Ein Jahr nach Fukushima: nakama-Fonds unterstützt japanische Wissenschaft

Goethe-Universität fördert mit Hilfsfonds Forschungsprojekte und Kooperationen. Weitere Spenden sind willkommen

Veröffentlicht am: Freitag, 09. März 2012, 15:55 Uhr (060)

FRANKFURT. Ein Jahr nach dem schweren Erdbeben, der Flutkatastrophe und dem verheerenden GAU im Atomkraftwerk Fukushima sind die Ereignisse wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein getreten. Die Goethe-Universität hatte sich direkt nach dem Unglück entschlossen, japanischen Wissenschaftlern Hilfe zu leisten; insbesondere sollten schon etablierte Kooperationen vertieft und neue gemeinsame Forschungsprojekte initiiert werden. Noch im April 2011 wurde ein Spendenkonto unter dem Namen „nakama-Fonds“ eingerichtet. „Nakama“ bedeutet „der Gefährte“. Zahlreiche private wie auch institutionelle Spender aus dem Umfeld der Universität beteiligten sich an dieser Hilfsaktion.

„Rund 17.000 Euro wurden über den Fonds bereits eingeworben, weitere 25.000 Euro steuerte die Universität aus zentralen Mitteln bei“, freut sich Vizepräsident Prof. Matthias Lutz-Bachmann. Seit sechs Jahren führt er in Kooperation mit der Osaka University, der Waseda University und der Sophia University eine jährlich wiederkehrende Konferenz zu Fragen der „Ethik im Zeitalter der Globalisierung“ durch und betreut die Vergabe von Projektmitteln aus dem nakama-Fonds. „Über weitere Spenden würden wir uns sehr freuen, um die Kolleginnen und Kollegen in Japan weiter unterstützen zu können.“

Eines der geförderten Projekte kommt der Tohuku University in Sendai zugute. Die Labore der Universität wurden sowohl durch das Erbeben als auch durch den Tsunami und das Reaktorunglück stark in Mitleidenschaft gezogen. In Folge der Stromausfälle nach dem Abschalten der Reaktoren waren Geräte beschädigt worden, auch Proben und ein Großteil der Vorräte an Enzymen der molekularbiologischen Labore verdarben. Um die japanischen Kollegen zu unterstützen, reichte der Frankfurter Privatdozent Dr. Thomas Berberich einen Antrag beim Hilfsfonds der Universität ein. Der Biowissenschaftler am Frankfurter Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) erklärt dazu: „Im Zuge der Zusammenarbeit wird ein Doktorand aus Japan in den Frankfurter Arbeitsgruppen experimentieren und die erlernte Methodik nach seiner Rückkehr im japanischen Labor etablieren.“

Erforscht werden in diesem Projekt die Mechanismen zur Aktivierung von Genen, die die Reaktion von Organismen auf Hitze steuern. Das aktuelle Forschungsvorhaben auf dem Feld der Regulierung von Genexpressionen wird von der Arbeitsgruppe um Professor Enrico Schleiff, dem neu gewählten Vizepräsidenten der Goethe-Universität, und Dr. Dieter Scharf im Biozentrum auf dem Campus Riedberg, von japanischen Kollegen um Professor Tomonobu Kusano in Sendai und am BiK-F betrieben. Zunächst wird dem japanischen Wissenschaftler die Frankfurter Infrastruktur zur Verfügung gestellt, bevor die weiteren Arbeiten an dem Projekt parallel in Sendai und Frankfurt fortgesetzt werden. Unterstützt wurde das Projekt mit insgesamt 5.000 Euro aus dem nakama-Fonds.

Dieses internationale und interdisziplinäre Projekt ist nur eines von insgesamt sechs ganz unterschiedlichen Forschungsvorhaben. Diese reichen von Honoraren für japanische Gastwissenschaftler, über Zuschüsse zu Reisekosten für den Austausch von Wissenschaftlern und Künstlern bis hin zu breiter angelegten gemeinsamen Forschungsprojekten. Das Spektrum der geförderten Anträge erstreckt sich dabei von Honoraren für japanische Gastwissenschaftler über Zuschüsse zu Reisekosten für den Austausch von Wissenschaftlern und auch Künstlern bis hin zu breiter angelegten gemeinsamen Forschungsprojekten.

Informationen für Projektanträge sowie für Spenderinnen und Spender:
Die Goethe-Universität hat sich zum Ziel gesetzt, auf unbürokratische Weise nachhaltig Unterstützung mit dem nakama-Fonds zu leisten. Weitere Anträge sind erwünscht. Das Prozedere ist einfach: Ein formloser Antrag sollte auf zwei bis drei Seiten das Vorhaben beschreiben, mögliche Partner und Ziele benennen und die Kosten abbilden. Der Antrag ist an das Präsidium, speziell an die Vizepräsidenten Professor Matthias Lutz-Bachmann und Professor Rainer Klump zu adressieren.

Die Goethe-Universität freut sich auch über weitere Spenden. Institutionelle oder private Spenden können unter dem Verwendungszweck „Nakama“ und der Angabe des Projektkontos 30000.1000.6 an die Universität überwiesen werden (Kt.-Nr. 100.64.10, BLZ 500.500.00 Helaba). Fragen zu Spenden und Anträgen beantwortet Andreas Weidemann im Büro des Präsidenten der Goethe-Universität unter der Rufnummer 069-798-22233. Anträge können auch gerne an diese Adresse gerichtet werden: Andreas Weidemann, Büro des Präsidenten der Goethe-Universität, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main oder per mail an a.weidemann@vdv.uni-frankfurt.de