​​​​​​​Pressemitteilungen ​​​ – April 2016

Veranstaltungen

Apr 13 2016
14:55

Die Ringvorlesung „Modelling Transformation“ des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ beginnt am 20. April 2016

Lässt sich Wandel auch voraussagen?

FRANKFURT. Die Ringvorlesung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität widmet sich in diesen Sommersemester dem Thema „Modelling Transformation“. Die fünfteilige Reihe, die der Cluster in Kooperation mit dem Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften und dem Sonderforschungsbereich „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ durchführt, erörtert Modellierungen von Transformation aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven. Im Zentrum der Beiträge stehen eine Positionsbestimmung zeitgenössischen historischen Denkens und die Frage nach einer historisch begründeten Prognostik. Der Auftaktvortrag von Wolfgang Knöbl, Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung, am 20. April um 18.15 Uhr im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend trägt den Titel „Was ist ein sozialer Prozess?“.

Historische Geisteswissenschaften befassen sich zwar fortwährend mit Phänomenen des Wandels, doch erstaunlich unterentwickelt ist die Diskussion darüber, wie das Phänomen „Wandel“ in den Geisteswissenschaften überhaupt zu denken ist. Mit welchen Deutungsmodellen erfassen wir Prozesse der Veränderung? Wie steuern unsere erkenntnistheoretischen Grundannahmen die Deutung von Wandel? Natürlich bieten historische Arbeiten andauernd vielfältige Erklärungen dafür an, warum (seltener: wie) die eine historische Formation zu einer anderen historischen Formation wurde. Aber die Deutungsmuster – die erkenntnistheoretischen, methodischen, nicht selten auch politischen Grundlagen dieser Erklärungen – bleiben meist implizit. Das ist umso erstaunlicher, als gerade hier der Brückenschlag zwischen empirischer Forschung und theoretischen Ansätzen gelingen könnte. Die aktuelle Ringvorlesung will dazu einen Beitrag leisten.

Im Mittelpunkt des ersten Vortrags am 20. April steht der Prozessbegriff, der in verschiedenen Ausprägungen schon seit der Gründungsphase der Sozialwissenschaften zu deren begrifflichen Handwerkszeug gehört. In seinem Vortrag versucht Wolfgang Knöbl, der im April 2015 die Leitung des Hamburger Instituts für Sozialforschung übernommen hat, anhand der Analyse vergangener und gegenwärtiger historischer wie soziologischer Diskussionen um den Prozessbegriff unterschiedliche theoretische Herangehensweisen zu typisieren und auch deren Stärken und Schwächen zu benennen. In der dann folgenden Vorlesung von Rudolf Stichweh, Professor für Theorie der modernen Gesellschaft an der Universität Bonn, geht es am 4. Mai um „Soziokulturelle Evolution und soziale Differenzierung: Das Studium der Gesellschaftsgeschichte und die beiden Soziologien der Transformation“. Stichweh sieht die Differenzierungs- und die Evolutionstheorie aufeinander angewiesen. Sein Vortrag demonstriert dies in einer elementaren Rekonstruktion der Gesellschaftsgeschichte.

Eva Geulen, die am 1. Juni referiert, lehrte bin zum vergangenen Jahr Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Goethe-Universität, bevor sie an die Berliner Humboldt-Universität wechselte. Bei der Ringvorlesung beschäftigt sie sich mit der „Reihenbildung nach Goethe“. Dieser hatte in seiner Morphologie und anrainenden Schriften mit der Reihe als Modellierung von Formenwandel in der Zeit experimentiert. Im 20. Jahrhundert wurde dieses protostrukturalistische Verfahren in verschiedenen Disziplinen wieder aufgenommen. Ihrer kritischen Sichtung gilt der Vortrag.

Der vierte und der abschließende fünfte Beitrag finden auf Englisch statt. Andrew Abbott, Soziologe an der University of Chicago, spricht am 15. Juni in seinem Vortrag „Processual Social Theory“ über die Grundlagen einer prozessualen Theorie des gesellschaftlichen Lebens. Er skizziert dabei eine Sozialontologie, in der sowohl Personen als auch soziale Gruppen als Entwicklungslinien, definiert über Ereignisse im Laufe der Zeit, hervorgebracht werden. Lorraine Daston schließlich analysiert am 29. Juni die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufkommende Ansicht, wonach die Ursprünge der modernen Welt auf die wissenschaftliche Revolution zurückzuführen seien und nicht auf die religiöse Reformation oder politische und industrielle Revolutionen. Die Referentin ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Ihr Frankfurter Vortrag heißt „The Strange Modernity of Modern Science“.

Organisiert wird die Ringvorlesung von einem Team um die Clustermitglieder und Professoren Bernhard Jussen (auch Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften) und Hartmut Leppin (auch SFB „Schwächediskurse und Ressourcenregime“). Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich willkommen. Alle Vorträge finden im Hörsaalzentrum (Raum HZ 10) auf dem Campus Westend statt. Beginn ist jeweils um 18.15 Uhr. Die Termine im Überblick:

20. April 2016
Prof. Dr. Wolfgang Knöbl (Hamburger Institut für Sozialforschung): Was ist ein sozialer Prozess?

4. Mai 2016
Prof. Dr. Rudolf Stichweh (Universität Bonn): Soziokulturelle Evolution und soziale Differenzierung: Das Studium der Gesellschaftsgeschichte und die beiden Soziologien der Transformation

1. Juni 2016
Prof. Dr. Eva Geulen (Humboldt-Universität zu Berlin): Reihenbildung nach Goethe

15. Juni 2016
Prof. Dr.Andrew Abbott (University of Chicago): Processual Social Theory

29. Juni 2016
Prof. Dr. Lorraine Daston (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin): The Strange Modernity of Modern Science

Information: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Tel.: 069/798-32424 (Sekretariat), jussen@em.uni-frankfurt.de; Dr. Steffen Bruendel, Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, Tel. (069) 798-32344 (Sekretariat), fzhg@em.uni-frankfurt.de

www.normativeorders.net, www.fzhg.org, www.sfb1095.net

Programm: www.normativeorders.net/de/veranstaltungen/ringvorlesungen

Veranstaltungen

Apr 12 2016
12:39

Auftaktveranstaltung an der Goethe-Universität für hessische Haupt- und Realschullehrkräfte im bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht

