​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​​​​ – 2020

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Pressestelle Goethe-Universität

Theodor-W.-Adorno Platz 1
60323 Frankfurt 
presse@uni-frankfurt.de

 

Sep 7 2020
13:14

BMBF bewilligt Mittel für Maria Sibylla Merian Institute in Ghana

1,8 Millionen Euro für Frankfurter Internationalisierungsaktivitäten in Afrika

FRANKFURT. Ein neuer Knotenpunkt der deutschen geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung in Afrika entsteht derzeit an der University of Ghana: das Maria Sibylla Merian Institute for Advanced Studies in Africa (MIASA). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat nun die Mittel für die Hauptphase bewilligt. Das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität und das Forschungsinstitut Point Sud in Bamako, Mali, wirken mit einem wichtigen Teilprojekt mit, für das weitere 1,8 Millionen Euro zugesagt wurden.

Das „Merian Institute for Advanced Studies in Africa“ (MIASA) soll künftig zu einem Zentrum der deutschen Afrikaforschung werden. Zu seinen Aufgaben gehört es, ein ambitioniertes intellektuelles Programm und eine Forschungsagenda zu entwickeln, die afrikanische Perspektiven in Wissenschaft und Politik stärken und damit zum Abbau globaler Wissensasymmetrien beitragen sollen. Ein thematischer Fokus liegt dabei auf nachhaltiger Regierungsführung. Aktuelle Themen wie Migration, Demokratisierung und ökologischer Umbau sollen interdisziplinärer bearbeitet werden. Exzellente Nachwuchsforscherinnen und -forscher, die sich für ein mehrmonatiges Stipendium am MIASA bewerben können, werden besonders gefördert. Im Jahr 2018 ging das Projekt an den Start, nun wurden die für die im September beginnende sechsjährige Hauptphase notwendigen Mittel in Höhe von 11 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bewilligt.

Standort des MIASA ist die University of Ghana in Accra. Auf deutscher Seite sind die Albert-Ludwigs-Universität mit dem Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) und dem Arnold-Bergstraesser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung (ABI) federführend bei Aufbau und Koordination des Instituts. Weitere Partner sind das Deutsche Historische Institut Paris als Mitglied der Max-Weber-Stiftung, das German Institute of Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg und das Zentrum für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Universität Frankfurt. Das Forschungszentrum Point Sud in Mali, das seit 2004 im Rahmen eines DFG-Programms von der Goethe-Universität finanziert wird, und sein stetig wachsendes Netzwerk von Partnern im anglo-, franko- und lusophonen Afrika spielen eine zentrale Rolle bei der Überwindung der Sprachbarrieren in Afrika. Für das ZIAF ist der Erfolg des Antrags von großer Tragweite: Das Frankfurter Zentrum wird zusammen mit Point Sud in Bamako und dessen Netzwerkpartnern in Afrika das Outreach- und Konferenzprogramm von MIASA organisieren. Das Netzwerk ist im Rahmen des DFG-Programms Point Sud entstanden und umfasst Partnerinstitutionen in Burkina Faso, Gabun, Mali, Mosambik, Niger, Senegal, Ghana und Südafrika. An den verschiedenen Standorten des Netzwerks sind internationale Konferenzen zu Themen wie regionale und kontinentale Integration, intra-regionale Migration oder Ressourcenmanagement und Klimawandel geplant. Außerdem wird es Schreibwerkstätten für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Tagungen geben, die sich dezidiert mit der Wissensproduktion in Afrika beschäftigen. So wird das Frankfurter Teilprojekt einen entscheidenden Beitrag zur Sichtbarkeit und Verankerung von MIASA auf dem Kontinent und darüber hinaus leisten. Der Frankfurter Ethnologe und Afrikaforscher Prof. Dr. Mamadou Diawara wird von 2024 an den Direktorenposten innehaben, Dr. Marko Scholze, wird die Koordination des Frankfurter Teilprojektes übernehmen.

ZIAF und das Point Sud Netzwerk bringen jedoch nicht nur ihre Kompetenz bei der Organisation von hochklassigen akademischen Veranstaltungen, sondern auch ihre wissenschaftliche Expertise in die Arbeit von MIASA mit ein. So sind zahlreiche Persönlichkeiten des ZIAF und des Netzwerks an der inhaltlichen Konzeption des Konferenzprogramms direkt beteiligt. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag für die Internationalisierungs-Strategie der Goethe-Universität.

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/91771072 

Bildunterschrift: Gruppenbild in Accra nach der Evaluierung des Projektes im Dezember. (Foto: Mohammed Amidu/University of Ghana) 

Information: Dr. Marko Scholze, Koordinator Programm Point Sud und Frankfurter Teilprojekt für das Merian Institute for Advanced Studies (MIASA) in Ghana, Institut für Ethnologie, 60323 Frankfurt am Main, Tel.: +49(0)69 79833230, E-Mail: scholze@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 3 2020
13:54

​Unternehmerische Vorbilder in Zeiten der Pandemie: IWAK an der Goethe-Universität startet das Format „Betrieb des Monats“

Wie man in Corona-Zeiten Beschäftigte an sich bindet

FRANKFURT. Was können mittelständische Arbeitgeber während der Corona-Krise tun, um Beschäftigte an sich zu binden? Um Best Practice-Beispiele bekannt zu machen, startet das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität in der Stabstelle Fachkräftesicherung in Hessen das Format „Betrieb des Monats“.

Der Mittelstand ist das Rückgrat der hessischen Wirtschaft. Damit mittelständische Betriebe möglichst gut durch die Pandemie kommen, werden derzeit einige Anstrengungen unternommen. Ein auch während der Pandemie wichtiges Thema ist die Fachkräftesicherung. Zahlreiche Betriebe stehen vor der Frage: Wie können sie ihre Fachkräfte unter den Bedingungen von Homeoffice und Kurzarbeit an sich binden? Welche Maßnahmen haben sich schon in der Praxis bewährt? Um gute Ideen schnell zu verbreiten, hat das IWAK ein neues Format konzipiert: In der Reihe „Betrieb des Monats“ berichtet ab sofort monatlich ein mittelständischer Arbeitgeber aus Hessen.

Für den August wurde die Firma Lässig GmbH in Babenhausen als „Betrieb des Monats“ ausgewählt. Das Unternehmen bietet Produkte rund um das Kind und die Familie an, während der Pandemie ist die Nachfrage jedoch zurückgegangen. Das wirkt sich auch auf die Beschäftigten aus. „Wir haben über alle Kanäle mit unseren Beschäftigten kommuniziert und versucht, Kontakt miteinander zu halten“, berichtet Claudia Lässig, die Chefin des Betriebs. In einem Video erklärt Lässig, mit welchen Ideen und Formaten Sie die Fachkräftebindung unter den Vorzeichen der Pandemie angeht und warum dies gut funktioniert.

Von Beispielen guter Praxis lernen – diese Strategie setzt das IWAK bereits seit vier Jahren im Auftrag der Stabstelle Fachkräftesicherung in Hessen im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration im Rahmen des sogenannten „Hessischen Zukunftsdialogs“ um. Pro Jahr treffen sich dafür rund 1000 Interessierte aus Betrieben und Verwaltung bei dezentralen Veranstaltungen in Nord-, Mittel- und Südhessen, um darüber zu sprechen, wie das Finden und Binden von Fachkräften möglichst gut funktionieren kann. Viele Personaler haben diese Gelegenheit bereits zur Vernetzung genutzt. Da wegen der Pandemie derzeit keine größeren Veranstaltungen möglich sind, die Betriebe aber gerade besonders auf Beispiele guter Praxis angewiesen sind, wurde das virtuelle Format „Betrieb des Monats“ entwickelt.

In den nächsten Monaten werden Arbeitergeber aus unterschiedlichen Branchen als „Betrieb des Monats“ vorgestellt – unter anderem aus dem Bereich Gebäude- und Sicherheitstechnik, Metallverarbeitung, IT und Produkte für die Pharmaindustrie. Nord-, Mittel-, Süd- und Osthessen sind als Standorte vertreten, in der Auswahl spiegelt sich die ganze Vielfalt hessischer Betriebe – wobei die Herausforderungen je nach Branche und Region unterschiedlich aussehen können. Aber auch Betriebe in einer guten Lage, die kaum Auswirkungen der Pandemie spüren, müssen mit besonderen Hygienevorschriften, Homeoffice-Lösungen und Einschränkungen im persönlichen Kontakt umgehen. Die Videoreihe „Betrieb des Monats“ vermittelt, was in der aktuellen Situation wichtig für den Umgang mit eigenen Fachkräften ist, welche besonderen Aktivitäten und Maßnahmen in diesen Zeiten umgesetzt werden können. Sowohl Betriebe als auch unterstützende Organisationen wie Weiterbildner können sich hierdurch inspirieren lassen.

Zusätzlich wird es am 7. Dezember 2020 eine zentrale Veranstaltung zum Hessischen Zukunftsdialog 2020 geben.  Weitere Informationen dazu sind auf der Webseite des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität zu einem späteren Zeitpunkt zu finden.


Informationen: Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität, Campus Bockenheim, Telefon 069 798- 22152, E-Mail: c.larsen@em.uni-frankfurt.de, http://www.iwak-frankfurt.de/projekt/hessischer-zukunftsdialog-fur-eine-nachhaltige-fachkraftesicherung-in-den-regionen/

Der „Betrieb des Monats“ ist unter dem folgenden Link zu finden: https://soziales.hessen.de/arbeit/fachkraeftesicherung/betrieb-des-monats

 

Sep 3 2020
11:32

​ Archäologen aus Frankfurt und München belegen Ursprung im ersten Jahrtausend v. Chr.

Himmelsscheibe von Nebra wird neu datiert

FRANKFURT. Bisher galt die Himmelsscheibe von Nebra als frühbronzezeitlich und damit als älteste Himmelsdarstellung der Welt. Archäologen der Goethe-Universität Frankfurt und der Ludwig-Maximilians-Universität München analysierten nun erneut verschiedenste Daten zur Rekonstruktion von Fundort und Begleitumständen der Funde. Im Ergebnis muss die Scheibe in die Eisenzeit datiert werden und ist damit rund 1000 Jahre jünger ist als bisher angenommen. Damit sind alle bisherigen astronomischen Interpretationen hinfällig.

Die Himmelsscheibe von Nebra ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde Deutschlands und zählt seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie wurde 1999 bei Raubgrabungen gefunden, nach Angaben der Raubgräber zusammen mit bronzezeitlichen Schwertern, Beilen und Armschmuck. Dieser Fundzusammenhang war für die wissenschaftliche Datierung wichtig, denn die Scheibe selber konnte weder naturwissenschaftlich noch archäologisch durch Vergleiche mit anderen Objekten datiert werden. In langjährigen Untersuchungen versuchten daher mehrere Forschergruppen, sowohl die Zuweisung des angeblichen Fundortes als auch die Zusammengehörigkeit der Objekte unabhängig von den vagen Angaben der Raubgräber zu verifizieren.

Rupert Gebhard, Direktor der Archäologischen Staatssammlung München und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, und Rüdiger Krause, Professor für Vor- und Frühgeschichte Europas an der Goethe-Universität Frankfurt, haben jetzt Fundumstände und Forschungsergebnisse zur Himmelsscheibe von Nebra umfassend analysiert. Ihre Ergebnisse: Bei der Stelle, die bisher als Fundort galt und die in einer Nachgrabung untersucht wurde, handele es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um die Fundstelle der Raubgräber. Es gebe zudem keine überzeugenden Hinweise darauf, dass die bronzezeitlichen Schwerter und Beile sowie der Armschmuck ein zusammengehöriges Ensemble bilden. Deshalb müsse man davon ausgehen, dass sich nicht um eine der typischen Deponierungen der Bronzezeit handelt und die Scheibe sich nicht zusammen mit den anderen Objekten in originaler Lage im Grabungsloch befunden habe.

