​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – Januar 2020

 

Jan 30 2020
14:11

DFG bewilligt Mittel für weiteren Ausbau der Informationsangebote

UB Frankfurt bietet ein Fünftel aller deutschen Fachinformationsdienste (FID)

FRANKFURT. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt umfangreiche Mittel für den weiteren Ausbau der drei Fachinformationsdienste (FID) Afrikastudien, Biodiversitätsforschung und Linguistik und fördert die drei Projekte in den nächsten Jahren an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main mit insgesamt über 2,8 Millionen Euro. Damit stellt die Frankfurter Universitätsbibliothek sieben von 35 Fachinformationsdiensten im nationalen DFG-Programm. „Wir freuen uns, dass die Universitätsbibliothek Frankfurt ihre hervorragenden Informationsangebote für Forscherinnen und Forscher weiter ausbauen kann“, betont Prof. Simone Fulda, Vizepräsidentin für Forschung und Akademische Infrastruktur an der Goethe-Universität.

Zur Unterstützung von Wissenschaft, Forschung und Lehre hat die DFG ein nationales Netz von Fachinformationsdiensten initiiert und fördert dessen Aufbau. Ziel ist die Bereitstellung fachrelevanter Informationsangebote. Seit Programmstart im Jahr 2014 hat die DFG der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (UB JCS) den Aufbau von sieben Fachinformationsdiensten übertragen: Afrikastudien, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Biodiversitätsforschung, Darstellende Kunst, Germanistik, Jüdische Studien und Linguistik. Für drei dieser FIDs sagte die DFG jetzt die weitere Förderung zu.

Ein Schwerpunkt der Arbeit des FID Afrikastudien war und bleibt auch zukünftig die Erwerbung von Literatur, die auf dem Kontinent erscheint. Zugang zu dieser schwer beschaffbaren – oft auch „grauen“ Literatur – hat zum Ziel, afrikanische Wissenschaftsdiskurse in Deutschland überhaupt verfügbar zu machen, und ist damit für die Afrikastudien essenziell. Für das bestehende Suchportal ilissAfrica sind eine umfassende Modernisierung, eine Erweiterung des Suchraumes und personalisierte Funktionalitäten geplant. Der FID Afrikastudien kooperiert mit dem Exzellenzcluster Africa Multiple an der Universität Bayreuth, mit einem Fokus auf dem Bereich Forschungsdaten.

Für die Biodiversitätsforschung ist es erforderlich, Informationen aus der Literatur der letzten 250 Jahre in Formate umzuwandeln, die effiziente IT-gestützte Analysen ermöglichen. Der Fachinformationsdienst Biodiversitätsforschung (BIOfid) leistet hierzu einen grundlegenden Beitrag. In der zweiten Projektphase wird Literatur zu Themen wie Bodenzoologie oder Insektensterben digitalisiert, mit fortgeschrittenen Text-Mining-Methoden verarbeitet und verfügbar gemacht. Weitere Ziele von BIOfid sind die Förderung von Open Access, die Verfügbarmachung von Text-Mining-Werkzeugen und eine umfassende Versorgung mit Spezialliteratur zur Biodiversität.

Im Folgeprojekt FID Linguistik wird der Nachweis von Sprachkorpora und vergleichbaren Forschungsdaten sowohl durch bibliothekarische als auch durch Linked-Data-Technologien qualitativ und quantitativ weiter ausgebaut. Die Erschließung von Sekundärliteratur wird durch die automatisierte Ermittlung inhaltlicher Metadaten gefördert. Zur Optimierung der Suche nach all diesen Informationen einschließlich deren Export und maschineller Weiterverarbeitung wird das Datenmodell des Linguistik-Portals auf ein Linked-Data-Format umgestellt. Diese innovativen Vorhaben werden flankiert durch den Erwerb von Literatur sowie Datenbank- und Korpus-Lizenzen und durch Maßnahmen zur Stärkung der Open-Access-Infrastruktur im Bereich Linguistik.

Mit den sieben Fachinformationsdiensten positioniert sich die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg damit als feste Größe im System der Infrastruktureinrichtungen für Wissenschaft und Forschung in Deutschland.

Information:

http://www.ilissafrica.de/
https://www.biofid.de/de/
https://www.linguistik.de/
https://www.dfg.de/foerderung/programme/infrastruktur/lis/lis_foerderangebote/fachinfodienste_wissenschaft/index.html

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. (069) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de

 

Jan 29 2020
12:18

Bürgerforum des Instituts für Allgemeinmedizin informiert über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten.  

Was wir über Schmerzmittel wissen sollten

FRANKFURT. Ob Kopf-, Rücken- oder Dauerschmerzen: Jeder wünscht sich in solchen Situationen, dass die Schmerzen einfach aufhören mögen. Dafür greifen Menschen in Deutschland oft zu Schmerzmitteln. Doch wie kann es sein, dass solche Medikamente teils mehr schaden, als helfen? Welche Medikamente gibt es überhaupt und bei welchen Formen von Schmerzen helfen sie? Und kann ich Schmerzmittel problemlos zusammen mit meinen anderen Medikamenten einnehmen? Das Bürgerforum, veranstaltet vom Frankfurter Forum Multimorbidität und Multimedikation (FM2), widmet sich einem wichtigen und aktuellen Thema. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mit Experten aus Wissenschaft und Praxis ins Gespräch zu kommen und an einer gemeinsamen Diskussion teilzunehmen.

Es heißt immer: Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! Aber wer stellt eigentlich sicher, dass die Medikamente, die ich einnehme, für mich die Richtigen sind? Und muss ich jetzt etwa diesen langen Beipackzettel lesen? Erfahren Sie von Prof. Marjan van den Akker, Prof. Achim Schmidtko, Dr. Armin Wunder und dem Apotheker Robin Brünn Wissenswertes über das Thema Schmerzmittel und ihre Nebenwirkungen – insbesondere im Zusammenhang mit anderen Medikamenten.

Bürgerforum zum Thema Schmerzmittel:
Samstag, 15. Februar 2020, 14.30 – 16.30 Uhr. Universitätsklinikum Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, Haus 22.

Programm:
Willkommen und Einführung – Prof. Marjan van den Akker, Professorin für Multimedikation und Versorgungsforschung, Institut für Allgemeinmedizin
Impulsvortrag I: Prof. Achim Schmidtko, Professor für Pharmakologie, Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie
Impulsvortrag II: Dr. med. Armin Wunder, Hausarzt in Frankfurt
Pause
Impulsvortrag III: Robin Brünn, Apotheker in Frankfurt
Moderierte Diskussion der Experten mit dem Publikum

Medienvertreter, die mit den Expertinnen und Experten Interviews führen möchten, melden sich bitte vorab.

Kontakt:
Prof. Marjan van den Akker, Institut für Allgemeinmedizin, Tel. (069) 6301-80454/-5930; m.vandenAkker@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.dehttp://www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

 

Jan 28 2020
10:29

Prof. Sabine Andresen von der Goethe-Universität und Vorsitzende der Unabhängigen Aufarbeitungskommission spricht am Forschungskolleg über sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche

„Geschichten, die zählen“

FRANKFURT/BAD HOMBURG.  „Geschichten, die zählen: Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Familien und Institutionen“ – so lautet der Titel eines Vortrags, den die Frankfurter Pädagogik-Professorin Sabine Andresen

am Dienstag, 4. Februar, um 19 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg halten wird.

„Geschichten, die zählen“ ‒ dies ist auch das Leitmotiv der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, die 2016 auf Beschluss des Bundestages eingesetzt wurde. Damit will die Kommission verdeutlichen, dass das Zeugnis der Opfer sexueller Gewalt im Zentrum der Untersuchung stehen muss, will man dieses Gewaltphänomen verstehen und ihm künftig entgegenwirken. Deshalb richtet die Kommission ihre Arbeit an der Perspektive der Betroffenen aus. Sabine Andresen ist Vorsitzende der Aufarbeitungskommission. In ihrem Vortrag wird sie über die Arbeit der Kommission sprechen und die Frage diskutieren, wie gesellschaftliche Aufarbeitung gelingen kann.

Die Kommission hat den Auftrag, Ausmaß, Art und Folgen von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aufzuarbeiten. Auf der Grundlage der Berichte von Betroffenen erforscht sie den Missbrauch, seine Strukturen, Dynamiken und Folgen. Sie möchte, wie es in ihrem Bilanzbericht 2019 heißt, zur Anerkennung des erlittenen Unrechts ebenso beitragen wie zum künftigen Schutz der Kinder und Jugendlichen in der Gesellschaft.

Mittlerweile haben sich knapp 2.000 Personen gemeldet, um der Kommission in vertraulichen Anhörungen oder in schriftlichen Zeugnissen über ihre jeweiligen Gewalterfahrungen zu berichten. Außerdem haben Werkstattgespräche mit Betroffenen stattgefunden, und öffentliche Hearings zu den Themen Missbrauch in der Familie, in der DDR und in den Kirchen haben stattgefunden.

In ihrem Vortrag wird Sabine Andresen anhand der Kommissionarbeit darlegen, welche Erkenntnisse über das lang tabuisierte gesellschaftliche Gewaltphänomen vorliegen, und fragen, was daraus für die Aufarbeitung in der Gesellschaft folgt. Der Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, wird in den Vortrag einführen und die anschließende Diskussion moderieren.