Medien-Einladung / Weiterbildung Islamische Religion

FRANKFURT.Am Donnerstag, dem 14. April, findet an der Goethe-Universität die universitätsöffentliche Auftaktveranstaltung des ersten Lehrerweiterbildungskurses „Islamische Religion“ für den Sekundarbereich I statt. 15 hessische Haupt- und Realschullehrer muslimischen Glaubens kommen erstmalig zusammen, um in den folgenden zwei Jahren berufsbegleitend eine zusätzliche Lehrbefähigung für das Fach „Islamische Religion“ zu erwerben. Die 2014 erstmalig besetzte Professur für Islamische Religionspädagogik an der Goethe-Universität hatte in den vergangenen Monaten in Abstimmung mit den beiden in Hessen als Kooperationspartner für den islamischen Religionsunterricht anerkannten Religionsgemeinschaften Ahmadiyya Muslim Jamaat K. d. ö. R. und DITIB Hessen Landesverband e. V. und dem Hessischen Kultusministerium ein Curriculum für den Weiterbildungskurs ausgearbeitet. Dieses Curriculum stellt ein bundesweites Novum dar und wird kurz erläutert werden. Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz und Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff werden die Gäste begrüßen. Auch die Vertreter der beiden Religionsgemeinschaften sowie der Direktor der Akademie für Bildungsforschung und  Lehrerbildung der Goethe-Universität werden Grußworte beitragen.

Mit Durchführungsbeginn des ersten Weiterbildungskurses „Islamische Religion“ für die Sekundarstufe I setzt die Goethe-Universität auch den zweiten Teil des Aufbauprojekts „Islamische Studien“ – die Lehreraus- und -weiterbildung – um. Bereits seit Ende 2011 fördert das BMBF zum einen den Aufbau eines Instituts für Islamisch-theologische Studien an der Goethe-Universität Frankfurt. An diesem Institut bieten heute drei Professoren eine stark nachgefragte Bachelor- und Masterausbildung an. Ergänzend finanziert auch das Land Hessen den Aufbau von Lehramtsstudiengängen und Weiterbildungsprogrammen für Lehrkräfte, die bereits im Schuldienst stehen. Zunächst waren an der Justus-Liebig-Universität Gießen derartige Angebote für angehende Grundschullehrer und für hessische Lehrkräfte im bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht geschaffen worden. In Frankfurt beginnen nun 2016 und 2017 sukzessive Angebote für den Sekundarbereich I (Klassenstufen 5 – 10) und den Sekundarbereich II (ab Klasse 11) (Weiterbildungskurse sowie auch reguläre Lehramtsstudiengänge).

Damit verfügt die Goethe-Universität heute sowohl über moderne theologische Lehrangebote als auch über breite Islam-bezogene Forschungskompetenz. Die am Zentrum für Islamische Studien entwickelte Expertise in Islamischer Theologie und Religionspädagogik ist mit der Islam-bezogenen sozialwissenschaftlichen Forschung, etwa am Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam und der bildungswissenschaftlichen Heterogenitätsforschung am Erziehungswissenschaften, in einem interdisziplinären Verbund integriert.

Auftaktveranstaltung des ersten Lehrerweiterbildungskurses „Islamische Religion“ für den Sekundarbereich I. 14. April, 15.00 Uhr, Campus Bockenheim, Juridicum, Raum 1001, 10. OG. Senckenberganlage 31, Frankfurt am Main

 Grußworte: Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff; Hessischer Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Abdullah Uwe Wagishauser - Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat, K. d. ö. R., Salih Özkan - Vorsitzender des DITIB Landesverbandes Hessen e. V. ; Prof. Holger Horz - Direktor der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung (ABL)
Vorstellung des Weiterbildungskurses: Prof. Dr. Harry Harun Behr, Goethe-Universität.

Ab 15.45 Uhr: Imbiss und Austausch

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Auftaktveranstaltung teilzunehmen. 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Harry Harun Behr, Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik des Islamischen Religionsunterrichts, Institut für Pädagogik der Sekundarstufe. Goethe-Universität Frankfurt am Main. Tel. (069) 798 36306; hb@em.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Apr 12 2016
09:04

Ausstellung: „Plätze in Deutschland 1950 und heute“

Einladung zu Medientermin und Ausstellung / Wie gestalten wir die Zukunft unserer Städte?

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Deutsche Institut für Stadtbaukunst zeigt im IG-Farben-Haus der Goethe-Universität die Ausstellung „Plätze in Deutschland 1950 und heute“. Die Schau macht deutlich, wie unter dem Diktat ideologisch-funktionaler Planungsparadigmen gut erhaltene Straßen und Plätze in den Nachkriegsjahrzehnten zerstört wurden und somit als öffentlicher Raum für die Bürger verloren gingen. Dabei werden die städtischen Situationen der 50er Jahren denen der Gegenwart gegenübergestellt. Entstanden ist die Ausstellung im Zuge einer dreijährigen „Wanderschaft“ durch Deutschland. Mit jeder Station wurde diese um ein lokales Bildpaar ergänzt. Die Ausstellung appelliert an die Betrachter, sich den öffentlichen Raum für das gesellschaftliche Leben wieder zurückzuerobern, so die Ausstellungsmacher.

Ausstellungseröffnung und Podiumsdiskussion: Dienstag, den 12. April 2016, 18.30 Uhr, Foyer IG-Farben-Hauses, Goethe-Universität, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main

Es sprechen und diskutieren: Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Goethe-Universität), Bürgermeister Olaf Cunitz (Stadt Frankfurt am Main), Dr. Rolf-E. Breuer, Christoph Siegl (Open Urban Institute), Prof. Dr. Harald Bodenschatz (Center for Metropolitan Studies), Johnny Klinke (Tigerpalast), Prof. Christoph Mäckler (Deutsches Institut für Stadtbaukunst)

Moderation: Dr. Matthias Alexander (FAZ)

Hinweis für Medienvertreter:

Der Architekt Prof. Christoph Mäckler führt um 17.30 Uhr zu einer Vorbesichtigung durch die Ausstellung. Dazu laden wir Sie herzlich ein. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit unabhängig vom Veranstaltungstermin zusammen mit Christoph Mäckler beispielsweise den Frankfurter Bahnhofsplatz zu besuchen, einen der Plätze der Ausstellung. Über Ihr Interesse freuen wir uns auch im Namen der Ausstellungsmacher.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.stadtbaukunst.tu-dortmund.de/cms/de/Aktuell/ 

Herzliche Grüße
Dr. Olaf Kaltenborn
Pressesprecher

Hochschulpolitische Themen

Apr 8 2016
13:15

Ohne Auflagen systemakkreditiert: Künftig kann die Goethe-Universität über die Ein- und Weiterführung von Studiengängen selbstständig entscheiden.

Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in Studium und Lehre

FRANKFURT. Als erste hessische Universität und eine der wenigen deutschen Volluniversitäten hat die Goethe-Universität das Systemakkreditierungsverfahren erfolgreich durchlaufen und wurde ohne Auflagen systemakkreditiert. Das bedeutet, dass sie fortan eigenverantwortlich, d.h. unabhängig von externen Akkreditierungsagenturen, über die Ein- und Weiterführung von Studiengängen entscheiden kann. Die Präsidentin der Goethe-Universität Prof. Dr. Birgitta Wolff freut sich und betonte den Mehrwert der Systemakkreditierung: „Die Universität kann nun erst recht gezielt mit eigenem Know-how und eigenen Ideen auch in der Lehre weiterarbeiten.“ Der ausstehenden rechtlichen Neujustierung des Akkreditierungssystems im Zuge des Urteils des Bundesverfassungsgerichts sieht die Präsidentin gelassen entgegen: „Das Urteil zeigt, dass die bisherigen rechtlichen Grundlagen der Akkreditierungspraxis Lücken aufweisen, die nunmehr gefüllt werden müssen. Da die Goethe-Universität auf diesem Feld zukünftig eigenverantwortlich agiert, ist sie von diesem Urteil wenig berührt. Die Diskussionen um die externe Akkreditierung bestätigen uns in unserer Entscheidung für die Systemakkreditierung.“

Mit der Systemakkreditierung wird der Goethe-Universität bescheinigt, dass ihr Qualitätssicherungssystem in Studium und Lehre die Qualitätsziele und -standards ihrer Studiengänge gewährleisten und weiterentwickeln kann. Die Systemakkreditierung ist befristet auf sechs Jahre bis 2022; durchgeführt wurde sie von der Akkreditierungsagentur ACQUIN. Die Goethe-Universität hat seit 2012 im Rahmen einer Zielvereinbarung mit dem Land Hessen ihr Qualitätssicherungssystem in Studium und Lehre systematisch ausgebaut. Sie folgt dabei einem Qualitätsverständnis, das dem Dialog und der Beteiligung aller relevanten Akteure, vor allem auch der Studierenden, großen Stellenwert zumisst und zugleich den Fachbereichen ein hohes Maß an Selbstverantwortung zuweist. Der Weg hin zur Systemakkreditierung dauerte über drei Jahre  und wurde von einem großen inneruniversitären Diskussionsprozess über Studium und Lehre begleitet. Dass die Goethe-Universität schließlich ohne Auflagen akkreditiert wurde, zeigt, dass sich diese partizipativen Kommunikationsstrukturen nach innen ausgezahlt haben und das neue Qualitätssicherungssystem von allen Gruppen der Universität getragen wird. Insgesamt hat die Systemakkreditierung die Sichtbarkeit von Studium und Lehre  erhöht.


Die Qualitätssicherung der Goethe-Universität basiert auf der Verzahnung quantitativer und qualitativer Evaluationsinstrumente. Exemplarisch lässt sich dieses durch Eigenverantwortung und Dialog geprägte System an der universitätsinternen Akkreditierung darstellen, die die Bachelor- und Masterstudiengänge alle sechs Jahre durchlaufen und bei der in der Regel durch Vor-Ort-Begehungen externe Expertise einfließt. Die externen Gutachten bilden neben internen Richtlinien die Entscheidungsgrundlage für die hochschulinterne Akkreditierungskommission. Der Kommission gehören Vertreterinnen und Vertreter aller Fachkulturen und Statusgruppen an. Sie hat seit ihrer Konstituierung in den letzten zwei Jahren mehr als 40 Studiengänge erfolgreich intern akkreditiert. Bei ihren Entscheidungen spielten Aspekte der Transparenz, Prüfungsvielfalt und Studierbarkeit eine wesentliche Rolle, so dass nach über zwei Jahren Kommissionsarbeit sich erste Richtlinien herauskristallisiert haben.

Dass gerade das „institutionelle Wissen“ ein Vorzug gegenüber den externen Programmakkreditierungen ist, hob die für die Systemakkreditierung verantwortliche Vizepräsidentin Prof. Dr. Tanja Brühl hervor: „Die Mitglieder der Akkreditierungskommission können im Wissen um die konkreten Bedingungen der Fachbereiche fundiertere und konsequentere Entscheidungen treffen, als es in der Vergangenheit möglich war.“ Und nicht zuletzt das Ringen um unterschiedliche Standpunkte habe, so der Vorsitzende der Akkreditierungskommission Prof. Dr. Jörg Soppa, eine „oft diskursive, aber immer produktive Qualitätskultur“ sowohl in der Kommission als auch insgesamt an der Goethe-Universität entstehen lassen. In den kommenden Jahren soll die inhaltliche Ausgestaltung der Qualitätskultur im Fokus stehen und das Qualitätssicherungssystem noch stärker als in der Vergangenheit an die Herausforderungen einer heterogenen Volluniversität angepasst werden.

Weitere Informationen:

Dr. Kerstin Schulmeyer-Ahl, Leiterin Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (069) 798 12341; E-Mail: schulmeyer@pvw.uni-frankfurt.de; www.luq.uni-frankfurt.de, Dr. Cornelius Lehnguth, Abteilung Lehre und Qualitätssicherung, Goethe-Universität Frankfurt. Tel. (o69) 798 12486; lehnguth@pvw.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Apr 8 2016
13:13

Werbung in der New Yorker U-Bahn für Kurse in „Standard American English“ inspirierte die armenisch-amerikanische Künstlerin

Video-Installation „Accent Elimination“ von Nina Katchadourian in der Studiengalerie 1.357

FRANKFURT. Die Studiengalerie 1.357 der Goethe-Universität zeigt vom 20. April bis zum 27. Mai 2016 die Video-Installation „Accent Elimination“ von Nina Katchadourian. In „Accent Elimination“ beschäftigt sich die amerikanische Künstlerin mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Diese Installation war 2015 zusammen mit Werken anderer armenisch stämmiger Künstler auf der 56. Biennale in Venedig zu sehen. Die Eröffnung findet am 20. April (Mittwoch) um 20 Uhr im I.G. Farben-Haus, Raum 1.357, statt.