Damit, so die Archäologen, müsse die Scheibe als Einzelfund untersucht und bewertet werden. Stilistisch und kulturell lässt sich die Himmelsscheibe nicht in die frühbronzezeitliche Motivwelt des beginnenden zweiten Jahrtausends vor Christus einfügen. Deutlichere Bezüge lassen sich hingegen zur Motivwelt der Eisenzeit des ersten Jahrtausends vor Christus herstellen. Auf einer divergierenden Datenlage und auf Grundlage dieser neuen Einschätzung, so Gebhard und Krause, müssen alle bisherigen, teilweise weitreichenden kulturgeschichtlichen Schlussfolgerungen neu und ergebnisoffen diskutiert werden und die Scheibe in anderen Zusammenhängen als bisher interpretiert und bewertet werden. Grundlage hierzu müsse die Vorlage aller bisher nicht veröffentlichten Daten und Fakten sein.

Ausführlichere Informationen auf der Seite der Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte https://dguf.de/himmelsscheibe.html

Publikation: Rupert Gebhard & Rüdiger Krause, Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog. Himmelsscheibe von Nebra. In: Archäologische Informationen. Early View: Zitierfähige Online-Fassung mit vorläufiger Seitenzählung. Nach Erscheinen des gedruckten Bandes finden Sie den Beitrag mit den endgültigen Seitenzahlen im Open Access dort: http://journals.ub.uni-heidelberg.de/arch-inf. Den gedruckten Band erhalten Sie unter http://www.archaeologische-informationen.de

Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/91701141

Bildtexte:
1. Die Himmelsscheibe von Nebra im Zustand vor der Übernahme des Landesmuseums Halle an der Saale. Foto: Hildegard Burri-Bayer
2. Bronzezeitliche Schwerter, Beile und Armschmuck, angeblich zusammen mit Himmelsscheibe von Nebra gefunden. Zustand vor der Übernahme des Landesmuseums Halle an der Saale. Foto Hildegard Burri-Bayer

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Rüdiger Krause
Prof. Dr. Rupert Gebhard
über
Pressestelle der Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Markus Bernards
Tel. +49 (0)69 798 12498
bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Sep 2 2020
13:49

​Neue Professur am LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik

Genomiker Michael Hiller verstärkt Biodiversitäts-Forschung bei Senckenberg-Gesellschaft und Goethe-Universität

FRANKFURT. Das LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG), das sich der Erforschung der genomischen Grundlagen von Biodiversität widmet, hat zum 01. September renommierte Unterstützung erhalten: Prof. Michael Hiller verstärkt den Forschungsbereich Vergleichende Genomik und übernimmt Aufgaben in der Zentrumsleitung. Die Berufung erfolgte in Kooperation der beiden TBG-Partnerinstitutionen Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und Goethe-Universität Frankfurt. Zuvor leitete der Genomiker Hiller eine Forschungsgruppe an den Max-Planck-Instituten für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) sowie für Physik komplexer Systeme in Dresden.
 
Am LOEWE-Zentrum TBG wird sich Hiller mit seiner Arbeitsgruppe vor allem der vergleichenden Analyse des Erbguts verschiedener Lebewesen zuwenden. Im Fokus steht dabei für ihn die Frage, welche Änderungen in der DNA zu unterschiedlichen Eigenschaften von Organismen beitragen. Für diese Analysen entwickelt die Gruppe auch neue Computermethoden. „Bisher haben wir uns vor allem auf Vergleiche von Wirbeltier-Genomen konzentriert. Diese Untersuchungen wollen wir am LOEWE-Zentrum TBG künftig auf weitere Ordnungen von Lebewesen ausdehnen und die Methoden dafür anpassen und weiterentwickeln“, erläutert Hiller.
 
Ermöglicht wird diese Ausweitung des Forschungsspektrums unter anderem durch technische Fortschritte in der Sequenziertechnologie, die es praktikabel und finanzierbar machen, in kurzer Zeit viele Genomdaten zu erhalten. „Dadurch wird es denkbar, einen Genom-Atlas zu erstellen, der die Artenvielfalt auf genomischer Ebene erfasst. Das ist vielleicht vergleichbar mit den Zeiten der großen Entdeckungen und Kartierungen unseres Globus“, so Hiller. Am LOEWE-Zentrum TBG sieht der Genomiker sehr gute Voraussetzungen, um bei diesen Forschungsaktivitäten eine wichtige Rolle einzunehmen.
 
Doch nicht nur am Computer und im Labor wird Hiller tätig sein: Im Rahmen seiner Kooperationsprofessur von Senckenberg und der Goethe-Universität Frankfurt wird er in den Biowissenschaften Themen der vergleichenden und funktionellen Genomik an Studierende der Bioinformatik und anderer Master-Studiengänge vermitteln. Die Vorlesungen sollen durch praktische Übungen am Computer begleitet werden. Hiller freut sich auf die Kombination aus Forschung und Lehre: „So kann ich mich intensiv meinen Forschungsfragen widmen – und aktuelle Themen auch in der Lehre behandeln. Der Kontakt zu den Studierenden wird für mich sehr bereichernd sein, denn in meiner bisherigen Position als Gruppenleiter am Max-Planck-Institut in Dresden war dieser Austausch nicht sehr ausgeprägt.“
 
Wichtig ist ihm zudem die Frage nach dem Anwendungsaspekt der Genomforschung. Hiller hierzu: „Auch wenn wir primär Grundlagenforschung beitreiben, bei der es nicht immer offensichtlich ist, ob und wann neue Erkenntnisse nutzbar gemacht werden können, denke ich, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer auch mögliche Anwendungen im Blick haben sollten. Bezogen auf das LOEWE-Zentrum TBG und meine Forschungsinteressen können wir sicherlich viel von Tieren lernen, die im Laufe der Evolution Fähigkeiten entwickelt haben, die diejenigen des Menschen weit übersteigen. Zum Beispiel sind Fledermäuse in der Lage, mit gefährlichen Viren zu leben, ohne Krankheitssymptome zu zeigen. Diese und andere Tiere haben eine lange Lebensspanne und erkranken selten oder gar nicht an Krebs. Andere Lebewesen produzieren oft noch unbekannte Stoffe, die man vielleicht in der Biomedizin einsetzen kann. Da diese Merkmale und Fähigkeiten im Genom verschlüsselt sind, hoffe ich, dass die Genomforschung dazu beitragen kann, die molekularen Grundlagen besser zu verstehen. Um Max Planck zu zitieren – Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen.“


Bild zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/91639023
 
Bildtext: Der Genomwissenschaftler Michael Hiller trat zum 01. September 2020 eine Kooperationsprofessur der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität Frankfurt an und wird eine Leitungsrolle am LOEWE-Zentrum TBG übernehmen. (Foto: Sven Tränkner, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung)
 
Kontakt:
Prof. Dr. Michael Hiller
Vergleichende Genomik
LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG)
michael.hiller@senckenberg.de
 
Stephanie Mayer-Bömoser
Öffentlichkeitsarbeit
LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG)
Tel. +49 (0)69 7542-1840
Stephanie.mayer-boemoser@senckenberg.de

 

Sep 1 2020
11:47

Goethe-Universität und Hertie-Stiftung entwickeln „VirtualBrainLab“ für Unterricht und Homeschooling

Digitales Neurobiologie-Labor für die Schule

FRANKFURT. Erstmals können Schülerinnen und Schüler neurobiologische Experimente rein digital im „VirtualBrainLab“ durchführen. Das „VirtualBrainLab“ haben Fachdidaktiker im Fachbereich Biowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt mit Unterstützung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung entwickelt, die das Projekt mit 300.000 Euro förderte. (www.VirtualBrainLab.de).

In diesen Tagen steht „Neurobiologie“ auf dem Stundenplan der Schülerinnen und Schüler der Qualifikationsphase. Aufgrund fehlender Ressourcen und mangelnder Zeit fand dies bisher größtenteils nur theoretisch statt. Mit dem „VirtualBrainLab“ hat die Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt mit Unterstützung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung nun ein wichtiges Add-on für die Lehrpläne entwickelt, das den Schülerinnen und Schülern einen spannenden Einblick in die neurowissenschaftliche Forschung gibt. Gemeinsam oder im Homeschooling können so momentan vier verschiedene neurowissenschaftliche Experimente aus den Bereichen Elektrophysiologie und Mikroskopie durchgeführt werden, die auf echten Daten basieren und in einem authentischen Forschungs-Setting stattfinden: „Die Messoberflächen und Layouts der virtuellen Experimente sind echten Experimenten nachempfunden – alles, was vorher nur im Labor möglich war, haben wir versucht digital umzusetzen. Damit möchte die Hertie-Stiftung die Digitalisierung von Lehrinhalten in den Schulen maßgeblich vorantreiben und auch anderen Fachbereichen einen Weg aufzeigen, wie dies didaktisch funktionieren kann“, erläutert Dr. Astrid Proksch, Geschäftsführerin der Hertie-Stiftung für den Bereich „Gehirn erforschen“.

Neuste Didaktik: Auf innovative Art für das Gehirn begeistern
Neben dem Voranbringen der Digitalisierung im deutschen Bildungswesen soll das „VirtualBrainLab“ dazu beitragen, Talente für die Neurowissenschaften zu gewinnen. Denn durch den resultierenden Mangel an praktischen Laborversuchen haben in der Folge viele Lernende Schwierigkeiten, die neurophysiologischen Konzepte zu verstehen. Viele entwickeln sogar eine Abneigung gegen diese Fachrichtung. Daher stellen speziell für Schülerinnen und Schüler konzipierte Neurosimulationen eine einzigartige Zugangsmöglichkeit dar, die bisher nicht geboten werden konnte. Nachdenken, messen und analysieren – so schlüpfen die Schüler in die Rolle des Forschers, wenn sie beispielsweise eine elektrophysiologische Messung mit verschiedenen Rezeptoren an einer aktiven Zelle durchführen.

"Um hochqualifizierten Nachwuchs schon bei der Entscheidung für ein Studienfach zu gewinnen, muss dieses Wissen adäquat in den schulischen Kontext transferiert werden. Die Neurowissenschaften sind darauf angewiesen, die besten Köpfe für ihr Fach zu gewinnen. Die dafür notwendige praxisnahe Vermittlung der modernen Neurowissenschaften und seiner Methoden gelingt im Schülerlabor auf vorbildhafte Art und Weise“, betont Prof. Dr. Paul W. Dierkes, Professor für Didaktik der Biowissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt. Gemeinsam mit seinem Team hat er das „VirtualBrainLab“ in den vergangenen Monaten aus dem bereits bestehenden Projekt „Schülerlabor Neurowissenschaften“ entwickelt.

„VirtualBrainLab“
Das „VirtualBrainLab“ baut auf dem erfolgreichen Konzept des „Schülerlabors Neurowissenschaften“ auf. Die Inhalte und Experimente wurden weiterentwickelt und für die Digitalisierung angepasst. Damit werden innovative Anwendungen wie die Neurosimulation oder das virtuelle Mikroskop nachhaltiger einer großen Zielgruppe zugänglich gemacht. Den Lehrkräften werden didaktische Arbeitsmaterialien an die Hand gegeben, so dass diese das „VirtualBrainLab“ direkt im Unterricht einsetzen können. Auch eine schlechte Internetverbindung stellt kein Hindernis dar, denn das Entwickler-Team hat darauf geachtet, dass die Experimente auch mit kleinem Datenvolumen gut funktionieren.

Hintergrund: Schülerlabor für Neurowissenschaften
Im Jahr 2014 wurde das „Schülerlabor Neurowissenschaften“ als Kooperationsprojekt zwischen der Goethe-Universität Frankfurt und der Hertie-Stiftung ins Leben gerufen und in das bestehende Konzept der Schülerlabors Goethe-BioLab im Fachbereich Biowissenschaften integriert. Insgesamt wurde das „Schülerlabor Neurowissenschaften“ von 2015 bis 2018 von 2.262 Schülern an 157 Terminen besucht, wobei die Angebote für die Sekundarstufe II mit 124 Terminen am höchsten frequentiert waren. „Naturgemäß haben Schülerlabore einen begrenzten Wirkungsradius. Ein im Internet verfügbares Labor mit Anwendungen zum virtuellen Experimentieren kann dieses Problem lösen und den Wirkungsradius erweitern. Die Voraussetzungen zur Entwicklung solcher virtuellen Experimente sind im Schülerlabor Neurowissenschaften in Frankfurt durch die bereits entwickelten virtuellen Angebote und der vorhandenen Expertise auf ideale Art und Weise gegeben“, so Professor Dierkes.