Sabine Andresen ist Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Goethe-Universität. Die Kindheits- und Familienforscherin publiziert regelmäßig zu sexuellem Missbrauch in Institutionen und Familien, Kinderarmut und Wohlbefinden von Kindern. Sie ist Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindermissbrauchs, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes e.V.

Anmeldung:
Um vorherige Anmeldung unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de wird gebeten.

Ein Bild von Prof. Sabine Andresen finden Sie zum Download unter: http://www.uni-frankfurt.de/85174724 (Foto: Dettmar)

Information: Beate Sutterlüty, Wissenschaftskommunikation, Forschungskolleg Humanwissenschaften (Tel.: 06172-13977-15; Email: b.sutterluety@forschungskolleghumanwissenschaften.de); www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

 

Jan 27 2020
15:56

Freitag, den 31.01.2020, 10.00 - 16.00 Uhr, im PEG-Gebäude auf dem Campus Westend 

„Der pädagogischen Praxis auf der Spur“ - DIE JOB-MESSE für angehende Pädagoginnen und Pädagogen

FRANKFURT. 40 Ausstellerinnen und Aussteller repräsentieren auf der JOB-MESSE die Vielfalt und Buntheit pädagogischer Arbeit. Fachliche Expertinnen und Experten für Lern- und Bildungsprozesse geben den Studierenden und Absolventen Gelegenheit, sich umfassend über mögliche Berufe, Projekte und Tätigkeitsfelder zu informieren. Das Motto der JOB-MESSE in diesem Jahr ist „Pädagogische Arbeit im Wandel“. Zusätzlich zur Ausstellungs-Messe gibt es ein spannendes Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops sowie einem Podium. Im Vortragsprogramm wird u.a. der Einfluss der aktuellen gesellschaftlichen Themen Nachhaltigkeit, Demokratie, Digitalisierung und Gerechtigkeit auf pädagogische Fragestellungen und Entwicklungen im pädagogischen Alltag thematisiert.

In der Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus den verschiedenen Bereichen der pädagogischen Arbeit stehen unter anderem folgende Fragestellungen im Fokus „Verändern sich professionelle Anforderungsprofile an pädagogische Experten? Welche neuen Kooperationen entstehen und wie können zukunftsträchtige Vernetzungsstrukturen auch zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, gesellschaftlichen und politischen Akteuren aussehen?“. Diskutiert wird inwiefern professionelle pädagogische Arbeit angesichts der zahlreichen ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen selbst einem Wandel unterworfen ist. Weiteres Highlight der JOB-MESSE sind die praktischen Workshops und Beratungsangebote. Methoden wie „Supervision“ und „Entspannungstechniken für Kinder „sowie „unterstützte Kommunikation“ können direkt ausprobiert werden. Es gibt individuelle Beratungstermine für einen Check der Bewerbungsunterlagen sowie Tipps zur beruflichen Weiterentwicklung.

Veranstalter der JOB-MESSE Pädagogik sind der Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität, das Paritätische Bildungswerk Hessen e.V. sowie der Career Service der Goethe-Universität.

Weitere Informationen unter www.jobmesse-paedagogik.uni-frankfurt.de

 

Jan 24 2020
13:59

Neuentwicklung unter Beteiligung der Goethe-Universität macht winzige Strukturänderungen von Biomolekülen sichtbar

Minutiöse Einblicke in das zelluläre Geschehen

FRANKFURT. Noch detailliertere Einblicke in die Zelle sind künftig möglich mit Hilfe einer Neuentwicklung, an der die Goethe-Universität beteiligt war: Der Arbeitsgruppe um Prof. Harald Schwalbe ist es gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Israel gelungen, die Kernspinresonanz (NMR)-Methode zur Untersuchung von RNA hunderttausendfach zu beschleunigen.

Wie ein einzelnes Puzzlestück sich in ein Puzzle einfügt, so bindet das Molekül Hypoxanthin an eine Ribonukleinsäure(RNA)-Kette, die daraufhin innerhalb einer Sekunde ihre dreidimensionale Gestalt verändert und so neue Prozesse in der Zelle in Gang setzt. Kaum vorstellbar winzige Strukturveränderungen in Zellen können Wissenschaftler nun dank einer verbesserten Methode verfolgen – und zwar sowohl in ihrem zeitlichen als auch räumlichen Ablauf. Der Arbeitsgruppe um Harald Schwalbe vom Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz der Goethe-Universität ist es zusammen mit Wissenschaftlern aus Israel gelungen, die Kernspinresonanz(NMR)-Methode zur Untersuchung von RNA auf das Hunderttausendfache zu beschleunigen.

„Dies erlaubt uns erstmalig, die Dynamik von RNA-Strukturänderungen so schnell zu verfolgen, wie sie auch in der Zelle ablaufen“, beschreibt Schwalbe diesen wissenschaftlichen Durchbruch und betont: „Das Team um Lucio Frydmann vom Weizmann-Institut in Israel hat dazu wesentlich beigetragen.“ 

Die neuartige NMR-Untersuchungen nutzen Wassermoleküle, deren Atome sich in einem Magnetfeld verfolgen lassen. Schwalbe und sein Team erzeugen hyperpolarisiertes Wasser. Dazu setzen sie dem Wasser eine Verbindung zu, die permanent ungepaarte Elektronen-Radikale besitzt. Durch Anregung mit einer Mikrowelle bei -271°C kann man die Elektronen im Magnetfeld ausrichten. Diese unnatürliche Ausrichtung erzeugt eine Polarisation, die auf Polarisation der im NMR eingesetzten Wasserstoffatome bei +36°C übertragen wird. Das so polarisierte Wassermolekül erwärmen sie in wenigen Millisekunden und geben es zusammen mit Hypoxanthin auf die RNA-Kette. Damit können sie auch schnelle chemische Reaktionen und Faltungsänderungen von Biomolekülen auf Atom-Ebene beobachten.

Die Imino-Gruppen in RNA lassen sich mit dieser Methode besonders gut analysieren. Die Wissenschaftler konnten so RNA-Strukturänderungen präzise messen. Sie verfolgten ein kurzes RNA-Stück (Aptamer) aus Bacillus subtilis, das seine Struktur bei der Bindung von Hypoxanthin so ändert, dass die folgenden Boten-RNA (mRNA) nicht mehr abgelesen wird. Derart kleine Änderungen auf Molekülebene steuern viele Prozesse nicht nur in Bakterien, sondern auch in mehrzelligen Lebewesen bis hin zum Menschen.

Die verbesserte Methodik erlaubt es künftig, RNA-Faltungen in Echtzeit zu verfolgen, sogar, wenn sie weniger als eine Sekunde benötigen. Dies ist unter physiologischen Bedingungen möglich, also in flüssiger Umgebung und in natürlicher Molekül-Konzentration bei Temperaturen um 36 Grad Celsius. „Der nächste Schritt wird es jetzt sein, nicht nur einzelne, sondern hunderte RNAs zu untersuchen, um die biologisch wichtigen Unterschiede in ihren Faltungsraten bestimmen zu können“, so Boris Fürtig aus der Arbeitsgruppe Schwalbe.

Publikation: Mihajlo Novakovic, Gregory L. Olsen, György Pintér, Daniel Hymon, Boris Fürtig, Harald Schwalbe, Lucio Frydman: A 300-fold enhancement of imino nucleic acid resonances by hyperpolarized water provides a new window for probing RNA refolding by 1D and 2D NMR, PNAS, 16. Januar 2020 https://doi.org/10.1073/pnas.1916956117 

Ein Bild zum Download finden Sie unter: http://www.uni-frankfurt.de/84996281 

Bildtext: Bewegungen dieses Moleküls – ein Zweitausendstel der Dicke eines Papiers klein – verfolgten Frankfurter Forscher. Das RNA-Aptamer ändert seine Struktur, wenn es Hypoxanthin bindet. Besonders schnell verformen sich die grünen Nukleotidbasen, langsamer die blau gefärbten Bereiche. Die grauen Regionen verändern sich nicht. 

Informationen: Prof. Dr. Harald Schwalbe, Zentrum für Biomolekulare Magnetische Resonanz, http://www.bmrz.de/, Fachbereich Organische Chemie und Biochemie, Campus Riedberg, Telefon 069 798 29737 bzw. -40258, Email: schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de.

 

Jan 24 2020
10:49

Berichtete Reduktion von HFC-23 wurde nicht eingehalten

Weiterer Anstieg von starkem Treibhausgas gemessen 

FRANKFURT. Das starke Treibhausgas HFC-23 sollte nach Angaben der beiden Hauptproduzenten, China und Indien, bis 2017 so gut wie nicht mehr in die Atmosphäre gelangen. Tatsächlich haben Atmosphärenforscher unter Federführung der Universität Bristol aber Rekordwerte gemessen. Dr. Kieran Stanley, der Leitautor der Studie in der aktuellen Ausgabe von „Nature Communications“, arbeitet seit einem halben Jahr an der Goethe-Universität. 

