. „Neben den beiden großen Reihen stellt es noch viele weitere Veranstaltungen vor“, erläutert der Leiter der Abteilung Marketing und Kommunikation, Dr. Olaf Kaltenborn, „beispielsweise die Vorträge der Filmwissenschaft, des Fachbereichs Chemie und die vom Cornelia Goethe Centrum veranstaltete Reihe “Gender-Ökologie-Ökonomie“. Kulturelle Highlights versprächen unter anderem die Konzerte der Frankfurter Universitätsmusik und Skyline Symphony zu werden, außerdem die von Studierenden konzipierte Ausstellung „Phantastische Flugreisen im Kinderbuch“ im Frankfurter Struwwelpeter-Museum.

Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien

Folgt man dem Urteil der Zeithistoriker, so leben wir in einer ‚Epoche nach dem Boom‘, das Land wird spätestens durch die Turbulenzen der Finanzmärkte aus dem paradiesischen Zustand eines Nachkriegswohlstands gerissen. Politisch hat sich Deutschland seit der Vereinigung von der jahrzehntelang erzwungenen „Machtvergessenheit“ befreit, aber wie sich die historischen Erfahrungen der Nation in den Generationenbeziehungen widerspiegeln, bleibt eine offene Frage für ein Gegenwartsverständnis.

Dabei hat es eine Reihe von Deutungen gegeben, die ihrerseits schon Geschichte geworden sind: Die Deutschen als eine nivellierte Mittelstandsgesellschaft, eine Risikogesellschaft oder eine Wissensgesellschaft bieten Formeln, die Dringlichkeiten, Anpassungserfordernisse und Zustandsbeschreibungen in einem enthalten. Allerdings werden die Spuren, die der historisch soziale Erfahrungsraum im Erlebniszusammenhang der Person hinterlässt, erst im Profil einer individuellen Biografie anschaulich. Wie wir wurden, wer wir sind‘ stellt bekannte Biografien aus unterschiedlichsten Bereichen vor und zwar aus einer dreifachen Perspektive, die berücksichtigt, dass die Familiengeschichte, das soziokulturelle Milieu der Herkunft sowie die im Beruf zum Ausdruck gebrachte Verortung eigener Interessen und Begabungen in einem dynamischen Zusammenhang zu begreifen sind.

Die Vortragsreihe entwirft am Beispiel von exemplarischen Lebensgeschichten Stationen der deutschen Sozial- und Kulturgeschichte. Die Termine:

  • 14. Mai 2012
    Eröffnung der Reihe durch den Universitäts-Vizepräsidenten Prof. Matthias Lutz Bachmann und dem Kurator der Reihe, dem Soziologen Prof. Tilman Allert.
  • Pina Bausch – „Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“
    Referent: Prof. Tilman Allert lehrt Soziologie und Sozialpsychologie mit dem Schwerpunkt Bildungssoziologie an der Goethe-Universität.

 

  • 22. Mai 2012                      
    Alfred Herrhausen – Leben und Werk eines Bankiers
    Referentin: Dr. Friederike Sattler, Mitarbeiterin der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und arbeitet derzeit an einer Biografie Alfred Herrhausens.

 

  • 4. Juni 2012
    Alexander Kluge – Ein Archivar der Lebensläufe
    Der Referent: Wolfgang Schopf betreut literarische Sammlungen der Goethe-Universität und betreut aktuell die Begleitausstellung zu Alexander Kluges Poetikdozentur.

 

  • 11. Juni 2011
    Michael Gielen - Die Partitur als heiliger Text

    Der Referent: Dr. Ferdinand Zehentreiter lehrt Soziologie an der Goethe-Universität und Musikwissenschaft an der Musikhochschule Frankfurt.