Bild zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/91557326

Bildtext: Schülerinnen im digitalen Schülerlabor Neurowissenschaften (Goethe-Universität Frankfurt/Didaktik der Biowissenschaften)

Weitere Informationen:
Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Sandra Formella-Zimmermann
Didaktik der Biowissenschaften
Tel.: +49 69 798 422 76
s.zimmermann@em.uni-frankfurt.de

Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Dr. Claudia Becker
Kommunikation
Tel. +49 69 660 756 – 157
BeckerC@ghst.de

Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Markus Bernards
Abteilung Presse und Kommunikation
Tel. +49 69 798 12498
bernards@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 31 2020
15:08

Stefanie Dimmeler erhält höchste Auszeichnung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie

Goldmedaille für Herzforscherin der Goethe-Universität Frankfurt

FRANKFURT. Die Frankfurter Herzforscherin und Direktorin des Instituts für Kardiovaskuläre Medizin im Zentrum Molekulare Medizin an der Goethe-Universität, Professorin Stefanie Dimmeler, wird mit der Goldmedaille der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie geehrt. Sie erhält die Auszeichnung für ihre Forschungsarbeiten, die zum besseren Verständnis von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zur Entwicklung neuer Behandlungs-Ansätze beigetragen haben. „Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung. Die Goldmedaille gehört dem gesamten Team an Studenten und Mitarbeitern und Kollegen, die über viele Jahre gemeinsam an den Projekten gearbeitet haben“, bedankt sich Professorin Dimmeler. Die Goldmedaille wird jährlich an zwei oder drei herausragende Kardiologen oder Herzkreislaufforscher weltweit als höchste Auszeichnung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie vergeben.

Professorin Stefanie Dimmeler ist Sprecherin des durch das Excellence Strategie Programm geförderten „Cardiopulmonary Institute“ und wird ab Januar 2021 Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Ihre Arbeiten wurden bereits mehrfach durch hochkarätige Preise ausgezeichnet. Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung von Reparaturmöglichkeiten und Regeneration im Gefäßsystem und im Herzen. Neben der grundlagenwissenschaftlichen Aufklärung von Prozessen steht insbesondere die Entwicklung von therapeutischen Verfahren zur Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen im Vordergrund. Zuletzt entdeckte sie, dass kleine nicht-kodierende RNAs die Herzalterung und Herzfunktion regulieren. Ihre wissenschaftliche Lebensaufgabe sieht sie in dem langfristigen Ziel, die molekularen Mechanismen der Herz-Reparatur zu entschlüsseln, um die Heilung nach Herzinfarkt und Herzmuskelschwäche zu beschleunigen oder deren Auftreten zu vermeiden.

Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: www.uni-frankfurt.de/91589002

Bildtext: Prof.'in Dr. Stefanie Dimmeler, Goethe-Universität Frankfurt. Foto: privat

Weitere Informationen:
Goethe-Universität
Institut für Kardiovaskuläre Regeneration
Prof.'in Dr. Stefanie Dimmeler
über Office Management
Tel: +49 69 6301 6667
E-Mail: herfurth@med.uni-frankfurt.de

 

Aug 31 2020
12:10

Unternehmer Stefan Quandt stiftet neue Professur für Inklusionsforschung an der Goethe-Universität

Frankfurter Inklusionsforschung erhält eigene Spitzenprofessur 

FRANKFURT. Die Goethe-Universität besetzt das Gebiet Inklusionsforschung mit einer ganz diesem Thema gewidmeten Spitzenprofessur. Der Fachbereich Erziehungswissenschaften konnte hierfür die international ausgewiesene Inklusionsexpertin Prof. Dr. Vera Moser von der Humboldt-Universität zu Berlin gewinnen. Gefördert wird die neugeschaffene „Kathrin und Stefan Quandt-Stiftungsprofessur für Inklusionsforschung“ durch den Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt.

Spätestens mit dem Beitritt Deutschlands zur UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 war klar: In Deutschlands Schulen muss sich einiges ändern, damit mehr Kinder mit Behinderungen in Regelschulen unterrichtet werden können. Doch schnell zeigte sich, dass die politischen Vorgaben nicht so einfach zu erfüllen sind. Es fehlte vor allem bei der Ausbildung der Lehrkräfte für eine „Schule der Vielfalt“ und an wissenschaftlicher Begleitung des Umbauprozesses.

Chancen- und Bildungsgerechtigkeit stehen im Fokus der Forschung von Prof. Dr. Vera Moser und ihrem Team vom neuen Arbeitsbereich Inklusionsforschung, der dem Institut für Sonderpädagogik am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität zugeordnet ist. Ausgehend von ihrer sonderpädagogischen Grundbildung sucht Moser nach interdisziplinären Zugängen für eine möglichst barrierefreie Bildung aller Kinder.

Moser, Jahrgang 1962, stammt aus der Düsseldorfer Region und hat schon als Schülerin beschlossen, Sonderpädagogik zu studieren. Als Studentin an der Goethe-Universität konnte sie sich mit ihrer Professorin Helga Deppe in Italien ein Bild machen von der Abschaffung der Förderschulen. „Helga Deppe mit ihrer soziologischen Betrachtung der Pädagogik hat mich sehr geprägt: Denn nicht der individuelle gute Wille, sondern ein gesellschaftlicher sind für das Gelingen von Integration und Inklusion entscheidend“, so Moser.

Zum Hauptstudium wechselte Moser nach Marburg, nach Studienabschluss, Promotion und Referendariat kehrte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Assistentin an die Goethe-Uni zurück. 2002 wurde sie hier mit einer Arbeit über Sonderpädagogik als Disziplin habilitiert, einer kritischen Reflexion des eigenen Faches. Der erste Ruf führte sie 2003 als Professorin für Allgemeine Heil- und Sonderpädagogik an die Justus-Liebig-Universität in Gießen. 2010 trat sie eine Stelle als Professorin für Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens und Allgemeine Rehabilitationspädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin an. Zehn Jahre ist sie von Frankfurt nach Berlin gependelt, die Familie blieb am Main.

In Berlin hat Moser ein eigenes Zentrum und ein Graduiertenkolleg zum Thema Inklusion gegründet, war Mitglied im Landesbeirat für Inklusion. „Die Voraussetzungen dort waren bestens“, sagt sie. Dennoch sei ihr die Entscheidung für Frankfurt auch leichtgefallen – nicht nur der Familie wegen: „Die Integrationsforschung, die von Helga Deppe und Helmut Reiser begründet wurde, hat hier eine lange Tradition, es gibt viel Expertise. Eine eigene ausschließlich der Inklusionsforschung gewidmete neue Professur ist schon etwas Besonderes.“

Die Initiative hierfür geht auf die Unternehmerfamilie Quandt zurück, die den Arbeitsbereich und die Professur großzügig fördert. Der Unternehmer Stefan Quandt und seine Frau Kathrin hatten im eigenen Umfeld beobachtet, dass nach dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention beim Thema Inklusion politischer Anspruch und schulische Wirklichkeit stark auseinandergehen: „Die Schulen als Lernorte, an denen Inklusion gelebt und verwirklicht werden soll, waren auf diese Riesenaufgabe nicht vorbereitet“, so Stefan Quandt. Die Lehrkräfte seien überfordert gewesen, Schulleitungen fühlten sich von der Politik alleingelassen. „Absolut zentral auf dem Weg zur inklusiven Schule ist die Qualifizierung von Lehrkräften für die inklusive Schulpraxis“, sagt Quandt. Deshalb habe er sich entschieden, eine entsprechende Professur über voraussichtlich zehn Jahre mit insgesamt 3 Mio. Euro zu unterstützen. 

Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz zeigt sich erfreut über die Schaffung der neuen Stiftungsprofessur: „Inklusion ist nicht nur ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag, der uns alle angeht, sondern vor allem auch eine ständige Aufgabe für die Qualitätsentwicklung jeder einzelnen Schule. Auch wenn diesbezüglich schon viel an unseren Schulen erreicht wurde, bleibt noch einiges zu tun. Ich erhoffe mir deshalb wertvolle Impulse aus der Forschung Professor Mosers.“ „Inklusion kann nur gelingen, wenn alle Lehrkräfte das Rüstzeug für die Unterrichts- und Erziehungsarbeit im inklusiven Bildungssystem haben“, sagt Uni-Präsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff. „Dazu werden wir als Goethe-Universität einen weiteren wichtigen Beitrag leisten, indem wir – mit der Expertise von Frau Prof. Dr. Moser – die Lehrkräfteausbildung an der Goethe-Universität für ein inklusives Schulsystem auch konzeptionell verbessern. Am Arbeitsbereich Inklusionsforschung werden die notwendigen Grundlagen hierfür erforscht.“

Im Fokus der Inklusionsforschung von Vera Moser steht die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit, wobei die Erziehungswissenschaftlerin Wert auf einen interdisziplinären und multimethodischen Forschungszugang legt. Es soll um Fragen der bildungspolitischen und administrativen Steuerung gehen, aber auch um Fragen der Systementwicklung auf der Ebene von Schule und Unterricht. Dabei hat Moser, die selbst aus der qualitativen, soziologisch ausgerichteten Bildungsforschung kommt, keine Berührungsängste gegenüber der quantitativen, empirischen Bildungsforschung – im Gegenteil: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF).“ In der Lehre sei es ihr wichtig, dass die Inklusionspädagogik in alle Lehramtsstudiengänge und die Fachdidaktiken hineinwirke – nur so könne die Qualität der Lehrerbildung nachhaltig an die Erfordernisse der Inklusion angepasst werden. Moser will auch Licht in die bisherige Inklusionspraxis bringen. Derzeit arbeitet sie u.a. an einem Forschungsantrag zur Rolle der Inklusionshelfer: Wer wird hierfür eingesetzt? Welche Qualifikationen werden verlangt? Welches Selbstverständnis und welche Auftraggeber haben diese Personen?

„Der neue Arbeitsbereich von Frau Moser wird uns einen riesigen Schritt voranbringen“, freut sich Prof. Dr. Isabelle Diehm, Dekanin des Fachbereichs Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität. „Wir brauchen eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die weitere pädagogische Konzeptentwicklung. Frankfurt hat hier seit den 1980ern Forschungsexpertise aufgebaut. Die neue Professur ist nun wie eine Krönung dieses Prozesses“, so Diehm.

Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: http://www.uni-frankfurt.de/91579361

Bildtext: Vera Moser hat die neu an der Goethe-Universität eingerichtete Professur für Inklusionsforschung inne. (Foto: Lecher)

Informationen: Prof. Dr. Vera Moser, Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Inklusionsforschung, Institut für Sonderpädagogik, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Campus Westend, E-Mail: v.moser@em.uni-frankfurt.de, Tel.: +49 +69 798-36394 

 

Aug 27 2020
14:24

„Uni-Events“ als digitale Broschüre abrufbar – Vielfältige Angebote für Kinder und Jugendliche

Erster Unikontakt für Schülerinnen und Schüler

FRANKFURT. Wegen der Corona-Pandemie erscheint die Broschüre „Uni-Events“ in diesem Jahr als Online-Broschüre. Auch im Schuljahr 2020/21 wird es wieder vielfältige Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler geben, an Angeboten der Goethe-Universität teilzunehmen – obwohl zum Teil noch nicht absehbar ist, ob die Veranstaltungen live und vor Ort stattfinden oder ebenfalls digital.

Für jedes Alter wird etwas geboten: Die Jüngeren können frühere Ausgaben der Frankfurter Kinder-Uni als Aufzeichnung digital abrufen, zur Verfügung stehen Themen aus allen Forschungsbereichen der Universität. Oberstufenschüler können den „Tag der Naturwissenschaften“ im September dieses Jahres und die „MainStudy“ im Januar 2021 als virtuelle Veranstaltungen erleben.

In jahrgangs- und lernstufenbezogenen Projekten stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Arbeit praktisch vor und erarbeiten die Themen mit Klassen oder Schülergruppen als Ergänzung zum Schulunterricht. Eine Option für besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler ist das Schülerstudium.  

Bei Info- und Mitmachveranstaltungen lassen sich Fragen rund um Studien- und Berufswahl klären. Im Rahmen von Schnuppertagen oder der „MainStudy“ werden Studienfächer und Berufsfelder vorgestellt, das Team der Zentralen Studienberatung steht als Ansprechpartner für eine individuelle Studienorientierung zur Verfügung.

