Klimapolitik als Basis für Frieden und Entwicklung

Klaus Töpfer eröffnet Reihe zur Entwicklungszusammenarbeit im Auftaktsemester des Forschungskollegs Humanwissenschaften

Veröffentlicht am: Mittwoch, 22. April 2009, 00:00 Uhr ()

BAD HOMBURG/FRANKFURT. Hoher Repräsentant der Vereinten Nationen, anerkannter Wissenschaftler, Spitzenpolitiker: Prof. Klaus Töpfer war und ist in vielen Welten zu Hause. Seine Bekanntheit und Reputation verschaffen ihm Gehör, und er nutzt die Popularität, um auf den Zusammenhang zwischen Klima-, Friedens- und Entwicklungspolitik aufmerksam zu machen. Besonders die Länder der Dritten Welt leiden unter der Erderwärmung, wachsenden Wüsten und Wassermangel. „Nachhaltige Entwicklung – Die Friedenspolitik der Gegenwart und der Zukunft“ lautet der programmatische Titel seines Vortrags, den der ehemalige Bundesumweltminister und Direktor des UN-Umweltprogramms am Dienstag (28. April) um 17.00 Uhr in Bad Homburg am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt hält. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung erforderlich.

Klaus Töpfer arbeitete bis zum Jahr 2006 bei der UNO. Aktuell ist er unter anderem Professor für nachhaltige Entwicklung an der Tongji-Universität in Shanghai und Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam. Mit dem öffentlichen Vortrag des promovierten Volkswirts beginnt am Forschungskolleg Humanwissenschaften die Veranstaltungsreihe „Kritische Analysen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit“. Das Kolleg mit Sitz in Bad Homburg ist eine Einrichtung der Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung Bad Homburg.

Am Kolleg forschen Experten aus aller Welt gemeinsam mit Wissenschaftlern aus der Region zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Themenstellungen und Projekte stehen in enger Verbindung mit Forschungsschwerpunkten der Universität. Die Veranstaltungsreihe, die mit Vorträgen und Seminaren internationaler Wissenschaftler fortgesetzt wird, ist etwas ganz Besonderes für das Kolleg: Mit der Reihe startet die universitäre Einrichtung in ihr erstes Semester. „Ich freue mich, dass wir mit dem wichtigen und vielschichtigen Thema Entwicklungszusammenarbeit unsere Tätigkeit aufnehmen“, sagt Prof. Spiros Simitis, international renommierter Jurist, langjähriger Vorsitzender des Nationalen Ethikrates und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften.

„Gerade im Vortrag von Herrn Töpfer wird es um die Verbindung höchst aktueller Themen gehen, nämlich der zwischen Armut, Entwicklung und Klima", so Simitis weiter. Entwicklungsländer sind besonders empfindlich gegenüber der Klimaerwärmung, die sie zum geringsten Teil selbst verschuldet haben. Der Klimawandel führt zu vielen zusätzlichen Wanderungsbewegungen. Menschen werden in ihrer Heimat immer weniger die notwendige Perspektive sehen, ihre Familien zu ernähren. Die Schadstoff-Emissionen der Industrienationen beschränken die Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten in ärmeren Ländern. Umweltpolitik ist eine globale Politik, die künftige Kriege und weitere Armut verhindern kann.

Zu den Leitmotiven des Forschungskollegs Humanwissenschaften gehören Fragen der Gerechtigkeit im Zeitalter der Globalisierung. Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit gilt als Instrument globaler Gerechtigkeit. Auf dem weiteren Programm der Veranstaltungsreihe stehen Vorträge und Seminare der an US-amerikanischen Universitäten lehrenden Wissenschaftler Prof. Thomas Pogge, Yale University, (11. und 12. Mai) und Dr. David Ellerman, University of California in Riverside, (16. und 17. Juni). Beendet wird die Reihe voraussichtlich im Herbst mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion.

Die Arbeit des Kollegs gibt der Universität die Gelegenheit, mit renommierten internationalen Wissenschaftlern den kritischen Austausch über Fokus und Themenstellung ihrer eigenen Forschungstätigkeit zu pflegen. Impulse aus dem Kolleg werden wieder in die Lehre einfließen. Stichworte für weitere Themen in der Startphase des Kollegs sind das Verhältnis zwischen Religion und Politik, die Frage, ob es „den Westen“ als politische oder kulturelle Einheit noch gibt, das Problem der historischen Genese von Normen, die Anspruch auf uneingeschränkte Geltung erheben, sowie der Begriff und die Entstehung der Menschenrechte.

Informationen Bernd Frye, Pressereferent Forschungskolleg Humanwissenschaften, Tel. 06172/13977-14, frye@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Anmeldung: Beate Sutterlüty, Tel. 06172/13977-19, info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de;