„KATCHADOURIAN that's an unusual name! What is it?“ Diese Frage ist nur scheinbar leicht zu beantworten. Die Familie ihrer Mutter Stina gehört einer schwedischen Minderheit in Finnland an, ihr Vater Herant, ein armenischer Türke, ist in Beirut aufgewachsen. Über die Gründe der Migration nach Amerika vor über vier Jahrzehnten können die Betrachter nur spekulieren. Beide Elternteile haben ihren ganz eigenen markanten, aber für Fremde schwer einzuordnenden, Akzent beibehalten. In „Accent Elimination“ zeigt die Künstlerin nun ihre Eltern bei dem Versuch, sich mit Hilfe eines professionellen Sprachtrainers das Standard American English ihrer Tochter anzutrainieren. Die Tochter hingegen versucht, die jeweiligen Akzente ihrer Eltern zu lernen. Das Manuskript, das alle drei üben, haben die Eltern aus den Gesprächen zusammengestellt, die sie immer wieder führen müssen, wenn sie wieder einmal zu ihrem ungewöhnlichen Akzent befragt werden.

Die Sechs-Kanal-Video-Arbeit besteht aus einem Block von sechs Röhrenmonitoren auf Sockeln, mit drei Bildschirmen auf jeder Seite. Die eine Seite zeigt je Vater, Tochter und Mutter im Porträt. Dem Betrachter frontal zugewandt, sprechen sie mal mit ihrem eigenen Akzent, mal wiederholen sie dieselben Sätze nach dem Sprechtraining. Auf der anderen Seite sind Ausschnitte aus der Arbeit mit dem Trainer zu sehen. Eine Werbung in der New Yorker U-Bahn für Kurse in „Accent Elimination“ inspirierte die Künstlerin zu dieser sehr persönlichen Arbeit. Tatsächlich gibt es in den USA unzählige Angebote für Migranten, um den Akzent zu „eliminieren“. Sprache ist ein Merkmal kultureller Identität, doch offensichtlich ist die Offenlegung dieser Identität trotz einer globalisierten Welt und einer mobiler werdenden Gesellschaft, nicht immer von Vorteil.

Im Film „Accent Elimination“ von Nina Katchadourian erlebt der Zuschauer familiäre Vertrautheit und Nähe verbunden mit einer überraschenden Distanz zwischen Vater, Mutter und Tochter – alle drei haben völlig unterschiedliche nationale Wurzeln. Diese scheinbar schlichte Wahrheit über unsere globalisierte Welt, die zusammenbringt, aber auch trennt, macht diese Arbeit so vielschichtig und berührend. Katchadourian lässt die Betrachter an ihrer eigenen Familiengeschichte teilhaben, und wirft dabei bedeutsame Fragen unserer Zeit ohne große Geste auf. Das Werk legt keine eindimensionale Lesart nahe. Wie die Betrachter die Videoarbeit ästhetisch und inhaltlich rezipieren, hängt maßgeblich mit dem eigenen Selbstverständnis und der eigenen Geschichte zusammen. Man mag sich fragen, wie hilfreiche die eigene Nationalität heute noch auf der Suche nach Zugehörigkeit ist. Ebenso legitim wäre es zu hinterfragen, wie sich Katchadourians Werk, in Zeiten von Flucht und Völkerwanderung deuten lässt. Sagt es etwas über kollektiv erlebte Krisen als Grundlage von Erinnerungsgemeinschaften?

Die Videoarbeit ist beispielhaft für das Werk der 1969 in Kalifornien geborenen Künstlerin. Seit Ende der 1980er Jahre hat Katchadourian ein umfangreiches Oeuvre geschaffen und thematisiert durch den Einsatz der verschiedensten Medien die Wirkung von Sprache und erfolgreicher oder auch missglückter Kommunikation. So hat sie in „Talking Popcorn“ (2001) ein Programm entwickelt, das die Geräusche einer Popcornmaschine als Morsecodes interpretiert und in Silben übersetzt. In „Natural Car Alarms“ (2002) ersetzte sie die heulenden Sirenen der Auto-Alarmanlagen vor dem Museum of Modern Art in New York durch das Rufen von exotischen Vögeln einer Südseeinsel. Ihre Arbeit „Seat Assignement“ verbreitete sich gleichsam wie ein Virus im Netz. Sie realisierte  diverse Ausstellungen unter anderem im PS1/MoMA, New York, der Serpentine Gallery in London und dem Palais de Tokyo in Paris.

In der Studiengruppe „Erinnerungskultur, Gedächtnispolitik und Bildgebrauch“ arbeiten Studierende und Lehrende verschiedener Disziplinen in enger Kooperation mit dem MMK Museum für moderne Kunst Frankfurt und dem Städel Museum projektorientiert an der Erforschung des bildlichen Umgangs moderner Gesellschaften mit Geschichte. Die Studiengruppe stellt vier Mal im Jahr zeitgenössische Kunst in den Räumen des IG-Farben-Gebäudes aus.

Die Ausstellung im Raum 1.357, im ersten Stock des I.G. Farben-Hauses, ist vom 20. April bis 27. Mai montags bis donnerstags zwischen 12 und 17 Uhr geöffnet.

Informationen: Prof. Dr. Bernhard Jussen, Historisches Seminar, Campus Westend, Tel.: (069) 798 -32424, jussen@em.uni-frankfurt.de; Prof. Dr. Christian Spies, Kunstgeschichtliches Institut; Sina Brückner, studentische Mitarbeiterin der Studiengalerie 1.357, sinabrueckner@icloud.com

Sonstige

Apr 7 2016
13:46

Im neuen UniReport analysieren Politologen der Goethe-Universität den umstrittenen Republikaner Donald Trump und seine Chancen, Präsidentschaftskandidat zu werden.

„Einzigartig in der amerikanischen Geschichte“

FRANKFURT. Milliardär, Immobilien-Tycoon und medialer Selbstdarsteller: Donald polarisiert und provoziert die Öffentlichkeit. Doch wie sind seine erstaunlichen Erfolge bei den Primaries zu erklären, wie sind seine Chancen einzuschätzen, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden? Drei Politologen der Goethe-Universität analysieren in der aktuellen Ausgabe des UniReport das Phänomen Trump. Der Amerikaner Peter Volberding bezeichnet Trumps Verstöße gegen Regeln  der Primaries als „einzigartig in der amerikanischen Geschichte“. Trumps rassistische, frauenfeindliche und xenophoben Sprüche basierten nicht auf einer tiefen Überzeugung, sondern dienten eher dem Zweck, gegen die Political Correctness zu verstoßen. Damit wolle er den Eindruck erzeugen, im Unterschied zum Polit-Establishment die ‚Wahrheit‘ zu sagen. Der Politologe Markus Siewert sieht Trump als Populist ohne ernstzunehmendes Programm; sein Kollege Prof. Hans-Jürgen Puhle ergänzt, dass Trumps schärfster Konkurrent Ted Cruz als radikaler evangelikaler Fundamentalist für republikanische Wähler allerdings alles andere als ein Wunschkandidat sei.