Informationen über und Ansprechpartner für ein auf die aktuelle Lage abgestimmtes Angebot für Schulen finden Sie im Internet unter: www.schule.uni-frankfurt.de.


Information: Susanne Mombers, Studienberaterin, Zentrale Studienberatung, Bereich Studien-Service-Center, Campus Westend, Telefon: 069 798-17384, e-Mail: mombers@em.uni-frankfurt.de

Die Broschüre „Uni-Events“ gibt es zum Download unter https://www.uni-frankfurt.de/91235594/Broschuere_Uni_Events_2020_web.pdf

 

Aug 26 2020
14:30

Internationaler Forschungsverbund bestimmt drei Verlaufsformen der „akut dekompensierten Leberzirrhose“

Wenn Leberzirrhose tödlich wird

FRANKFURT. Wenn der Körper das allmähliche Versagen der Leber als Folge einer Leberzirrhose nicht mehr ausgleichen kann, droht eine akute Dekompensation der Leberzirrhose. In manchen Patienten entwickelt sich diese schnell weiter zu einem oft tödlichen Akut-auf-chronischem Leberversagen, bei dem weitere Organe wie Niere oder Gehirn versagen. Welche Patienten hier besonders gefährdet sind, hat ein internationales Team von Forschenden unter Leitung von Prof. Jonel Trebicka vom Universitätsklinikum Frankfurt in einer Studie herausgefunden, die durch die Stiftung EF Clif gefördert wurde. Die Wissenschaftler haben damit die Grundlage gelegt für die Entwicklung präventiver Therapien zur Verhinderung eines Akut-auf-chronischen Leberversagens. (Journal of Hepatology, DOI 10.1016/j.jhep.2020.06.013)

Unsere Leber hat viele Funktionen: Sie speichert Nährstoffe und Vitamine, produziert Traubenzucker, Gerinnungsfaktoren und Hormone und baut Giftstoffe, Medikamente und Alkohol ab. Durch chronisch starken Alkoholkonsum, durch Viren oder andere Erkrankungen kann die Leber überlastet werden und chronisch erkranken. Unbehandelt führt eine chronische Lebererkrankung im Endstadium zu einer Leberzirrhose, bei der Lebergewebe in Bindegewebe umgewandelt wird und die Leber ihre Aufgaben immer weniger erfüllen kann. Die Folgen: Die Gerinnungsfähigkeit des Bluts wird eingeschränkt, giftige Stoffwechselprodukte reichern sich an, die Leber wird nicht mehr richtig durchblutet und der Blutdruck in der die Leber versorgenden Pfortader steigt.

Der Körper versucht, die Minderfunktionen der Leber auszugleichen. So bilden sich zum Beispiel als Folge des erhöhten Pfortaderdrucks Umgehungskreisläufe durch Venen von Speiseröhre, Magen und Darm, die sich zu Krampfadern erweitern. Wenn mit fortschreitendem Krankheitsverlauf ein solcher Ausgleich irgendwann nicht mehr möglich ist – Mediziner sprechen dann von einer akuten Dekompensation der Leberzirrhose –, spitzt sich die Situation lebensbedrohlich zu: Gewebsflüssigkeit (Aszites) sammelt sich in der Bauchhöhle, es kommt zu bakteriellen Infektionen und zu inneren Blutungen etwa in der Speiseröhre. Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen oder Schläfrigkeit sind Anzeichen der Vergiftung des Gehirns (hepatische Enzephalopathie), die bis zu einem Leberkoma führen kann.

Eine europaweite klinische Studie unter der Leitung von Prof. Jonel Trebicka, die unter dem Dach der Europäischen Stiftung zur Untersuchung chronischen Leberversagens durchgeführt wurde, hat erstmals drei klinische Verlaufsvarianten von Patienten bestimmt, die mit einer akuten Dekompensation der Leberzirrhose ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

1.    Die erste klinische Verlaufsvariante zeichnet sich durch hohe Entzündungswerte im Blut aus, die Entzündungsreaktionen überall im Körper anzeigen. Innerhalb von drei Monaten nach Einlieferung ins Krankenhaus versagen mehrere Organe des Körpers: Die akute Dekompensation wird zu einem „Akut-auf-chronischen Leberversagen“ (ACLF). Daher benannten die Mediziner diese Variante als Pre-ACLF. Mehr als die Hälfte der Patienten versterben daran, nach einem Jahr lebt nur noch ein Drittel von ihnen.

2.    Die Patienten der zweiten klinischen Verlaufsvariante entwickeln kein ACLF und haben moderate Entzündungswerte, leiden aber unter einem deutlich erhöhten Pfortader-Blutdruck. Rund 20 Prozent von ihnen sterben innerhalb der folgenden drei Monate, weitere 15 Prozent innerhalb des Folgejahres. Diese Variante nannten die Mediziner „instabile dekompensierte Leberzirrhose“.

3.    Keine schweren Entzündungswerte oder häufige Komplikationen zeigen Patienten der dritten klinischen Verlaufsvariante. Sie entwickeln kein ACLF in den ersten drei Monaten. Innerhalb eines Jahres verstirbt aber immer noch jeder zehnte von ihnen. Diese Variante nannten die Mediziner „stabile dekompensierte Leberzirrhose“.

Studienleiter Prof. Jonel Trebicka, Gastroenterologe und Hepatologe an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Frankfurt, erläutert: „Wir arbeiten jetzt intensiv daran, insbesondere für Gruppe der Pre-ACLF-Patienten neue diagnostische Möglichkeiten zu entwickeln, um diese Gruppe noch vor Einlieferung ins Krankenhaus identifizieren und frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Die Entwicklung präventiver Therapien für die häufig tödlich verlaufende ACLF ist in diesem Zusammenhang eine unserer wichtigsten Forschungsaufgaben.“

Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Dekan des Fachbereichs Medizin sowie Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Frankfurt und Ko-Autor der Studie, erläutert: „Leberkrankheiten sind einer der Hauptschwerpunkte der Medizinischen Klinik I, und wir bieten zahlreiche Spezialambulanzen für Patientinnen und Patienten mit akuten und chronischen Lebererkrankungen an. So konnten wir einerseits Patienten für die Studie beobachten. Auf der anderen Seite kommen die Forschungsergebnisse zur Verbesserung von ACLF-Prävention und Therapien sehr rasch unseren und allen Patientinnen und Patienten zugute.“

Die Forschungsergebnisse sind Teil der europaweiten Studie namens PREDICT. Die Studie beobachtet den klinischen Verlauf akuter Dekompensationen der Leberzirrhose, um frühe Anzeichen für die Entwicklung Akut-auf-chronische Leberversagen (ACLF) zu finden. Die Studie wird von der Europäischen Stiftung zur Untersuchung chronischen Leberversagens (European Foundation for the Study of Chronic Liver Failure) gefördert. An PREDICT sind 136 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 47 Zentren und Institutionen in 14 europäischen Ländern beteiligt.

Publikation: Jonel Trebicka, Javier Fernandez, Maria Papp, Paolo Caraceni, Wim Laleman, Carmine Gambino, et al.: The PREDICT study uncovers three clinical courses of acutely decompensated cirrhosis that have distinct pathophysiology. Journal of Hepatology, https://doi.org/10.1016/j.jhep.2020.06.013

Weitere Informationen:
Universitätsklinikum Frankfurt, Goethe-Universität Frankfurt
Medizinische Klinik I
Univ.-Prof. Dr. Dr. med. Jonel Trebicka
Sektion Translationale Hepatologie,
Medizinische Klinik I (Direktor: Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Zeuzem)
Goethe Universität/Universitätsklinikum Frankfurt
Tel. +49 (0)69 6301 80789 (Jennifer Biondo, Sekretariat)
Jonel.Trebicka@kgu.de.

 

Aug 25 2020
12:10

​Forscher der Goethe-Universität Frankfurt patentieren Signalweg-Blockade zur COVID-19-Therapie

Blockade zellulärer Kommunikation stoppt SARS-CoV-2

FRANKFURT. Viele Viren nutzen und manipulieren Kommunikationswege ihrer Wirtszellen, um ihre eigene Vermehrung zu fördern. Biochemiker und Virologen von Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt haben jetzt erstmals ein Gesamtbild der Kommunikation einer Zelle erstellt, die von SARS-CoV-2-Viren befallen ist. Dabei gelang es den Wissenschaftlern in Zellkultur-Experimenten, die Virusvermehrung mit einer Reihe klinisch erprobter Krebs-Medikamenten zu stoppen. Die Medikamente setzten an Stellen an, an denen mehrere Kommunikationswege der Zelle zusammentreffen (Molecular Cell, DOI 10.1016/j.molcel.2020.08.006). Das Verfahren ließen sich die Frankfurter Wissenschaftler patentieren.
 
Bei der Weiterleitung von Signalen in der Zelle, die zum Beispiel zum Zellwachstum anregen oder Stoffwechselprozesse auslösen, spielen Phosphorgruppen eine wichtige biochemische Rolle. Die Phosphorgruppen werden häufig an Proteine angehängt oder von ihnen abgespalten. Dabei löst eine Protein-Veränderung die nächste aus, und das Signal wird wie in einer Kaskade weitergeleitet. Meist ist das Ziel der Zellkern, wo Gene an- oder abgeschaltet werden.
 
Biochemiker und Virologen von Goethe-Universität Frankfurt und Universitätsklinikum Frankfurt haben jetzt erstmals ein komplettes Bild aller Kommunikationswege einer von SARS-CoV-2 infizierten menschlichen Zelle aufgenommen und beobachtet, welche Veränderungen der Virusbefall auslöst. Dafür analysierten sie die Gesamtheit aller Proteine, die in einer Momentaufnahme eine Phosphorgruppe tragen, das sogenannte Phospho-Proteom. Das Ergebnis: Vor allem Signalwege der Wirtszelle, bei denen ein Wachstumssignal von außen in die Zelle geleitet wird, werden offenbar vom SARS-CoV-2-Virus genutzt. Wenn diese Signalwege unterbrochen werden, kann sich das Virus nicht mehr vermehren.
 
Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität erklärt: „Die Signalwege der Wachstumsfaktoren lassen sich direkt dort blockieren, wo das Signal von außerhalb der Zelle an einen Signal-Empfänger – einem Wachstumsfaktorrezeptor – andockt. Es gibt jedoch eine Reihe sehr wirksamer Krebs-Medikamente, die Wachstumsfaktor-Signalwege etwas tiefer in der Kaskade unterbrechen, wodurch die Signale von unterschiedlichen Wachstumsfaktorrezeptoren blockiert werden. Fünf dieser Wirkstoffe haben wir an unseren Zellen getestet, und alle fünf führten zu einem kompletten Stopp der SARS-CoV-2-Replikation.“
 
Prof. Jindrich Cinatl vom Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt sagt: „Unsere Experimente haben wir an kultivierten Zellen im Labor durchgeführt. Die Ergebnisse lassen sich also nicht ohne weitere Tests auf den Menschen übertragen. Doch durch Untersuchungen anderer infektiöser Viren wissen wir, dass Viren häufig Signalwege in ihren menschlichen Wirtszellen verändern und dass dies für die Virusvermehrung wichtig ist. Gleichzeitig haben bereits zugelassene Medikamente einen ungeheuren Entwicklungsvorsprung, sodass man auf Grundlage unserer Ergebnisse und weniger weiterer Experimente sehr schnell mit klinischen Studien beginnen könnte.“
 
Das Verfahren, mit bestimmten Hemmstoffen Signalwege zu unterbrechen, um eine COVID-19-Erkrankung zu therapieren, haben sich die Wissenschaftler über INNOVECTIS patentieren lassen. INNOVECTIS wurde 2000 als Tochterunternehmen der Goethe-Universität Frankfurt gegründet und agiert seitdem erfolgreich als Dienstleister beim Transfer von akademischem Know-how in die wirtschaftliche Praxis.
 
