Virtueller Rundgang durch das jüdische Frankfurt

Neue Website präsentiert bekannte Sehenswürdigkeiten ebenso wie versteckte Orte – Kooperation zwischen der Hebraica- und Judaica-Sammlung der Unibibliothek und dem jüdischen Museum

Veröffentlicht am: Mittwoch, 07. März 2012, 16:45 Uhr (059)

FRANKFURT. Seit Anfang März ist der virtuelle Stadtplan „Jüdische Orte in Frankfurt am Main“ unter www.juedisches-frankfurt.de online, so kann sich jeder Interessierte am PC auf einen Rundgang zu den Schauplätze jüdischen Lebens im heutigen Frankfurt begeben. „16 Orte werden gezeigt, dazu gehören sowohl die bekannten Sehenswürdigkeiten wie die Synagoge, die Friedhöfe und Museen, als auch die weniger bekannten wie das Privathaus ‚Porzellan Baer‘ und die Gedenkstele im Grüneburgpark“, erläutert Dr. Rachel Heuberger, Leiterin der Hebraica- und Judaica-Sammlung an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg der Goethe-Universität. Und die Initiatorin dieses Projekts ergänzt: „Es geht nicht primär um Gedenkstätten für den Holocaust, die auch erwähnt sind, sondern um zentrale Orte die das jüdische Leben heute in all seiner Vielfältigkeit symbolisieren. Der Campus Westend der Goethe Universität mit dem Wollheim Memorial charakterisiert in diesem Kontext sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart, in der diese Vergangenheit rezipiert wird und so präsent bleibt.“

Die neue Website „Jüdische Orte in Frankfurt“ wurde gemeinsam von der europaweit einzigartigen Frankfurter Hebraica- und Judaica-Sammlung und dem Jüdischen Museum Frankfurt entwickelt. Sie bietet in der gelungenen Mischung aus attraktiven Fotos, visueller Gestaltung und kompetenten Informationen in deutscher und englischer Sprache einen neuartigen Zugang zu den Spuren jüdischen Lebens in der Main-Metropole. Dies dürfte für Frankfurter ebenso interessant sein dürfte wie für virtuelle wie wirkliche Besucher aus aller Welt. „Auf virtueller Ebene ist das neue Online-Angebot ein Pendant zur Erinnerungstopographie der Stadt, die in den letzten 20 Jahren entstanden ist und für Frankfurt eine große Betonung hat“, betont Prof. Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt. Das Jüdische Museum Frankfurt, ein Kooperationspartner der Judaica Europeana, wird die neue Website auf seiner Homepage hosten. „Zukünftig soll der virtuelle Stadtrundgang durch weitere interessante Orte ergänzt werden“, sagt Dr. Raphael Gross, Direktor des Jüdischen Museums.

Der Web-Auftritt ist im Rahmen des Projektes „Judaica Europeana“ entstanden, das in den Jahren 2010 und 2011 von der Europäischen Kommission finanziert wurde, um die Europeana mit Zeugnissen des jüdischen Kulturerbes zu beliefern. Europeana, die Europäische Digitale Bibliothek, bietet einen zentralen Zugriff auf Millionen digitaler Objekte, die sich in Europas Museen, Bibliotheken und Archiven befinden. Judaica Europeana, das Konsortium von ursprünglich zehn europäischen Partnerinstitutionen und zahlreichen weiteren assoziierten Einrichtungen, hat Millionen von Quellen jüdischen Lebens in Europa zusammengetragen, die den Beitrag der Juden zur Stadtentwicklung dokumentieren. Als digitale Bilder stehen diese Zeugnisse, die Handschriften, Bücher, Poster, Bilder, Noten und Lieder, Fotos und Videofilme, Gebäude und Plätze umfassen, in der EUROPEANA im Internet zur Ansicht frei zur Verfügung.

Informationen: Dr. Rachel Heuberger, Hebraica- und Judaica Sammlung, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Campus Bockenheim; Tel. (069) 798-39665 oder -39120, r.heuberger@ub.uni-frankfurt.de, http://www.juedisches-frankfurt.de/, http://www.judaica-europeana.eu/