In den vergangenen beiden Jahrzehnten haben Wissenschaftler die Konzentration des HFC-23, das zu den Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) gehört, streng überwacht. „Es ist ein sehr starkes Treibhausgas: Die Emission einer Tonne dieser Substanz richtet ebenso viel Schaden an wie die Emission von 12.000 Tonnen CO2“, so der Atmosphärenforscher Prof. Andreas Engel von der Goethe-Universität. HFC-23 entsteht hauptsächlich als ungewolltes Nebenprodukt bei der Herstellung des Kühlmittels HCFC-22.

Indien und China, die als Hauptverursacher gelten, hatten 2015 ehrgeizige Pläne zur Drosselung der Emissionen ihrer Fabriken angekündigt. 2017 berichteten sie, dass so gut wie kein HFC-23 mehr in die Atmosphäre gelangt sei. Infolgedessen sollten die Emissionen des Treibhausgases in der Atmosphäre zwischen 2017 und 2015 einen 90-prozentigen Rückgang zeigen. Wie das internationale Team nun berichtet, sind die Emissionen jedoch weiter angestiegen und haben 2018 einen Rekordwert erreicht. 

Die Reduktion von FKWs ist Teil des Kigali-Abkommens, das 2016 als Nachtrag zum Montreal-Abkommen geschlossen wurde. Es ist im Januar 2020 in Kraft getreten. Obwohl China und Indien das Abkommen nicht ratifiziert haben, hatten sie nach eigenen Angaben die Emissionen massiv reduziert. „Unsere Studie legt nahe, dass es China nicht gelungen ist, HFC-23 in dem angegebenen Maß zu reduzieren“, folgert Dr. Kieran Stanley, der die Messungen an der Universität Bristol im Rahmen des internationalen Messnetzwerkes AGAGE machte. Ob es Indien gelungen ist, seine Emissionen zu reduzieren, müssen weitere Messungen zeigen. 

„Dies ist nicht das erste Mal, dass Kontroversen über die Emission von HFC-23 entstehen“, bedauert Kieran Stanley. Zwischen 2005 und 2010 hatten die Industrienationen mit der UN-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen über Klimaänderung für die Schwellenländer Anreize geschaffen, ihre Emissionen zu reduzieren. Zwar ging die Emissionen des gefährlichen Treibhausgases währenddessen zurück, jedoch schuf das System falsche Anreize, weil die Hersteller ihre Prozesse nicht optimierten, sondern mehr schädliche Nebenprodukte erzeugten, um mehr Fördermittel für deren Vernichtung einstreichen zu können. 

Das Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität, an dem Kieran Stanley inzwischen als Postdoktorand arbeitet, führt an seiner Messstation am kleinen Feldberg seit 2013 regelmäßig Messungen vieler halogenierter Spurengase durch. Diese Messungen sind seit kurzem auch an das AGAGE Netzwerk angebunden.

Publikation: K. Stanley, D. Say, J. Mühle, C. Harth, P. Krummel, D. Young, S. O'Doherty, P. Salameh, P. Simmonds, R. Weiss, R. Prinn, P. Fraser and M. Rigby: Increase in global emissions of HFC-23 despite near-total expected reductions, in Nature Communications, https://doi.org/10.1038/s41467-019-13899-4

Informationen: Dr. Kieran Stanley, Institut für Atmosphäre und Umwelt, Campus Riedberg, Telefon 069 798 40249; stanley@iau.uni-frankfurt.de

 

Jan 23 2020
14:40

Hessen bewilligt Fördermittel für weitere fünf Jahre

Kompetenzzentrum Schulpsychologie an der Goethe-Uni geht in die nächste Runde

FRANKFURT. Das Kompetenzzentrum für Schulpsychologie erhält für weitere fünf Jahre finanzielle Unterstützung vom Land Hessen. Es verzahnt erfolgreich Wissenschaft und Praxis in der Schulpsychologie und ist damit einzigartig im deutschsprachigen Raum. Die 2017 mit der Gründung des Zentrums aufgesetzten Forschungsprojekte zur Wirksamkeit schulpsychologischer Beratung werden damit fortgeführt. Zusätzlich soll zukünftig das schulpsychologische Praxiswissen stärker im Psychologiestudium berücksichtigt werden. 

Das Kompetenzzentrum hat insbesondere die schulpsychologischen Beratungs-, Präventions- und Interventionsangebote für die hessischen Schulen im Blick, evaluiert diese und hilft dabei, sie weiterzuentwickeln. „Die Bedeutung und Notwendigkeit von schulpsychologischer Beratung in den Schulen steigt stetig. Von der erfolgreichen Fortführung des Kompetenzzentrums werden alle hessischen Schulen profitieren“, ist Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz überzeugt. Von der Fortführung des Kompetenzzentrums werden auch die Studierenden profitieren. Die schulpsychologische Expertise der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Zentrums wird den Psychologiestudierenden durch ein erweitertes Lehrangebot im Bachelor- und im Masterstudium zugutekommen. „Wir freuen uns, wenn wir durch unsere spezifischen Kompetenzen als Goethe-Uni auch weit über die Lehrerbildung hinaus wichtige Beiträge zum Gelingen von Schule in Hessen bieten können“, hebt Universitätspräsidentin Birgitta Wolff hervor.

„Wir sind sehr zufrieden, dass wir den zunehmenden Herausforderungen an den Schulen mit Qualitätssicherung und weiterer Professionalisierung begegnen können“, freut sich Prof. Gerhard Büttner, einer der beiden Leiter des Kompetenzzentrums. „Gerade der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis hilft uns, das Beratungsangebot zu optimieren und auch die Studierenden praxisnäher auszubilden“, betont Dr. Stephan Jeck, der von Seiten des Hessischen Kultusministeriums als Leiter fungiert.

Hintergrund 

Das Kompetenzzentrum für Schulpsychologie wurde 2017 als Gemeinschaftsprojekt des Hessischen Kultusministeriums mit der Goethe-Universität Frankfurt gegründet. In ihm arbeiten von den Staatlichen Schulämtern abgeordnete Schulpsychologen und Schulpsychologinnen mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Goethe-Universität an wegweisenden Themenstellungen der Schulpsychologie. Das Zentrum wird gemeinsam von Dr. Stephan Jeck (Hessisches Kultusministerium) und Prof. Dr. Gerhard Büttner (Goethe-Universität) geleitet. Untergebracht ist das Kompetenzzentrum in Räumen der Universität am Campus Westend. Es ist fachlich und strukturell an den Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie der Goethe-Universität angebunden, die Förderung wurde jetzt bis 31.12.2024 verlängert.

Informationen: Prof. Dr. Gerhard Büttner, Institut für Psychologie, Telefon 069 798-35347, buettner@paed.psych.uni-frankfurt.de; Kompetenzzentrum Schulpsychologie, Telefon 069 798-35384 E-Mail info@kompetenzzentrum-schulpsychologie-hessen.de; Homepage: www.kompetenzzentrum-schulpsychologie-hessen.de.

 

Jan 22 2020
15:44

Holocaust-Gedenkvorlesung von Prof. Ulrike Weckel über Filmaufnahmen von befreiten Konzentrationslagern und die Reaktion der Deutschen darauf

Beschämender Anblick

FRANKFURT. Auch in diesem Jahr werden an der Goethe-Universität zahlreiche Veranstaltungen rund um den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar angeboten. Die Holocaust-Gedenkvorlesung hält am 27. Januar Prof. Ulrike Weckel, die an der Universität Gießen Fachjournalistik Geschichte sowie Geschichte in Medien und Öffentlichkeit lehrt. Gegenstand ihres Vortrags, der in Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut angeboten wird, sind Filme, die 1945/46 nach der Befreiung der Konzentrationslager entstanden sind – und die Reaktionen des deutschen Publikums darauf. „Beschämender Anblick“ hat Weckel ihren Vortrag überschrieben, der am Montag, 27. Januar, um 15:30 Uhr in der Lobby des PA-Gebäudes am Campus Westend Theodor-W.-Adorno-Platz 1 stattfindet.

Die Filmbilder von den befreiten Lagern, die bis heute ein wichtiger Bestandteil von Dokumentationsfilmen sind, waren von den alliierten Siegermächten in Auftrag gegeben worden: Berge von Leichen, ausgezehrte Überlebende und Aschereste in den Krematorien – Bilder wie diese sind in das kollektive Gedächtnis der westlichen Welt eingeschrieben. Ulrike Weckel hat die so genannten Atrocity-Filme der Alliierten aus der Nachkriegszeit eingehend untersucht und rekonstruiert, wo und wie oft die Filme zu sehen waren und wie sie auf das Publikum gewirkt haben – wobei sich ein sehr differenziertes Bild ergeben hat. Darüber wird sie in der Vorlesung in Frankfurt sprechen. Die Deutschen, so Weckel, hätten keineswegs eingleisig und als fixes Kollektiv reagiert. Die Beurteilung des Gesehenen wurde oft erst ausgehandelt. Der Begriff der Scham spielt für Weckel eine große Rolle.

Am Abend des 27. Januar lädt die Goethe-Universität zudem gemeinsam mit der WIZO-Gruppe Frankfurt zur deutschen Erstaufführung des Films „Back to Berlin. Better by bike than by train“ (2018) ein. Die Regisseurin Catherine Lurie-Alt steht anschließend zum Gespräch bereit.