 
Publikation: Kevin Klann, Denisa Bojkova, Georg Tascher, Sandra Ciesek, Christian Münch,
Jindrich Cinatl. Growth factor receptor signaling inhibition prevents SARS-CoV-2 replication. Molecular Cell, https://doi.org/10.1016/j.molcel.2020.08.006
 
 
Informationen:
Professor Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Leiter der Forschergruppe Cinatl
Institut für Medizinische Virologie, Universitätsklinikum Frankfurt am Main
Tel. +49 (0) 69 / 6301-6409,
cinatl@em.uni-frankfurt.de,  
 
Dr. Christian Münch,
Leiter der Forschergruppe Münch
Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel: +49 (0) 69 6301 6599,
ch.muench@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 25 2020
09:30

​Die partizipative Vortragsreihe „DenkArt“ widmet sich ab September in Kooperation mit dem Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ den gesellschaftlichen Herausforderungen der Corona-Pandemie

Der Ausnahmezustand als neue Normalität?

FRANKFURT. Im Haus am Dom beginnt in diesem Herbst eine partizipative Vortragsreihe, die von Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin), Dr. Lisa Straßberger (Studienleiterin in der Katholischen Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt am Main/Haus am Dom),  Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und der Heinrich-Böll-Stiftung konzipiert wurde. Der erste Zyklus der Reihe widmet sich ab September den gesellschaftlichen Herausforderungen der Corona-Pandemie.

Seit der Ausbreitung der Corona-Pandemie befindet sich die Welt in einem Ausnahmezustand. Um Risiken für die eigene Bevölkerung zu verringern und eine befürchtete Überlastung für die Gesundheitssysteme unter Kontrolle bringen zu können, wurden von zahlreichen Ländern zuvor ungeahnte Maßnahmen in die Wege geleitet. Gesetze und Rechte, die bisher als unumstößlich galten, wurden eingeschränkt, um Kontaktsperren und Abstandsregelungen zur Virusbekämpfung durchzusetzen.

Befürchtet werden eine dauerhafte Gefährdung der demokratischen Freiheit, Rückschritte bei Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung, eine andauernde Abschottung von Staaten auf internationaler Ebene und nicht zuletzt schwerwiegende wirtschaftliche Folgen, die gegenwärtig bereits sichtbar sind.   

Alles, was bisher als normal galt, ist plötzlich anders – das System hält den Atem an: Wird es nach der Pandemie wieder wie davor weitergehen oder wird der Ausnahmezustand zu einer neuen Normalität führen? Können wir auf positive Veränderungen hoffen oder haben wir Regressionen unserer sozialen, wirtschaftlichen und demokratischen Freiheit zu befürchten?

Am 8. September um 19.30 Uhr eröffnet der Soziologe Prof. Wilhelm Heitmeyer die Reihe im mit dem Vortrag „Autoritäre Bedrohungen oder liberale Demokratie? – Die offene Gesellschaft im Ausnahmezustand“. Im Anschluss spricht am 17. November die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung Prof. Jutta Allmendinger zu „Teilhabe oder Rückschritt? – Die Position der Frau in Zeiten von Corona“.  Zum Abschluss der Reihe folgt schließlich Prof. Günter Frankenberg, Jurist der Goethe-Universität Frankfurt am Main und assoziiertes Mitglied des Forschungsverbundes „Normative Ordnungen“, mit einem Vortrag zu der Frage „Freiwilligkeit oder Zwang? – Experimente in den Zeiten von Infektionsschutz“ am 8. Dezember.

Die Reihe soll im Frühjahr fortgeführt werden mit dem Thema SOLIDARITÄT.

Ziel der Reihe ist es, die öffentliche Debattenkultur zu pflegen und einen partizipativen Diskursraum zu gesellschaftlichen Themen der Gegenwart zu ermöglichen. Daher werden im Anschluss an die Impulsvorträge die Zuschauer*innen miteinander ins Gespräch gebracht und erhalten die Gelegenheit, die Vorträge untereinander zu diskutieren und in Kleingruppen Fragen an die Gastredner*innen zu entwickeln. Da nur wenige Plätze im Haus am Dom vergeben werden können, wird die Veranstaltung durch ein Live-Streaming-Angebot über www.youtube.com/hausamdom ergänzt. Dieses soll über einen Chat weiteren Zuhörer*innen die Möglichkeit bieten, sich in die Diskussion zum jeweiligen Impulsvortrag einzubringen.

Veranstalter sind die Katholische Akademie Rabanus Maurus, Haus am Dom, der Forschungsverbund „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Heinrich-Böll-Stiftung Hessen e.V. und Prof. Marion Tiedtke (Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin). Unterstützt wird die Reihe durch die Sebastian-Cobler-Stiftung für Bürgerrechte.

Die anstehenden Termine im Überblick:

8. September 2020
„Autoritäre Bedrohungen oder liberale Demokratie?“ – Die offene Gesellschaft im Ausnahmezustand
Prof. Wilhelm Heitmeyer, Soziologe am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ und Administrative Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt

17. November 2020
„Teilhabe oder Rückschritt?“ – Die Position der Frau in Zeiten von Corona
Prof. Jutta Allmendinger Ph.D., Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung
Moderation: Dr. Lisa Straßberger, Studienleiterin in der Katholischen Akademie Rabanus Maurus

8. Dezember 2020
„Freiwilligkeit oder Zwang?“ – Experimente in den Zeiten von Infektionsschutz
Prof. Günter Frankenberg, Jurist der Goethe-Universität Frankfurt am Main und assoziiertes Mitglied des Forschungsverbundes „Normative Ordnungen“
Moderation: Prof. Marion Tiedtke, Professorin für Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und Dramaturgin

Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main
Jeweils 19.30 Uhr, Um Anmeldung wird gebeten an: hausamdom@bistumlimburg.de, Eintritt: 10 Euro / erm. 7 Euro; www.hausamdom-frankfurt.de

Detailliertes Programm:
www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/denkart

Pressekonferenz am 27. August 2020:
Wir möchten an dieser Stelle auch auf die Pressekonferenz zur partizipativen Vortragsreihe „DenkArt“ hinweisen, zu der Sie am Donnerstag, dem 27. August 2020, um 11 Uhr herzlich in das Haus am Dom eingeladen sind (Domplatz 3, 60311 Frankfurt am Main). Als Gesprächspartnerinnen stehen Ihnen zur Verfügung: Prof. Marion Tiedtke (HfMDK), Dr. Lisa Straßberger (KARM) und Rebecca Caroline Schmidt (Forschungsverbund „Normative Ordnungen“).

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und danken für Ihre Anmeldung per E-Mail an: hausamdom@bistumlimburg.de

Weitere Informationen:
Anke Harms, Referentin für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität, 069/798-31407, anke.harms@normativeorders.net; www.normativeorders.net

 

Aug 24 2020
13:56

Abwasser liefert Hinweise auf Infektionsgrad der Bevölkerung

SARS-CoV-2-Viren im Abwasser: COVID-19 Überwachung und Abschätzung potenzieller Infektionsrisiken

FRANKFURT/AACHEN. Seit Beginn der Pandemie arbeiten Forschergruppen an Methoden, den Nachweis von SARS-CoV-2 Viren im Abwasser für die Überwachung des COVID-19 Infektionsgrads der Bevölkerung zu verwenden. Die Idee ist einfach: Da infizierte Personen SARS-CoV-2 Viren über die Fäkalien abgeben, könnten Abwasserproben Aufschluss über die Infektionszahlen aller an eine Kläranlage angeschlossener Einwohner liefern. Bei ausreichender Empfindlichkeit könnten solche Analysen Behörden als Frühwarnsystem dienen, um lokal ansteigende Fallzahlen im Einzugsgebiet einer Kläranlage frühzeitig zu erkennen.

Ein Konsortium aus Frankfurter Virologen, Ökotoxikologen und Evolutionsforschern und Aachener Wasserforschern konnte jetzt erstmals für Deutschland zeigen, dass sich SARS-CoV-2 Genmaterial mit modernen molekularen Methoden in Kläranlagen nachweisen lässt. Analysen ergaben in allen neun während der ersten Pandemiewelle im April 2020 beprobten Kläranlagen 3 bis 20 Genkopien pro Milliliter Rohabwasser. Dies ist ein Konzentrationsniveau, wie es auch in Studien in den Niederlanden und den USA gemessen wurde.

Erstaunt waren die Forscher, als ältere Rückstellproben aus den Jahren 2017 und 2018 vor dem Ausbruch der Pandemie ebenfalls Signale lieferten. Nach umfangreicher Methoden-Validierung war klar, dass die verwendeten Genprimer nicht nur SARS- CoV-2, sondern fälschlicherweise auch andere nicht-krankheitsauslösende Coronaviren im Abwasser miterfassen. Die jetzt spezifisch für SARS-CoV-2 im Abwasser entwickelte Methodik wurde mit Gensequenzierung bestätigt.

Das Verfahren lässt sich nun in der so genannten Abwasser-basierten Epidemiologie einsetzen: Die gemessene Virenfracht einer Kläranlage erlaubt Rückschlüsse auf die Anzahl der an COIVD-19 infizierten Personen im Einzugsgebiet. In der größten Kläranlage wurden bei einer Virenfracht von 6 Billionen (6 x 1012) Genäquivalenten pro Tag 1037 akute Fälle in Einzugsgebiet abgeschätzt, in kleineren Kläranlagen bei zwei Größenordnungen geringerer Virenfracht dagegen 36 Fälle.

Die Sensitivität ist ausreichend, um als Frühwarnsystem anzuzeigen, ob der Maßnahmenwert von 50 Inzidenzen pro 100.000 Einwohnern überschritten wird. Frühere Hoffnungen, die Präzision würde ausreichen, die Dunkelziffer nicht-labordiagnostisch erfasster Infizierter zu bestimmen, haben sich bislang nicht erfüllt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten aber weitere Methodenverbesserungen für möglich.

Die im Abwasser nachgewiesenen SARS-CoV-2 Fragmente haben sich in Zelltests in vitro als nicht-infektiös dargestellt. Wegen der hohen Frachten und geringem Rückhaltevermögen konventioneller Kläranlagen ist das Verhalten von SARS-CoV-2 im Wasserkreislauf aber vertieft zu untersuchen. Die Autoren der Studie arbeiten daran, ihr Wissen für eine baldige Anwendung der Methodik bereitzustellen, dazu wird eine enge Zusammenarbeit mit Gesundheitsministerien, Umweltministerien, Kläranlagenbetreibern und Fachverbänden angestrebt.

Das Forscherteam wurde in Eigeninitiative vom gemeinnützigen Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen e. V. (FiW), dem Institut für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen (ISA), dem Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt (KGU) und der Abteilung Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität Frankfurt ins Leben gerufen und von sechs Wasserverbänden in Nordrhein-Westfalen, dem LOEWE-Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG) und der University of Saskatoon in Kanada unterstützt.

Publikation: Sandra Westhaus, Frank-Andreas Weber, Sabrina Schiwy, Volker Linnemann, Markus Brinkmann, Marek Widera, Carola Greve, Axel Janke, Henner Hollert, Thomas Wintgens, Sandra Ciesek. Detection of SARS-CoV-2 in raw and treated wastewater in Germany – suitability for COVID-19 surveillance and potential transmission risks. Science of the Total Environment. https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2020.141750, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969720352797

Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: www.uni-frankfurt.de/91245167

Bildtext: „Grafisches Abstract“: deutsche Übersetzung des Untersuchungsschemas aus der Publikation Westhaus et. al. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969720352797

Weitere Informationen

Universitätsklinikum Frankfurt
Institut für Medizinische Virologie
Prof. Dr. Sandra Ciesek
über
Pressestelle Universitätsklinikum Frankfurt
Tel. +49 069 6301 86442
kommunikation@kgu.de

Goethe-Universität Frankfurt
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität
Abt. Evolutionsökologie und Umwelttoxikologie
und LOEWE Zentrum für Translationale Biodiversitätsgenomik (TBG)
Prof. Dr. rer. nat. Henner Hollert
hollert@bio.uni-frankfurt.de

Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen e. V. (FiW)
Dr. sc. Frank-Andreas Weber
weber@fiw.rwth-aachen.de

RWTH Aachen University
Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISA)
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Thomas Wintgens
wintgens@isa.rwth-aachen.de

 

Aug 18 2020
09:36

78 Millionen für 5-Jahres-Projekt zur Entwicklung von COVID-19-Therapien 

COVID-19: Goethe-Universität an europaweitem öffentlich-privatem Forschungsprojekt beteiligt

FRANKFURT. Die Virologin Prof. Dr. Sandra Ciesek und die Infektiologin Prof. Dr. Maria Vehreschild von der Goethe-Universität und dem Universitätsklinikum Frankfurt leiten Projekte zur COVID-19-Forschung in einem internationalen Verbund aus 37 Universitäten, Wissenschaftsinstitutionen und forschenden Pharmaunternehmen. Der Verbund CARE ist die größte europäische Initiative zur Entwicklung von COVID-19-Therapien. CARE wird in den kommenden fünf Jahren mit 77,7 Millionen Euro (davon an die Goethe-Universität: 2,1 Millionen Euro) durch die öffentlich-private Partnerschaft Innovative Arzneimittel der Europäischen Union und der Europäischen Vereinigung von pharmazeutischen Industrien und Verbänden gefördert. 

