​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Oktober 2020

 

Okt 29 2020
10:17

​Institut für Kernphysik nimmt an deutschlandweiter „Woche der Teilchenwelt“ vom 2. bis 8. November teil

Ab Jahrgangsstufe 10: Goethe-Universität veranstaltet Online-Masterclass zum ALICE-Experiment am CERN

Am 5. und 6. November können interessierte Schülerinnen und Schüler zusammen mit Wissenschaftlern des Instituts für Kernphysik der Goethe-Universität originale Experiment-Daten des ALICE-Experiments am Teilchenbeschleuniger CERN auswerten, die etwas über den Urknall verraten. Diese ALICE-Masterclass im Online-Format wird gemeinsam mit den Universitäten Münster und Heidelberg, der GSI Darmstadt und dem Netzwerk Teilchenwelt veranstaltet. Die „Woche der Teilchenwelt“ steht mit zahlreichen weiteren Online-Veranstaltungen allen Wissenschaftsinteressierten offen.
 
FRANKFURT. Wie entstand das Universum? Woraus bestehen wir? Was untersucht die „Weltmaschine“ am CERN? Solchen Fragen können Wissenschaftsinteressierte in der Woche der Teilchenwelt vom 2. bis 8. November 2020 nachgehen. In ganz Deutschland laden die Standorte von Netzwerk Teilchenwelt zum Streifzug durch die Forschung auf dem Gebiet der Teilchen- und Astroteilchenphysik ein. Während der Aktionswoche können Groß und Klein zahlreiche Veranstaltungen besuchen – darunter Formate vor Ort, etwa in Schulen, Museen, Kinos oder Sternwarten, aber auch online.
 
Das Institut für Kernphysik an der Goethe Universität ist in der Woche der Teilchenwelt mit einer „ALICE-Masterclass“ dabei. Für physikinteressierte Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe 10 bietet sich die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in die Teilchenphysik und das ALICE-Experiment am CERN zu erhalten.
 
Zusammen mit Forscherinnen und Forschern blicken die Schüler in die Geburtsstunde des Kosmos und erfahren mehr über die Grundbausteine der Materie. Außerdem werden sie zusammen mit den Forschenden Daten selbst auswerten. Der ALICE-Detektor wird sowohl in einer virtuellen Umgebung, als auch mit einer Live-Schaltung zum CERN gezeigt, damit die Schüler sich einen Eindruck zu dem Experiment machen können.
 
30 Wissenschaftsstandorte, darunter auch die Goethe Universität, haben sich 2010 zum Netzwerk Teilchenwelt zusammengeschlossen. Zum zehnten Geburtstag bündeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der beteiligten Forschungseinrichtungen besonders viele Veranstaltungen und stellen die ganze Bandbreite der Forschung vor - vom Higgs-Teilchen über Neutrinos bis zu Schwarzen Löchern und Supernovae als gigantischen Teilchenschleudern.
 
Im Netzwerk Teilchenwelt sind etwa 200 Forscherinnen und Forscher aktiv. Sie haben sich vorgenommen, vor allem Jugendliche und Lehrkräfte mit ihrer Begeisterung für Teilchenphysik anzustecken und sie für MINT-Fächer zu begeistern. Dazu bieten sie das ganze Jahr über Projekttage in Schulen, Schülerlaboren oder Museen an. Die Jugendlichen können als Teilchenphysikerinnen und Teilchenphysiker für einen Tag echte Daten vom CERN auswerten, Teilchen aus dem Weltall nachspüren oder mit Wissenschaftlern über die Entstehung und den Aufbau des Universums diskutieren. Workshops und Projektwochen für besonders interessierte Schülerinnen und Schüler finden am CERN in Genf sowie an Forschungseinrichtungen in Deutschland statt.
 
Die Woche der Teilchenwelt gehört zum Jubiläumsprogramm der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Die weltweit größte physikalische Fachgesellschaft ist Schirmherrin von Netzwerk Teilchenwelt und blickt in diesem Jahr auf ihr 175-jähriges Wirken zurück. Die Woche der Teilchenwelt wird unterstützt von der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung.
 
„Netzwerk Teilchenwelt“ wird im Rahmen des Projekts KONTAKT (Kommunikation, Nachwuchsgewinnung und Teilhabe der Allgemeinheit an Erkenntnissen auf dem Gebiet der kleinsten Teilchen) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Projektleitung ist an der TU Dresden.
 
ALICE-Masterclass: https://www.wochederteilchenwelt.de/event/alice-masterclasshome-teilchen-zuhause-erforschen/
 
Alle Veranstaltungen: www.wochederteilchenwelt.de
 
Kontakt
Goethe-Universität Frankfurt
Marcus Mikorski
Koordinator für den deutschen ALICE-Forschungsschwerpunkt bei CERN
Tel. 069 798-47099
marcus.mikorski@cern.ch
 
Netzwerk Teilchenwelt
Dr. Uta Bilow
Tel. 0351 463-32956
mail@teilchenwelt.de
www.teilchenwelt.de

 

Okt 28 2020
11:34

Online-Podiumsdiskussion mit den Spitzenfrauen des hessischen Wissenschaftssystems

Geschlechtergerechte Hochschule – Gestaltungsmacht in weiblichen Spitzenpositionen?

FRANKFURT. Mentoring Hessen lädt zu einer Online-Podiumsdiskussion mit den Spitzenfrauen des hessischen Wissenschaftssystems. Mit dabei sind Wissenschaftsministerin Angela Dorn, die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt Prof. Dr. Birgitta Wolff, die Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt Prof. Dr. Tanja Brühl und die Präsidentin der Philipps-Universität Marburg Prof. Dr. Katharina Krause. Die Veranstaltung findet am 5.11.2020 um 18.30 Uhr über das Portal Zoom statt.
 
Geschlechtergerechtigkeit meint den gleichen Zugang zu Führungs- und Leitungspositionen und damit zu Machtpositionen. Es meint aber auch die Etablierung einer geschlechtergerechten Wissenschafts- und Organisationskultur überhaupt. Angela Dorn, hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst sagt dazu: "Frauen sind in den Spitzenpositionen der Wissenschaft angekommen, aber es gibt noch immer viel zu tun. Vor allem in den MINT-Fächern sind sie leider noch immer unterrepräsentiert - bei den Studienanfängerinnen, den Abschlüssen, den Promotionen und den Habilitationen. Wir können es uns nicht leisten, auf talentierte Frauen zu verzichten. Es geht also um die Erhöhung der Attraktivität des Wissenschaftssektors für Frauen, um die Nachwuchsprobleme für Forschung und Wirtschaft zu lösen. Das ist auch eine der Strategien, die wir mit dem Hessischen Hochschulpakt verfolgen: Wir haben mit den Hochschulen vereinbart, dass sie den Anteil von Frauen insbesondere auf Professuren erhöhen. Dafür schaffen sie auch deutlich stärkere finanzielle Anreize als bisher. Dazu beitragen sollen Konzepte wie chancengerechtes Karrieremanagement, Gleichstellungsbüros und Programme für mehr Familienfreundlichkeit."
 
Und auch Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, sieht Handlungsbedarf: „Ich bin davon überzeugt, dass nur durch sichtbare weibliche Vorbilder in Spitzenfunktionen der Wissenschaft und der Hochschulleitungen ein langfristiger kultureller Wandel zur geschlechtergerechten Hochschule des 21. Jahrhunderts gelingen kann. An der Goethe-Universität setze ich mich daher mit Nachdruck für strukturelle und personenbezogene Maßnahmen ein. Wir sind auf einem guten Weg, dennoch bedarf es der Analyse fachspezifischer Barrieren sowie der Entwicklung von Strategien und Instrumenten zur Rekrutierung von Frauen für Spitzenfunktionen. Vom Mentoring Hessen Netzwerktreffen und dem Austausch mit meinen Kolleginnen verspreche ich mir neue, wertvolle Impulse.“
 
Der spannenden Frage welche Gestaltungsmacht für einen kulturellen Wandel Frauen in Spitzenpositionen besitzen, wird mit den drei hessischen Universitätspräsidentinnen und der Ministerin für Wissenschaft und Kunst nachgegangen. Im Rahmen der Veranstaltung wird es Raum für Fragen und Diskussionsbeiträge der Teilnehmer*innen geben.
 
Veranstaltet wird die Podiumsdiskussion von Mentoring Hessen, einem Verbundprojekt der hessischen Hochschulen zur Karriereförderung von Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft.
 
Gäste können sich mit einer E-Mail an info@mentoringhessen.de anmelden. Auch Vertreter*innen der Medien sind ausdrücklich eingeladen, die Veranstaltung zu besuchen und darüber zu berichten; es wird um Akkreditierung gebeten: diehl@mentoringhessen.de
 
Die Veranstaltungsdetails in der Übersicht:
 
Moderierte Online-Podiumsdiskussion „Geschlechtergerechte Hochschule – Gestaltungsmacht in weiblichen Spitzenpositionen?“ Donnerstag, 5.11.2020, 18.30-20.30 Uhr
 
Podiumsgäste:
Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn
Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Birgitta Wolff
Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt, Prof. Dr. Tanja Brühl
Präsidentin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Katharina Krause
Eine vorherige Anmeldung an info@mentoringhessen ist notwendig; Gäste erhalten dann die Zugangsdaten zur Veranstaltung. Alle Details auf www.mentoringhessen.de.

 

Okt 27 2020
14:50

Programmstart am 2. November – Anmeldungen sind noch möglich 

Universität des 3. Lebensalters: auch im digitalen Modus mit vielseitigem Semesterprogramm

FRANKFURT. Es geht wieder los! Die Universität des 3. Lebensalters (U3L) hat die Erfahrungen aus dem digitalen Sommersemester 2020 und die Zeit der Semesterferien genutzt, um die Online-Lehre zu verbessern und das Programmangebot weiter auszubauen. Die Dozent*innen freuen sich darauf, ihre Pläne umzusetzen. Die Vorlesungszeit im zweiten digitalen Semester der U3L beginnt am 2. November. Anmeldungen sind noch bis zum 13. November möglich. Die Universität des 3. Lebensalters ist eine Bildungsinstitution an der Goethe-Universität. Angesprochen sind insbesondere ältere Erwachsene, die sich in Seminaren, Vorlesungen und Arbeitsgruppen innerhalb eines akademischen Rahmens mit Fragen der Wissenschaft und Bildung auseinandersetzen und an der eigenen Weiterbildung arbeiten wollen. Alle Interessierten, unabhängig von Alter und Vorbildung, sind willkommen.