Auch in diesem Jahr gibt es darüber hinaus eine Kooperation mit dem Verein Musica Judaica: Am Donnerstag, 23. Januar, findet um 19.30 Uhr ein Konzert mit Melinda Paulsen (Mezzosopran) und Andreas Frese (Klavier) zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Auf dem Programm stehen Werke von fünf Komponisten vom späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, im Zentrum sechs Lieder auf Gedichte von Friedrich Hölderlin, die der Frankfurter Komponist, Sänger und Rechtsanwalt Max Kowalski vertont hat. Hölderlins Geburt jährt sich in diesem Jahr zum 250. Mal. Der Eintritt kostet 15 Euro, für Mitglieder 10 Euro, für Studierende und Schüler frei.

Die Termine im Überblick: 

Donnerstag, 23. Januar, 19:30 Uhr
Lobby des PA-Gebäudes (Campus Westend)
Konzert zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus
Mit Melinde Paulsen (Mezzosopran) und Andreas Frese (Klavier) 

Montag, 27. Januar, 15:30 Uhr
Lobby des PA-Gebäudes (Campus Westend)

„Beschämender Anblick“ – Filme über befreite Lager und Reaktionen des deutschen Publikums 1945/46 Vorlesung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus Mit Prof. Dr. Ulrike Weckel, Justus-Liebig-Universität Gießen 

Montag, 27. Januar, 19:30 Uhr
HZ 2, Hörsaalzentrum, Campus Westend

„BACK TO BERLIN – better by bike than by train“ Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Regisseurin Catherine Lurie-Alt Anmeldung unter: veranstaltungen@uni-frankfurt.de

 

Jan 22 2020
13:39

Die „Lange Nacht der kleinen Fächer“ präsentiert die geisteswissenschaftliche Vielfalt der Goethe-Universität

Von Afrikanistik bis Theaterwissenschaft

FRANKFURT. Wollten Sie schon immer einmal wissen, womit sich die Baltistik, die Jugendbuchforschung oder die Digital Humanities befassen? Demnächst können Sie das herausfinden. Studieninteressierte, interessierte Bürgerinnen und Bürger, Studierende und Hochschulangehörige sind herzlich eingeladen,

am Freitag, 31. Januar, ab 18 Uhr
ins IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe Universität Frankfurt

zu einer „Langen Nacht der kleinen Fächer“ zu kommen, die über das Angebot und die Möglichkeiten der „kleinen Fächer“ informieren soll. Präsentiert werden Forschungsthemen und Studienangebote sowie ein buntes Rahmenprogramm zum Kennenlernen und Mitmachen. Die Fachvertreter und Fachvertreterinnen stehen jederzeit für ein Gespräch bereit; wer möchte, kann bei einem Blitzsprachkurs in verschiedensten Sprachen (z. B. in Swahili, Baskisch, Tagalog oder Litauisch) sein Sprachtalent erproben, sich mit dem bedeutenden Frankfurter Comic-Archiv vertraut machen oder durch die archäologischen Sammlungen bummeln. Außerdem bieten Vorträge, Filme, Tanzvorführungen, eine kasachische Teezeremonie und Livemusik einer niederländischen Mitmachband eine Nacht lang die Gelegenheit, in Forschung und Studium der kleinen Fächern hinein zu schnuppern. Bei einer Podiumsdiskussion (um 18 Uhr) unter dem Titel „Ist das Wissenschaft oder kann das weg?“ geht es um das Potential der kleinen Fächer, auf dem Podium wird unter anderem Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, mitdiskutieren.

Die Einordnung als „kleines Fach“ orientiert sich daran, wie stark das Fach innerhalb der deutschen Hochschullandschaft vertreten ist. Ein Maßstab, der sich an der Definition der Mainzer Arbeitsstelle für kleine Fächer orientiert, ist die Zahl der Professuren je Standort: Ein kleines Fach ist je Universitätsstandort mit nicht mehr als drei unbefristeten Professuren und nur an sehr wenigen (max. 10 Prozent) der deutschen Universitäten vertreten.

Die Lange Nacht der kleinen Fächer bildet den Höhepunkt des Frankfurter Projekts „Großes Potential! Die Kleinen Fächer der Goethe-Universität Frankfurt“, welches im Rahmen der „Kleine Fächer-Wochen an deutschen Hochschulen“ stattfindet, die von der Hochschulrektorenkonferenz und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Dabei haben Hochschulen im Wintersemester 2019/2020 die Möglichkeit, mit verschiedenen Projektformaten die Leistungen der kleinen Fächer für Wissenschaft und Alltag zu verdeutlichen.

In Frankfurt beteiligen sich dreiundzwanzig kleine Fächer und Schwerpunkte der Fachbereiche 09 (Sprach- und Kulturwissenschaften) und 10 (Neuere Philologien): Afrikanistik, Archäologische Wissenschaften, Baltistik, Digital Humanities, Indogermanistik, Japanologie, Judaistik, Kaukasiologie, Koreastudien, Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, Kunstpädagogik, Minderheitensprachen Iran, Phonetik, Sinologie, Slawische Interkomprehensation, Südostasienwissenschaften, Vergleichende Sprachwissenschaften, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Kinder- und Jugendliteraturforschung, Lusitanistik, Niederländische Sprache, Literatur und Kultur, Skandinavistik und Theaterwissenschaft.

„Wir möchten gern ein Bewusstsein dafür schaffen, dass diese sogenannten ‚kleinen Fächer' eben keine Randerscheinungen abbilden. Die Themen, denen sich diese Disziplinen widmen, sind aktuell und brisant“, betont Prof. Axel Fleisch, Afrikanist und Sprecher des Frankfurter Projekts. Ein kleines Fach zu studieren bedeute zwar einen hohen Grad an Spezialisierung, führe aber nicht etwa zu einem vereinzelten Expertentum. Die Angehörigen kleiner Fächer seien regional, national und international bestens vernetzt und stark vertreten in Verbundforschungen, die die aktuell großen Fragen und Herausforderungen angehen. Außerhalb akademischer Berufsfelder arbeiten gerade sie in Bereichen, in denen Vielseitigkeit, Teamfähigkeit und Kommunikationstalent gefragt seien und in denen es darum gehe, angesichts vielfältiger Anforderungen schnell zu agieren.

An der Goethe-Universität können fast alle kleinen Fächer sowohl grundständig (als Bachelor-Haupt- und/oder -Nebenfach) als auch konsekutiv studiert werden. Im Master sind sie entweder mit fachspezifischen Studiengängen, als Schwerpunkte im Rahmen fächerübergreifender Masterstudiengänge oder im Rahmen regionaler Kooperationen mit anderen Universitäten im Rhein-Main-Gebiet (RMU-Allianz) vertreten. So wird seit dem Wintersemester 2019/20 ein gemeinsamer Masterstudiengang der Frankfurter Jugendbuchforschung und der Mainzer Buchwissenschaft angeboten; ein Bachelorstudiengang „Afrikanische Sprachen, Medien und Kommunikation“ in Kooperation mit der Universität Mainz ist in Planung.

Weitere Information: Dr. Pia Gerhard (Koordinatorin), Dekanat, F 10, Campus Westend, Telefon: 069/798-32744, eMail: p.gerhard@em.uni-frankfurt.de. Informationen zu den beteiligten Fächern und Schwerpunkten sowie zum Projektinhalt und -ziel finden Sie auf www.uni-frankfurt.de/kleine-faecher.

 

Jan 22 2020
13:19

Der Historiker Pierre Monnet stellt das jüngst erschienene, monumentale Werk „Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte“ vor

​Das kulturelle Gedächtnis Europas

BAD HOMBURG. Mit einer Reise durch die Welt der europäischen Erinnerungen wird die Reihe „EuropaDialoge“ im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität fortgesetzt. Der Historiker Pierre Monnet wird

am Donnerstag, 30. Januar, um 19 Uhr
im Forschungskolleg Humanwissenschaften
(Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe)

das Buch „Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte“ (deutsch: Darmstadt 2019, frz.: Paris 2017) vorstellen, das er selbst mit herausgegeben hat.

Nach dem dreibändigen Klassiker Deutsche Erinnerungsorte (München 2001) hat Étienne François gemeinsam mit Thomas Serrier dieses ebenfalls dreibändige Werk vorgelegt, das das kulturelle Gedächtnis Europas einfängt. In 133 Aufsätzen beschreiben 105 Autoren – Historiker und Intellektuelle aus Frankreich und Deutschland, Polen und Serbien, aber auch aus den USA, Indien und Japan – das, was Europa ausmacht: die Gegenwart seiner Geschichte in Kriegen, Revolutionen und Freiheitsbewegungen; die Vielfalt und das Trennende im alltäglichen Leben; die Verflechtungen mit der Welt nicht zuletzt im Kolonialismus. Entstanden ist ein Riesenmosaik der Erinnerungsorte, dessen Einzelteile von der Nymphe Europa bis Tschernobyl reichen, vom Hadrianswall bis zur Berliner Mauer, von der Kalaschnikow bis zum VW-Käfer, von der Entstehung der Demokratie bis zum Holocaust. Pierre Monnet wird seine Zuhörer auf diese Reise durch die Welt der europäischen Erinnerungen mitnehmen. Dabei ist der Ausgangspunkt seiner Überlegungen die Frage, ob und wie „Europa“ historisch verstanden und imaginiert werden kann. Matthias Lutz-Bachmann, Professor für Philosophie an der Goethe-Universität und Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften, wird in den Vortrag einführen und das anschließende Gespräch mit dem Auditorium moderieren.

