Eva Illouz fragt nach Gefühlen in der Warenwelt

Vortrag der israelischen Soziologin am 9. November am Forschungskolleg Humanwissenschaften / Seminar am 10. November

Veröffentlicht am: Mittwoch, 03. November 2010, 00:00 Uhr ()

FRANKFURT / BAD HOMBURG. „Die Soziologin Eva Illouz untersucht, was der Kapitalismus mit den Gefühlen anstellt. Und umgekehrt“, schrieb die Wochenzeitung „Die Zeit“ im vergangenen Jahr in ihrer Serie „Wer denkt für morgen?“ und zählte die Professorin von der Hebräischen Universität Jerusalem zu den zwölf weitweit führenden Aufklärern, Denkerinnen und Visionären. In Frankfurt sorgte Eva Illouz bereits einige Jahre zuvor mit ihren viel beachteten Adorno-Vorlesungen über „Gefühle in Zeiten des Kapitalismus“ für Furore. Die Frage, wie die moderne Emotionalität durch Kapitalismus, Konsum und Ökonomisierung geprägt wird, zieht sich wie ein roter Faden durch das wissenschaftliche Werk der israelischen Soziologin. Einen Einblick in ihre aktuellen Forschungen gibt sie bei ihrem

Vortrag: „Emotional Commodities “
am: Dienstag, dem 9. November 2010, um 18.00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Eva Illouz ist im Rahmen der aktuellen Veranstaltungsreihe „Warenästhetik – Neue Perspektiven auf Konsum, Kultur und Kunst“ des Forschungskollegs Humanwissenschaften zu Gast in Bad Homburg. In Ihrem Vortrag stellt sie eine neue Grundlagenstudie vor. In dieser führt sie die eigentümliche Dynamik der Konsumkultur auf ihre immanenten Widersprüche und ein komplexes Wechselspiel zurück. Konsum wird von einem außerordentlich unbarmherzigen ökonomischen Motor angetrieben und spricht doch die empfindlichsten Schlupfwinkel unserer Seele an. Die Emotionen, die im Spiel sind, wenn wir konsumieren, sind dabei ambivalent zu bewerten. Sie führen einerseits zu einer Art Zerstreuung und vielleicht sogar Verwirrung, weil das konsumierende Subjekt nie all seine Wünsche erfüllen kann und stets weitergetrieben wird. Andererseits ist es aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass moderne Individualität sich kaum noch auszuprägen vermag, ohne sich dabei zu einem gewissen Teil auch über die Aneignung käuflicher Güter zu definieren.

Eva Illouz wird auf Englisch vortragen. Die Einführung und Moderation übernimmt Heinz Drügh, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik an der Goethe-Universität, in dessen Händen auch die wissenschaftliche Leitung der gesamten Reihe liegt. Am Mittwoch, 10. November, um 11.00 Uhr bietet Eva Illouz ein Seminar zur Vertiefung und weiteren Diskussion ihrer Thesen an. Die vorherige Teilnahme an dem Vortrag wird empfohlen, stellt aber keine Voraussetzung für den Besuch des Seminars dar. Die interessierte Öffentlichkeit ist jeweils herzlich willkommen. Um Anmeldung wird gebeten. Die von der Frankfurter Volksbank geförderte Reihe wird am 6. Dezember 2010 fortgesetzt. Dann widmet sich Thomas Wegmann, Privatdozent für Neuere Deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Berliner Humboldt-Universität, dem Thema „Über Versprechen schreiben – Zur Zeitstruktur des Konsums in der Erzählliteratur“.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Informationen: Prof. Heinz Drügh, Institut für Deutsche Sprache und Literatur, Tel: (069) 798-32676 / -32694, druegh@lingua.uni-frankfurt.de