Die Ethnologin Prof. Susanne Schröter kritisiert in der neuen Ausgabe des UniReport eine Deutung der sexuellen Angriffe auf Frauen in der Silvesternacht, in der die Bezüge zu muslimisch-konservativen Milieus verschwiegen werden. In der Februar-Ausgabe des UniReport hatte die Soziologin Prof. Kira Kosnick in ihrem Essay unter anderem kritisiert, dass religiöser Extremismus, Gewaltbereitschaft und patriarchale Unterdrückung von Frauen als „kulturelle Marker von Zugewanderten, aber auch von in Deutschland aufgewachsenen muslimischen Männern“ betrachtet werde. Nun antwortet Susanne Schröter: In ihrem Essay „Gewaltlegitimierende Gendernormen benennen“ betont sie, dass die Übergriffe in Köln eindeutig auf ähnliche Phänomene in der arabischen Welt verweisen, daher relativierende Vergleiche mit Sexismus auf dem Oktoberfest oder beim Karneval unpassend seien. Mit Blick auf den Essay Kosnicks sagt Schröter: „Forderungen nach einer Diskurspolizei, die das Aussprechen unliebsamer Tatsachen unter Rassismusverdacht stellt, spielt nur denjenigen in die Hände, denen die Gleichberechtigung der Geschlechter immer schon ein Dorn im Auge war.“

Die weiteren Themen in der April-Ausgabe des UniReport:

  • Netzwerke im Bahnhofsviertel: Soziologen haben die Verbindungen der vielen Kneipen, Restaurants und Geschäfte auf der Münchener Straße in Frankfurt untersucht.

  •  „Suchbegriffe sind wie ein Zauberwort“: Marketing-Experte Bernd Skiera über Werbung im Netz.

  • Gravitationswellen nachgewiesen: Der Physiker Luciano Rezzolla hat mit seinen Simulationen mit zur bahnbrechenden Entdeckung beigetragen.

  • Zika-Virus: Maßnahmen gegen das Virus sollten bei den übertragenden Mücken ansetzen, so der Tenor eines Perspektivengespräches beim House of Pharma & Healthcare.

  • Start ins Semester: Tipps, Erfahrungsberichte und umfassende Infos für die über 3.000 „Erstis“, die zum Sommersemester ein Studium an der Goethe-Universität aufnehmen.

Der UniReport 1/2016 steht zum kostenlosen Download bereit unter www.unireport.info/60820406 (pdf). Im neuen Online-Magazin „Goethe-Uni online“ werden darüber hinaus Beiträge des UniReport mit weiteren Texten, Fotos und Videos ergänzt: http://tinygu.de/UniReport

Veranstaltungen

Apr 7 2016
13:07

In der öffentlichen Vorlesungsreihe: „NatureCultures of Milk – KulturNaturen der Milch“ beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen aus unterschiedlichen feministischen Perspektiven mit der Thematik

„Gute Milch – schlechte Milch – gefährliche Milch“

FRANKFURT. Was ist eine gute Milch? Darüber stritten schon die Ärzte in der Antike. Was denken wir heute über Milch? Wie bedroht die weltweite Milchkrise 2015 die Existenz von fast 90 Millionen Inderinnen? Milch ist ein Thema, das ganz unterschiedliche, akademische und nicht-akademische Debatten und Wissenspraktiken aufruft: medizinische, agropolitische und postkoloniale Diskurse ebenso wie Fragen zu Tierhaltung, Nachhaltigkeit, kultureller Repräsentation, Geschlechter- und Speziesgerechtigkeit. Die Vortragsreihe des Cornelia Goethe Centrums an der Goethe-Universität verfolgt Wissenspraktiken und Wirkungsketten rund um das Thema Milch aus unterschiedlichen transdisziplinären Perspektiven.

Ziel der AG Wissenspraktiken und Wirkungsketten, einer interdisziplinären Forscherinnengruppe innerhalb des Cornelia Goethe Centrums, ist es, einen Paradigmenwechsel einzuleiten – von einer auf den Menschen konzentrierten Sichtweise hin zu einer „Multispecies-Perspective“. Dabei sollen auch die jeweiligen und interaktiven Dynamik aller biologischen, sozio-technischen und kulturellen Prozesse berücksichtigt werden. So wollen die Wissenschaftlerinnen die gängige Grenzziehung zwischen „Natur“ und „Kultur“ transdisziplinär in Frage stellen. Die öffentlichen Vorträge finden jeweils mittwochs von 18 bis 20 Uhr c.t. im PEG-Gebäude, Raum 1.G191, statt.

Die Vorträge im Überblick:

27. April
Deborah Valenze (Columbia University, New York): „Milk: A Lost Encounter with Population Pre-History”

Wie und was wir über Milch denken, beruht auf einer Vielzahl von tief verwurzelten Annahmen über Milchproduktion und Verzehr, deren Ursprung ins 18. Jahrhundert zurück reicht. Die Historikerin Deborah Valenze vom Barnard College der Columbia Universität wird in ihrem Vortrag anhand einer Begegnung des Bevölkerungstheoretikers Thomas Robert Malthus und norwegischen Rentierhirten Auffassungen zu Lebensmittelproduktion und Viehzucht am Ende des 18.Jahrhunderts beleuchten.

 

11. Mai
Sagari Ramdas (Secunderabad, Indien): „Resisting the Capitalist Global Patriarchal Agro-Industrial Dairy Systems: Women Leading the Challenge“

Die weltweite Milchkrise 2015, die einen massiven Rückgang der Preise für flüssige Milch und Magermilchpulver (SMP) auslöste, bedroht die Existenzgrundlage von 70 bis 90 Millionen Frauen in Indien. Sagari Ramdas, Veterinärwissenschaftlerin und Mitglied der indischen Food Sovereignty Alliance,beleuchtet in ihrem Vortrag u.a., wie sich Kleinbäuerinnen organisieren, um lokale Märkte zu erhalten und dabei gleichzeitig die Vorherrschaft sowohl von transnationalen Unternehmen aus dem Nahrungssektor als auch des sich zunehmend unternehmerisch verstehenden indischen Staates herausfordern.

25. Mai
Greta Gaard (University of Wisconsin-River Falls): „Critical Ecofeminism: On Milk Flora and Fauna“

Greta Gaard, Professorin für Anglistik und Koordinatorin der Fakultät für Nachhaltigkeit, wird in ihrem Vortrag Produktion, Verbrauch und den Prozess der Kommerzialisierung von Milch aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Spezies und Standpunkte hinterfragen. Dabei greift sie auf ihre früheren Forschungsarbeiten zu feministisch postkolonialen Milch Studien zurück. Unsere kulturell geprägten Vorstellungen von Lebensmitteln formen sowohl menschliche Identität wie ökologische Beziehungen.