Mit der Förderung des CARE-Projekts will die öffentlich-private Partnerschaft „Innovative Medicine Initiative“ (IMI) die systematische Entwicklung von Medikamenten gegen COVID-19 vorantreiben. Darüber hinaus sollen die Forschungs- und Entwicklungsergebnisse auch die Basis dafür legen, künftig schneller Medikamente gegen Infektionskrankheiten zum Beispiel durch Corona-ähnliche Viren zu legen. 

Die offene Forschungszusammenarbeit von CARE konzentriert sich auf die Prüfung bereits zugelassener Medikamente, die eine COVID-19-Therapie unterstützen könnten, sowie auf die Entwicklung neuer Medikamente. Zum einen sollen so genannte kleine Moleküle auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit hin untersucht werden. Meist handelt es sich um Hemmstoffe für entweder virale oder menschliche Proteine, und CARE wird unter anderem bestehende Substanzdatenbanken mit Millionen solcher kleinen Moleküle durchforsten, um vielversprechende Wirkstoffkandidaten zu identifizieren. Zum anderen sollen Antikörper entwickelt werden, die SARS-CoV-2-Viren inhibieren. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Goethe-Universität und Universitätsklinikum Frankfurt um Prof. Dr. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie, werden vielversprechende kleine Moleküle aus Substanzbanken in Zellkulturmodellen testen. Prof. Sandra Ciesek erklärt: „Auf der Grundlage unserer langjährigen Erfahrung haben wir hier in Frankfurt bereits im Februar ein Zellkulturmodell für SARS-CoV-2-Zellen entwickelt und seither ständig weiterentwickelt. So wissen wir mittlerweile, wie das Virus den Zellstoffwechsel verändert. Wir sind daher bestens darauf vorbereitet, Reihentests potenzieller Wirkstoffkandidaten aus dem CARE-Verbund durchzuführen. Das ist das Großartige an CARE: Alle Partner bringen ihre spezifischen Stärken in das Projekt ein.“ 

Prof. Dr. Maria Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie am Universitätsklinikum Frankfurt, wird die Umsetzung von drei klinischen Studien leiten: je eine Verträglichkeits- und Dosisfindungsstudie (Phase I-Studie) für einen noch zu identifizierenden Kandidaten aus dem Bereich der kleinen Moleküle und einen Virus-neutralisierenden Antikörper sowie im Anschluss daran eine klinische Studie zur klinischen Wirksamkeit und biologischen Aktivität eines Phase-I-Wirkstoffkandidaten (Phase IIa-Studie).  Prof. Maria Vehreschild erklärt: „Ich freue mich auf die große Herausforderung dieser multinationalen Projekte, in denen viele Unternehmen und Institutionen aus dem In- und Ausland für diese klinischen Studien koordiniert werden müssen. Die CARE-Partner können dabei auf bestehende Studiennetzwerke zurückgreifen, in Deutschland zum Beispiel sind wir mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung ausgezeichnet aufgestellt.“ 

Prof. Dr. Jürgen Graf, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum Frankfurt, erklärt: „Die COVID-19-Pandemie zeigt auf eindrückliche Weise, dass die Universitätsmedizin unverzichtbar für die Gesellschaft ist. Innerhalb kürzester Zeit konnte in Frankfurt umfangreiches Wissen zum neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 generiert werden. Erkenntnisse aus der Forschung finden unmittelbar Anwendung in der Versorgung unserer Patientinnen und Patienten. So entsteht bedarfsorientierter Fortschritt am Puls der Zeit und auf Basis von Wissenschaft.“ 

Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, betont die Chance für die Forschung, die das CARE-Projekt bietet: „Gerade in der unter großem Zeitdruck und mit viel öffentlichem Geld geförderten COVID-19-Forschung ist es gut, Forschungsinitiativen zu bündeln und zu fokussieren anstatt unkoordiniert und parallel zu arbeiten. Das CARE-Projekt bietet ein Beispiel dafür, wie stark die Goethe-Universität in der internationalen Forschungslandschaft Europas vernetzt ist und dass sie hier an der vordersten Forschungsfront dabei ist.“

Weitere Informationen: 

Prof. Dr. med. Sandra Ciesek
Institutsdirektorin
Institut für Medizinische Virologie
Uniklinikum Frankfurt 

Prof. Dr. med. Maria Vehreschild
Medizinische Klinik II
Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie 

Kontakt über
Pressestelle Uniklinikum Frankfurt
Tel. +49 (0)69 6301 86442
E-Mail: kommunikation@kgu.de

 

Aug 17 2020
10:47

Auch die Anzahl der geförderten Forschungsprojekte der Goethe-Universität steigt dank einer Großspende der Investmentbank Goldman Sachs 

Goethe-Corona-Fonds wächst über 3-Millionen-Marke

FRANKFURT. Die Ziellatte liegt extrem hoch, und doch rückt sie in greifbare Nähe: Mindestens 5 Millionen Euro wollen Goethe-Universität und Universitätsklinikum für Forschungsprojekte zur Corona-Pandemie sammeln. Nun ist dank einer Großspende die 3-Millionen-Marke überschritten worden. 375.000 Euro stellt die Investmentbank Goldman Sachs der Goethe-Universität zur Verfügung. Damit sollen medizinisch wichtige Forschungsprojekte gefördert werden wie auch solche, die sich mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie beschäftigen. 

Durch den Goethe-Corona-Fonds unterstützt werden bislang vor allem naturwissenschaftliche Forschergruppen aus Virologen und Infektiologen, pharmazeutischen Biologen und Chemikern, Toxikologen und Intensivmedizinern, die dem SARS-CoV-2-Virus auf der Spur sind. Sie gehen etwa der Frage nach, wie sich das Virus vermehrt, wie es in Lungen-, Nieren- und Darmzellen wirkt oder welche Medikamente virenhemmend wirken. Andere Spenden fließen in die Anschaffung von Geräten für die intensivmedizinische Forschung oder in den Aufbau einer Biobank, die Proben und klinische Daten zu Krankheitsverläufen sammelt. Aber auch Projekte der Wirtschaftswissenschaft und Psychologie erhalten bereits durch den Fonds eine Anschubfinanzierung – wie zuletzt das „Corona-Krisentelefon“ des Fachbereichs Psychologie, das psychisch belasteten Corona-erkrankten Menschen kostenlose und anonyme Beratung anbietet.

Mehr als 30 Forschungsprojekte der Goethe-Universität haben derzeit eine Anschubfinanzierung aus dem Corona-Fonds erhalten. Und ihre Zahl nimmt zu. „Als wir im März unseren Spendenaufruf gestartet haben“, blickt Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff zurück, „wussten wir nicht, ob wir nicht doch zu zuversichtlich waren. Jetzt freuen wir uns, dass uns jede einzelne Spende bestätigt: Die Goethe-Universität ist eine lebendige Stiftungsuniversität. Das zeigt der großzügige Zuspruch der vielen Frankfurter Bürger, Stiftungen und Unternehmen wie auch jetzt die Spende von Goldman Sachs ganz beeindruckend, und nur dank dieser Spendenbereitschaft können wir unseren Wissenschaftlern auf diese außergewöhnliche Weise den Rücken stärken.“ 

„Wir freuen uns besonders“, ergänzt Vizepräsident Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, „dass wir mit jedem neu geförderten Forschungsprojekt auch qualifizierte Nachwuchswissenschaftler kurzfristig in die Erforschung des Virus einbinden können.“ 

“COVID-19 hat eine beispiellose globale Gesundheits- und Wirtschaftskrise ausgelöst. Wir möchten einen Beitrag zur Bewältigung dieser Pandemie leisten und setzen dafür weltweit unser Wissen und unser Kapital ein“, sagt Wolfgang Fink, Chief Executive Officer der Goldman Sachs Bank Europe SE in Frankfurt. „Wir freuen uns, durch unsere Initiative Goldman Sachs Gives den Corona-Fonds der Goethe-Universität zu unterstützen und damit Forschungsprojekte zu fördern, die sich auf die Entwicklung von Medikamenten und Therapien aber auch auf die breiten Konsequenzen der Pandemie und der Prävention konzentrieren.“

 

Aug 10 2020
13:29

​Innovatives Verfahren eröffnet neue Perspektiven in der Rekonstruktion vergangener Umweltbedingungen

Exakte Klimadaten aus der Vergangenheit

FRANKFURT. Korallenriffe und Tropfsteine in Höhlen sind wichtige Klimaarchive. Denn die Zusammensetzung des Kalks, aus dem sie aufgebaut sind, kann verraten, welche Temperaturen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung auf der Erdoberfläche herrschten. Ein internationales Team von Geowissenschaftlern unter Federführung der Goethe-Universität Frankfurt hat jetzt ein neu entwickeltes Verfahren zur Kalk-Analyse an einer Reihe von Klimaarchiven getestet und dabei den Einfluss verschiedener chemischer Reaktionswege in der Kalkentstehung sichtbar gemacht. Das neue Verfahren erlaubt es, vergangene Erdoberflächen-Temperaturen zuverlässiger zu bestimmen und die Entstehungsprozesse von Kalkskeletten heute existierender sowie ausgestorbener Arten zu untersuchen. (Nature Communications, DOI 10.1038/s41467-020-17501-0)
 
Korallen bilden ihre Skelette aus im Wasser gelösten Kalzium und Karbonat, die sie zu Kalk (chemisch: Kalziumkarbonat) ausfällen. Aus diesem Kalziumkarbonat entstehen – Schicht für Schicht – in Jahrtausenden große Korallenriffe. Abhängig von der Temperatur bevorzugen Korallen dabei Karbonatgruppen mit bestimmten Varianten des Sauerstoffs (chemisches Symbol: O). So entsteht bei niedrigeren Wassertemperaturen vermehrt Kalziumkarbonat, das einen höheren Anteil einer schweren Sauerstoff-Variante enthält, des so genannten Isotops 18O.
Leider beeinflusst auch der 18O-Gehalt des Meerwassers die Mengen an 18O im Kalziumkarbonat – und dieser Einfluss lässt sich bei der Bestimmung der Temperatur vergangener Zeiten nicht mehr rekonstruieren.
 
Ein großer Fortschritt bestand in der Entdeckung, dass die Isotopenzusammensetzung einer Kalkschicht unabhängig von der Zusammensetzung des Wassers Rückschlüsse auf die Temperatur zulässt, wenn man die Häufigkeit einer bestimmten, sehr seltenen Karbonatgruppe misst. Diese Karbonatgruppe enthält zwei schwere Isotope, ein schweres Kohlenstoff-Isotop (13C) und ein schweres Sauerstoff-Isotop (18O). Fachleute sprechen von „gruppierten“ Isotopen („Clumped Isotopes“). Bei geringeren Umgebungstemperaturen werden Karbonatgruppen mit „Clumped Isotopes“ etwas häufiger gebildet.
 
Doch auch mit dieser Methode gab es noch ein Problem: Der Prozess der Kalkentstehung, der so genannte Mineralisationsprozess, kann über unterschiedliche Reaktionsmechanismen mit verschiedenen Reaktionsgeschwindigkeiten verlaufen, die ihrerseits ebenfalls Einfluss auf den Einbau schwerer Isotope in das Kalziumkarbonat nehmen (kinetische Effekte). Die Reaktionsmechanismen können sich zwischen Karbonaten verschiedenen Ursprungs unterscheiden, und die dazugehörigen Geschwindigkeiten selbst innerhalb eines Organismus variieren. Entsprechend können die mit dieser Methode ermittelten Temperaturen mit erheblichen Ungenauigkeiten behaftet sein. Dies gilt insbesondere für Klimaarchive wie Korallen und Tropfsteine.
 