Trotz aller Einschränkungen durch die Corona-Pandemie behält die U3L ihr breites Bildungsangebot bei. Bei Kursen in Echtzeit sitzen die Teilnehmenden zeitgleich vor den Computern an den Orten ihrer Wahl und treffen sich virtuell in Videokonferenzen. Bei asynchronen Kursen können die Kursmaterialien zu einer beliebigen Zeit abgerufen werden. Beide Formen finden Sie im Programm der U3L.

Raum und Zeit – so lautet das Semesterthema, das in vielen Veranstaltungen aufgegriffen wird. Dabei geht es beispielsweise um das „goldene Zeitalter“ im Altertum, aber auch um ganz aktuelle Fragen, wie z.B. Wege zu einer nachhaltigen Gesellschaft oder zur Zukunft moderner Gesellschaften. Die Antworten der Wissenschaft sind spannend und bieten reichlich Stoff für Diskussionen. Wie im vergangenen Semester erprobt werden konnte, bietet auch das Online-Medium ausreichend Möglichkeiten, sich zu beteiligen oder Fragen zu stellen, so dass der Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden nicht zu kurz kommt. Auch die sehr beliebte Vortragsreihe mit Berliner Kunsthistoriker*innen wird ab 13. November mit fünf Vorträgen zum Thema „Kunst und Natur“ fortgesetzt. In einem Querschnitt durch die Jahrhunderte wird diesem Verhältnis nachgespürt. Im zweiten Teil der Reihe ab Januar wird es um den Rückbezug der Moderne auf die alten Meister der Bild- und Baukunst gehen. Hat die moderne Architektur noch etwas mit der Antike zu tun? Und wie hat beispielsweise Botticelli einen Nährboden für die Moderne bereitet?

Die meisten, die im vergangenen Semester dabei waren, sind bereits wieder angemeldet, aber es gibt auch viele Erstsemester. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass die technischen Hürden gar nicht so hoch sind und dass die U3L Hilfestellung dabei bietet, die Kenntnisse im Umgang mit den neuen Medien auszubauen. Ein großer Vorteil ist zudem: Bei den im Internet angebotenen Vorlesungen und Seminaren spielen weder Mobilität, Entfernungen noch Platzprobleme eine Rolle.

Auch wenn das Format der Veranstaltungen neu ist und die Art der Kommunikation ein wenig anders als gewohnt, die U3L bleibt ihrer Linie treu, ein vielseitiges, spannendes und anregendes Semester zu gestalten. Das Studienprogramm kann ganz nach Interesse individuell zusammengestellt werden. Die Teilnahmegebühr für das Wintersemester beträgt 110 Euro. Ein Vorlesungsverzeichnis kann in elektronischer Form auf der Homepage heruntergeladen werden.

Weitere Informationen
Alles Wissenswerte findet sich auf der Website: www.u3l.uni-frankfurt.de und kann über u3l@em.uni-frankfurt.de erfragt werden.
Telefonische Sprechzeiten: Mo-Do 9.30-12.30 Uhr, Mi 13.30-16 Uhr und n.V., Tel. (069) 798-28861. 

 

Okt 23 2020
13:13

​Soziologieprofessor der Goethe-Universität wird Bundesregierung bei Fragen der nachhaltigen, biobasierten Wirtschaft beraten.

Thomas Lemke in den Bioökonomierat berufen

FRANKFURT. Prof. Dr. Thomas Lemke, Soziologe an der Goethe-Universität, ist in den neuen Bioökonomierat berufen wurden. Er wird für den Zeitraum von drei Jahren als Mitglied des Gremiums die Bundesregierung bei der Neuorientierung der Wirtschaft hin zu einer wissensbasierten Bioökonomie beraten. „Ich freue mich sehr auf die vor mir liegende Aufgabe und möchte durch meine soziologische Expertise zu einer Verbreiterung der öffentlichen Debatte bioökonomischer Fragen beitragen“, betont Thomas Lemke.

2020 hatte die Bundesregierung unter der gemeinsamen Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Nationale Bioökonomiestrategie verabschiedet. Zu den Aufgaben des neu aufgestellten Bioökonomierates zählen unter anderem die Erarbeitung von Empfehlungen und Stellungnahmen sowie die Förderung der öffentlichen Debatten zur Bioökonomie. Die konstituierende Sitzung des neuen Bioökonomierates soll im November stattfinden.

Thomas Lemke hat Politikwissenschaften, Soziologie und Rechtswissenschaften in Frankfurt, Southampton und Paris studiert. Er promovierte am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität, die Habilitation erfolgte am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal. Seit 2008 ist er Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt „Biotechnologie, Natur und Gesellschaft“ am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Von 2014 bis 2020 war er zudem Honorarprofessor an der University of New South Wales in Sydney. 2018 erhielt er einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats für das Forschungsprojekt CRYOSOCIETIES. Lemke ist unter anderem Mitherausgeber der Zeitschrift „Distinktion. Journal of Social Theory“, der Zeitschrift „New Genetics and Society“ und der Buchreihe „Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialpsychologie“.
 

Ein Foto von Thomas Lemke steht zum Download bereit unter http://www.uni-frankfurt.de/93474485
Foto: Merielli Mafra

 

Okt 23 2020
11:45

​Frankfurter Film – und Medienwissenschaftler untersuchen die neue Medienwelt der Pandemie

Von Drohnen, Dating-Apps und Trumps COVID-Strategie

Seit dem Ausbruch der aktuellen Pandemie ist unser Alltag digitaler und medialer als je zuvor. Was liegt da näher, als Medienwissenschaftlerinnen und Medienwissenschaftler zu befragen, wie wir diese „neue“ Welt verstehen können? Eine Publikation des Graduiertenkollegs „Konfigurationen des Films“ wirft erste Schlaglichter auf künftige Forschungsfragen.
 
FRANKFURT. Für Film- und Medienwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler ist die Pandemie eine besondere Herausforderung. Denn die Pandemie ändert derzeit nicht nur deren Arbeitssituation, sondern auch deren Forschungsgegenstand: die Medien selbst. „Die Medien müssen sich den neuen Formen von Arbeit, Güterzirkulation, Politik und Kultur anpassen und ermöglichen diese zugleich auch“, erklärt Laliv Melamed, Post-Doc-Forscherin im Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ die doppelte Perspektive ihres Fachs auf die Folgen der Pandemie. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Philipp Keidl hat sie federführend an der Publikation „Pandemic Media“ mitgewirkt.
 
„'Pandemic Media' ist ein Versuch, den Herausforderungen der Pandemie in einer ersten Annäherung mit schlaglichtartigen Reflexionen über aktuelle und künftige Forschungsfragen der Medienwissenschaft zu begegnen“, sagt Professor Vinzenz Hediger, Sprecher des Graduiertenkollegs und Mitherausgeber der Publikation. Entsprechend trägt die Publikation auch den Untertitel „Preliminary Notes Towards an Inventory“: „Erste Notizen zu einem möglichen Verzeichnis“.
 
Wie beeinflusst also die neue Medienwelt der Pandemie die Medien? Die Publikation versammelt 37 Beiträge aus dem wissenschaftlichen Netzwerk des Graduiertenkollegs. Und dieses ist nahezu weltumspannend: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen u.a. an Universitäten in New York, Stanford, Toronto oder Seattle, in Oxford oder London, in Lagos, Utrecht, Frankfurt oder Paris. Die Vielfalt der Orte spiegelt sich in der Vielfalt der Perspektiven: Die Texte widmen sich nun häufig zu sehenden Drohnen-Bildern, der Ästhetik der Zoom-Video-Konferenz, den Dating-Apps und Trumps Fernsehstrategie gegen COVID, den Visualisierungen des Virus oder etwa der Entwicklung und Umsetzung der COVID-Tracing-App in Deutschland.
 
Der Umschlag des Bandes greift das aktuelle Werk des französischen Magnum-Photographen Antoine D'Agata auf: Dieser hat seit Beginn der Pandemie Pariser Straßenszenen und Vorgänge in Krankenhäusern der französischen Hauptstadt mit einer wärmempfindlichen Kamera festgehalten. D'Agatas Arbeiten - im Oktober in der Brownstone Foundation in Paris zu sehen - widmet sich auch ein Beitrag des Bandes.
 
Innovativ ist auch das open access-Publikationsverfahren, mit dem die Publikation in außergewöhnlich kurzer Zeit zustande kam: Die Herausgeber organisierten einen zeitlich hoch verdichteten „double blind peer review“-Prozess, in dem alle Beiträge innerhalb weniger Wochen mehrfach wissenschaftliche Überarbeitungsschritte durchliefen. Der Sprecher des Kollegs und Professor Antonio Somaini von der Université Paris-3, der mit der Goethe-Universität auch im Rahmen des International Master Cinema Studies (IMACS, www.imacsite.net) zusammenarbeitet, agiert als Mitherausgeber.
 
Die Texte erscheinen am 27. Oktober 2020 in der Reihe „Configurations of film“ des meson press-Verlags. Die gesamte Publikation ist zugänglich über: https://meson.press/books/pandemic-media/, zunächst im html-Format, später dann als PDFs zum Herunterladen. Bis Weihnachten soll das Buch auch als Band in gedruckter Fassung vorliegen.
 
Meson press ist ein innovativer Verlag, der sich auf open access-Publikationen zur digitalen Medienkultur spezialisiert hat. „Aus Verlagssicht ist ,Pandemic Media' ein hochspannendes Projekt“, kommentiert Verlagsleiter Andreas Kirchner die Zusammenarbeit. „Es passt nicht nur inhaltlich perfekt in das programmatische Profil von meson press, sondern eröffnet uns auch die Möglichkeit, mit zukunftsweisenden Publikationsformaten zu experimentieren.“
 
Das Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ untersucht seit 2017 die digitale Transformation der Filmkultur; in diesem Sommer hat es seine zweite Kohorte von 12 Doktorandinnen und Doktoranden aufgenommen.
 