8. Juni
Barbara Orland (Universität Basel): „Fluide und Eigensinnig: Biomaterialien in den Material Culture Studies“

Stoffe und Dinge erleben seit geraumer Zeit eine Renaissance in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Ausgehend vom Beispiel der Milch wird Barbara Orland, Privatdozentin für Wissenschaftsforschung/Wissenschaftsgeschichte, in ihrem Vortrag die Eigenheiten des Organischen analysieren und in Bezug auf den Gegenstandsbereich der Material Culture Studies erörtern.

22. Juni
Andrea Fink-Keßler (Kassel): „Gute Milch – schlechte Milch – gefährliche Milch: Streiten über Milchqualität(en) in Zeiten gesellschaftlichen Wandels“

Was eine gute Milch sei – darüber stritten schon die Ärzte der Antike. Am Beispiel des Stoffes „Milch“ wird die Agrarwissenschaftlerin Andrea Fink-Keßler, Leiterin des Büros für Agrar- und Regionalentwicklung in Kassel, die gesellschaftliche Bedingtheit des Qualitätsbegriffes aufzeigen sowie das Wechselspiel ökonomischer, wissenschaftlich-technischer, kultureller und rechtlicher Einflussfaktoren auf den Stoff „Milch“.

6. Juli
Susanne Bauer (University of Oslo), Birgit Blättel-Mink (Goethe-Universität), Diana Hummel (Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt), Verena Kuni (Goethe-Universität), Susanne Lettow (Freie Universität Berlin), Christine Löw (Hochschule Rhein-Waal), Susanne Opfermann (Goethe-Universität): „Milch, Macht und eine ‚Multispecies Perspective‘: Roundtable der AG Wissenspraktiken und Wirkungsketten. Transdisziplinäre Perspektiven auf NaturKulturen“

Die AG Wissenspraktiken und Wirkungsketten hat die Vortragsreihe konzipiert, um am Beispiel „Milch“ Facetten einer feministischen „Multispecies Perspective“ auf Natur-Kultur-Prozesse auszuloten. In der Roundtable Diskussion sollen die Erkenntnisse der Vortragsreihe zusammenfassend ausgewertet werden.

Informationen: Prof. Dr. Susanne Opfermann, Institut für England- & Amerikastudien, Campus Westend, Tel. 069/798-32362, opfermann@em.uni-frankfurt.de; Anna Krämer, Cornelia Goethe Centrums, Campus Westend, Tel. 069/798-35100, a.kraemer@em.uni-frankfurt.de; www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-lehre-kolloq.shtml

Forschung

Apr 6 2016
16:09

Frankfurter Astrophysiker finden Formel für die maximale Masse von Neutronensternen

Wann wird ein Neutronenstern zum Schwarzen Loch?

FRANKFURT. Neutronensterne, die Überreste verglühter Sterne, gehören zu den kompaktesten Objekten im Universum. Ihr starkes Gravitationsfeld zieht unweigerlich immer mehr Masse an. Doch diesem Prozess sind Grenzen gesetzt. Ist eine kritische Masse erreicht, kollabiert der Neutronenstern zu einem Schwarzen Loch. Wie groß die Masse maximal werden darf, war eine seit Jahrzehnten offene Frage. Astrophysiker der Goethe-Universität haben jetzt eine einfache Formel dafür gefunden.

Um den Kollaps hinauszuzögern, können Neutronensterne zu rotieren beginnen. So kann die Fliehkraft noch eine Weile die zunehmende Gravitationskraft kompensieren. Dabei muss sich der Stern umso schneller drehen, je mehr Masse er anhäuft, bis er schließlich auseinander bricht. Somit ist die absolute Obergrenze für die Masse eines Neutronensterns durch die maximale Masse bei schnellst-möglicher Rotation gegeben.

Diese Masse aus Grundprinzipien zu berechnen, ist nicht möglich, weil die Zustandsgleichung, die Auskunft über Temperatur- und Druckverhältnisse der Elemente im Stern gibt, unbekannt ist. Doch Astrophysiker der Goethe-Universität haben für dieses Problem eine elegante Lösung gefunden. Wie sie in den renommierten „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society” berichten, kann man die maximale Masse eines schnell rotierenden Neutronensterns aus der maximalen Masse der entsprechenden nicht-rotierenden Konfiguration ableiten.

„Es ist erstaunlich, dass ein komplexes System wie ein rotierender Neutronenstern durch eine so einfache Relation beschrieben werden kann“, erklärt Luciano Rezzolla, Professor für Theoretische Astrophysik an der Goethe-Universität. „Wir wissen jetzt, dass der Neutronenstern durch schnellst-mögliche Rotation höchstens 20 Prozent seiner maximalen nicht-rotierenden Masse zulegen kann“, erläutert er.

Die Wissenschaftler haben Zehntausende Modelle für Neutronensterne berechnet. Ausschlaggebend für ihre Entdeckung war, dass sie die Daten unter dem richtigen Blickwinkel betrachteten: Sie fanden eine Normierung, dank der sich die Neutronensterne unabhängig von ihrer Zustandsgleichung auf universelle Weise beschreiben lassen.

“Das Ergebnis lag direkt vor unserer Nase, aber wir mussten erst die richtige Perspektive wählen, um es zu sehen”, sagt Cosima Breu, Masterstudenitn an Institut für Theoretische Physik. Sie hat die Analyse im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit ausgeführt.

Das universelle Verhalten für die maximale Masse ist Teil einer größeren Klasse universeller Beziehungen, die kürzlich für Neutronensterne entdeckt wurden. In diesem Kontext haben Cosima Breu und Luciano Rezzolla auch eine vereinfachte Form gefunden, das Trägheitsmoment eines rotierenden Neutronensterns in Abhängigkeit von seiner Kompaktheit auszudrücken. Sobald es gelingt, Trägheitsmomente experimentell an binären Pulsaren zu messen, wird es mithilfe dieser neuen Methode möglich sein, deren Radius mit einer Genauigkeit von 10 Prozent oder weniger zu bestimmen. Pulsare sind schnell rotierende Neutronensternen, die entlang einer Achse hochenergetische elektromagnetische Strahlung (Gammastrahlung) aussenden. Auf diese Weise können sie mit Weltraumteleskopen geortet werden.

