Warenästhetik: Vortrag zum Konsum im Roman

Reihe am Forschungskolleg Humanwissenschaften endet am 6. und 7. Dezember mit der literaturwissenschaftlichen Perspektive

Veröffentlicht am: Samstag, 27. November 2010, 00:00 Uhr ()

FRANKFURT / BAD HOMBURG. Zwischen „Dichtung und Wahrheit“ und „Dichtung und Warenzeichen“ liegen rund 200 Jahre. Im ersten Werk hat Goethe ab Anfang des 19. Jahrhunderts in Romanform aus seinem Leben berichtet. Das zweite Buch ist eine Studie „zur Beobachtung und Bearbeitung von Reklame im literarischen Feld“, wie es im Untertitel heißt. Ihr Autor Thomas Wegmann bekam dafür in diesem Jahr den Scherer-Preis, eine Auszeichnung für herausragende literaturwissenschaftliche Arbeiten. Der Privatdozent für Neuere Deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Berliner Humboldt-Universität ist der nächste Redner in der Reihe „Warenästhetik – Neue Perspektiven auf Konsum, Kultur und Kunst“ am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Er spricht zum

Thema: „Über Versprechen schreiben – Zur Zeitstruktur des Konsums in der Erzählliteratur“
am: Montag, dem 6. Dezember 2010, um 18.00 Uhr
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Thomas Wegmann gilt als einer der renommiertesten Kenner der Schnittstelle von Literatur und Ökonomie. Schon in seiner breit angelegten Monographie „Tauschverhältnisse. Zur Ökonomie des Literarischen und zum Ökonomischen in der Literatur von Gellert bis Goethe“ hat er die Verwobenheit von Literatur und Ökonomie mit Blick auf die Literatur des 18. Jahrhunderts diskutiert. In „Dichtung und Warenzeichen“ untersucht er den Input, den die mit der industriellen Revolution expandierende Reklamekultur für literarische Darstellungsweisen bedeutet.

In seinem Vortrag am Forschungskolleg geht er von der Prämisse aus, dass Konsumakte nicht nur in der Gegenwart stattfinden, sondern komplexe Prozesse darstellen, in denen sich Versprechen und Begehren, Präsenz und Absenz, Reales und Imaginäres überlagern. Seit Gustave Flaubert mit „Madame Bovary“ die vielleicht berüchtigtste europäische Verbraucherin um 1850 kreierte, interessiert sich die Literatur für das Narrations- und Reflexionspotenzial des Konsums: für die Frage nach dessen emotionalen, sozialen und ökonomischen Komponenten. Die Einführung und Moderation übernimmt Heinz Drügh, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Ästhetik an der Goethe-Universität, in dessen Händen auch die wissenschaftliche Leitung der gesamten Reihe liegt.

Am Dienstag, 7. Dezember, um 11.00 Uhr bietet Thomas Wegmann ein Seminar zur Vertiefung und weiteren Diskussion seiner Thesen an. Die vorherige Teilnahme an dem Vortrag wird empfohlen, stellt aber keine Voraussetzung für den Besuch des Seminars dar. Die interessierte Öffentlichkeit ist jeweils herzlich willkommen. Um kurze Anmeldung wird gebeten.

Mit dem Vortrag und dem Seminar von Thomas Wegmann endet die von der Frankfurter Volksbank geförderte Veranstaltungsreihe am Forschungskolleg Humanwissenschaften. Die insgesamt vier Vortragenden beleuchteten das Phänomen der Warenästhetik und anderem auch aus kunstwissenschaftlicher, ethnologischer und soziologischer Perspektive.

Anmeldung: Andreas Reichhardt, Tel: (06172) 13977-16, Fax: (06172) 13977-39, a.reichhardt@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Information: Prof. Heinz Drügh, Institut für Deutsche Sprache und Literatur, Tel: (069) 798-32676 / -32694, druegh@lingua.uni-frankfurt.de