 
Publikation: „Pandemic Media. Preliminary Notes Towards an Inventory“, hrsg. von Vinzenz Hediger, Philipp Keidl, Laliv Melamed und Antonio Somaini
 
Bild zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93471401
 
Bildtext: Die Temperatur der Pandemie: Dem Buchcover liegt ein Foto des Magnum-Fotografen Antoine D'Agata zugrunde, der seit April mit einer wärmeempfindlichen Kamera Pariser Straßenszenen und Vorgänge in Krankenhäusern dokumentiert (Foto: Cover (c) meson press/Mathias Bär/Antoine D'Agata)
 
 
Weitere Informationen
 
Dr. Philipp Keidl
Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“
keidl@em.uni-frankfurt.de
 
Dr. Laliv Melamed,
Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“
melamed@tfm.uni-frankfurt.de
 
Prof. Dr. Vinzenz Hediger
Sprecher des Graduiertenkollegs „Konfigurationen des Films“
hediger@tfm.uni-frankfurt.de

 

Okt 23 2020
09:47

Die virtuelle Lehre gelingt besser als erwartet, ist aber kein Ersatz für Campusleben. Im neuen UniReport sprechen Lehrende und Mediendidaktiker über Chancen und Herausforderungen der Online-Lehre und über die Zukunft der Präsenzuniversität.

Universität blickt auf das „Hybridsemester“

FRANKFURT. Die sich wieder verschärfende Pandemie-Lage lässt kaum Spielraum für Veranstaltungen in Präsenz. Lehrende und Mediendidaktiker möchten langfristig nicht auf einen Lehrbetrieb face-to-face verzichten, plädieren aber – Stichwort digital unterstützte Präsenzuniversität – auch dafür, die Möglichkeiten virtueller Lehre nach Maßgabe der Lernziele intensiv zu nutzen. Viele digitale Tools, unterstreichen einige von ihnen im UniReport, können sogar im Präsenzunterricht für mehr Interaktion und Feedback sorgen.

Eine Online-Befragung von Lehrenden und Studierenden zum Sommersemester 2020 hat unter anderem ergeben, dass ein Großteil beider Zielgruppen mit der virtuellen Lehre zufrieden ist. Über die Hälfte der Studierenden beklagt jedoch auch, dass der persönliche Kontakt zu den Kommiliton*innen gefehlt habe. Die Befragung ist Bestandteil des Evaluationskonzepts für das Sommersemester, im November wird es eine zweite Befragung mit dem Schwerpunkt Prüfungen geben. Ziel ist es, Erkenntnisse und Hinweise für die künftige Weiterentwicklung von Studium und Lehre zu erhalten.
 
Am 21. Oktober wurde das Jüdische Museum in Frankfurt nach fünf Jahren Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten wiedereröffnet. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Museums, zugleich auch Honorarprofessorin an der Goethe-Universität, spricht im UniReport unter anderem über den aktuellen Antisemitismus. Bewegungen wie QAnon tradierten judenfeindliche Vorstellungen des Mittelalters. Der wachsende Antisemitismus sei aber nicht nur auf einen Rechtsextremismus zurückzuführen, sondern auch ein „Symptom gesellschaftlicher Umbrüche“, sagt Wenzel im UniReport. Die „Judenfeindschaft“ sei nie ganz verschwunden gewesen. Wenzel betont: „Aufgrund der historischen Erfahrung müssen wir uns als Jüdisches Museum für Demokratie und Diversitätssensibilität einsetzen – und machen damit in der gegenwärtigen Situation eine politische Aussage, die die Relevanz unserer Museumsarbeit unterstreicht.“
 
Weitere Themen im aktuellen UniReport:
 
- Wie geht es den Promovierenden der Goethe-Universität? Die Längsschnittstudie NACAPS untersucht Karriereverläufe von Doktorand*innen.
-  Zwischen Botschaften im Notbetrieb, Visahandel und Quarantänepflicht: Viele Studienbewerber müssen um ihr Auslandsstudium an der Goethe-Universität bangen.
- Das Sinnliche im Analytischen: Die Lyrikerin Monika Rinck übernimmt im Wintersemester die Poetikdozentur an der Goethe-Universität.
- Die Abgründe des Niedlichen: Die Ausstellung „#cute – Inseln der Glückseligkeit?“ beleuchtet ein schillerndes Phänomen der Gegenwart in Kunst und Alltag.
- Homeoffice verschärft Ungleichheit: Die Soziologin Prof. Sarah Speck über die Folgen der Corona-Krise für die Arbeitswelt aus geschlechtersoziologischer Sicht.
- Mikroskopie für Fortgeschrittene sucht exzellenten Nachwuchs: Graduiertenkolleg bringt Lebenswissenschaften, Physik und Informatik näher.
- Goethe, Deine Forscher: Prof. Cornelius Krellner, Leiter des Kristall- und Materiallabors des Fachbereichs Physik.
- „Inklusion erfordert multiprofessionelle Perspektiven“: Prof. Vera Moser besetzt die neue „Kathrin und Stefan-Quandt-Stiftungsprofessur für Inklusionsforschung“.
- „Trump ist kein typischer Populist“: Der Politikwissenschaftler Prof. Hans-Jürgen Puhle forscht zu historischen und aktuellen Erscheinungsformen von Populismen.
- „Ein Bruch zwischen den USA und Europa hätte gravierende Auswirkungen“: Fragen an den Politikwissenschaftler Prof. Gunther Hellmann zur Bad Homburg Conference 2020 im Forschungskolleg Humanwissenschaften.
- Literarische Landschaften: Kulisse oder Teil des menschlichen Dramas? Prof. Bernhard Malkmus von der Universität Newcastle ist Humboldt-Fellow an der Goethe-Universität.
- Die afrikanische Perspektive sichtbar machen: Die Frankfurter Afrikanistik engagiert sich am Maria Sibylla Merian Institute in Ghana.
- Jugendliteratur in Zeiten von Umbrüchen und Krisen: Die Schweizer Literaturwissenschaftlerin Dr. Manuela Kalbermatten arbeitet seit April am Institut für Jugendbuchforschung.
- Kaffee für Individualisten: Das Start-up „STIL BRUCH“ bietet Freunden der hochwertigen Bohne spezielle Geschmacksrichtungen, die nachhaltig produziert werden.
 
Der UniReport 5/2020 steht zum kostenlosen Download bereit unter https://www.unireport.info/aktuelle-ausgabe.

 

Okt 22 2020
11:38

Wirtschaftswissenschaftler wollen mit ihrem Gutachten zur Versachlichung der Debatte infolge des Wirecard-Skandals beitragen

Prüfverfahren der BaFin grundsätzlich gebilligt

Ist das bisherige Bilanzprüfverfahren den Aufgaben gewachsen? Dazu haben die Wirtschaftswissenschaftler Hans-Joachim Böcking (Goethe-Universität) und Marius Gros (Hochschule Niederrhein) im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Gutachten erstellt.

FRANKFURT. Das zweistufige Enforcementsystem („Bilanzkontrolle“) ist 2005 installiert worden, vorausgegangen waren mehrere Bilanzskandale: Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), ein privatrechtlicher Verein, prüft die vorgelegten Konzernbilanzen als erstes. Die BaFin tritt regelmäßig nur dann als zweite Instanz auf, wenn das Unternehmen nicht kooperationsbereit ist oder die von der DPR beanstandeten Fehler abstreitet.

Dieses System kann durchaus auch im Falle eines Betrugsverdachts funktionieren, dies entspräche der vom Gesetzgeber intendierten Aufgabenverteilung zwischen privater und staatlicher Stelle. Denn die eigenständig und unabhängig von der BaFin agierende Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) sei mit ausreichenden Kompetenzen ausgestattet, auch vertrauliche Informationen anzufordern sowie ggf. die Staatsanwaltschaft einzuschalten, meinen Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking und Prof. Dr. Marius Gros. Auch die finanzielle Ausstattung der DPR sei genügend, um bei Bedarf zusätzliche externe Prüfer hinzuziehen. Daher seien die derzeitigen Möglichkeiten der BaFin begrenzt, ein Verfahren an sich zu ziehen. Verbesserungswürdig sei das Verfahren hinsichtlich seiner Transparenz auf der ersten Stufe.

Beauftragt wurden die beiden Wissenschaftler von der BaFin. Hintergrund waren die Vorwürfe gegen die Behörde, sie hätte die Bilanzprüfung bei Wirecard in Anbetracht der Betrugsvorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister früher übernehmen müssen, um Schaden abzuwenden. Um die Diskussion zur Reform der Bilanzkontrolle und die Rolle von BaFin und DPR im Rahmen des „Fall Wirecard“ zu versachlichen, haben Böcking und Gros die BaFin gebeten, das Gutachten veröffentlichen zu dürfen.

Das „Gutachten zur Prüfung der Rechtsauffassung der BaFin, dass die DPR nach § 342b Abs. 4 HGB auch dann auf erster Stufe prüfen muss und kann, wenn mögliche Betrugshandlungen (einschließlich möglicher Betrugshandlungen durch das Management) im Raum stehen“ sowie eine gekürzte Zusammenfassung und einen Onepager können Sie unter den folgenden Links herunterladen:
https://www.accounting.uni-frankfurt.de/index.php?id=5827 


Ein Bild von Prof. Hans-Joachim Böcking zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/93435517

Bildunterschrift: Hans-Joachim Böcking hat an der Goethe-Universität die Professur für BWL, insb. Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance, inne. (Foto: Uwe Dettmar).

Weitere Informationen
Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking
Professur für BWL, insb. Wirtschaftsprüfung und Corporate Governance
Abteilung für Rechnungswesen
Goethe-Universität
Telefon 069 798-34749
E-Mail hj.boecking@wiwi.uni-frankfurt.de
http://www.accounting.uni-frankfurt.de/professoren/professur-boecking/startseite.html

 

Okt 22 2020
11:11

​Frankfurter Althistoriker folgt Martin Schulze Wessel an der Spitze des renommierten Instituts

Hartmut Leppin übernimmt Vorsitz am Historischen Kolleg

FRANKFURT. Prof. Dr. Hartmut Leppin, Althistoriker an der Goethe-Universität, ist vom Kuratorium des Historischen Kollegs zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt worden. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Leppin folgt in diesem Amt auf Prof. Dr. Martin Schulze Wessel, der satzungsgemäß nach zehn Jahren aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Das Historische Kolleg wurde 1980 vom Stiftungsfonds der Deutschen Bank und vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gegründet und hat seinen Sitz in München. Träger ist die Stiftung zur Förderung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Historischen Kollegs. Die Grundausstattung wird seit dem Jahr 2000 vom Freistaat Bayern finanziert, für die Forschungsstipendien werden private Zuwendung eingesetzt. Die Fellowships des Historischen Kollegs erlauben es Forscherinnen und Forschern, ungestört an großen Buchprojekten zu arbeiten. Das Historische Kolleg verleiht für herausragende Historikerinnen und Historiker den Preis des Historischen Kollegs. Zudem ist der Internationale Forschungspreis der Max Weber Stiftung am Institut angesiedelt. „Es ist eine große Ehre, dieses traditionsreiche Institute for Advanced Study zu leiten. Meine wichtigste Aufgabe wird sein, die Freiräume zu bewahren, die Internationalität voranzutreiben und das Kolleg als einen Ort hoher wissenschaftlicher Produktivität und anspruchsvollen wissenschaftlichen Austauschs sichtbar zu machen“, sagt Leppin.