Prof. Pierre Monnet ist Directeur d'études an der EHESS in Paris und Adjunct Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität. Seit 2011 leitet er das Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (IFRA) in Frankfurt am Main. Seine Forschungsarbeiten befassen sich vorrangig mit den politischen und sozialen Netzwerken im römisch-deutschen Reich des Spätmittelalters, der Entwicklung seiner Städte und der vergleichenden Geschichte der politischen Kulturen im spätmittelalterlichen Europa.

Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „EuropaDialoge/Dialogues d'Europe“ in 2020

Die Buchvorstellung setzt die Reihe „EuropaDialoge/Dialogues d'Europe“ fort, die seit 2014 vom Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität und dem an der Universität angesiedelten Institut Franco-Allemand de Sciences Historiques et Sociales (IFRA) veranstaltet und von Prof. Sandra Eckert, Prof. Matthias Lutz-Bachmann und Prof. Pierre Monnet wissenschaftlich geleitet wird. Ziel der Reihe ist es, die unterschiedlichen Europa-Positionen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft öffentlich zu präsentieren und diskutieren. Im Rahmen der „EuropaDialoge/Dialogues d'Europe“ finden Anfang 2020 zwei weitere öffentliche Veranstaltungen statt, zu denen die Veranstalter der Reihe sehr herzlich einladen:

Weitere Termine

Dienstag, 28. Januar 2020, 19 Uhr
Podiumsdiskussion mit Charlotte Galpin, Daniel Röder, Sandra Seubert:
»Zeich(n)en für oder gegen Europa. Europapolitische Narrative und Bilder«
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Raum IG-411

Mittwoch, 12. Februar 2020, 19 Uhr
Ulrike Guérot (Donau Universität Krems): »Die Europäische Zukunftskonferenz 2020:
Beschäftigungstherapie oder europäischer Gestaltungswille?«
Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg

Anmeldung:
Um vorherige Anmeldung unter info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de wird gebeten.

Information: Beate Sutterlüty, Wissenschaftskommunikation, Forschungskolleg Humanwissenschaften (Tel.: 06172-13977-15; Email: b.sutterluety@forschungskolleghumanwissenschaften.de); www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de; Dominique Petre, Kulturbeauftragte, Institut franco-allemand IFRA (Tel.: 069- 798 31 900; Email: dominique.petre@institutfrancais.de)

 

Jan 21 2020
12:04

​ Vortrag von Dr. Charlotte Galpin (University of Birmingham) im Rahmen der Alfred Grosser-Gastprofessur an der Goethe-Universität  

Proeuropäische Gegenbewegungen? Reaktionen auf EU-Skepsis in Großbritannien und der EU

FRANKFURT. Im aktuellen Wintersemester 2019/2020 bekleidet Dr. Charlotte Galpin die internationale Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität. Sie ist Dozentin für Politikwissenschaft mit einem Fokus auf deutsche und europäische Politik am Fachbereich für Politikwissenschaft und internationale Studien der Universität Birmingham. Galpin forscht seit 2009 im DAAD-Projekt „Shifting Constellations: Germany and Global (Dis)order“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der „European Public Sphere“ mit einem Fokus auf europäische Identitäten, EU-Skepsis und EU-Bürgerschaft. Zuletzt setzte sie sich besonders mit den Hintergründen des Brexit und der Eurokrise auseinander. Hierzu erschien 2017 ihre Monographie „The Euro Crisis and European Identities: Political and Media Discourse in Germany, Ireland and Poland“.

Im Rahmen ihres Aufenthalts in Frankfurt hält Dr. Charlotte Galpin am Montag, dem 27. Januar 2020, um 19 Uhr einen öffentlichen Vortrag auf dem Campus Westend der Goethe-Universität (Casino-Gebäude, Raum 1.811). In ihrem Vortrag „Proeuropäische Gegenbewegungen? Reaktionen auf EU-Skepsis in Großbritannien und der EU“ beleuchtet die Wissenschaftlerin die Werte und Haltungen der Bewegungen, die sich für Europa und einen Verbleib Großbritanniens in der EU stark gemacht haben. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Das internationale Programm Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung ist seit 2009 am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität angesiedelt. Auf Anregung der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt am Main e. V. wurde sie von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main ermöglicht. Ziel des Programms ist es, die Forschung und den öffentlichen Diskurs über Bürgergesellschaft und Demokratie in Frankfurt zu stärken. Jährlich wird ein prominenter Forscher oder eine prominente Forscherin von einer Auswahlkommission der Goethe-Universität ausgewählt und vertieft in Seminaren und Vorträgen Aspekte der Thematik aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive. Dr. Charlotte Galpin ist die elfte Inhaberin der Alfred Grosser-Gastprofessur. Namensgeber ist der 1925 in Frankfurt geborene Publizist, Politologe und Soziologe Alfred Grosser – ein zentraler Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Weitere Informationen unter: https://tinygu.de/grosser-gastprofessur

Kontakt: Axel Braun, Bereichsleiter. Information, Kommunikation und Veranstaltungen. Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Tel. (069) 789 889 – 16; Fax 069 - 789 889 – 940. braun@sptg.de

 

Jan 17 2020
11:20

7. Dagmar-Westberg-Vorlesung: Vier öffentliche Vorträge und ein Kolloquium

Menachem Fisch über den interreligiösen Dialog

FRANKFURT. Die 7. Dagmar-Westberg-Vorlesung, die kommende Woche stattfindet, übernimmt der israelische Wissenschaftshistoriker und Philosoph Menachem Fisch. Der emeritierte Wissenschaftler wird sich in vier Vorlesungen mit dem interreligiösen Dialog befassen, insbesondere mit den Dynamiken, die zwischen Judentum, Christentum und Islam seit jeher bestanden und das Selbstverständnis der drei Religionen mitbestimmen. Abschließend steht Prof. Fisch bei einem Kolloquium zum wissenschaftlichen Gespräch bereit. Der Titel der Westberg-Vorlesungsreihe lautet: „Dialogues of Reason: Science, Politics, Religion“.

„Professor Fisch war schon für 2019 für die Westberg-Professur angefragt. Wir sind froh, dass er nun für Januar 2020 zusagen konnte“, erklärt Prof. Matthias Lutz-Bachmann, der die Westberg-Vorlesung seit ihrem Entstehen koordiniert. Das Thema der kleinen Vortragsreihe sei ein „wichtiger Schritt in der Forschungsplanung“: Denn der Dialog zwischen den Religionen und insbesondere der Blick in die jüdische Geistesgeschichte werde im Forschungsprofil der Goethe-Universität auch künftig eine große Rolle spielen.

In seinen Frankfurter Vorlesungen, die er in englischer Sprache halten wird, wird Menachem Fisch über die Beziehungen von Judentum, Christentum und Islam sprechen, die einerseits durch wechselseitige Lernerfahrungen und positiv gelebte Nachbarschaft, andererseits aber auch durch Konflikte geprägt sind. Als Wissenschaftshistoriker bezieht er sich dabei vor allem auch auf die Begegnungen dieser Religionen in den vormodernen Gesellschaften des Nahen Ostens und Europas und versucht, daraus Schlüsse auf die Gegenwart zu ziehen.

Eröffnet wird die Reihe mit dem Vortrag „A Philosophical Overture“

am Mittwoch, 22. Januar, um 18 Uhr
im Festsaal im Casinogebäude (Campus Westend),

bei dem Fisch ankündigt, die normativen Beschränkungen einer Philosophie überschreiten zu wollen, die sich alleine auf eine Vernunft stützt, auf die sich seit Sokrates das westliche Denken bezieht. In weiteren Vorträgen befasst er sich unter anderem mit der Perspektive des Talmuds im Gegensatz zur sokratischen Philosophie. Der Talmud steht im Zentrum der jüngeren Forschungsarbeiten von Menachem Fisch.

Zur Person des Referenten

Menachem Fisch, geboren 1948 im britischen Leeds, hat in Tel Aviv und Oxford studiert. Als Philosoph befasst er sich vor allem mit Wissenschafts- und Geistesgeschichte, Sprache und Judentum. Lange Jahre hatte er an der Universität einen Lehrstuhl für Geschichte und Philosophie der Wissenschaften inne und war Direktor des Zentrums für religiöse und interreligiöse Studien. Er war Mitglied am Institute for Advanced Study in Princeton, Senior Visiting Fellow in Budapest, Visiting Scholar am Trinity College in Cambridge und Senior Research Fellow am Shalom Hartman Institute in Jerusalem. 2016 wurde er mit dem Humboldt-Preis ausgezeichnet, 2017 erhielt er die Ehrendoktorwürde in Religionsphilosophie an der Goethe-Universität. Er kooperiert seit Jahren eng mit Prof. Christian Wiese, der an der Goethe-Universität jüdische Religionsphilosophie lehrt. Außerdem ist Fisch auch Senior Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Bad Homburg.