Zur Lösung dieses Problems hat die Arbeitsgruppe von Prof. Jens Fiebig am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität ein hochsensibles Verfahren entwickelt, mit dem zusätzlich zu der 13C-18O-haltigen Karbonatgruppe die Häufigkeit einer weiteren, noch selteneren Karbonatgruppe hoch präzise bestimmt werden kann. Diese Gruppe enthält ebenfalls zwei schwere Isotope, nämlich zwei schwere Sauerstoffisotope (18O).
 
Trägt man die theoretisch zu erwartenden Häufigkeiten dieser beiden seltenen Karbonatgruppen in einem Diagramm gegeneinander auf, lässt sich der zu erwartende Einfluss der Temperatur als Gerade darstellen. Wenn nun die tatsächlich gemessenen Häufigkeiten der beiden schweren Karbonatgruppen einen Punkt abseits der Geraden ergeben, ist dies auf den Einfluss des Mineralisationsprozesses zurückzuführen.
 
Fiebigs Doktorand David Bajnai hatte diese Verfahren erstmals auf verschiedene Klimaarchive angewendet und unter anderem verschiedene Korallenarten, Tropfsteine und das fossile Skelett eines Kalmar-ähnlichen Kopffüßlers (Belemnit) untersucht.
 
Dr. David Bajnai, heute Postdoc an der Universität zu Köln, erklärt: „Wir konnten zeigen, dass die Reaktionsmechanismen der Mineralisation zusätzlich zur Temperatur einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung vieler untersuchter Karbonate haben. Für Tropfsteine und Korallen bestätigen die gemessenen Abweichungen Modellrechnungen zu den jeweiligen Mineralisationsprozessen, die unser Kooperationspartner Dr. Weifu Guo in der Woods Hole Oceanographic Institution in den USA durchgeführt hat. Das neue Verfahren ermöglicht es erstmals, den Einfluss der Mineralisation quantitativ zu erfassen. Bestenfalls kann man diesen Einfluss auf eine einfache Weise aus den gemessenen Werten herausrechnen und somit die genaue Temperatur bei der Kalkbildung unabhängig von dem verzerrenden Einfluss des Mineralisationsprozesses bestimmen.“
 
Prof. Jens Fiebig sieht in der Methode ein großes Zukunftspotenzial: „Wir wollen unser neues Verfahren weiter validieren und durch Vermessung moderner Proben Klimaarchive identifizieren, die besonders geeignet sind für eine genaue und hochpräzise Rekonstruktion vergangener Erdoberflächen-Temperaturen. Außerdem möchten wir das Verfahren nutzen um zu bestimmen, welche Effekte die Ozeanversauerung durch den vermehrten CO2-Eintrag auf die Mineralisation etwa bei Korallen hat. Eventuell erlaubt das neue Verfahren sogar, den pH-Wert vergangener Ozeane abzuschätzen.“ Wenn dies alles gelingt, ließe sich die Rekonstruktion ehemaliger Umweltbedingungen deutlich verbessern.
 
 
Publikation: David Bajnai, Weifu Guo, Christoph Spötl, Tyler B. Coplen, Katharina Methner, Niklas
Löffler, Emilija Krsnik, Eberhard Gischler, Maximilian Hansen, Daniela Henkel, Gregory D Price, Jacek Raddatz, Denis Scholz, Jens Fiebig: Dual clumped isotope thermometry resolves kinetic biases in carbonate formation temperatures, Nature Communications, DOI 10.1038/s41467-020-17501-0, http://www.nature.com/ncomms
 
Informationen:
apl. Prof. Dr. Jens Fiebig
Institut für Geowissenschaften
Goethe Universität Frankfurt
Tel: +49 (0) 69 798 40182
Jens.Fiebig@em.uni-frankfurt.de
 
Dr. David Bajnai
Institut für Geologie und Mineralogie
Universität zu Köln
Tel: +49 (0)221 470 89829
David.Bajnai@uni-koeln.de
 
Dr. Weifu Guo
Department of Geology and Geophysics
Woods Hole Oceanographic Institution
Woods Hole, MA
USA
Phone: +1 508 289 3380
wfguo@whoi.edu

 

Aug 7 2020
14:26

Wie Mikroben in Ur-Atmosphäre ohne Sauerstoff Energie gewannen

Ältestes Enzym der Zellatmung isoliert

FRANKFURT. Forscher der Goethe-Universität haben das vielleicht älteste Enzym der Zellatmung gefunden. Aus dem Hitze liebenden Bakterium Thermotoga maritima konnten sie jetzt einen äußerst fragilen Proteinkomplex namens „Rnf“ isolieren. Die Gene, die für das Enzym kodieren, waren zwar bereits vor rund 10 Jahren entdeckt worden. Die Isolierung des Enzyms und damit der Nachweis, dass es wirklich von Bakterien gebildet und zur zellulären Energiegewinnung genutzt wird, ist jetzt erstmals den Frankfurter Forschern gelungen. (Communications Biology, DOI 10.1038/s42003-020-01158-y)

In der ersten Milliarde an Jahren gab es auf der Erde keinen Sauerstoff. Das Leben entwickelte sich in einer anaeroben Umgebung. Frühe Bakterien gewannen ihre Energie wahrscheinlich durch den Abbau verschiedener Substanzen mittels Gärung. Daneben schien es jedoch auch eine Art „Atmung ohne Sauerstoff“ gegeben zu haben. Dies legten Untersuchungen an ursprünglichen Mikroben nahe, die heute noch in anaeroben Lebensräumen vorkommen.

„Wir hatten schon vor 10 Jahren gesehen, dass es in diesen Mikroben Gene gibt, die vielleicht für ein ursprüngliches Atmungsenzym kodieren. Seitdem haben wir und andere Gruppen weltweit versucht, die Existenz dieses Atmungsenzyms nachzuweisen und es zu isolieren. Für lange Zeit ohne Erfolg, der Komplex war zu fragil und fiel bei jedem Versuch, ihn aus der Membran zu isolieren, auseinander. Die Bruchstücke wurde gefunden, ließen sich aber nicht wieder zusammensetzen“, erklärt Prof. Volker Müller aus der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik der Goethe Universität Frankfurt.

Durch beharrliche Arbeit gelang seinen Doktoranden Martin Kuhns und Dragan Trifunovic dann in zwei aufeinanderfolgenden Doktorarbeiten der Durchbruch. „In unserer Verzweiflung haben wir irgendwann ein hitzeliebendes Bakterium, Thermotoga maritima, genommen, das zwischen 60 und 90°C wächst“, erklärt Dragan Trifunovic, der seine Promotion in Kürze abschließen wird. „Auch Thermotoga enthält Rnf-Gene, und wir haben gehofft, dass das Rnf-Enzym in diesem Bakterium etwas stabiler ist. Über die Jahre hinweg haben wir es dann geschafft, ein Verfahren zu entwickeln, um das komplette Rnf-Enzym aus der Membran dieser Bakterien zu isolieren.“

Wie die Wissenschaftler in ihrer aktuellen Forschungsarbeit berichten, funktioniert der Enzymkomplex in etwa so wie ein Pumpspeicherkraftwerk, das Wasser in einen höher gelegenen See pumpt und aus dem wieder nach unten fließenden Wasser über eine Turbine Strom gewinnt.

Nur transportiert in der Bakterienzelle das Rnf-Enzym (biochemisch: Ferredoxin:NAD-Oxidoreduktase) Natrium-Ionen aus dem Zellinneren über die Zellmembran nach außen und erzeugt dadurch ein elektrisches Feld. Dieses elektrische Feld nutzt eine zelluläre „Turbine“ (ATP-Synthase): Sie erlaubt es den Natrium-Ionen, entlang des elektrischen Felds zurück ins Zellinnere zu strömen und gewinnt dabei Energie in Form der zellulären Energiewährung ATP.

Der biochemische Nachweis und die bioenergetische Charakterisierung dieses ursprünglichen Rnf-Enzyms erklärt, wie erste Lebensformen die zentrale Energiewährung ATP erzeugt haben. Das Rnf-Enzym funktioniert offenbar so gut, dass es auch heute noch in vielen Bakterien und einigen Archaeen enthalten ist, auch in einigen pathogenen Bakterien, in denen die Rolle des Rnf-Enzyms noch vollkommen unklar ist. „Unsere Untersuchungen strahlen also weit über den Untersuchungsorganismus Thermotoga maritima hinaus und sind für die Physiologie der Bakterien äußerst wichtig“, erklärt Müller. Nun sei es wichtig zu verstehen, wie das Rnf-Enzym genau funktioniere und welche Rolle die einzelnen Teile hätten. „Da sind wir auf einem sehr guten Weg, da wir das Rnf-Enzym mittlerweile mit gentechnischen Verfahren selbst herstellen können“, freut sich Müller.


Publikation: Kuhns, M, Trifunovic, D., Huber, H., Müller, V. (2020). The Rnf complex is a Na+ coupled respiratory enzyme in a fermenting bacterium, Thermotoga maritima. Communications Biology, DOI 10.1038/s42003-020-01158-y https://www.nature.com/commsbio/

Ein Bild zum Download finden Sie unter folgendem Link: http://www.uni-frankfurt.de/90861461

Bildtext: Doktorand Dragan Trifunovic mit einer großen Flasche und einem kleinen Reagenzglas, die kultivierte Thermotoga maritima-Bakterien enthalten. (Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität Frankfurt)

Weitere Informationen:
Prof. Volker Müller
Molekulare Mikrobiologie und Bioenergetik
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: (069) 798-29507;
vmueller@bio.uni-frankfurt.de

 

Aug 5 2020
10:48

​Einziger deutschsprachiger Medienpreis für wissenschafts- und hochschulpolitischen Journalismus / Verlängerung der Ausschreibungsfrist bis 1. Oktober 2020

Goethe-Medienpreis: Fristverlängerung für Ausschreibungsrunde 2020

FRANKFURT. Der Goethe-Medienpreis geht 2020 in die siebte Ausschreibungsrunde. Vor 12 Jahren auf Initiative der Goethe-Universität und der FAZIT-Stiftung gegründet, ist er bis heute die einzige Auszeichnung im deutschsprachigen Raum, bei der ausschließlich die Arbeiten wissenschafts- und hochschulpolitisch tätiger Journalisten im Fokus stehen.

18 Preisträgerinnen und Preisträger wurde in dieser Zeit prämiert mit Preisgeldern in Höhe von insgesamt fast 45.000 Euro in den Kategorien Print, Online und Hörfunk – gestiftet von der FAZIT-Stiftung. Die Jury aus renommierten Fachleuten (s.u.) hatte in dieser Zeit die Qual der Wahl zwischen fast 300 Bewerbungen zumeist überregionaler Leitmedien. Damit hat sich der Goethe-Medienpreis als unabhängige Auszeichnung im breiten Feld der mehr als 300 deutschen Journalistenpreise etabliert.

Prämierte Themen der letzten Ausschreibungsrunde 2018 waren z.B. der Fall des Tübinger Hirnforschers Nikos Logothetis, der in das Visier radikaler Tierschützer geriet, die schwierige Situation kritischer Wissenschaftler in der Türkei sowie die Praxis dubioser Unternehmen, die mit wissenschaftlichen Scheinkonferenzen und Pseudomagazinen Geschäfte machen.

Bei aller Unterschiedlichkeit der Themen verbinden jedoch neben dem wissenschaftspolitischen Hintergrund zwei Kriterien alle diese Arbeiten und viele, die in die engere Wahl kamen: Qualität und Originalität.

Die Ausschreibungsrunde 2020 startete im Mai 2020 mit einer öffentlichen Ausschreibung in der „Deutschen Universitätszeitung“ sowie „Forschung & Lehre“. Aufgrund der insgesamt schwierigen Situation rund um die Corona-Pandemie wird die ursprünglich am 31.7. beendete Ausschreibungsfrist bis zum 1. Oktober 2020 verlängert!