Hartmut Leppin, Jahrgang 1963, hat in Marburg, Heidelberg und Pavia Geschichte, Latein, Griechisch und Erziehungswissenschaften studiert. 1990 wurde er in Marburg promoviert, 1995 folgte die Habilitation an der Freien Universität Berlin. Seit 2001 lehrt Leppin als Professor an der Goethe-Universität Alte Geschichte. Mehrere Rufe an andere Universitäten schlug er aus. Für 2015 wurde ihm der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis zugesprochen, 2019 erhielt er für seine Forschungen zur „Polyphonie des frühen Christentums“ den Erwin-Stein-Preis. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt ist die Spätantike und dabei besonders die Christianisierungsprozesse.
 

Ein Bild von Prof. Leppin finden Sie zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/93435465

Weitere Informationen
Prof. Dr. Hartmut Leppin
h.leppin@em.uni-frankfurt.de

 

Okt 22 2020
10:36

​Internationale virtuelle Konferenz an der Goethe-Universität befasst sich mit dem Verhältnis von Sprache und Architektur

Architecture_Metaphor

Die internationale Konferenz mit dem Titel „Architecture_Metaphor“ betrachtet aus unterschiedlichen Perspektiven das Zusammenspiel zwischen Architektur und Metaphorik.
 

FRANKFURT. Sowohl der allgemeine Sprachgebrauch als auch die unterschiedlichsten Fachsprachen greifen vielfach auf architektonische Metaphern zurück. Die meisten Menschen nehmen es jedoch allenfalls beiläufig wahr, wenn von „Softwarearchitekten“, „Gedankengebäuden“, „Säulen der Gesellschaft“ oder „Gehirnarchitektur“ die Rede ist oder davon gesprochen wird, dass jemand eine Fassade vor sich herträgt. Andererseits sind Metaphern auch in der Architektur und Urbanistik vorzufinden, wo sie für die Entwicklung von Entwurfskonzepten herangezogen werden oder für die Kommunikation über die Besonderheiten bestimmter Entwürfe: Da wird von „kristallinen Gebäuden“ gesprochen, vom „Gewebe einer Stadt“ oder – wie von dem bekannten Architekten Le Corbusier – von Häusern als „Wohnmaschinen“.
 
Die internationale Konferenz „Architecture_Metaphor“
 
von 5. bis 7. November
auf der Online-Plattform Zoom

 
wird das Zusammenspiel zwischen Architektur und Metaphern aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Welche Relevanz Metaphern in und für die Wissensproduktion in den Bereichen Architektur und Urbanistik haben und wie sie sich sowohl auf die Entwurfspraxis als auch auf theoretische Diskurse auswirken, darüber sprechen und diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, Afrika, Asien, den USA und Lateinamerika. Dabei interessieren Metaphern als produktive Mediatoren in Prozessen des Wissenstransfers zwischen architektonischen und alltäglichen Wissensbeständen, genauso wie zwischen Architektur und anderen professionellen Diskursen. Metaphern können helfen, die Bedeutung von Architektur in gesellschaftlichen Ordnungsprozessen näher zu beleuchten. Die Tagung findet in englischer Sprach statt.
 
Organisiert wird die Konferenz von dem interdisziplinären LOEWE-Schwerpunkt „Architekturen des Ordnens“, einem Gemeinschaftsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt, sowie dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte und dem Deutschen Architekturmuseum als assoziierte Partner.
 
 
Weitere Informationen:
architecture.metaphor@gmail.com
Programm und Registrierung unter https://www.architecture-metaphor.org/

 

Okt 21 2020
14:44

​Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie zeichnet Biochemiker Christian Münch von der Goethe-Universität aus

Wissenschaftspreis für Erforschung von Zellstress

Für seine Forschungsarbeiten zu den Stressantworten von Zellen wurde jetzt Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II der Goethe-Universität mit dem diesjährigen Binder Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie ausgezeichnet. Mit neuen, selbst entwickelten Verfahren beobachten Christian Münch und sein Team, wie Zellen auf Stress reagieren, etwa auf die Infektion mit SARS-CoV-2-Viren oder auf Fehlfaltung von Proteinen, die in neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer vorkommt. Der Preis wird am 10. November bei einer Online-Veranstaltung der Gesellschaft verliehen.

FRANKFURT. Wenn das SARS-CoV-2-Virus eine menschliche Zelle infiziert, setzt diese verschiedene Abwehrmechanismen in Gang. Gleichzeitig beginnt das Virus, die Zelle auf die Herstellung neuer Virenpartikel hin umzuprogrammieren und dafür zu sorgen, dass die Abwehr der Zelle unterlaufen werden kann. Der Biochemiker Dr. Christian Münch hat zur Beobachtung solch schneller und komplexer Prozesse eine besondere Form der Massenspektrometrie entwickelt, die so genannte mePROD-Methode. Mit ihr lässt sich die Menge und Herstellungsrate von tausenden Proteinen bestimmen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zelle befinden.

Im Fall von SARS-CoV-2 konnten so potenzielle Angriffspunkte für Wirkstoffe entdeckt werden, die in der Zellkultur auf verschiedenen Wegen die Virusvermehrung reduzierten oder stoppten, darunter 2-Deoxy-D-Glukose, Ribavirin, Sorafenib, Pictilisib, Omipalisib und RO5126766. Mehrere dieser und verwandter Wirkstoffe werden mittlerweile in klinischen Studien getestet.

In weiteren Forschungsarbeiten befassen sich Christian Münch und sein Team mit neurodegenerativen Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer. In den Nervenzellen solcher Patienten sind Proteinfaltungsprozesse gestört, was zu Fehlfunktionen und schließlich zum Absterben der Zellen führt. Münchs Forschungen untersuchen die Zellantwort auf diesen Stress, insbesondere hinsichtlich veränderter Proteinherstellungsraten und der Auswirkungen auf Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle.

Der Binder Innovationspreis wird seit 1998 jährlich von der Deutschen Gesellschaft für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Zellbiologie verliehen und ist mit 4.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der Binder GmbH gestiftet, einem weltweit aktiven Spezialisten für Simulationsschränke für wissenschaftliche und industrielle Labore.

Dr. Christian Münch studierte Biochemie an der Universität Tübingen und den Max-Planck-Instituten in Martinsried und Tübingen. Er promovierte an der University of Cambridge über defekte Proteinfaltung bei der amyotrophen Lateralsklerose. Danach untersuchte er als Postdoc an der Harvard Medical School die Auswirkungen falsch gefalteter Proteine in Mitochondrien. Seit 2016 arbeitet er als unabhängiger Gruppenleiter im Institut für Biochemie II der Goethe-Universität Frankfurt.


Jüngste Forschungsmeldungen über Dr. Christian Münchs Arbeiten:

Detaillierter Einblick in die gestresste Zelle
https://www.muk.uni-frankfurt.de/83972844/Detaillierter_Einblick_in_die_gestresste_Zelle

Blockade zellulärer Kommunikation stoppt SARS-CoV-2

https://www.muk.uni-frankfurt.de/91312082/Blockade_zellul%C3%A4rer_Kommunikation_stoppt_SARS_CoV_2

Frankfurter Forscher entdecken Ansatzpunkte für COVID-19-Therapie

https://www.muk.uni-frankfurt.de/88372211/Frankfurter_Forscher_entdecken_Ansatzpunkte_f%C3%BCr_COVID_19_Therapie

 
Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93374838

Bildtext:
Dr. Christian Münch, Institut für Biochemie, Goethe-Universität Frankfurt. Foto: Uwe Dettmar für Goethe-Universität

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Christian Münch
Leiter der Forschergruppe Münch
Institut für Biochemie II, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tel: +49 (0) 69 6301 6599,
ch.muench@em.uni-frankfurt.de
http://pqc.biochem2.de

 

Okt 21 2020
13:59

​Interdisziplinäres Zentrum ICIR an der Goethe-Universität wird bis 2025 weiter gefördert

Rückenstärkung für Versicherungsforschung

FRANKFURT. Die Goethe-Universität wird als Zentrum der Versicherungsforschung weiter gestärkt: Das International Center for Insurance Regulation (ICIR), das seit 2010 als interdisziplinäres Zentrum der Goethe-Universität im House of Finance tätig ist, kann seine Arbeit fortsetzen. Die Geldgeber, der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft und das Land Hessen, haben Fördermittel für weitere fünf Jahre zugesagt.

Was wird aus unserer Altersvorsorge angesichts des demographischen Wandels? Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Versicherungsbereich und dessen Regulierung aus? Mit solchen Fragen wird sich das ICIR in den nächsten fünf Jahren weiter beschäftigen. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 steht es für international sichtbare Forschung im Bereich Versicherung und Versicherungsregulierung. Hier wird Grundlagenforschung im Zusammenspiel der beteiligten Disziplinen betrieben, aber auch angewandte Forschung und Politikberatung. Ein wichtiger Teilbereich der ICIR-Forschung ist dabei die wissenschaftliche Begleitung der Versicherungsregulierung „Solvency II“, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit der in Frankfurt ansässigen europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA.

Durch exzellente Lehre im Themenbereich Versicherung und Regulierung in BA- und MA-Programmen werden Nachwuchskräfte für Regulierungs- und Aufsichtsbehörden sowie die Versicherungswirtschaft ausgebildet. Das ICIR fördert zudem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der frühen Berufsphase und setzt sich für den Austausch zwischen Wissenschaft, Regulierungs- und Aufsichtsbehörden, der Versicherungswirtschaft und der Gesellschaft ein – nicht zuletzt mit Hilfe von internationalen Veranstaltungsformaten wie jüngst dem „Digital Policy Forum“ oder der großen internationalen Konferenz zu „Global Insurance Supervision“.