 

  • 18. Juni 2011                     
    Jil Sander - Die neue Sprache der Eleganz
    Der Referent: Prof. Tilman Allert

 

  • 25. Juni 2011                     
    Herbert Grönemeyer – Dieter Bartetzko
    Der Referent: Dieter Bartetzko, Feuilleton - Mitarbeiter der FAZ.

 Zentralbibliothek der Stadtbücherei Frankfurt, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt. Beginn jeweils 19.30 Uhr. Eintritt frei

Vorlesungsreihe anlässlich des 200. Geburtstags der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Märchen – (k)ein romantischer Mythos?

  •  11. April 2012                    
    Märchen – (k)ein romantischer Mythos? Zur Umdeutung einer Gattung durch die Brüder Grimm.
    Referent: Prof. Hans-Heino Ewers, Direktor am Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität.

 

  • 18. April 2012                    
    „Nicht selten ist der Ausdruck nach des Landes Art, keck, frei und unverhüllt.“Giambattista Basiles Pentamerone und die Brüder Grimm.
    Referent: Prof. Alfred Messerli (Zürich)

 

  • 25. April 2012                    
    Das blaue Wunder. Geschlechterverhältnisse in Eduard Mörikes Historie von der schönen Lau.
    Referent: Prof. Andreas Krass(Goethe-Universität)

 

  • 2. Mai 2011
    Die Bilderwelt der Brüder Grimm. Ludwig Emil Grimm und die Anfänge der deutschen Märchenillustration.
    Referentin: Dr. Regina Freyberger, (München)

 

  • 9. Mai 2012 
    Wie es ist, ein Buch zu sein. Die „Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm“ zwischen Poetik, Identitätsfindung und Selbstbezug
    Referent: Dr. Jens Emil Sennewald(Paris)

 

  • 16. Mai 2012                       
    „Ein Grundton von Religion“ in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm: Historisches Substrat oder Signum einer romantischen Gattung?
    Referentin: Dr. Claudia Maria Pecher(Goethe-Universität)

 

  • 23. Mai 2012
    Zur „Mythologisierung“ der Grimm’schen Märchensammlung in der portugiesischen Spätromantik.
    Referentin: Prof. Dr. Maria Teresa Cortez (Portugal)

 

  • 30. Mai 2012
    Dämonische Gestalten in europäischen Zaubermärchen.
    Referentin: Dr. Barbara Gobrecht (Schweiz)

 

  • 6. Juni 2012                       
    „Das Buch, das wir sind“? Zur jüdischen Rezeption der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen
    Referentin: Prof. Dr. Gabriele von Glasenapp(Köln)

 

  • 13. Juni 2012
    Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm im Land Perraults: Übersetzungen und französische Sammlungen im 19. und 20. Jahrhundert.
    Referentin: Dr. Natacha Rimasson-Fertin,( Frankreich)

 

  • 20. Juni 2012
    Grimms Volksmärchen und Puschkins Kunstmärchen: Gattungswechsel oder kulturelle Transformation?
    Referentin: Dr. Olena Kuprina (Regensburg)

 

  • 27. Juni 2012
    Neue polnische Übersetzung der Kinder- und Hausmärchen – zwischen Tradition und Treue?
    Referentin: Dr. habil. Eliza Pieciul-Karmińska(Polen)

 

  • 4. Juli 2012
    „Restaurationen und Ipsefacten“. Divergierende Konzeptionen des ‚romantischen‘ Märchens bei Clemens Brentano und den Brüdern Grimm
    Referent: PD Dr. Wolfgang Bunzel (Frankfurt a. M.)

Campus Westend, Hörsaal HZ 6, Hörsaalzentrum, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main. Beginn jeweils 18.30 Uhr. Eintritt frei

Die Vorlesungsreihe Märchen – (k)ein romantischer Mythos? findet statt in Kooperation mit dem Freundeskreis des Instituts für Jugendbuchforschung und der Märchenstiftung Walter Kahn.

Mehr Informationen: www.buerger.uni-frankfurt.de

Download Broschüre