Zur Dagmar-Westberg-Vorlesung

Die Gastprofessur ist nach dem Vorbild amerikanischer Lectures konzipiert. Sie wird aus den Erträgen eines Fonds finanziert, den die Mäzenin Dagmar Westberg (1914-2017) gestiftet hat. Nach dem Willen der Stifterin soll das Geld ausschließlich für die Geisteswissenschaften verwendet werden. So kann die Goethe-Universität jährlich eine weltweit renommierte Forscherpersönlichkeit nach Frankfurt einladen. In den vergangenen Jahren fiel die Wahl auf den Germanisten Peter Strohschneider, der bis Ende 2019 DFG-Präsident war, die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum, den deutsch-amerikanischen Archäologen Lothar von Falkenhausen, den Berliner Theologen Christoph Markschies, den Princeton-Historiker Anthony T. Grafton und die US-amerikanische Historikerin Lynn Hunt.

Die 8. Westberg-Vorlesungsreihe wird im Sommersemester stattfinden. Von 15. bis 19. Juni wird Sianne Ngai aus Chicago zu Gast sein. Sie befasst sich mit den Themen Nationalismus, Bürgerlichkeit, Ethnizität und Rasse in der jüngeren Geschichte der USA.

Die Termine der 7. Westberg-Vorlesung:

A Philosophical Overture
Breaching Rationality's Normative Constraints

Mittwoch, 22. Januar, 18 Uhr
Campus Westend, Festsaal Casino (Cas. 823):

The Dialogial Dynamics of Scientific Upheavals
Donnerstag, 23. Januar, 18 Uhr
Campus Westend, Renate von Metzler Saal (Cas. 1.801)

Talmudic Judaism's Non-Socratic Paradigm
Montag, 27. Januar, 18 Uhr
Campus Westend, Renate von Metzler Saal (Cas. 1.801)

Reflective Emotions and the Politics of Love
Mittwoch, 29. Januar, 18 Uhr
Campus Westend, Renate von Metzler Saal (Cas. 1.801)

Dialogues of Reason: Science, Politics, Religion
Kolloquium zu den Vorlesungen
Donnerstag, 30. Januar, ab 10 Uhr,
Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität
Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v.d. Höhe

(Anmeldung zum Kolloquium unter schweighoefer@em.uni-frankfurt.de)

Informationen: Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Institut für Philosophie, Telefon 069 798-32779; E-Mail: Lutz-Bachmann@em.uni-frankfurt.de

 

Jan 16 2020
13:19

Dr. Kevin Bork untersucht die rechtlichen Mechanismen von Rückversicherungsverträgen

Versicherung der Versicherung: Rechtssicherheit wagen

FRANKFURT. Haftpflicht, Brandschutz, Unfall – der moderne Mensch sichert sich nach Möglichkeit gegen die Risiken des Lebens ab. Doch was, wenn das Versicherungsunternehmen nicht zahlen kann? Absicherung schafft unter anderem die Rückversicherung. Der Jurist Dr. Kevin Bork hat in seiner Dissertation untersucht, inwiefern der Versicherer auf die Leistung seines Versicherers berechtigterweise vertrauen darf.

Die moderne Zivilgesellschaft ist ohne die durch Versicherung möglich gewordene Absicherung nicht denkbar. Das System ist jedoch nur dann funktionsfähig, wenn der Versicherungsnehmer darauf vertrauen darf, dass sein Versicherer im Schadensfall finanziell in der Lage ist, die vereinbarte Leistung zu erbringen. In der Praxis wird dies durch umfangreiche Kapitalreserven der Versicherungsunternehmen gewährleistet, aber auch durch die „Versicherung der Versicherung“, die sogenannten Rückversicherer.

Dieser Rückversicherungsmarkt unterliegt zwar ebenso der staatlichen Aufsicht, der Gesetzgeber verzichtet jedoch im Gegensatz zu dem Verhältnis zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer auf eine gesetzliche Regelung des Rückversicherungsvertrages mit dem Argument, die Vertragsparteien bedürften aufgrund ihrer Professionalität keines besonderen Schutzes. Bislang weitgehend unbeachtet blieb dabei der Umstand, dass die Ausgestaltung des Rückversicherungsvertrages in seinen Rechten und Pflichten durchaus Auswirkungen auf das Verhalten des Versicherers gegenüber seinen Versicherungsnehmern, also den Verbrauchern, hat. Am deutlichsten tritt dieses Phänomen am Beispiel der sogenannten Folgepflicht auf, nach welcher die Entscheidungen des Versicherers gegenüber dem Versicherungsnehmer auch für den Rückversicherer bindend sind. Die Folgepflicht besagt, dass der Rückversicherer die Entscheidung des Versicherers, ob und in welcher Höhe er einen Schaden ersetzt, (in bestimmten Grenzen) gegen sich gelten lassen muss, d.h. nicht noch einmal die rechtliche Frage der Leistungspflicht des Versicherers bewerten darf. Um die Grenzen dieser Folgepflicht ranken sich die unterschiedlichsten Legenden. Die Arbeit räumt hiermit auf und ergründet einen neuen dogmatischen Ansatz für die Folgepflicht.

Die Grenzen der Folgepflicht sind bis heute nicht klar definiert oder dogmatisch ergründet – und das trotz Beitragseinnahmen der Rückversicherungsbranche in Höhe von mehr als 200 Milliarden US-Dollar allein im Jahr 2017. Der Rechtsanwender wird bislang pauschal auf die englische Rechtsprechung, vermeintlich bestehende Handelsbräuche und vielsagende allgemeine vertragsrechtliche Grundsätze verwiesen. Vor diesem Hintergrund führt die Arbeit die Folgepflicht erstmals einer umfassenden Würdigung zu und ergründet ein weiteres Verständnis der Folgepflicht auf Basis eines neuen dogmatischen Ansatzes. Mehr Rechtssicherheit würde, so der Autor, zu einem kalkulierbareren Rückversicherungsschutz führen und so letztlich nicht nur den Parteien des Rückversicherungsvertrages, sondern mittelbar auch der modernen Zivilgesellschaft und ihren Individuen dienen, da sie eine Bewertung durch die staatliche Aufsicht ermöglicht und so langfristig die Leistungsfähigkeit des Versicherers sichert.

Publikation: Kevin Bork, Tension of Reinsurance: die Folgepflicht des Rückversicherers im Licht des Regulierungsermessens des Erstversicherers (Diss. 2019), XXIII + 406 Seiten, RuR 67 (Reihe »Rechtsvergleichung und Rechtsvereinheitlichung«, hrsg. von der Gesellschaft für Rechtsvergleichung e.V.; ISSN: 1861-5449), Mohr Siebeck, Tübingen; ISBN: 978-3-16-158934-8.

Informationen: Dr. Kevin Bork, Telefon +49(0)69 798-33770, E-Mail bork@jur.uni-frankfurt.de

 

Jan 15 2020
10:57

Einzelmolekülmikroskopie macht den Tanz der Rezeptoren sichtbar

Forscher veranschaulichen die molekularen Strukturen von TNF Rezeptoren in der Zellmembran

FRANKFURT. Ob eine kranke Zelle stirbt, sich teilt oder durch den Körper wandert, reguliert ein ausgeklügeltes Wechselspiel von Botenmolekülen und Rezeptoren in der Zellmembran. Einer der wichtigsten Signalstoffe des Immunsystems ist der Tumornekrosefaktor α (TNFα). Forscher unter Federführung der Goethe-Universität haben nun erstmals in Zellen die molekulare Organisation einzelner Rezeptor-Moleküle und die Bindung von TNFα an die Zellmembran visualisiert.

Damit der Tumornekrosefaktor an einen Membranrezeptor binden kann, muss dieser zunächst aktiviert werden. Das bedeutet, dass der Schlüssel nur unter bestimmten Umständen ins Schloss passt. So wird verhindert, dass beispielsweise eine gesunde Zelle den programmierten Zelltod stirbt. „Im Membranrezeptor TNFR1 wird die Bindung von TNFα über mehrere Cystein-reiche Domänen, kurz CRDs, vermittelt", erklärt Sjoerd van Wijk vom Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie an der Goethe-Universität.

Insbesondere die CRD1-Domäne des Rezeptors sorgt dafür, dass TNFα “andocken" kann. Bisher wussten die Forscher, dass sich dann Rezeptor-Moleküle zusammenlagern wie in einem Tanz, bei dem sich zwei, drei oder mehr Partner an den Händen fassen. Nur dass die Dimere, Trimere oder Oligomere aus gleichartigen Untereinheiten, in diesem Fall Rezeptoren, bestehen. Allerdings finden solche „Umbaumaßnahmen“ auch statt, wenn kein TNFα in der Nähe ist. „Trotz der großen Bedeutung von TNFα bei Krankheiten wie Entzündungen und Krebs sind die Physiologie und die Struktur von TNFR1 an der Zellmembran bisher noch weitgehend unbekannt", erklärt Sjoerd van Wijk den Ausgangspunkt für seine Forschung.