Statements zum ICIR

Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität: „Das ICIR ist ein zentraler Zweig interdisziplinärer Forschung im House of Finance der Goethe-Universität. Durch die Forschung am ICIR und die Vernetzung mit den Regulierungsbehörden und der Praxis werden drängende aktuelle Fragestellungen des Versicherungswesens und der Regulierung schnell und effizient in Angriff genommen.“

Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst: „Der Finanzplatz Frankfurt ist ein wichtiges Zentrum der europäischen Finanzwelt: Hier sitzen Organisationen wie die Europäische Zentralbank oder die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung EIOPA, die die Finanzmärkte regulieren und beaufsichtigen. Wir als Hessische Landesregierung setzen uns dafür ein, diese Institutionen mit den wissenschaftlichen Einrichtungen Frankfurts zu vernetzen. Das ‚International Center for Insurance Regulation' bereichert mit internationaler Spitzenforschung die Regulierungsdebatte – auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes: Angesichts zunehmender Unwetterereignisse wird auch der Klimawandel zum bestimmenden Thema. Das ICIR bringt sich ein, wie Geschäftsmodelle der Versicherungsbranche im Sinne der Nachhaltigkeit weiterentwickelt und zukunftsfester gemacht werden können.“

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV): „Die Förderung der versicherungswissenschaftlichen Forschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses ist den deutschen Versicherern sehr wichtig. Wir leben in einer zunehmend komplexen Welt, in der die Versicherungswirtschaft im Austausch mit der Wissenschaft einen wesentlichen Beitrag zum Umgang mit den neuen Risiken leisten kann. Angesichts zahlreicher Herausforderungen wie der Nachhaltigkeit, der Cybersicherheit, oder der zahlreichen Gefahren für die Finanzstabilität braucht es Grundlagenforschung mit einem klaren Praxisbezug. Hier sehen wir das ICIR weiterhin sehr gut aufgestellt.“

Prof. Dr. Wolfram Wrabetz, Beauftragter der Hessischen Landesregierung für den Versicherungsbereich: „Die wissenschaftliche Begleitung des Versicherungsaufsichts-Regimes Solvency II durch das in der EU einmalige ICIR, dessen Fortbestand jetzt für die nächsten Jahre gesichert werden konnte, ist für Millionen von Versicherten in ganz Europa von großer unmittelbarer Bedeutung und unterstreicht die finanzwissenschaftliche Kompetenz der Goethe-Universität Frankfurt am Sitz der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA.“

Prof. Dr. Helmut Gründl, Managing Director ICIR: „Ich freue mich sehr auf die kommenden fünf Jahre im ICIR. Durch unsere Forschung und den internationalen Austausch wollen wir weiterhin wichtige Themenfelder wie aktuell den Einfluss der Covid-19-Krise auf die Versicherungswirtschaft bearbeiten und nachhaltige Lösungsvorschläge unterbreiten. Den Förderern des ICIR danke ich ganz herzlich für ihr Vertrauen in unsere Arbeit.“

Prof. Dr. Klaus Günther, Dekan des Fachbereichs 01 – Rechtswissenschaft: „Der Fachbereich Rechtswissenschaft freut sich, das ICIR für den wichtigen Bereich des Rechtsrahmens der Versicherungsregulierung, gefördert durch eine halbe Doktorandenstelle, auch zukünftig zu unterstützen.“

Prof. Dr. Raimond Maurer, Fachbereich 02 – Wirtschaftswissenschaften: „Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und ich persönlich freuen uns sehr darüber, dass die erfolgreiche Arbeit des International Center for Insurance Regulation ICIR auch in den kommenden fünf Jahren fortgeführt werden kann. Am Standort der europäischen Versicherungsaufsichtsbehörde EIOPA wird das ICIR die Fortentwicklung der europäischen Versicherungsregulierung weiterhin wissenschaftlich fundiert begleiten. Ich danke den Sponsoren ganz herzlich für das Vertrauen, das sie mit der Weiterfinanzierung des ICIR der Goethe-Universität entgegenbringen.“


Informationen: Prof. Dr. Helmut Gründl, Managing Director International Center for Insurance Regulation, Fachbereich 02, House of Finance, Telefon +49 69 798 33690, E-Mail gruendl@finance.uni-frankfurt.de

 

Okt 20 2020
13:07

Überwiegend digitale Veranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Region

Frankfurter Bürger-Universität startet mit neuem Programm ins Wintersemester

Die Goethe-Universität gibt Impulse an die Menschen in der Stadt. Die Bürgerinnen und Bürger wiederum besuchen die Universität. Diese Idee eines Dialogs zwischen Universität und Stadt ist in Pandemiezeiten schwer umzusetzen. Und dennoch: Die Frankfurter Bürger-Universität bietet für das Wintersemester ein – überwiegend digitales – Programm an.  

FRANKFURT. Sie ist noch etwas schmal, aber sie ist wieder da: die Bürger-Universität, also Veranstaltungen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für Bürgerinnen und Bürger der Stadt und Region anbieten. Nach einem Semester pandemiebedingt „ohne“ ist sie ein Zeichen dafür, dass die Universität wieder vorsichtig in die Öffentlichkeit zurückkehrt und mit den Bürgerinnen und Bürgern Kontakt aufnimmt.

Vieles geht unter Pandemiebedingungen nicht – und manches geht eben doch. So kann sich das teils prominent besetzte Programm des Wintersemesters sehen lassen. Es spannt einen weiten Bogen von der Gestaltungsmacht in weiblichen Spitzenpositionen zu Perspektiven der Sozialdemokratie, vom Theater und der Krise der Demokratie bis hin zur Poetikvorlesung Monika Rincks, von naturwissenschaftlichen Fragen an das Anthropozän bis zu Campusführungen (in Präsenz!) und Ausstellungen wie etwa im Museum Giersch. Angeboten werden Ringvorlesungen etwa zur deutschen Literaturgeschichte, zur „Intersektionalität“ im feministischen Diskurs und zur „Erblast Mission“ für das Christentum oder Kolloquien zu Ethik und Ethiken im Nationalsozialismus.

Manche Veranstaltungen knüpfen unmittelbar an die gegenwärtige Situation an: Sie fragen etwa, wie wichtig mathematische Modelle für das Verständnis von Viren und Epidemien sind. Andere greifen nicht weniger dringliche Fragen unserer Gesellschaft auf: Sie stellen sozial-ökologische Überlegungen zum „Planet Plastik“ an, fragen nach der Machtverschiebung durch Algorithmen und Künstliche Intelligenz, welches Theater die Stadt braucht und wie bedeutend eine Konfliktkultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.

Die meisten Veranstaltungen sind digital geplant, etwa per Zoom und Youtube, oder sie finden parallel mit einer stark beschränkten Präsenz bei gleichzeitig digitalem Zugang statt. Unter den gegebenen Pandemiebedingungen sind zudem Programmänderungen möglich. Interessierte sollten sich deshalb vorab unter den jeweiligen Kontaktadressen informieren: Findet die Veranstaltung wie geplant statt, und in welcher Weise ist eine Teilnahme möglich?

Das Programm der Frankfurter Bürger-Universität liegt an einschlägigen Stellen in der Stadt aus und ist auf der Webseite der Universität einsehbar unter: https://www.buerger.uni-frankfurt.de/93061156.pdf

Informationen: Abteilung PR & Kommunikation, Pia Barth, Tel. 069/798-12481, p.barth@em.uni-frankfurt.de.

 

Okt 19 2020
15:53

Vortragsreihe am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität zur Zukunft der linken Volksparteien 

Was ist los mit der europäischen Sozialdemokratie?

FRANKFURT/BAD HOMBURG. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität setzt seine Reihe „Perspektiven der Sozialdemokratie in Europa“ fort mit einem Vortrag der Frankfurter Politologin Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher. Sie spricht

am Mittwoch, 21. Oktober, um 19 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg

über das Thema „Warum nicht alle SPD wählen (obwohl sie es könnten). Wählerentwicklung und soziale Bindungskraft der Sozialdemokratie seit 1949“.

Sigrid Roßteutscher ist Professorin für Soziologie und Politikwissenschaft am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Als Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung, als Projektleiterin der Studie „German Longitudinal Election Study“ (GLES) und in ihren Publikationen befasst sie sich seit vielen Jahren insbesondere mit dem Wahlverhalten in Deutschland und Europa.

In ganz Europa verlieren die sozialdemokratischen und die demokratischen

sozialistischen Parteien seit einigen Jahren dramatisch an Wählergunst. Zugleich erzielen neue politische Bewegungen, häufig rechtspopulistische Parteien, große

Stimmengewinne. Dieses Phänomen hat in den unterschiedlichen Ländern sehr unterschiedliche historische, kulturelle, gesellschaftliche und politische Ursachen, aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Die Vortragsreihe analysiert aus einer vergleichenden Perspektive die Gründe für diese Entwicklung und wirft die Frage auf, ob insbesondere das transnationale Zusammenwirken innerhalb der Europäischen Union für die Sozialdemokratie eine Chance bietet, zu einer neuen Rolle und Stärke zu gelangen. Die Frage könnte sich auch den anderen demokratischen Parteien und Bewegungen in Europa über kurz oder lang mit Vehemenz stellen.

Die Reihe, die im Juli mit einem Vortrag von Franz Voves gestartet wurde, ehemals Landeshauptmann der Steiermark und Landesvorsitzender der SPÖ Steiermark, wird wissenschaftlich geleitet von Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften und Philosophieprofessor an der Goethe-Universität, Prof. Dr. Pierre Monnet, Leiter des Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (IFRA) und Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität, sowie Prof. Dr. Hans-Jürgen Puhle, Emeritus der Politikwissenschaft an der Goethe-Universität.

Die Termine

21.10.2020
Sigrid Roßteutscher, Goethe-Universität
„Warum nicht alle SPD wählen (obwohl sie es könnten).
Wählerentwicklung und soziale Bindungskraft der Sozialdemokratie seit 1949“

04.11.2020
Hans-Jürgen Puhle, Goethe-Universität
„Was kommt nach den ‚Volksparteien'?
Zum Strukturwandel von Parteien, Öffentlichkeit und Demokratie“

25.11.2020
Wolfgang Schroeder, Universität Kassel und WZB
„Was ist noch übrig von der alten SPD?
Eine Post-Arbeiterpartei sucht ihren Platz im Parteienwettbewerb“

16.12.2020
Wolfgang Merkel, Humboldt-Universität zu Berlin und WZB, Berlin
„Varieties of Decline: Ende der Sozialdemokratie?“

20.01.2021
Gérard Grunberg, Sciences Po und CNRS, Paris
„Der Zusammenbruch des französischen Sozialismus:
strukturelle und konjunkturelle Ursachen“ (in französischer Sprache mit deutscher Zusammenfassung)

Die Vorträge finden jeweils mittwochs um 19 Uhr statt. Eine Fortsetzung der Reihe ist geplant.