Das einfache, aber grundlegende Ergebnis eröffnet die Möglichkeit, künftig mehr universelle Beziehungen in rotierenden Sternen aufzuspüren. „Wir hoffen, noch mehr ähnlich aufregende Ergebnisse zu finden, wenn wir das weitgehend unerforschte Gebiet der differentiell rotierenden Neutronensterne erkunden. Bei diesen Sternen rotiert die Masse im Zentrum schneller als die Oberfläche“, schließt Rezzolla.

Publikation: Cosima Breu, Luciano Rezzolla: Maximum mass, moment of inertia and compactness of relativistic, in: Monthly Notices of the Royal Astronomical Society http://mnras.oxfordjournals.org/content/early/2016/03/14/mnras.stw575

Interview mit Cosima Breu und Luciano Rezzolla auf Goethe-Uni online: http://tinygu.de/Neutronensterne

Bildmaterial zum Download finden Sie hier: www.uni-frankfurt.de/60794123

 

Informationen: Prof. Luciano Rezzolla, Institut für Theoretische Physik, Campus Riedberg, Tel,: (069) 798 47871, rezzolla@th.physik.uni-frankfurt.de.

Veranstaltungen

Apr 5 2016
18:10

Unistart-Messe im Hörsaalzentrum: Birgitta Wolff und Peter Feldmann begrüßen die neuen Studierenden der Goethe-Universität.

Start ins Semester

FRANKFURT. Für knapp 3.000 Erstsemester beginnt das Studium mit einer Messe: Am Donnerstag, dem 7. April, stellen sich auf der unistart-Messe im Hörsaalzentrum zentrale Bereiche der Goethe-Universität und ausgewählte Partner bei den Studienanfängerinnen und -anfängern vor. Begrüßt werden die neuen Studierenden von Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff, dem Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Peter Feldmann, dem AStA-Vorstand sowie Vertreterinnen und Vertreter der Standorte der Goethe-Universität. Die unistart-Messe informiert die „Erstis“ über die umfangreichen und vielseitigen Angebote, wie etwa ein Auslandsstudium oder Sportmöglichkeiten und das Leben am Campus.

Medienvertreter sind herzlich eingeladen, sich einen Eindruck von der Veranstaltung zu verschaffen und ins Gespräch mit den neuen Studierenden zu kommen.

Programm:

13-16.00 Uhr: Messe im Foyer des Hörsaalzentrums + 1. OG/Campus Westend ab 13.30 Uhr: Zentrale Begrüßung der Studierenden, Raum HZ 2 ab 21.00 Uhr: Party im Casino für alle Erstsemester.

unistart ist eine Veranstaltung der Goethe-Universität Frankfurt, organisiert von der Tochtergesellschaft der Universität, CAMPUSERVICE; die unistart-Party wird von der Universität gemeinsam mit planet radio gestaltet.

Weitere Informationen unter http://www.uni-frankfurt.de/48430354/Programm

Forschung

Apr 5 2016
15:42

„Tag der körperlichen Aktivität“ am 6. April: Wissenschaft betont die Bedeutung von Sport und Bewegung im Alltag.

Jede Art von regelmäßiger Bewegung ist gesund

FRANKFURT. Regelmäßige Bewegung ist gesund: sie senkt das Risiko einer Vielzahl chronischer Erkrankungen, verbessert die Lebensqualität und das Wohlbefinden, verlangsamt altersbedingter Abbauprozesse und trägt zum Erhalt der Unabhängigkeit im Alter bei. Am 6. April feiert die Welt den Tag der körperlichen Aktivität. Die Idee stammt ursprünglich von der Weltgesundheitsversammlung, dem höchsten Entscheidungsorgan der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Delegierten haben 2002 die Mitgliedstaaten aufgerufen, einen Tag im Jahr zu etablieren, an dem die gesundheitsförderliche körperliche Aktivität gefeiert wird. Im gleichen Dokument forderten die Mitgliedstaaten die Generaldirektorin auf, eine globale Strategie für Ernährung, körperliche Aktivität und Gesundheit zu entwickeln.  Die globale Strategie sowie weitere Dokumente der WHO und EU wiederum fordern die einzelnen Länder auf, Bewegungsempfehlungen sowie Bewegungsförderungsstrategien auf nationaler Ebene zu erarbeiten und zu verabschieden.

Deutschland war eines der wenigen entwickelten Ländern Europas, welche bis dato keine nationalen Bewegungsempfehlungen und Bewegungsförderungsstrategien hatten. Das Bundesgesundheitsministerium hatte 2015 diese langanstehende Aufgabe in Rahmen eines wissenschaftlichen Projektes im Auftrag gegeben. Wissenschaftler der Abteilung Sportmedizin (Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer) am Institut für Sportwissenschaften haben gemeinsam mit Kollegen von fünf weiteren Universitäten in einem Konsortium die Dokumente erstellt, die vor kurzem im Ministerium in einem Arbeitsgruppentreffen vorgestellt wurden.

Die Erarbeitung und Verabschiedung der Empfehlungen haben einen hohen gesundheitspolitischen Wert: Das Thema Bewegung und Gesundheit ist nun endgültig ins Blickfeld des politischen und öffentlichen Interesses gerückt.

Die Bewegungsempfehlungen für Erwachsene und Ältere, d.h. Empfehlungen zum Umfang, zur Intensität und zur Art der gesundheitswirksamen Bewegung, basieren auf einer umfassenden Recherche und Analyse der entsprechenden Fachliteratur.  Wie die WHO Bewegungsempfehlung und die meisten Nationalen Bewegungsempfehlungen auch, empfiehlt auch das deutsche Dokument ungefähr 150 Minuten wöchentliche Bewegung, merkt aber an, dass auch schon weniger Aktivität deutliche Gesundheitsbenefits mit sich bringen kann. Wichtig ist auch, dass Bewegung nicht unbedingt intensiv sein muss, um die Gesundheit zu fördern. Moderate Intensität, d.h. ein Anstrengungsgrad, bei dem man sich während der Aktivität noch unterhalten kann, reicht auch aus.  Die Forscher sprechen heute auch nicht unbedingt vom „Sport“ oder „Training“, sondern propagieren alle Art der Bewegung.  Großen Stellenwert wird Bewegung im Alltag beigemessen, diese ist so gut wie jedem zugänglich, kostengünstig und erfordert weder speziellen Kenntnissen noch Ausrüstung. Man sollte versuchen, die sitzend verbrachte Zeit – ob bei der Arbeit, im Verkehr oder zuhause – zu verkürzen oder zumindest regelmäßig zu unterbrechen.