Um die Vorgänge an der Zellmembran im Detail zu verstehen, wandte sich van Wijk an Mike Heilemann vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität. Mit der von ihm entwickelten Kombination aus quantitativer Mikroskopie und hochauflösender Einzelmolekülmikroskopie kann Heilemann einzelne Proteinkomplexe und deren molekulare Organisation in Zellen sichtbar machen. Gemeinsam mit Ivan Dikic (Institut für Biochemie II) und Simone Fulda (Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie) an der Goethe-Universität, Harald Wajant vom Universitätsklinikum Würzburg und Darius Widera von der Universität Reading/UK, konnten sie nun den Tanz der Rezeptor-Moleküle beobachten. Finanzielle Unterstützung kam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über den Sonderforschungsbereich 807, „Transport and Communication across Biological Membranes“.

Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe von „Science Signaling“ berichten, liegen die TNFR1-Rezeptoren in Abwesenheit von TNFα als Monomere und Dimere vor. Sobald jedoch TNFα an die Rezeptoren bindet, bilden diese in der Membran Trimere und Oligomere. Gleichzeitig fanden die Forscher Hinweise auf Mechanismen, die das Schicksal der Zelle unabhängig von TNFα bestimmen. Diese könnten bei Entgleisungen wie Krebs oder überschießenden Entzündungsreaktionen, etwa der rheumatoiden Arthritis, relevant sein. „Das eröffnet neue Wege für die therapeutische Regulation“, so van Wijk.

Publikation: C. Karathanasis, J. Medler, F. Fricke, S. Smith, S. Malkusch, D. Widera, S. Fulda, H. Wajant, S. J. L. van Wijk, I. Dikic, M. Heilemann, Single-molecule imaging reveals the oligomeric state of functional TNFα-induced plasma membrane TNFR1 clusters in cells. Sci. Signal. 13, eaax5647 (2020). DOI: 10.1126/scisignal.aax5647

Informationen: Dr. Sjoerd van Wijk, Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie, Campus Niederrad, Tel.: (069) 67866574, Email: s.wijk@kinderkrebsstiftung-frankfurt.de 

Prof. Dr. Mike Heilemann, Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798 29424, Email: heileman@chemie.uni-frankfurt.de

 

Jan 14 2020
14:21

Studiengalerie 1.357 zeigt Arbeit der Künstlerin und Filmemacherin Basma Alsharif 

„Deep Sleep“: kinematografische Mittelmeer-Odyssee 

FRANKFURT. Die Studiengalerie 1.357 zeigt vom 15. Januar bis zum 12. Februar 2020 die Arbeit “Deep Sleep" von Basma Alsharif. “Deep Sleep“ lädt ein zu einer kinematografischen Mittelmeer-Odyssee mit viszeralen Empfindungen. Ruinen von antiken und modernen Stätten in Malta, Athen und dem Gazastreifen; ein in einem Garten trabendes Pferd; eine den Hafen verlassende Fähre. Sekundenlanges Farbflimmern, die Super-8-Kamera überblendet Orte und Zeiten, spult vor und zurück. Dazu der Soundtrack von psychedelischen Beats. Er vermengt den gleichmäßigen Rhythmus von menschlichen Schritten oder vom Rattern einer Eisenbahn mit Vogelgezwitscher. Es ist, als sei man an mehreren Orten zugleich.

Die Ausstellung ist vom 15.1. bis zum 12.2.2020 im I.G.-Farben-Haus der Goethe-Universität, Raum 1.357, im 1. Stock, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mo-Do, 12-17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Eröffnung findet am 15. Januar 2020 um 20 Uhr in der Studiengalerie 1.357 statt.

Basma Alsharif wird als Kind palästinensischer Eltern geboren. Sie wächst im Gazastreifen und in verschiedenen Ländern auf und bezeichnet sich selbst als staaten- und heimatlose nomadische Künstlerin. In ihren Installationen experimentiert sie mit einem neuen Zugang zu selbst Erlebtem und reflektiert das Schicksal des palästinensischen Volkes. Die ursprüngliche Idee von „Deep Sleep“ war ein Soundtrack mit Geräuschen aus dem Gazastreifen. In einem Versuch, sich selbst zu hypnotisieren, kamen bewegte Bilder von flüchtigen Erinnerungen dazu. So entsteht das Narrativ einer filmischen Autofiktion, der illusionäre Gang einer Künstlerin mit multiplen Perspektiven durch ineinander verschränkte Räume und Zeiten. Alsharifs transzendenter Zustand der Bilokation beschränkt sich dabei nicht auf Gaza, sondern rekonstruiert die Zivilisation des Mittelmeerraums anhand von Ikonen der Antike und mythischer Orte: eine Siegesglocke als Mahnmal des Widerstands, Steilküsten oder versteckte Gärten mit Brunnen. Ruinen des kulturhistorischen Erbes ehemaliger Stätten von Belagerung und Fremdherrschaft verschränkt sie mit einer modernen Zivilisation in Ruinen: die Akropolis und ein Graffiti einer frustrierten und arbeitslosen Jugend: No Justice! Die Dialektik ihrer Repräsentation rekonstruiert und dekonstruiert Vergangenheit und Gegenwart, Perzeption und Realität visuell wie akustisch. Mit dem Finger deutet Alsharif wie auf einem Touchscreen auf Objekte und versetzt die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Position von Akteuren; sie werden Teil des Versuchs, das Trauma und den Schmerz von Gaza an anderen Orten zu replizieren.

Basma Alsharif graduierte 2007 mit einem Master of Fine Arts an der University of Illinois, Chicago und arbeitet seitdem in Kairo, Beirut und Amman. Alsharifs Arbeiten wurden in internationalen Ausstellungen und Filmfestivals gezeigt und mit Preisen ausgezeichnet. „Deep Sleep“ wurde erstmals 2014 auf dem Media City Film Festival in Windsor, Ontario und anschließend auf anderen Festivals aufgeführt. Als Gewinner eines internationalen Wettbewerbs gewann er den Preis der Videoex in Zürich.

Die Studiengalerie 1.357 ist eine Kooperation des Städel Museums, des MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt, des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften und der Goethe-Universität Frankfurt. Sie realisiert pro Jahr vier Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst, die unter dem Leittitel „Erinnerungskultur und Bildgebrauch“ in Lehrveranstaltungen von Studierenden verschiedener Disziplinen erarbeitet werden.

 

Jan 13 2020
14:00

DFG fördert Kolleg-Forschungsgruppe „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“ an der Goethe-Universität

Neuer Blick auf die Geschichte des Christentums

FRANKFURT. Welche Rolle spielen Religionen für die Organisation von Gesellschaften, für ihre Konflikte und ihren Zusammenhalt? Diese Frage ist nicht nur politisch hochaktuell, sondern auch relevant für die historische Forschung. Eine neue, von der DFG geförderte Kolleg-Forschungsgruppe mit dem Titel  „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“ richtet den Blick auf frühere Formen des Christentums. Sprecherinnen der Kolleg-Forschungsgruppe sind Birgit Emich, die an der Goethe-Universität die Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit innehat, und Dorothea Weltecke, Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Goethe-Universität.

Kein Zweifel: Die verschiedenen Strömungen des Christentums haben die Geschichte Europas und der Welt mitgestaltet: Sie prägten die Sinnhorizonte und Praktiken der Menschen über viele Jahrhunderte, sie brachten die Institution der Kirche hervor, die für die Entwicklung des Rechts und für die Herausbildung weltlicher Herrschaftsstrukturen von großer Bedeutung war, und sie trugen wesentlich zur Vernetzung der zunehmend globalen Welt bei.

Wie aber lässt sich diese Geschichte in ihrer Vielfalt und Dynamik erfassen? Die bisherige Forschung hat die Zustände des 19. Jahrhunderts mit zentralisierten Großkirchen und einer Dominanz des europäischen Christentums oftmals auch in die Vergangenheit rückprojiziert: Christentum wurde demnach meist als etwas Einheitliches und Europäisches verstanden. Die Kolleg-Forschungsgruppe will nun ihren Blick stärker auf die titelgebende „Polyzentrik und Pluralität vormoderner Christentümer“ richten.

Ziel der Kolleg-Forschungsgruppe ist es, die Vielfalt der Christentümer terminologisch wie konzeptionell neu zu fassen und ein Modell zu entwerfen, das die Vorstellungen historischer Dynamik im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit grundlegend erweitert. Methodischer Ausgangspunkt ist der Begriff der „Christentümer“, der den Kirchen, d.h. den Institutionen mit ihren Apparaten und Hierarchien, zur Seite gestellt wird. Christentümer, so die Definition, sind Interaktionsgemeinschaften, die sich auf Jesus Christus beziehen und sich als Gruppe nach außen abgrenzen. Wo sich die Interaktion zwischen den Akteuren verdichtet, bilden sich Zentren, wo sie ausdünnt, entstehen Grenzen. Diese Zentren und Grenzen sind in Bewegung, und genau diese Dynamik ist es, mit der die Christentümer die historische Entwicklung mitgestalten.

Diese Perspektive ermöglicht es, die historisch wirkmächtigen Kirchen in ihrer historischen Vielfalt darzustellen und ihnen gleichzeitig einen neuen Platz in der transkulturellen Geschichte der Christentümer zuzuweisen: Denn indem anders als in traditionellen kirchengeschichtlichen Ansätzen die Akteure und ihre Interaktionen in den Mittelpunkt gerückt werden, zeigt sich eine Vielfalt von Beziehungen und Gemeinsamkeiten, die sich zu Christentümern verdichten und neben oder auch quer zu den Kirchen verlaufen.