Anmeldung: Die üblichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden bei unseren Veranstaltungen beachtet: Maske, Abstand, Belüftung der Räume. Außerdem ist die Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung per Email (anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de ) und gegen Vorlage einer Teilnahmebestätigung möglich. Ihre Anmeldung kann nur berücksichtig werden, wenn Sie Ihre vollständige Adresse mit Telefonnummer angeben.

Informationen:
Beate Sutterlüty
b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de
Telefon 06172 13977-0
www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

 

Okt 19 2020
14:29

Die Universität widmet ihren Stiftertag dem Stifterehepaar Karin und Carlo Giersch 

Goethe-Universität ehrt die Stiftung Giersch

FRANKFURT. Stiftungstag ist Ehrentag: Am 18. Oktober, dem Tag, an dem die Stiftungsuniversität Frankfurt gegründet wurde, ehrt sie ihre Stifterinnen und Stifter. In diesem Jahr sollen Ehrensenatorin Karin Giersch und Ehrensenator Carlo Giersch gebührend gefeiert werden – für das langjährige Engagement ihrer Stiftung Giersch für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie die Förderung medizinischer Projekte. Mit Rücksicht auf die zugespitzte Pandemiesituation wurde die Veranstaltung nun kurzfristig abgesagt; sie wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Geehrt aber wird schon jetzt: Die Universität verdankt der Stiftung Giersch eine breit aufgefächerte, langfristige, nachhaltige und großzügige Förderung. „Vom Schulkind bis zum ausgewiesenen Wissenschaftler“, hat Prof. h.c. Carlo Giersch einmal das knapp formuliert, was dem Stifterpaar ein Anliegen ist: schon bei jungen Menschen, etwa durch das Schülerlabor Physik, Interesse an der Wissenschaft zu wecken und deren wissenschaftliche Ausbildung zu fördern. Mehr als 700 Mal hat die Stiftung Giersch Deutschlandstipendien für Studierende vergeben – gemeinsam an der Goethe-Universität, der TU Darmstadt und der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Idee der „generationsübergreifenden Förderkette“ setzt die Stiftung weiterhin um mit Stipendien für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, zahlreichen Preisen und Stiftungsprofessuren.

Die Stiftung Giersch stemmt aber auch langfristige Bauprojekte für die Goethe-Universität: Im Giersch Science Center hat das naturwissenschaftlich-interdisziplinäre Frankfurt Institute for Advanced Studies eine Heimat gefunden. Das privat finanzierte Museum Giersch erhielt die Goethe-Universität für 30 Jahre zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2014. Und die Villa Giersch dient der Goethe-Universität nach ihrer Schenkung als Gästehaus.

Auch am Universitätsklinikum setzt sich die Stiftung ein: Sie fördert etwa Kunsttherapie für krebskranke Patienten und Angehörige am Centrum für Tumorerkrankungen.

Inzwischen hat die Stiftung Giersch die Goethe-Universität mit einem deutlich zweistelligen Millionenbetrag gefördert und gehört so zu den bedeutendsten Förderern der Goethe-Universität.

„Die Auszeichnung der Goethe-Universität wissen wir in besonderem Maße zu schätzen“, erklärt Carlo Giersch. „Schon seit der Gründung unserer ersten Stiftung 1990 ist uns die Wissenschaftsförderung ein besonderes Anliegen. Mit unseren Stiftungen möchten wir junge Talente auf ihrem Weg unterstützen. Wir glauben daran, dass unsere Stiftungsarbeit eine lohnenswerte Investition in die Zukunft ist.“

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Birgitta Wolff äußert dazu: „Was uns neben der immensen Großzügigkeit von Karin und Carlo Giersch immer wieder beeindruckt und auch bewegt, ist ihr Interesse an den Menschen, die sie fördern. Sie wollen ihre Gesichter sehen und ihre Geschichten hören. Es ist auch dieses persönliche Interesse, das unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besonders motiviert und uns als Universität einen Impuls für die Weiterentwicklung von Forschungsexzellenz gibt.“

Das Vermögen der Stifter stammt zu großen Teilen aus dem Verkauf von Spoerle Electronics im Jahr 2000. Den international operierenden Konzern hatte das Paar, als Gärtnersohn und Metzgerstochter aus einfachen Verhältnissen kommend, über Jahrzehnte aufgebaut.


Bilder zum Download: http://www.uni-frankfurt.de/93254824

Bildtext: „Wir möchten junge Talente auf ihrem Weg unterstützen“: das Stifterehepaar Karin und Carlo Giersch (Foto: Uwe Dettmar, Goethe-Universität Frankfurt)

 

Okt 16 2020
14:00

​Ringvorlesung an der Goethe-Uni befasst sich mit „interdisziplinären Perspektiven auf gegenwärtige Herausforderungen“

Erblast Mission?

FRANKFURT. Unter dem Titel „Erblast ‚Mission'? Interdisziplinäre Perspektiven auf gegenwärtige Herausforderungen“ befasst sich eine Ringvorlesung an der Goethe-Universität mit der Geschichte und den Folgen der Missionstätigkeit europäischer Christen in fernen Ländern. Den Auftakt macht am

Dienstag, 20. Oktober, 18 Uhr c.t.
im Hörsaal 3 im Hörsaalzentrum (Campus Westend)

Prof. Dr. Thomas Söding von der Ruhr-Universität Bochum. Der Neutestamentler spricht über das Thema „Mitgift Mission. Die Dynamik des Anfangs und die Dialektik der Glaubenskommunikation“.

Mission war in allen Epochen der Christentumsgeschichte ein zentraler Auftrag, der mit den neutestamentlichen Schriften legitimiert wurde: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ heißt es im Markus-Evangelium (Mk 16,15). Zahlreiche religiöse Gemeinschaften und Orden verschrieben sich ganz der Missionstätigkeit in fernen Ländern. Jedoch weist die Geschichte der Mission zahlreiche Veränderungen und Missbräuche auf, die nicht selten zu Deformationen der christlichen Glaubensverkündigung führten: Aus der Frohbotschaft wurde eine Drohbotschaft; die Freiheit eines Christenmenschen wurde durch Zwang eingeschränkt; anstatt der Nächstenliebe herrschte nicht selten das Gebot der Intoleranz und Macht. Die Verwobenheit von Politik, wirtschaftlichen Interessen und missionarischem Tun verkehrten die Botschaft des Evangeliums häufig zu deren Gegenteil.

Mit Blick auf diese ambivalente Geschichte stellt sich die Frage, ob die Mission der Kirchen und damit vor allem das Wirken der Missionsorden und -gemeinschaften nicht eine Erblast für die eigentliche Botschaft des Christentums im 21. Jahrhundert darstellt, von der man sich notwendigerweise befreien muss. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Geschichts- und Rechtswissenschaft, Soziologie, Kulturanthropologie und Theologie gehen diesen Fragen in einer Ringvorlesung im Wintersemester 2020/2021 an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main nach. In ihren Vorträgen hinterfragen sie diese These, suchen nach Beispielen für diese „Erblast“, erläutern deren Schwere und benennen die Herausforderungen für Wissenschaft, Gesellschaft und Kirche in Gegenwart und Zukunft.

Wer nicht persönlich auf dem Campus anwesend sein kann oder will, kann die Ringvorlesung auch über YOUTUBE live verfolgen oder auf dem Kanal „Kirchengeschichte FB 07 GU Frankfurt“ als Aufzeichnung nachschauen: https://www.youtube.com/channel/UCo_50NZJvbjFuToHJ2jltAA.

Im Sommer werden die Vorträge in der Reihe „Klosterwelten. Religiöses Leben seit der Frühen Neuzeit“ im Aschendorff Verlag publiziert.

 
Die Termine

20. Oktober 2020
Prof. Dr. Thomas Söding, Bochum
Mitgift Mission. Die Dynamik des Anfangs und die Dialektik der Glaubenskommunikation

03. November 2020
Prof.'in Dr. Manuela Boatca, Freiburg
Barbaren ohne Glauben und Völker ohne Religion: Die Konstruktion religiöser Andersheiten zwischen Kolonialität und Imperialität

17. November 2020
Prof. Dr. Michael Droege, Tübingen
Mission und die Religionsverfassung der Deutschen Kolonien

01. Dezember 2020
Prof. Dr. Dr. Wolfgang Reinhard, Freiburg
Mission im Wandel

15. Dezember 2020
Prof.'in Dr. Simone Rappel, München
„Es ist vorteilhaft für sie, unterworfen zu werden.“
Friedensethische Herausforderungen nach der Kolonialzeit



12. Januar 2021
Prof.'in Dr. Karoline Noack, Bonn
Alles kolonial? Ethnologische Provenienzforschung in Sammlungen aus Lateinamerika in Museen und universitären Sammlungen

26. Januar 2021
PD Dr. Richard Hölzl, Göttingen
Propaganda und Wahrheit“ – oder: wie missionarische Medienarbeit die europäische Sicht auf die Welt geformt und verformt hat

09. Februar 2021
Prof.'in Dr. Margit Eckholt, Osnabrück
Von „Kontaktzonen“ und „dritten Räumen“: Mission in befreiungstheologischen und dekolonialen Perspektiven neu denken

Alle Vorträge finden um 18 Uhr c.t. in Hörsaal 3 im Hörsaalzentrum am Campus Westend statt.


Weitere Informationen:
Paula Paschke
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Professur für Kirchengeschichte
paschke@stud.uni-frankfurt.de


Das Plakat zum Download: https://www.uni-frankfurt.de/92873373.pdf

 

Okt 16 2020
13:43

​Projekt „ReScript“ an der Goethe-Universität bietet spezielle Psychotherapie für Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind

Innere Bilder sollen Traumafolgen abmildern

Menschen auf der Flucht sind oft vielfach traumatisiert. An der Goethe-Universität wird eine neue Therapiemethode erprobt. Sie setzt auf die Kraft innerer Bilder.
 