Weitere Informationen: Dr. Eszter Füzéki, Abteilung Sportmedizin, Goethe-Universität, (069) 798-24443, fuezeki@sport.uni-frankfurt.de

Veranstaltungen

Apr 1 2016
12:28

Veranstaltung des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität am 6. April um 19.30 Uhr in der Frankfurter Zentralbibliothek

David Graeber und Axel Honneth diskutieren über Bürokratie

FRANKFURT.Wahrscheinlich wünschen sich die meisten viel weniger Bürokratie – weniger Papierkram, weniger Vorschriften und weniger Anträge zur Erteilung eines Antragsformulars. Doch würde mit einem Abbau des Verwaltungsapparats auch gleich das soziale Machtgefälle weniger werden, oder braucht es, im Gegenteil, eine starke Administration, damit die Schwachen zu ihrem Recht kommen? Auch darum geht es in dem Gespräch zwischen David Graeber, Anthropologe an der London School of Economics und Autor des aktuellen Buches „Bürokratie – Die Utopie der Regeln“, und Axel Honneth, Sozialphilosoph an der Goethe-Universität und der Columbia-University, Direktor des Instituts für Sozialforschung Frankfurt sowie Mitglied des Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, der diese Diskussion ausrichtet. Sie findet am Mittwoch, 6. April, um 19.30 Uhr in der Frankfurter Zentralbibliothek statt.

„Dynamics of the Administered World – On the Diagnostic and Normative Relevance of a Contemporary Critique of Bureaucracy“, so lautet der Titel der öffentlichen Veranstaltung in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei (Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main).Sie findet in englischer Sprache statt, der Eintritt ist frei, eine Registrierung nicht erforderlich. Die Moderation liegt in den Händen von Rebecca Caroline Schmidt, Geschäftsführerin des geistes- und sozialwissenschaftlichen Exzellenzclusters mit Sitz an der Goethe-Universität. Das Buch David Graebers, das dem Gespräch mit Axel Honneth als Anlass und Ausgangspunkt dient, ist jetzt in deutscher Übersetzung erschienen. Die Originalausgabe aus dem Jahr 2015 heißt „The Utopia of Rules. On Technology, Stupidity, and the Secret Joys of Bureaucracy“.

David Graeber gilt als „Vater“ und „Galionsfigur“ der Occupy-Bewegung.Er ist Autor des Buches „Inside Occupy“ und des internationalen Bestsellers „Schulden. Die ersten 5000 Jahre“. Diese Studie fand vor allem in Deutschland höchstes Lob, so auch beim damaligen FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher, der Graeber einen „der führenden Köpfe seines Faches“ nannte. Mit seinem neuen Buch will der Anthropologe nach eigener Aussage ein „längst überfälliges Gespräch in Gang setzen“ über eine zeitgemäße, „linke Bürokratiekritik“. Dafür gelte es zunächst, mit dem vorherrschenden gesellschaftlichen Selbstverständnis aufzuräumen, nach dem die sogenannte Deregulierung und Ausdehnung von Märkten vermeintlich zum Abbau von Bürokratie geführt hätte: Das Gegenteil sei der Fall, nur habe uns die vorherrschende neoliberale Ideologie blind gemacht für diese Realität.

Um die Dynamiken der Bürokratisierung in den Blick zu bekommen, skizziert Graeber einen analytischen Rahmen, in dem Gewalt, Technologieentwicklung, Finanzialisierung, die Transformationen der Arbeitswelt sowie die Verschmelzung von Öffentlichem und Privatem in ihren systematischen Zusammenhängen erkennbar werden. Graebers Essay lässt sich dabei auch als Versuch der Aktualisierung eines ‚klassischen’ Topos der Kritischen Theorie verstehen – der Kritik der verwalteten Welt (Adorno) und des eindimensionalen Menschen (Marcuse) – deren gegenwärtige Bedeutung auch von seinem Gesprächspartner Axel Honneth immer wieder hervorgehoben wird, so auch in seinem Aufsatz „Pathologien der Vernunft“, enthalten in dem gleichnamigen Band mit dem Untertitel „Geschichte und Gegenwart der kritischen Theorie“.

Stärker als Graeber betont Honneth in seiner kritischenTheorie der Gesellschaft jedoch auch die zentrale Bedeutung, die Institutionen wie dem modernen Recht für die Entwicklung subjektiver Autonomie zukommt. Der von ihm geprägte normative Schlüsselbegriff der Sozialen Freiheit soll sich nicht gegen Institutionen richten, sondern vielmehr in diesen verwirklicht werden. Andererseits warnt auch Honneth vor zunehmender Bürokratisierung und mit dieser einhergehenden Pathologien. Wenn die mit Deregulierung und Sozialstaatsabbau versprochenen Freiheitsgewinne gleichzeitig neue Formen intensivierter sozialer Kontrolle mit sich bringen, könnte es sich um eine weitere Variante der normativen Paradoxien des modernen Kapitalismus handeln.

Wie also sind die Dynamiken der verwalteten Welt in der heutigen Zeit analytisch und normativ zu verstehen? Leben wir wirklich, wie Graeber behauptet, in einer Zeit der zunehmend totalen Bürokratisierung? Neben diesen zentralen Fragen stellen sich für das Gespräch vor allem auch die folgenden: Unterscheidet sich die moderne Bürokratie von der verwalteten Welt des 19. Jahrhunderts? Wie lässt sich ihre Beharrlichkeit und Verbreitung erklären? Was bedeutet Bürokratie für Beziehungen der Anerkennung, für soziale Gerechtigkeit und Freiheit? Und wären nicht-bürokratische Formen der Vergesellschaftung in pluralen und komplexen Gesellschaften wirklich möglich und wünschenswert?

Bevor David Graeber nach London ging, lehrte der gebürtige US-Amerikaner bis zum Jahr 2007 als Anthropologe in Yale. Zu seinen auf Deutsch erhältlichen Büchern gehört auch „Direkte Aktion. Ein Handbuch“ (2013). Die jüngsten Veröffentlichungen Axel Honneths umfassen „Das Recht der Freiheit“ (2011) und „Die Idee des Sozialismus“ (2015). Für „Die Idee des Sozialismus“ wurde Honneth der Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2015 zugesprochen. Die Preisverleihung findet am 18. April 2016 in Wien statt.

Kontakt: Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“: Rebecca Caroline Schmidt (Geschäftsführerin), Tel.: 069/798-31401, rebecca.schmidt@normativeorders.net; Bernd Frye (Pressereferent), Tel.: 069/798-31411, bernd.frye@normativeorders.net; www.normativeorders.net/de/