Mit diesem mehrschichtigen Ansatz können Birgit Emich und Dorothea Weltecke zufolge historische Modelle entwickelt werden, die postkolonialen Überlegungen Rechnung tragen, überkonfessionelle Zusammenhänge erfassen und den Beitrag der Christentümer zur globalen Vernetzung deutlicher als bisher herausarbeiten.

Diesem Anliegen wird sich das Frankfurter Kolleg widmen. Unter der Leitung von Birgit Emich und Dorothea Weltecke werden vier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gemeinsam mit Fellows aus dem In- und Ausland und aus verschiedenen Disziplinen an der Entwicklung eines neuen Modells für die Geschichte der Christentümer in der Zeit von 700 bis 1800 arbeiten. Das Projekt ist zunächst auf vier Jahre bewilligt und wird mit ca. 3 Millionen Euro gefördert. Es startet mit seinem Fellow-Programm im Oktober 2020.


Informationen: Prof. Dr. Birgit Emich, https://www.geschichte.uni-frankfurt.de/43090711/Emich_Birgit; Prof. Dr. Dorothea Weltecke, https://www.geschichte.uni-frankfurt.de/66156354/Dorothea_Weltecke

 

Jan 13 2020
13:51

Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Selbst Denken“ in der Universitätsbibliothek Frankfurt

Schopenhauers Frankfurt

FRANKFURT. Begleitend zur Schopenhauer-Ausstellung „Selbst Denken“ in der Universitätsbibliothek Frankfurt hält der Philosoph Michael Fleiter einen Vortrag, in welchem er Bezüge zwischen der Stadt Frankfurt und Schopenhauers Philosophie beleuchtet. Die Ausstellung „Selbst Denken“ zum 200-jährigen Jubiläum von Schopenhauers Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ ist an diesem Tag von 13 bis 20 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung für den Vortrag oder die Ausstellungsbesichtigung ist nicht nötig.

Vortrag: Michael Fleiter, „Schopenhauers Frankfurt - eine Stadt im Spiegel seiner Philosophie“
Donnerstag, 16. Januar 2020, 18.00 Uhr; Eingangshalle der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main; Bockenheimer Landstr. 134-138, 60325 Frankfurt am Main.


Als Arthur Schopenhauer sich 1833 in Frankfurt am Main niederließ, war die Wahl des Wohnortes für ihn äußerst wichtig. Auf dem Deckel seines Rechnungsbuches notierte er als Vorzüge der Stadt: Modernität, Internationalität, die Freiheit großstädtischen Lebens und vor allem eine Vielzahl naturwissenschaftlicher Institutionen, die er für die Fortführung seiner philosophischen Arbeit benötigte. Er nutzte die Informationen über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die er sich im Naturhistorischen Museum und im Physikalischen Kabinett, in Bibliotheken und Lesesälen aneignete, um seine zuvor entstandene, metaphysische Willensphilosophie mit Ergebnissen zeitgenössischer Naturwissenschaft zu untermauern.

Die Ansichten des Philosophen irritierten die meisten Zeitgenossen. Dass der Mensch − triebgesteuert und an die natürliche Gesetzmäßigkeit seiner physischen Ausstattung gebunden − in naher Verwandtschaft mit dem Tier steht; dass in der Welt nicht göttliche Vorsehung, sondern ein blinder Lebenswille vorwaltet: Solche und ähnliche Einsichten empfanden viele als ernüchternd und kränkend und nur wenige waren bereit, dem Querdenker zu folgen. Stattdessen ersann man eine Fülle von Anekdoten, die in erster Linie Eigentümlichkeiten der Person betrafen. Schopenhauers philosophische Bedeutung und die Rolle, die Frankfurt in diesem Zusammenhang spielte, blieben weitgehend ausgespart.

Der Vortrag lässt das von Anekdoten geprägte Bild außer Acht, stattdessen setzt er Ort und Werk zueinander in Beziehung. Auf diese Weise wird die moderne Entwicklung des Stadtbildes sichtbar wie ihr wissenschaftlicher, auf bürgerlichen Stiftungen basierender Rang. Zugleich rücken Kernpunkte der Schopenhauerschen Philosophie in den Fokus, welche die Geschichte der Wissenschaft und Philosophie in Frankfurt fortschreiben − eine Geschichte von ungebrochener Aktualität.

Infos zur Ausstellung: https://www.ub.uni-frankfurt.de/ausstellung/selbst-denken.html

Weitere Informationen:
Jessica Zülch, Veranstaltungsmanagement, Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Bockenheimer Landstraße 134-138, 60325 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798 29571, E-Mail: events@ub.uni-frankfurt.de

Kontakt für Pressefragen allgemein: Bernhard Wirth, Stabsstelle Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek, Tel. (069) 798 39223; Mail: pr-team@ub.uni-frankfurt.de

 

Jan 6 2020
12:22

Bündelung und Vernetzung der verschiedenen Disziplinen mit Schwerpunkt Italien

Goethe-Uni hat jetzt ein Italienzentrum

FRANKFURT. Geschichte und Kunstgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft, Musikwissenschaft und Politologie – in all diesen Fächern ist Italien ein Thema. An der Goethe-Universität haben sich die unterschiedlichen Disziplinen jetzt zusammengeschlossen, um unter dem Dach eines Italienzentrums noch stärker miteinander kooperieren zu können.

„Die Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Italien befassen, hatten auch schon bisher das eine oder andere Projekt gemeinsam“, sagt Christine Ott, Professorin für italienische Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität, die das Zentrum gemeinsam mit dem Historiker Prof. Christoph Cornelißen leitet. Schon jetzt gebe es mehrere große Drittmittelprojekte an der Goethe-Universität, die sich mit Geschichte und Kultur Italiens befassten. Auch ein binationaler Studiengang wird angeboten, so dass Absolventen am Ende sowohl einen deutschen als auch einen italienischen Abschluss vorweisen können. Das Italienzentrum soll den Wissenschaftlern nun darüber hinaus dabei helfen, sich noch besser interdisziplinär miteinander zu vernetzen – und damit die Sichtbarkeit der Forschung nach außen zu erhöhen. Die beteiligten Wissenschaftler bringen ihre Kontakte zu unterschiedlichen italienischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Rom, Venedig, Trient und Florenz ein. Darüber hinaus soll es drei Vorträge im Jahr geben, die sich auch an ein externes Publikum richten, sowie Konferenzen und fächerübergreifende Lehrveranstaltungen.

„Das neue Zentrum gibt uns verstärkt Möglichkeit, Gespräche unter Italienspezialisten zu führen und Forscherpersönlichkeiten aus dem Ausland einzuladen“, freut sich Professorin Ott, die selbst die einzige Professur für italienische Literaturwissenschaft an der Goethe-Uni innehat und sich auf die zusätzlichen Möglichkeiten des Austauschs freut. Bislang muss sich das Zentrum aus den Mitteln der beteiligten Institute finanzieren. Mit im Boot ist auch die deutsch-italienische Vereinigung, die auch bei der Präsentation des Zentrums beim Europasommer in diesem Jahr mitwirken wird. PD Dr. Caroline Lüderssen, die Vorsitzende der Vereinigung und selbst Italianistin, engagiert sich mit ihrer Institution für das Zentrum. Beteiligte Wissenschaftler sind außer Christine Ott und Christoph Cornelißen Prof. Claudius Wagemann (Politikwissenschaft), Prof. Hans Aurenhammer (Kunstgeschichte), Prof. Vinzenz Hediger (Filmwissenschaft), Prof. Günther Wassilowsky (Katholische Theologie), Prof. Birgit Emich (Geschichtswissenschaft), Prof. Hartmut Leppin (Geschichtswissenschaft), Prof. Cecilia Poletto (Sprachwissenschaft), Prof. Jacopo Torregrossa (Romanistik), Dr. Philip Stockbrugger, Dr. Lena Schönwälder, PD Dr. Magnus Ressel sowie Dr. Marco Cavarzere.

Bei der Eröffnung des Zentrums Mitte Dezember sagte der italienische Generalkonsul Andrea Estéban Samà seine Unterstützung zu. Festredner war der Historiker Carlo Ginzburg, der u.a. in Bologna und Pisa gelehrt hat und als Begründer der Mikrogeschichte gilt. In einer berührenden Rede sprach er über die Anfänge seiner Methodik und erinnerte an seinen Vater, Leone Ginzburg, der von der SS in Rom ermordet wurde. „Mein Vater war in Russland in einer jüdischen Familie geboren, er wurde Italiener, er starb als Europäer“, schloss Ginzburg seine Rede: „Ich habe es für richtig gehalten, heute und hier an ihn zu erinnern, in einem so schwierigen und wichtigen Augenblick für Italien, für Deutschland und für Europa“.

Informationen: Prof. Dr. Christoph Cornelißen, Historisches Seminar, Fachbereich 08, Campus Westend, Telefon 069 798-32519, E-Mail cornelissen@em.uni-frankfurt.de /Prof. Dr. Christine Ott, Institut für Romanische Sprachen und Literaturen, Fachbereich 10, Campus Westend, Telefon 069 798-32014, E-Mail c.ott@em.uni-frankfurt.de