FRANKFURT. Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind, haben oftmals traumatische Erfahrungen gemacht. Albträume, immer wiederkehrendes inneres Durchleben des Traumas, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schreckhaftigkeit, Angst und andere intensiv negative Gefühle können die Folge sein. Dies sind Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), für die Betroffenen sind sie mit hohem Leidensdruck verbunden.
 
Viele geflüchtete Menschen benötigen daher dringend psychotherapeutische Hilfe, wegen hoher Barrieren bleibt diese jedoch oft aus. Ein Projekt, das an der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität angesiedelt ist, soll den Betroffenen neue Perspektiven geben: Unter dem Namen „Brief Imagery Rescripting for Posttraumatic Stress Disorder in Refugees“ (ReScript) erforscht ein Team unter der Leitung von Apl. Prof. Dr. Regina Steil (Frankfurt), Prof. Thomas Ehring (München) und Prof. Nexhmedin Morina (Münster) die Möglichkeiten einer innovativen Behandlungsform für traumatisierte geflüchtete Menschen. Bei dieser Methode wird die Kraft von inneren Vorstellungsbildern genutzt, die die Patientinnen und Patienten mit Unterstützung der Therapeutin entwickeln, um die Belastung durch die schlimmen Erinnerungen zu senken. Auch die Universität Marburg ist beteiligt (Dr. Cornelia Weise, Dr. Dr. Ricarda Nater-Mewes). Der Erfolg dieses Behandlungsansatzes konnte bereits mehrfach nachgewiesen werden. Die Behandlung wird von den Krankenkassen finanziert und findet ambulant mit insgesamt zehn Terminen à 100 Minuten statt. Bei Bedarf wird sie dolmetschergestützt durchgeführt.
 
Insgesamt sollen 90 Betroffene in Frankfurt, Marburg, Münster und München in das Projekt aufgenommen werden. Sie werden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhält die neue Behandlungsform, die andere Gruppe wird bei der Suche nach Angeboten der Regelversorgung unterstützt. Auf diese Weise erhoffen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitere Gewissheit über die Wirksamkeit der neuen Behandlung zu erhalten.
 
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme „Forschungsverbünde zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen“ mit rund 1,03 Millionen Euro gefördert. (https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/forschungsverbunde-zur-psychischen-gesundheit-gefluchteter-menschen-8798.php)
 
Im Rahmen des Forschungsprojekts werden in Frankfurt ab sofort Therapieplätze für Menschen ab 18 Jahren, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet und an einer Traumafolgestörung leiden, angeboten.
 
 
Kontakt für Patientinnen und Patienten:
Julia Reuter, M.Sc. Psych.
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Goethe-Universität
Telefon: 069 798 25374
E-Mail: rescript@zpt-gu.de
 
Weitere Informationen:
 
Dr. Franziska Lechner-Meichsner, Dipl.-Psych.
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Goethe-Universität
Telefon: 069 798 23909 (dienstags und donnerstags)
E-Mail: meichsner@psych.uni-frankfurt.de

 

Okt 16 2020
10:06

Physiker aus Frankfurt, Hamburg und Berlin verfolgen Ausbreitung von Licht im Wasserstoff-Molekül

Zepto-Sekunden: Neuer Weltrekord in Kurzzeit-Messung

Im weltweiten Wettlauf um die Messung der kürzesten Zeitspanne liegen jetzt Physikerinnen und Physiker der Goethe-Universität Frankfurt vorn. Zusammen mit Kollegen des Beschleunigerzentrums DESY in Hamburg und des Fritz-Haber-Instituts in Berlin haben sie erstmals einen Vorgang vermessen, der im Bereich von Zeptosekunden liegt: die Ausbreitung von Licht innerhalb eines Moleküls. Eine Zeptosekunde ist ein Billionstel einer Milliardstel Sekunde (10-21 Sekunden).

FRANKFURT. Für die Vermessung der Geschwindigkeit, in der Moleküle schwingen, erhielt der ägyptische Chemiker Ahmed Zewail 1999 den Nobelpreis. Mithilfe von ultrakurzen Laserblitzen begründete er die Femtochemie: Wenn sich chemische Bindungen bilden und zerbrechen, geschieht das im Bereich von Femtosekunden. Eine Femtosekunde entspricht 0,000000000000001 Sekunden oder 10-15 Sekunden.

Atomphysiker der Goethe-Universität um Prof. Reinhard Dörner haben jetzt erstmals einen Vorgang untersucht, der noch um Größenordnungen kürzer ist als Femtosekunden: Sie vermaßen, wie lange es dauert, bis ein Lichtteilchen (Photon) ein Wasserstoffmolekül durchquert hat, nämlich etwa 247 Zeptosekunden bei der durchschnittlichen Bindungslänge des Moleküls. Dies ist die kürzeste Zeitspanne, die bisher gemessen werden konnte.

Die Zeitmessung nahmen die Wissenschaftler an Wasserstoff-Molekülen (H2) vor, die sie mit Röntgenlicht der Röntgenstrahlungsquelle PETRA III am Hamburger Beschleunigerzentrum DESY bestrahlten. Die Energie der Röntgenstrahlen stellten die Forscher so ein, dass ein Photon genügte, um beide Elektronen kurz hintereinander aus dem Wasserstoff-Molekül herauszuschlagen.

Elektronen verhalten sich gleichzeitig wie Teilchen und Wellen, und so entstanden beim Herausschlagen des ersten Elektrons kurz hintereinander erst bei dem einen und dann bei dem zweiten Atom des Wasserstoffmoleküle Elektronenwellen, die sich überlagerten.

Dabei wirkte das Photon wie ein flacher Kieselstein, den man zweimal über das Wasser hüpfen lässt: Die Wellen der ersten und zweiten Wasserberührung löschen sich gegenseitig aus, wo ein Wellental auf einen Wellenberg trifft: Es entsteht ein sogenanntes Interferenzmuster.

Das Interferenzmuster des ersten herausgeschlagenen Elektrons vermaßen die Wissenschaftler mit dem COLTRIMS-Reaktionsmikroskop, das Dörner mitentwickelt hat und das ultraschnelle Reaktionsprozesse von Atomen und Molekülen sichtbar machen kann. Gleichzeitig mit dem Interferenzmuster konnte mit dem COLTRIMS-Reaktionsmikroskop bestimmt werden, in welcher Orientierung sich das Wasserstoff-Molekül befunden hatte. Hier machten es sich die Forscher zunutze, dass das zweite Elektron ebenfalls das Wasserstoffmolekül verließ und so die verbliebenen Wasserstoffkerne auseinanderflogen und detektiert werden konnten.

„Da wir die räumliche Orientierung des Wasserstoffmoleküls kannten, konnten wir aus der Interferenz der beiden Elektronenwellen sehr genau errechnen, wann das Photon das erste und wann es das zweite Wasserstoffatom erreicht hatte“, erklärt Sven Grundmann, auf dessen Doktorarbeit der wissenschaftliche Aufsatz in Science beruht. „Und das sind bis zu 247 Zeptosekunden, je nachdem, wie weit die beiden Atome im Molekül gerade aus Sicht des Lichts voneinander entfernt waren.“

Prof. Reinhard Dörner erläutert: „Was wir jetzt erstmals beobachten konnten ist, dass die Elektronenhülle in einem Molekül nicht überall gleichzeitig auf Licht reagiert. Die Zeitverzögerung kommt dadurch zustande, dass sich die Information im Moleküle eben nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Damit haben wir unsere COLTRIMS-Technologie um eine weitere Anwendung erweitert.“


Publikation: Sven Grundmann, Daniel Trabert, Kilian Fehre, Nico Strenger, Andreas Pier, Leon Kaiser, Max Kircher, Miriam Weller, Sebastian Eckart, Lothar Ph. H. Schmidt, Florian Trinter, Till Jahnke, Markus S. Schöffler, Reinhard Dörner: Zeptosecond Birth Time Delay in Molecular Photoionization. Science https://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.abb9318

Bilder zum Download finden Sie unter folgendem Link: http://www.uni-frankfurt.de/93157222

Bildtext: Schematische Darstellung der Zeptosekunden Messung. Das Photon (gelb, von links kommend) erzeugt aus der Elektronenwolke (grau) des Wasserstoffmoleküls (rot: Atomkerne) heraus Elektronenwellen, die interferieren (Interferenzmuster: violett-weiß). Das Interferenzmuster ist ein wenig nach rechts verzerrt, woraus sich ausrechnen lässt, wie lange das Photon von einem Atom zum anderen benötigt hat. (Bild: Sven Grundmann, Goethe-Universität Frankfurt)

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Reinhard Dörner
Institut für Kernphysik
Tel. +49 (0)69 798 47003
doerner@atom.uni-frankfurt.de
https://www.atom.uni-frankfurt.de/

 

Okt 15 2020
10:21

GO-Bio-initial-Unterstützung für Nachwuchsforscher

Entwicklung neuartiger Impfstoffe: Gründerteam der Goethe-Universität erhält Förderung des Bundes

Mithilfe des Trägerstoffs Dodecin wollen zwei junge Chemiker der Goethe-Universität hoch wirksame Impfstoffe entwickeln. Für die Entwicklung ihrer Idee zu einem Produkt erhalten die Nachwuchswissenschaftler Fördergelder aus dem GO Bio initial Programm des Bundesforschungsministeriums.

FRANKFURT. Die Entwicklung von Impfstoffen gilt als eine der größten Errungenschaften moderner Medizin, auf der aktuell die größten Hoffnungen im weltweiten Kampf gegen die Covid-19-Pandemie ruhen – so wie einst bei der Bekämpfung von Polio, Pocken oder Masern. Krankheiten, die nur dank der Entwicklung wirksamer Impfstoffe heute keine signifikante Bedrohung mehr darstellen.

Dem Gründerteam aus der Goethe-Universität, Dr. Alexander Rittner und Florian Bourdeaux, ist es nun gelungen, Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) einzuwerben, um im Rahmen des GO-Bio initial Programms neuartige Impfstoffe für den Markt zu entwickeln. Im Fokus ihres Projekts EpiXII steht das Protein Dodecin, das als Antigen-Träger für Vakzine genutzt werden soll. Unterstützt wird das Gründerteam hierbei von der Wissenstransfergesellschaft der Goethe-Universität, Innovectis, sowie dem Gründungszentrum Unibator.