Bewerberinnen oder Bewerber schicken bitte ihre formlose Bewerbung mit dem entsprechenden Beitrag zusammen mit einer maximal einseitigen Begründung, weshalb sie ihre Arbeit für preiswürdig halten, unter dem Stichwort „Goethe-Medienpreis“ an folgende Adresse: Goethe-Universität Frankfurt, Abteilung PR und Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main oder digital unter presse@uni-frankfurt.de.

Je Bewerber ist nur ein Beitrag zulässig. Im Falle einer thematisch orientierten Artikelserie eines Autoren-Teams wird der Preis auf die Mitglieder der Autorengruppe aufgeteilt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mitglieder der Jury:

    Prof. Dr. Bernhard Kempen (Präsident des Deutschen Hochschulverbandes)
    Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD))
    Werner D'Inka (Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung)
    Prof. Dr. Christian Floto (Abteilungsleiter Wissenschaft und Bildung, Deutschlandfunk),
    Dr. Martin Doerry (Leitender Redakteur, DER SPIEGEL)
    Dr. Wolfgang Heuser (Herausgeber Deutsche Universitätszeitung)
    Marco Finetti (Pressesprecher der Deutschen Forschungsgemeinschaft)
    Dr. Reinhard Grunwald †

Informationen: Dr. Olaf Kaltenborn, Leiter PR und Kommunikation,
Campus Westend, Tel: (069) 798-13035, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de,
http://goethe-medienpreis.uni-frankfurt.de/

 

Aug 4 2020
10:32

Children´s World Report 2020: Studie zum Wohlbefinden von Kindern in 35 Ländern 

„Wir müssen Kinder selbst befragen“

FRANKFURT. Geht es Dir gut – zu Hause, in der Schule, in Deinem Viertel? Machst Du Dir Sorgen, dass Deine Familie nicht genug Geld hat? Rund um den Erdball - von Neapel bis Norwegen, von Albanien bis Chile - wurden zwischen 2017 und 2019 acht- bis zwölfjährige Kinder zu ihrem Wohlbefinden befragt. Federführend bei der globalen Erhebung von 128.000 Kindern in 35 Ländern waren Wissenschaftler aus sechs Ländern, darunter die Sozialpädagogin Prof. Sabine Andresen von der Goethe-Universität. Nun wurden erste allgemeine Ergebnisse des „Children´s World Report 2020“ veröffentlicht.

„Wenn wir wissen wollen, wie es Kindern geht und wo sie Mangel leiden“, erklärt Andresen, „und wenn Politik ihnen auch helfen soll, müssen wir Kinder selbst befragen. Dass uns nun Antworten aus so vielen Ländern vorliegen, deren Lebensstandard und Kultur kaum unterschiedlicher sein könnten, ist einzigartig. Das gibt uns Daten für viele vertiefende Fragen an die Hand.“ Gibt es Erfahrungen, interessierte die Wissenschaftler zum Beispiel, die alle Kinder ähnlich beantworten?

Wo auch immer sie auf dem Erdball wohnen - Kinder beantworten die Frage nach ihrem Wohlbefinden grundsätzlich positiv. Dabei mag überraschen, dass die Länder Albanien, Rumänien, Kroatien und Griechenland in der Wertung der Kinder die Spitzenplätze einnehmen (Deutschland rangiert auf Platz 20, am unteren Ende liegen Malaysia, Hongkong und Vietnam). Die Wissenschaftler vermuten, dass Zufriedenheit und Lebensstandard nicht unbedingt aneinander gekoppelt sind.  

Noch ist es zu früh für Schlussfolgerungen, beginnen die Wissenschaftler erst, Antworten miteinander in Beziehung zu setzen. Ist es also Zufall, dass wiederum in Albanien, Indien und Griechenland Kinder überwiegend mit ihren Eltern zusammenleben? In Brasilien, Namibia und Südafrika sind es nur etwas mehr als die Hälfte. Dagegen machen sich Kinder in Malaysia, Brasilien, Namibia und Südafrika mehr Sorgen um die finanzielle Situation der Familie als etwa in Norwegen und Finnland. Und: Je jünger die Kinder sind, desto besorgter sind sie. Altersspezifische Unterschiede zwischen den befragten Acht-, Zehn- und Zwölfjährigen arbeitet auch die detaillierte Frage nach dem Wohlbefinden heraus: während die Zehn- bis Zwölfjährigen sich in Schule und Nachbarschaft weniger wohl fühlen, äußern die Achtjährigen ein Unbehagen zu Hause.

Sind Mädchen oder Jungs besser drauf? Je nach Herkunftsland liegen einmal die Jungen, ein anderes Mal die Mädchen im Wohlbefinden vorn. Eine Tendenz zeichnet sich allerdings in der globalen Ländererhebung ab: Acht- bis zwölfjährige Mädchen fühlen sich – anders als gleichaltrige Jungen – sicherer in der Schule als in ihrem Viertel. Und: Sie rechnen fest mit der Unterstützung ihrer Freundinnen.

Wenig Überraschungen bringt die Frage nach der digitalen Vernetzung zutage: Während in Norwegen, Deutschland und Estland fast alle Kinder angeben, über einen Internetanschluss zu verfügen, ist dies bei Kindern in Indonesien nur bei knapp der Hälfte der Fall. In Nepal liegt ihr Anteil bei 30 Prozent.

Kulturelle Unterschiede in der Erziehung und nicht finanzielle Gründe vermuten die Wissenschaftler allerdings bei unterschiedlichen Antworten zum Handygebrauch: In Frankreich und der Schweiz gibt nur die Hälfte der acht- bis zwölfjährigen Kinder an, über ein Handy zu verfügen (anders in Norwegen, Finnland und Kroatien, wo es 95 von hundert Kindern sind). Damit liegen Frankreich und Schweiz auf einer Linie mit Namibia.

„Wir müssen jetzt vertiefende Fragen an unsere Daten stellen“, so Sozialpädagogin Andresen. „Interessant ist doch, welche Erfahrungen Kinder aus Polen oder Rumänien machen, deren Eltern im europäischen Ausland arbeiten. Welche Unterschiede gibt es bei Kindern innerhalb eines Landes? Gibt es ein Armutserleben, das Kinder aus verschiedenen Ländern verbindet?“ Interessant sei auch, jüngere Kinder zu befragen und deren Antworten mit den vorliegenden Daten zu vergleichen.

Die repräsentative Befragung von Wissenschaftlern aus Bellville, Frankfurt, Girona, Jerusalem, Seoul und York wurde von der in Zürich ansässigen Jacobs Foundation gefördert. Die private Stiftung unterstützt Forschungsprojekte und wissenschaftliche Einrichtungen im Bereich der Kinder- und Jugendentwicklung.

Sabine Andresen ist seit 2011 an der Goethe-Universität Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung und Mitglied im IDeA (Individual Development and Adaptive Education)-Zentrum. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kindheits- und Familienforschung, Internationale Child Well-Being Forschung, Kinder- und Familienarmut, sexueller Kindesmissbrauch und seine Aufarbeitung (transitional justice) sowie Übergänge im Lebenslauf.

Informationen zum Children´s Worlds Report 2020:
Zusammenfassung: https://isciweb.org/wp-content/uploads/2020/07/Summary-Comparative-Report-2020.pdf
Studie: https://isciweb.org/childrens-worlds-comparative-report-2020/

Prof‘in. Dr. Sabine Andresen, E-Mail: S.Andresen@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 3 2020
13:32

Eisen-Transport-Protein wird in virus-infizierten Zellen hochreguliert

Transferrin spielt möglicherweise Rolle in schwerer COVID-19-Verlaufsform

FRANKFURT. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Goethe-Universität und des Universitätsklinikums Frankfurt sowie der britischen University of Kent haben herausgefunden, dass das Glykoprotein Transferrin womöglich ein Frühindikator für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung ist.

Warum einige Patienten nach einer SARS-CoV-2-Infektion kaum oder gar keine Symptome von COVID-19 entwickeln, während andere Patienten unter schweren bis lebensbedrohlichen Verläufen der Krankheit leiden, ist derzeit noch nicht bekannt. Man weiß jedoch, dass das Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs mit dem Alter steigt und Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Schwere Krankheitsverläufe gehen häufig mit einer höheren Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln und mit Thrombosen einher.

Das Wissenschaftsteam aus Frankfurt und Kent haben bestehende Genexpressionsdaten menschlicher Gewebe mit Daten verglichen, die aus SARS-CoV-2-infizierten, kultivierten Zellen gewonnen worden waren. Dabei suchten sie nach Molekülen, die an der Blutgerinnung beteiligt sind, deren Vorkommen sich bei Frauen und Männern unterscheidet und sich mit dem Alter verändert und die mit einer SARS-CoV-2-Infektion anders reguliert werden.

Aus mehr als 200 möglichen Kandidaten identifizierten die Forscherinnen und Forscher das Glykoprotein Transferrin. Der molekulare Eisen-Transporter ist ein Molekül, das die Blutgerinnung fördert. Seine Konzentration im Blut steigt mit dem Alter, sie ist bei Männern höher als bei Frauen und Transferrin wird in SARS-CoV-2-infizierten Zellen hochreguliert.

Daher könnte Transferrin ein Früh-Indikator sein für COVID-19-Patienten, denen ein schwerer Krankheitsverlauf droht.

Publikation: Katie-May McLaughlin, Marco Bechtel, Denisa Bojkova, Christian Münch, Sandra Ciesek, Mark N. Wass, Martin Michaelis, Jindrich Cinatl, Jr.: COVID-19-Related Coagulopathy - Is Transferrin a Missing Link? Diagnostics 2020, 10(8), 539; https://doi.org/10.3390/diagnostics10080539

Weitere Informationen:
Prof. Dr. rer. nat. Jindrich Cinatl
Institut für Medizinische Virologie
Universitätsklinikum Frankfurt
Tel.: +49 69 6301-6409
E-mail: cinatl@em.uni-frankfurt.de

 

Aug 3 2020
10:51

Der Politikwissenschaftler der Goethe-Universität gehört damit der renommierten internationalen Forschungsgemeinschaft auf Lebenszeit an

British Academy nimmt Rainer Forst als Auswärtiges Mitglied auf

FRANKFURT. Die „Fellows“ der mehr als hundertjährigen British Academy müssen aus Großbritannien stammen; die „Corresponding Fellows“ dagegen werden jedes Jahr aus weltweit anerkannten Wissenschaftlern ausgewählt und müssen sich, so die British Academy, in einem ihrer Forschungsfelder international besonders verdient gemacht haben. Nun ist der Frankfurter Politikwissenschaftler und Philosoph Prof. Rainer Forst von der British Academy zum „Corresponding Fellow“ ernannt worden. Der Professor an der Goethe-Universität ist einer von zwei deutschen unter 30 international anerkannten Wissenschaftlern, die damit dieses Jahr auf Lebenszeit mit der British Academy verbunden wurden.

„Ich freue mich sehr darüber, in diese ehrwürdige Akademie aufgenommen worden zu sein“, erklärt der politische Philosoph Rainer Forst. „Die Akademie versammelt eine beeindruckende internationale Forschungsgemeinschaft, in der ich viele Kolleg*innen treffe, mit denen ich in produktivem Austausch stehe.“

Maximal zwei Wissenschaftler sind es jedes Jahr, die die in Großbritannien führende Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften pro Forschungsdisziplin zu ihren Mitgliedern ernennt. Derzeit zählt die British Academy 1.141 Mitglieder, 368 Auswärtige Mitglieder und 43 Ehrenmitglieder. Diese forschen in 21 Forschungsgebieten und – darauf legt die Akademie besonderen Wert – finden dort auch ein Forum für gesellschaftliche Debatten. Erklärtes Ziel der Akademie ist, gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse auf politische Fragen zum gesellschaftlichen Wohlergehen anzuwenden.

An der Goethe-Universität wurden bislang der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas und der Rechtswissenschaftler Gunther Teubner als Auswärtige Mitglieder der British Academy ausgezeichnet.

Rainer Forst ist Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Co-Sprecher des Forschungsverbunds „Normative Ordnungen“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main. 2012 erhielt er den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen: „Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse“ (2011), „The Power of Tolerance“ (mit W. Brown, 2014), „Normativität und Macht“ (2015).


Bild zum Download finden Sie unter folgendem Link: http://www.uni-frankfurt.de/90326630 
 
Bildtext: Für seine wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet: Politikwissenschaftler Rainer Forst