Klassische Vakzine basieren auf toten oder abgeschwächten (attenuierten) Pathogenen, die im Körper eine Immunantwort provozieren und damit vor späteren Infektionen mit dem echten Pathogen schützen. Neue Impfstofftypen, wie zum Beispiel die Peptid-Vakzine, verwenden nur noch einzelne Proteine oder gar Proteinfragmente eines Pathogens für die Impfung. Dadurch sind sie sehr sicher und können auch in ganz anderen Anwendungsbereichen genutzt werden, etwa in der Allergie- oder der Krebstherapie. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie die Information über das Pathogen in den Körper des Geimpften gelangen kann und eine spezifische Immunantwort ausgelöst wird.

Hier setzen Rittner und Bourdeaux an: Sie wollen mit Dodecin als Antigen-Träger neue Impfstoffe entwickeln, die flächendeckend angewendet werden können. Hierbei soll die Kopplung der spezifischen Peptidsequenzen an das Trägerprotein Dodecin zu sehr hoher Immunogenität führen und dabei zusätzlich die Herstellungs- und Lagerkosten drastisch senken. Dodecin-Träger sollen als innovative Plattform für hochwirksame klinische Impfstoffe etabliert werden. Weitere Anwendungsgebiete finden sich in der Tierzucht, um dort eine nachhaltige und kostengünstige Alternative zum Einsatz von Antibiotika zu schaffen.

Nun geht das Gründerteam erste Schritte aus der Wissenschaft in die Welt der Unternehmer, um Dodecinimpfstoffe auf den Markt zu bringen. Im Unibator erhalten sie die Möglichkeit, an ihrem Businessmodell zu arbeiten und sich ein Netzwerk aus möglichen Kooperationspartnern und Investoren aufzubauen. Mit den bewilligten Fördermitteln werden die rechtlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmensgründung gestaltet, um die Technologie schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen.


Publikation: Bourdeaux, F.; Kopp, Y.; Lautenschläger, J.; Gößner, I.; Besir, H.; Vabulas, R. M.; Grininger, M. Dodecin as Carrier Protein for Immunizations and Bioengineering Applications. Scientific Reports 2020, 10 (1), 13297

Weitere Informationen
Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Alexander Rittner
rittner@chemie.uni-frankfurt.de

Florian Bourdeaux
bourdeaux@chemie.uni-frankfurt.de

Innovectis / Unibator
Dr. Kirstin Schilling
Stellvertretende Geschäftsführerin
kirstin.schilling@innovectis.de

 

Okt 14 2020
13:26

Deutsch-amerikanisches 3-Jahres-Projekt untersucht Biologie des LRRK2-Gens 

Goethe-Universität an 7,2 Millionen-Dollar-Projekt zur Parkinson-Forschung beteiligt

FRANKFURT. Bis zu 10 Prozent der Parkinson-Erkrankungen lassen sich auf Veränderungen im LRRK2-Gen zurückführen. Fünf Wissenschaftler-Teams der University of California in San Diego, der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Konstanz wollen in den nächsten Jahren aufklären, wie Mutationen im LRRK2-Gen die Parkinson-Krankheit auslösen und welche möglichen Angriffspunkte es für Medikamente gibt. Dazu hat die US-amerikanische „Aligning Science Across Parkinson's“-Initiative umgerechnet rund 6,1 Millionen Euro bereitgestellt. 

In den frühen 2000er-Jahren wurde entdeckt, dass ein bestimmtes Enzym namens LRRK2 in vielen Parkinson-Kranken mutiert ist und offenbar eine wichtige Rolle in fünf bis zehn Prozent des vererbten und ein bis fünf Prozent des spontan auftretenden Morbus Parkinson spielt. LRRK2 ist ein Enzym, das in der menschlichen Zelle Phosphatgruppen an andere Proteine hängt und in den Gehirnzellen betroffener Parkinsonpatienten viel aktiver ist als normal, wodurch es Transportprozesse in der Zelle blockiert. Viele Hemmstoffe gegen das LRRK2-Enzym wurden in der Vergangenheit bereits getestet, hatten aber zu hohe Nebenwirkungen oder waren nicht ausreichend effektiv.

Die fünf Teams aus den USA und Deutschland wollen jetzt Funktionsweise und Struktur des LRRK2-Enzyms in der Zelle in allen Details aufklären und damit die Grundlage für die zielgerichtete Herstellung von Hemmstoffen schaffen. Eine erste dreidimensionale Struktur des LRRK2 Proteins wurde von dem Forschung Team gerade in der Fachzeitschrift Nature publiziert.  Die von Michael J. Fox-Stiftung getragene „Aligning Science Across Parkinson's“-Initiative unterstützt das Projekt finanziell.

Ko-Projektleiter Stefan Knapp, Professor für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität, erläutert: „Durch Vergleiche des bei Parkinsonpatienten mutierten LRRK2 mit normalem LRRK2 möchten wir herausfinden, welche Aufgaben LRRK2 in der Zelle übernimmt, wie sich das Enzym dreidimensional bewegt und verändert und wie das mutierte LRRK2 zum Absterben der Nervenzellen beiträgt. Während die Expertise der Kollegen in den USA in verschiedenen Bildgebungsmethoden liegt, werden wir in Frankfurt Sonden entwickeln, mit deren Hilfe LRRK2 in den Zellen lokalisiert werden kann, und künstliche LRRK2-Varianten herstellen, die beim Verständnis der dreidimensionalen Struktur helfen.“

Ko-Projektleiter Florian Stengel, Professor für Zelluläre Proteostase an der Universität Konstanz, sagt: „Wir hier in Konstanz wollen in diesem Projekt die zellulären Interaktionspartner von LRRK2 identifizieren. Damit können wir unser Bild von LRRK2 komplettieren und so ermöglichen, ein Medikament gegen die Form des Morbus Parkinson zu entwickeln.“

Publikation zur ersten dreidimensionalen Struktur des LKKR2-Proteins: C K Deniston, J Salogiannis, S Mathea, D M Snead, I Lahiri, M Matyszewski, O Donosa, R Watanabe, J Böhning, A K Shiau, S Knapp, E Villa, S L Reck-Peterson, A E Leschziner. Structure of LRRK2 in Parkinson's disease and model for microtubule interaction. Nature. 2020 Aug 19 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32814344/

Bild: www.uni-frankfurt.de/92946466

Bildtext: Prof. Dr. Stefan Knapp, Institut für Pharmazeutische Chemie, Goethe-Universität Frankfurt (Foto: Uwe Dettmar)

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Knapp
Institut für Pharmazeutische Chemie
Goethe-Universität Frankfurt
Tel.: +49 69 798-29871
knapp@pharmchem.uni-frankfurt.de

Prof. Dr. Florian Stengel
Fachbereich Biologie / Laboratory of Cellular Proteostasis and Mass Spectrometry
Universität Konstanz
Tel: +49 7531 88-5172
florian.stengel@uni-konstanz.de

 

Okt 13 2020
16:27

Zoom-Veranstaltung: Vertreter von Wissenschaft und Politik diskutieren über die Folgen der US-Wahlen für die europäische Politik

Europäisch-amerikanische Partnerschaft vor dem Wendepunkt?

FRANKFURT. Seit 2015 sind in den USA die Normen der liberalen Demokratie unter Beschuss geraten. Staatliche Institutionen werden verunglimpft, internationale Verträge aufgekündigt. Selbst die Legitimität demokratischer Wahlen wird unterminiert. Diesem Angriff auf die Demokratie seitens der Regierung der ältesten modernen Demokratie der Welt ist ein Prozess der politischen Polarisierung vorausgegangen. Von den politischen Eliten geschürt, hat die Polarisierung mittlerweile die breite Bevölkerung erfasst. Einig scheinen sich Amerikaner nur in einem zu sein: die Demokratie steckt in der Krise.

Diese innenpolitischen Turbulenzen der USA stellen die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft in Frage. Und dennoch: Ohne eine solide Arbeitsbeziehung zwischen Europa und den Vereinigten Staaten ist ein starkes Bündnis von Verteidigern einer liberalen Demokratie nicht vorstellbar. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen markieren daher einen Wendepunkt: Wie entwickelt sich die amerikanische Demokratie? Und wie lassen sich die transatlantischen Beziehungen neu gestalten?

Die europäisch-amerikanische Partnerschaft im Licht der bevorstehenden US-Wahlen ist Thema der Zoom-Veranstaltung „Rethinking the Transatlantic: The U.S. Elections and the Challenges to a Sustainable Transatlantic Partnership“ am

27. Oktober 2020
19.30 Uhr
Zoom-Veranstaltung in englische
r Sprache mit anschließender Diskussion

Auf dem virtuellen Podium diskutieren drei Experten für transatlantische Politik: Daniel Benjamin, Präsident der American Academy Berlin, Prof. Dr. Nicole Deitelhoff, Professorin für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität und Direktorin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, sowie Jürgen Trittin, Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Deutschen Bundestag.

Moderiert wird die Veranstaltung von Rebecca Schmidt, Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Normative Ordnungen an der Goethe-Universität.

Grußworte sprechen Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, sowie der Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V., Christian Schmid.  

Die virtuelle Podiumsdiskussion ist eine gemeinsame Veranstaltung der Goethe-Universität Frankfurt und des Forschungsinstituts Normative Ordnungen, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e.V. und der American Academy Berlin. Sie steht im Zusammenhang mit einem neuen inhaltlichen Schwerpunkt zu transatlantischen Beziehungen, den die Goethe-Universität und das Forschungskolleg Humanwissenschaften Bad Homburg im September mit der Bad Homburg Conference 2020 initiiert haben. Konzipiert wurde der Abend von Prof. Dr. Johannes Völz, Heisenberg-Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität und Direktoriumsmitglied am Forschungskolleg Humanwissenschaften Bad Homburg.

Anmeldung:

Anmeldung über die Webseite der American Academy: https://www.americanacademy.de/event/rethinking-the-transatlantic-the-us-elections-and-the-challenges-to-a-sustainable-transatlantic-partnership/

Weitere Informationen und Kontakt:
Prof. Dr. Johannes Völz, Heisenberg-Professor für Amerikanistik an der Goethe-Universität
voelz@em.uni-frankfurt.de

Elisabet Tsirkinidou, Büroleiterin der German Atlantic Association
elisabet.tsirkinidou@ata-dag.de

Dr. Berit Ebert, Leiterin Programme und Entwicklung an der American Academy
be@americanacademy.de